Herzwurm

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Herzwurm
Herzwürmer

Systematik
Klasse: Secernentea
Unterklasse: Spiruria
Ordnung: Spirurida
Überfamilie: Filarien (Filarioidea)
Familie: Onchocercidae
Gattung: Dirofilaria
Art: Herzwurm
Wissenschaftlicher Name
Dirofilaria immitis
(Leidy, 1856)

Der Herzwurm (Dirofilaria immitis), auch unter den Synonymen Filaria sanguinis und Dirofilaria louisianensis bekannt, zählt innerhalb der Familie Onchocercidae zur Gattung Dirofilaria. Im Englischen wird der Herzwurm heartworm genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der adulte Herzwurm ist lang und schlank und weist eine weiße Färbung auf. Das erwachsene Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 120,0 bis 180,0 Millimeter und eine Breite von etwa 700,0 bis 900,0 µm und hat einen spiralförmig, gewickelten, stumpfen Schwanz sowie kleine kaudale Ausstülpungen oder Fortsätze, die durch längliche Verdickungen der Kutikula gebildet werden. Die kaudalen Ausstülpungen kommen in der hinteren Region des Männchens vor. Des Weiteren zeigen sich fünf präanale und sechs postanale Papillenpaare. Ferner weist das Männchen ungleiche Spicula (männliche Kopulationsorgane) auf, die paarweise angeordnet kutikularisiert, dorsal zur Kloake liegen. Jedoch findet sich keine kaudale Bursa (paarige Hautlappen) beim Männchen, die zum Festhalten des Weibchens während der Kopulation dienen. Ferner ist auch kein Gubernakulum (Führung für die Spikula, sklerotisiertes Zusatzstück) vorhanden. Das erwachsene Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa 250,0 bis 300,0 Millimeter und eine Breite von etwa 1.000 bis 1.300 µm und weist eine Vulva auf, die sich in der Nähe am hinteren Ende des Oesophagus (Speiseröhre) befindet. Die Vulva (weiblicher Gonoporus) ist der äußerste Teil des weiblichen Geschlechtsapparates und erscheint meist als Querschlitz. Der Oesogaphus ist ein Teil des Verdauungstraktes zwischen der Mundhöhle oder dem Stoma und dem Beginn des Darmes. Der Querschnitt des Lumens ist triradiär in Ruhestellung. Die Quermuskulatur des Oesophagus öffnet das Lumen fast kreisrund und bewirkt den Saugvorgang. Der weibliche Herzwurm setzt Embryonen, die Mikrofilarien (=Embryostadien der Parasiten) genannt werden, im Blut ab, die zum Beispiel die adulte weibliche Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta) beim Blutsaugen aufnimmt.
Larve vom Herzwurm
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Larve vom Herzwurm
In der Mücke entwickeln sich die Mikrofilarien zu infektiösen Larven, die dann durch erneutes Blutsaugen bei Säugetieren und Vögeln mit dem Saugrüssel ins Blut übertragen werden. Die Mikrofilarien erreichen eine Körperlänge von etwa 290,0 bis 330,0 μm und eine Breite von etwa 5,0 bis 7,0 μm. Sie weisen einen geraden Schwanz auf. Am Schwanzende befindet dich jedoch kein Haken. <1>

Lebensweise

Der adulte Herzwurm siedelt in den Lungenarterien, in der rechten Herzkammer, in der Vena cava cranialis und in der Arteria pulmonalis von Hunden und anderen Caniden. Des Weiteren ist der adulte Herzwurm der Wirt von Frettchen, Seelöwen, Katzen und auch von Menschen. Der Herzwurm ist in der ganzen Welt verbreitet, vor allem in den Tropen und Subtropen. Ferner wurde der Herzwurm in 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika gefunden. Der Lebenszyklus ist indirekt. Die erwachsenen weiblichen Herzwürmer gebären Mikrofilarien im Zwischenwirt, die im Blut zirkulieren und von blutsaugenden Mücken aufgenommen werden. Die Entwicklungsstadien erfolgen in den Malpighischen Gefäßen (Ausstülpungen, die in den Verdauungstrakt zwischen Mitteldarm und Enddarm münden) der Mücke für etwa 15 bis 16 Tage (8 bis 10 Tage in den Tropen). Die Mikrofilarien entwickeln sich in der Leibeshöhle der Mücke zu Larven und wandern in den Brustkorb und in den Kopf und konzentrieren sich im Hohlraum der Labia oder in den cephalischen Bereichen des Kopfes. Die infektiösen Larven dringen beim Blutsaugen in die Haut des Endwirtes ein und werden somit übertragen. Die weitere Entwicklung erfolgt in der tiefen Faszie (Weichteil des Bindegewebes) und möglicherweise auch im subkutanen Gewebe, in den inneren Organen oder in den Lymphgefäßen. Nach drei bis vier Monaten gelangen die jungen erwachsenen Würmer in die Lunge. Die Präpatentperiode beträgt sechs bis acht Monate. Die Präpatentperiode ist die Zeitspanne vom Eindringen infektionsfähiger Parasitenstadien (=Infektion) in einen Endwirt bis zum Auftreten der Fortpflanzungsprodukte des Parasiten (zum Beispiel Eier, Larven, Oozysten) in den Körperausscheidungen des Wirtes. <2> <3>

Verbreitung

Wölfe (Canis lupus)
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Wölfe (Canis lupus)

Der Herzwurm wird vor allem durch blutsaugende weibliche Stechmücken verschiedener Gattungen wie zum Beispiel Stegomyia, Asiatische Tigermücke (Stegomyia albopicta), Malariamücken (Anopheles), Gambische Malariamücke (Anopheles gambiae) und Culex, Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) übertragen und ist in mediterranen Ländern, Italien (insbesondere in der Po-Ebene), Spanien, Süd-Frankreich, auf Mallorca, Sardinien, Sizilien und den Kanarischen Inseln weit verbreitet. Auch verschiedene Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika sowie Nord- und Südamerika sind davon betroffen. Des Weiteren findet der Herzwurm seine Verbreitung in Indien, China, Japan und in Australien. Der Herzwurm ist in vielen tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen der Welt, besonders in feuchten Gebieten und in Flusstälern vertreten. Zwischenwirte können verschiedene Arten von Stechmücken aus den Gattungen Aedes, Anopholes und Culex sein. Der primäre Endwirt vom Herzwurm ist der Hund (Canidae). Jedoch zählen zu den anomalen Endwirten auch Katzen (Felidae) (erzeugt ein anderes Syndrom als bei den Hunden), Füchse (Vulpes vulpes), Kojoten (Canis latrans), Wölfe (Canis lupus), Seelöwen (Zalophus californianus), Seehunde (Phoca vitulina), Frettchen (Mustela putorius furo), Pferde (Equidae), Bären (Ursidae), Waschbären (Procyon), Vielfraße (Gulo gulo), Bisamratten (Ondatra zibethicus) und die Kleinen Pandas (Ailurus fulgens). Auch Menschen können befallen werden, jedoch wachsen die Larven nicht als Erwachsene in den Menschen heran. <4>

Ernährung

Während der Entwicklung ernähren sich die Larven von den Zellen der Malpighischen Gefäße im Zwischenwirt. Die adulten Herzwürmer ernähren sich von den Nährstoffen im Blutkreislauf des Hundes oder eines anderen Wirtes. Die Pharyngeal-Drüsen und die Darmepithelien produzieren Verdauungsenzyme, die als Körperflüssigkeit vom Herzwurm aufgenommen werden. Die extrazelluläre Verdauung beginnt im Lumen (das Innere von Hohlorganen) und endet intrazellulär.

Fortpflanzung

Das Weibchen produziert Pheromone, um so das Männchen anzulocken. Das Männchen hat einen charakteristisch gebogenen Schwanz, den er über die weibliche Geschlechtsöffnung spult. Ferner weist das Männchen ungleiche Spicula (männliche Kopulationsorgane) auf, die paarweise angeordnet kutikularisiert, dorsal zur Kloake liegen. Jedoch findet sich keine kaudale Bursa (paarige Hautlappen) beim Männchen, die zum Festhalten des Weichens während der Kopulation dienen. Ferner ist auch kein Gubernakulum (Führung für die Spikula, sklerotisiertes Zusatzstück) vorhanden. Nach der Kopulation werden die Mikrofilarien geboren. Eine Stechmücke nimmt die Mikrofilarien (erste Stufe juvenil, L1) nach einer Blutmahlzeit von einem Hund oder einem anderen infizierten Wirt auf. Im ersten Larvenstadium (L1) entwickeln sich die Larven zum zweiten Larvenstadium (L2) in den Malpighischen Gefäßen. Dann entwickeln sich die Larven zum dritten Larvenstadium (L3) und gelangen danach in die Leibeshöhle (Hämocoel). Die Entwicklung der Mikrofilarien im dritten Larvenstadium dauert etwa 15 bis 16 Tage. Im dritten Larvenstadium strömen sie in einen Hämolymphen-Pool und konzentrieren sich dort. Beim nächsten Blutsaugen der Stechmücke gelangen sie im dritten Larvenstadium (L3) über das Labium in den Endwirt, in der Regel ist es ein Hund. Nach der Infektion wechseln die Larven im Endwirt dann vom dritten Larvenstadium in das vierte Larvenstadium (L4). Im vierten Larvenstadium (L4) wandern sie zur submuskulären Membran und zum subkutanen Gewebe und ruhen dort. Im fünften Larvenstadium (L5) häuten sie sich und wandern dann durch die kleinen Venenwände und am Ende bis zum rechten Ventrikel und bis zu den pulmonalen Arterien des Endwirtes. Im fünften Larvenstadium reifen sie dann zu Erwachsenen heran, die sich innerhalb von 85 bis 120 Tagen weiter in der rechten Herzkammer oder in den Lungenarterien ausbreiten. Nach weiteren zwei Monaten haben sie die Gechlechtsreife erreicht und reproduzieren Mikrofilarien im Blut und der Zyklus beginnt wieder von vorn. Die Erwachsenen können bis zu 7 Jahre in der rechten Herzkammer oder in den Arterien verweilen. Die Mikrofilarien können im Blutkreislauf der Mücke bis zu 2 Jahre bleiben. Beim Menschen erreichen die Parasiten das adulte Stadium nicht und bleiben im Larvenstadium. Es sind auch keine Mikrofilarien im Blut des Menschen vorhanden, weil die Parasiten sich nie vollständig entwickeln können. <5> <6>

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] [2] David G. Baker: Flynn's Parasites of Laboratory Animals. Verlag: Blackwell Pub Professional; Auflage: Revised. (4. Juni 2007). ISBN 081381202X
  • [3] Walter Busch, Wolfgang Methling, Werner M. Amselgruber: Tiergesundheits- und Tierkrankheitslehre. Verlag: Parey Bei Mvs; Auflage: 1., Aufl. (19. November 2003). ISBN 3830440928
  • [4] Nikola Pantchev: Praktische Parasitologie bei Heimtieren: Kleinsäuger - Vögel - Reptilien - Bienen. Verlag: Schlütersche; Auflage: 1 (21. November 2005). ISBN 3899930177
  • [5] A. Muro, C. Genchi, M. Cordero, F. Simon. Human Dirofilariosis in the European Union. Parasitology Today 15, 386-389, 1999.
  • [6] E. J. L. Soulsby: Helminths, Arthropods and Protozoa of Domestic Animals. Publisher: Williams & Wilkins; 7th edition (January 1983). ISBN 0812107802
  • Ake Sandhall, übersetzt von Dr. Wolfgang Dierl: BLV Bestimmungsbuch 15. Insekten und Weichtiere. Niedere Tiere und ihre Lebensräume-Gliedertiere, Würmer, Nesseltiere, Weichtiere, Einzeller. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich 1984. ISBN 3-405-11390-3
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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