Blauer Morphofalter

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Blauer Morphofalter
Oberseite der Flügel

Taxonomie
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Unterordnung: Glossata
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
Tribus: Morphini
Gattung: Morpho
Art: Blauer Morphofalter
Wissenschaftlicher Name
Morpho peleides
Kollar, 1850

Der Blaue Morphofalter (Morpho peleides), auch unter dem Synonym Papilio peleides sowie unter der Bezeichnung Himmelsfalter bekannt, zählt innerhalb der Familie der Edelfalter (Nymphalidae) zur Gattung Morpho. Im Englischen wird der Blaue Morphofalter peleides blue morpho, common morpho oder the emperor genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Blaue Morphofalter erreicht eine Spannweite von etwa 95,0 bis 120,0 Millimeter. Im Laufe der Evolution haben die Männchen vieler Morphofalterarten zu Balzzwecken prächtigste Flügelfärbungen entwickelt. Der Blaue Morphofalter ist für seine leuchtendblaue Oberseite seiner Flügel berühmt und ist so auch leicht in Schluchten und auf offenen Wegen und Pfaden in den Regenwäldern zu sehen. Die strahlend blaue Farbe der Flügel wird durch die Beugung des Lichts von Millionen von winzigen Schuppen auf den Flügeln verursacht. Erst vor kurzem ist es Physikern gelungen, das Geheimnis der intensiven Blaufärbung der Flügel zu lüften. Anfang war ihre Verwunderung groß, als sie feststellten, dass die Flügel keine Pigmente enthalten, die für die blauen Farbtöne verantwortlich sein könnten. Stattdessen handelt es sich um sogenannte Strukturfarben, die nicht durch Farbstoffe, sondern durch Nano-Strukturen auf der Flügeloberfläche entstehen. Die Flügel der Morphofalter sind mit regelmäßig angeordneten Schuppen aus Chitin bedeckt.
Blauer Morphofalter - Unterseite der Flügel
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Blauer Morphofalter - Unterseite der Flügel
Die Schuppen einer bestimmten Schicht sind bei ihnen nicht glatt, sondern geriffelt. Elektronenmikroskopische Untersuchungen haben ergeben, dass die einzelnen Rillen aus Chitin-Strukturen bestehen, die wie lange Reihen winziger Tannenbäumchen nach oben stehen. Jedes Bäumchen besitzt mehrere Astreihen aus Chitin-Lamellen, zwischen denen sich Luft befindet. Das auf den Flügel treffende Sonnenlicht wird von den Chitin-Ästchen gebrochen und als Licht verschiedenster Wellenlängen reflektiert. Nun kommt es zu einem optischen Interferenzeffekt: Die von den zahllosen Lamellen reflektierten Lichtwellenzüge löschen sich größtenteils aus, da sich Wellentäler und Wellenberge gegenseitig überlagern. Einzig beim blauen Licht verstärken sich die reflektierten Wellenzüge gegenseitig, weil hier Wellenberg auf Wellenberg und Wellental auf Wellental fällt. Je mehr Astreihen die Chitin-Bäumchen aufweisen, desto stärker ist die Interferenz und damit die Intensität des Blaus. <1>

Lebensweise

Der atemberaubende Blaue Morphofalter ist der auffälligste und bekannteste Regenwald-Schmetterling. Sein schneller unregelmäßiger Flug und die irisierenden blauen Flügel erzeugen brillante blaue Farbblitze inmitten der üppigen Regenwald-Vegetation. Der Blaue Morphofalter ist häufig auf Waldwegen sowie auf Kaffee- und Bananen-Plantagen sowie entlang der Waldränder im Flachland und in den mittleren Höhenlagen der karibischen und pazifischen Bergregionen zu beobachten. Die meisten Erwachsenen in der karibischen Tiefebene weisen ein irisierendes Blau auf der doralen Oberfläche der Flügel auf. Im südlichen pazifischen Flachland haben sie mehr Braun auf den Flügeln und einige im mittleren Flachland sind fast alle braun gefärbt. Neben dem Blauen Morphofalter gibt es noch fünf weitere Morphofalter in dem Land, darunter auch eine weiß gefärbte Art. Es wird angenommen, dass die irisierenden blauen Flügel mit der kontrastierenden braunen Farbe auf der Unterseite der Flügel als eine wirksame Verteidigung gegen räuberische Vögel ist. Denn die Morphofalter weisen einen schnellen, unregelmäßigen Zick-Zack-Flug auf, so dass der Falter schwer zu verfolgen ist.
Blauer Morphofalter - Raupe
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Blauer Morphofalter - Raupe
Aufgrund dieser Flug-Strategie haben die Morphofalter auch keine Giftstoffe in ihrem Körper wie die Heliconius-Schmetterlinge. Jedoch hat auch der Blaue Morphofalter natürliche Feinde zu befürchten, wie zum Beispiel der Rotschwanz-Glanzvogel (Galbula ruficauda) und die großen Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Die Morpho-Falter ernähren sich nicht vom Blütennektar oder von Blütenpollen, sondern von faulenden Früchten wie Bananen und von den Säften der Baumrinde und von Reben. Die Eier werden einzeln auf den Pflanzen der Regenwälder abgelegt, wie Mucuna-Reben und auf den Pflanzen aus der Gattung Pterocarpus, Lonchocarpus, Machearium, Platymiscium, Andira, Heteropteris, Swartzia und Dalbergia. Die geschlüpften Raupen weisen eine rotbraune Färbung und sind mit hellgrünen oder gelben Flecken besetzt. Der gesamte Lebenszyklus vom Ei bis zum voll entwickelten Falter dauert nur 115 Tage. Die Morpho-Falter kann man in folgenden Gebieten beobachten: Tortuguero NP, La Selva Biological Station, Braulio Carrillo NP und La Virgen del Socorro in der karibischen und pazifischen Bergregion, Carara und Tapanti NPs, Monteverde, Corcovado NP (einschließlich Sirena Biological Station), Corvovado Lodge, Tent Camp, Tiscita Jungle Lodge und Wilson Botanical Garden in San Vito. <2>
Blauer Morphofalter - Puppen
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Blauer Morphofalter - Puppen

Unterarten

  • Morpho peleides peleides - Kollar, 1850
  • Morpho peleides corydon - Guenée, 1859
  • Morpho peleides limpida - Butler, 1872
  • Morpho peleides montezuma - Guenée, 1859

Verbreitung

Der Blaue Morphofalter ist in Mexiko, Mittelamerika, Nord- und Südamerika, Paraguay und Trinidad sowie in Venezuela und Kolumbien weit verbreitet und hält sich in den Regenwäldern auf. In Brasilien ist der Blaue Morphofalter in den Tieflandwäldern zu beobachten.

Ernährung

Die Raupen halten sich auf folgenden Nahrungspflanzen auf: Hülsenfrüchtler (Fabaceae) wie Erdnuss (Arachis hypogaea), Dioclea wilsonii, Mimosengewächse (Mimosoideae), Schmetterlingsblütler (Faboideae), Machaerium cobanense, Machaerium salvadorense, Machaerium seemannii, Luzerne (Medicago sativa), Mucuna mutisiana, Mimosengewächse (Mimosoideae), Pterocarpus rohrii und Mucuna urens sowie Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae) wie Paragonia pyramidata.
Blauer Morphofalter bei der Paarung
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Blauer Morphofalter bei der Paarung
Der Blaue Morphofalter ernährt sich von verfaulten Früchten wie zum Beispiel Bananen und saugt die Säfte der Baumrinde oder der Reben auf. Die Rüsselspitze vom Blauen Morphofalter weist bei der Flüssigkeitsaufnahme von einer feuchten Oberfläche mit der Oberseite nach unten.

Fortpflanzung

Der gesamte Lebenszyklus spielt sich fern des Erdbodens ab. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier einzeln auf den Pflanzen des Regenwaldes ab, darunter zählen unter anderem die Mucuna-Reben und die Pflanzen aus der Gattung Pterocarpus, Lonchocarpus, Machearium, Platymiscium, Andira, Heteropteris, Swartzia und Dalbergia. Die geschlüpften Raupen sind sehr schlank und weisen eine rotbraune Färbung auf und sind mit hellgrünen oder gelben Flecken besetzt. Die Raupen wachsen schnell heran und häuten sich fünfmal, ehe sie sich verpuppen. Die hellgrün oder dunkelgrün gefärbten Puppen besitzen am hinteren Ende einen mit Dornen versehenen Vorsprung, mit dem sie sich an einen Zweig heften und sich anschließend kopfüber nach unten hängen, man bezeichnet sie auch als Stürzpuppen. Der gesamte Lebenszyklus vom Ei bis zum voll entwickelten Falter dauert nur 115 Tage.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] Atlantica Tierparadiese unserer Erde 01. Regenwälder: BD 1 von Beate Varnhorn von Bertelsmann Lexikon Verlag (Gebundene Ausgabe - September 2008) ISBN 3577077018
  • [2] Field Guide to the Wildlife of Costa Rica (Corrie Herring Hooks). Taschenbuch. Carrol L. Henderson (Fotograf) und Alexander F. Skutch (Künstler). Verlag: University of Texas Press (1. Mai 2002) ISBN 029273459X
  • Die andere Seite der Biologie: Beiträge zu einer morphologischen Naturerfassung in Erinnerung an den Jesuitenbiologen Adolf Haas (1914 - 1982) von Christian Kummer von Books on Demand Gmbh (Taschenbuch - 2003) ISBN 3833004754
  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Kosmos, 2003 ISBN 3440093301
  • Leon Rogez: Schmetterlinge und Raupen. Ensslin im Arena Verlag, 2006 ISBN 3401452541
  • Thomas Ruckstuhl: Schmetterlinge und Raupen. Gondrom Verlag, 2001 ISBN 3401452541
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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