Hirsche

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Hirsche
Rothirsch (Cervus elaphus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche
Wissenschaftlicher Name
Cervidae
Goldfuss, 1820

Hirsche (Cervidae) zählt innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) zur Unterordnung der Wiederkäuer (Ruminantia). In der Familie werden 4 Unterfamilien und 16 Gattungen je nach Autor um die 45 rezente Arten geführt. Hirsche werden in die Unterfamilien Muntjaks (Muntiacinae), Wasserrehe (Hydropotinae), Trughirsche (Odocoileinae) und Echte Hirsche (Cervinae) eingeteilt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Hirsche sind durch fossile Funde seit der mittleren Tertiär bekannt und weisen somit ein Alter von gut 20 Millionen Jahren auf. Die ältesten Funde stammen dabei aus den tropischen Regionen. Bei den Tieren handelte es sich um kleine Arten mit großen hauerartigen Eckzähnen. Die ersten Arten mit Geweihen tauchten vor 20 Millionen Jahren im frühen Miozän auf. Die Geweihe entwickelten sich parallel zu den Hauern, die im Verlaufe der Entwicklung, als die Geweihe immer größer wurden, verschwanden. Ab dem mittleren bis späten Miozän lässt sich eine Verbindung zwischen Geweihgröße und Klima herstellen. Denn als die Hirsche sich begannen, an das rauere Klima zu gewöhnen, wurden die Geweihe größer. Dies ist auch heute noch so, denn die Arten mit den kleinen und einfachen Geweihen sind ausschließlich in den Tropen zu finden. Die Arten mit den größten Geweihen stammen aus subarktischen, alpinen und periglazialen (Periglazial: unvergletscherte Gebiete mit ständig gefrorenem Unterboden) Regionen, insbesondere aus dem Pleistozän. Das Verhältnis zwischen Geweihgröße und Klima entspricht auch der heutigen Verbreitung der Arten.

Im frühen Pliozän, also vor rund 5 Millionen Jahren, schuf die zunehmende Vergletscherung immer mehr und vor allem bessere Lebensräume. Gestein wurde von den Gletschern zerrieben und verwandelte sich im Laufe der Zeit in fruchtbare Erde. Diese Erde wurde vor allem durch Wasser und Wind fort getragen und somit weit verbreitet. Hirsche lebten damals vor allem in nährstoffreichen, unreifen Ökosystemen und die Ausbreitung der Arten wurde durch die ökologischen Umwälzungen der Eiszeiten begünstigt. Hirsche mit großen Geweihen tauchten vor allem während der großen Eiszeiten im späten Pliozän und im Pleistozän auf. Der bekannteste Vertreter der Hirsche während der pleistozänen Fauna war der Riesenhirsch (Megaloceros giganteus). Die meisten Arten starben nach der letzten großen Eiszeit aus. Zu den rezenten Arten aus dieser Zeit zählen heute in Europa nur noch die Damhirsche (Dama).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Elch (Alces alces)
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Elch (Alces alces)

Hirsche weisen einen lang gestreckten Körper, lange grazile Beine, einen schlanken Hals, einen eckigen, großen Kopf und einen eher kleinen Schwanz auf. Sie erreichen je nach Art eine Körperlänge von 38 bis 230 Zentimeter sowie ein Gewicht von 8 bis 800 Kilogramm. Die kleinste Art ist der Südliche Pudu (Pudu puda), die mit Abstand größte Art ist der Elch (Alces alces). Das Fell ist meist gräulich bis graubraun, bräunlich bis rotbraun oder mit verschiedenen Gelbschattierungen. Bei zahlreichen Arten sind die Kitze zur Tarnung hell getupft. Die Beine und das ventrale Fell sind in der Regel heller gefärbt. Saisonal kommt es bei Arten in gemäßigten bis subarktischen Verbreitungsgebieten zu Farbvariationen. Im Winter ist das Fell immer mehr gräulich als bräunlich. Die meist großen Augen liegen seitlich am Schäden. Die Ohren, die eine trichterartige bis leicht ovale Form aufweisen, liegen im hinteren Bereich des Kopfes.

Geweihe

Hirsche unterscheiden sich von anderen Wiederkäuern insbesondere durch ihr Geweih. Es besteht aus Knochensubstanz und wird jährlich abgeworfen. Der Wachstumsprozess erfordert einen hohen Nährstoff- und Energieaufwand für die Tiere. Bei den Arten ist ein allometrisch (Allometrie von griechisch allos "anders", metrie "messen") wachsendes Geweih zu beobachten: je größer eine Art, desto größer auch das Geweih. Das größte Geweih der rezenten Arten weist der Elch (Alces alces) auf.
Wasserreh (Hydropotes inermis)
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Wasserreh (Hydropotes inermis)
Es kann eine Spannweite von 200 Zentimeter und ein Gewicht von mehr als 30 Kilogramm aufweisen. Noch imposanter war das Geweih des Riesenhirsches (Megaloceros giganteus). Es wies eine Spannweite von gut 400 Zentimeter auf. Die Geweihe bestehen aus einzelnen Stangen und sind auf Knochenzapfen im Bereich des Stirnbeins gelagert. Das Wachstum der Geweihe wird durch bestimmte Hormone ausgelöst. Die Bildung der Geweihe erfolgt in der Regel in den Sommermonaten. Es entsteht unter einer kräftig durchbluteten Hautschicht, die auch Bast genannt wird. Bei den großen Arten wie den Elchen ist das Wachstum der Geweihe nach etwa 140 Tagen abgeschlossen. Das Geweih wächst beim Elch zwischen 2 und 2,5 cm am Tag. Zu diesen Zeitpunkt verkalkt das Geweih. Im folgenden trocknet der Bast aus und beginnt aufzubrechen. Men geht davon aus, dass dieser Vorgang durch den Ausstoß von Geschlechtshormonen in Gang gesetzt wird. Die Tiere reiben ihr Geweih an Ästen und ähnlichem, um sich des Bastes zu entledigen. Die Bildung des Geweihes ist ein durchaus komplexer Vorgang und unterscheidet sich je nach Art. Nach der Paarungszeit führt die Abnahme der Hormonbildung zum Abwurf des Geweihes. Spezielle Zellen lösen dabei das Knochengewebe an der Geweihbasis auf. Im folgenden lockern sich die Stangen und fallen am Ende ab. Unmittelbar nach dem Abwurf beginnt die Neubildung des Geweihes.

Die tropischen Arten der Hirsche bilden in der Regel nur kleine Spieße oder Knöpfe aus. Das Wasserreh (Hydropotes inermis) ist die einzige Hirschart, die überhaupt kein Geweih ausbildet. Wasserrehe und Muntjaks (Muntiacinae) bilden Eckzähne aus, die den Tieren als Waffe der Verteidigung dienen. Die Eckzähne gelten als urtümliches Merkmal, das bereits bei den frühen Hirschen vor 30 Millionen Jahren vorhanden war. Die säbelartigen Eckzähne sind ein markantes Merkmal einzelgängerisch und territorial lebender Hirscharten. Muntjaks bilden zudem nur sehr kleine Geweihe aus.

Geweihe scheinen nicht dafür wichtig zu sein, um damit Kämpfe auszutragen, sondern weil Weibchen Wert darauf legen, dass ihr Nachwuchs schneller selbständig wird. Das macht auch Sinn, denn bei fast allen, bleiben Kitze in den ersten Lebenswochen alleine in einem Versteck zurück, während die Mutter auf Nahrungssuche geht. Da dies jedoch im offenen Gelände nur schwerlich möglich ist, bevorzugen Hirsche meist Wälder oder Landschaften mit ausreichender Deckung. Ausladende Geweihe sind ein Indiz dafür, dass ein Männchen gute Gene besitzt.
Starb vor 9.500 Jahren aus: der Riesenhirsch (Megaloceros giganteus)
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Starb vor 9.500 Jahren aus: der Riesenhirsch (Megaloceros giganteus)
Diese Männchen werden von den Weibchen bevorzugt. Untersuchungen haben ergeben, dass es tatsächlich eine Verbindung zwischen der Geweih- und Geburtsgröße sowie der Nahrhaftigkeit der Muttermilch gibt. Die Arten mit den größten Geweihen, den größten Jungtieren und der nahrhaftesten Milch gehören auch zu den schnellsten Läufern. Diese Vermutung wird bestätigt, wenn man bedenkt, dass die ausgestorbene Art mit dem größten Geweih, der Riesenhirsch (Megaloceros giganteus), auch der schnellste aller Hirscharten war.

Lebensweise

Hirsche nutzen ihr Geweih zum einen dem Kräftemessen und zum anderem im Rivalenkampf. Die ritualisierten Gefechte folgen dabei festen Regeln. Sie dienen im Wesentlichen dazu, ohne ernsthafte Verletzungen das stärkte Tier zu ermitteln. Sind die Geweihe ineinander verhakt, so versucht jeder Konkurrent den anderen den Kampf durch die eigene körperlichen Überlegenheit zu gewinnen. Zu Verletzungen kommt es dabei nur sehr selten. Meist fordert das stärkste Männchen ein deutlich schwächeres Männchen heraus. Durch diese Scheingefechte entstehen mitunter auch Freundschaften unter den Männchen. Nicht selten teilen sie nach den Gefechten Rast- und Futterplätze. Eine Ausnahme bilden hier nur die einzelgängerisch lebenden Arten. Bei den Muntjaks kommt es oft zu Allianzen, bei denen sich ein dominantes Männchen mit mehreren schwächeren Männchen zusammenschließt, um ein gemeinsames Revier zu verteidigen. Ein ähnliches Verhalten ist auch bei den Weißwedelhirschen (Odocoileus virginianus) zu beobachten. Bei ihnen helfen schwächere Männchen einem überlegenen Männchen eine Herde mit Weibchen zu beschützen. Paarungsberechtigt ist jedoch nur das dominante Männchen. Ist das dominante Männchen überfordert, so kann es durchaus sein, dass auch die schwächeren Männchen zu einer Paarung kommen. Die Rivalenkämpfe sind die Männchen offenbar angeboren, da es selbst unter geweihlosen Jungtieren zu Scheingefechten kommt.

Weißwedelhirsches (Odocoileus virginianus)
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Weißwedelhirsches (Odocoileus virginianus)
Das Leben in den Herden bietet Hirschen zahlreiche Vorteile. Vor allem der Schutz vor Fleischfressern ist in Gruppen hervorzuheben. Bei Arten, in denen beide Geschlechter in einer Herde leben, bilden auch die Weibchen Geweihe aus, da sie mit den Männchen um Nahrung konkurrieren. Dies ist beispielsweise bei Rentieren (Rangifer tarandus) der Fall. Weibliche Rentiere müssen sich beim Kampf um die besten Futterplätze vor Männchen und männlichen Jährlingen verteidigen. Bei den Unterarten der Rentiere, die in Wäldern leben, haben die Weibchen hingegen keine Geweihe, da sie im Winter die Nahrung in Form von Flechten von den Bäumen schälen. Hier kommt es deutlich seltener zur Konkurrenz mit den Männchen. Wapiti (Cervus canadensis) leben überwiegend im offenen Gelände. Die Geschlechter ähneln sich dabei und Weibchen bilden subkutane Hörnchen oder kleine Geweihe aus.

Die Reviermarkierung erfolgt bei Muntjaks (Muntiacinae) mit einem Sekret aus glandulären Drüsen im Gesichtsfeld. Dabei werden einzelne Äste oder Grashalme markiert. Die Sekrete enthalten Pheromone, die von Artgenossen bereits über beträchtliche Entfernung wahrgenommen werden können. Bei den Schopfhirschen (Elaphodus cephalophus) geben die Tiere bei Gefahr oder zur Reviermarkierung bellende Laute von sich. Hirsche sind erstaunlich schnelle Läufer. In offenem Gelände können beispielsweise Weißwedelhirsche (Odocoileus virginianus) eine erstaunliche Fluchtgeschwindigkeit von über 45 Kilometer pro Stunde erreichen.

Verbreitung

Hirsche kommen in Nord- und Südamerika sowie in Europa und Asien vor. In Afrika fehlen Hirsche völlig, in Australien wurden sie eingeführt. Aufgrund dieser Verteilung lassen sich Hirsche grob in Neuwelt- und Altwelthirsche einteilen. Die europäischen Altwelthirsche wanderten im Pleistozän aus Asien ein. Die Neuwelthirsche traten im späten Tertiär vor gut 5 Millionen Jahren erstmals in Erscheinung. Bei den Altwelthirschen sind von der zweiten und fünften Zehe nur die oberen Enden der Mittelhandknochen erhalten, bei den Neuwelthirschen nur die unteren. Weitere Unterschiede zeigen sich auch beim Geweihabwurf. Je nach Verbreitungsgebiet werden neben Waldgebieten auch Grasland, die arktische Tundra und Bergregionen besiedelt.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der asiatischen Hircharten zählen je nach Art und Verbreitungsgebiet insbesondere Raubtiere (Carnivora) wie der Tiger (Panthera tigris), der Rothund (Cuon alpinus) und der Leopard (Panthera pardus). Jungtiere werden zudem von Rohrkatzen (Felis chaus) oder Goldschakalen (Canis aureus) gerissen. Europäische Arten haben nur wenige natürliche Fressfeinde. Allenfalls Wölfe (Canis lupus) und Braunbären (Ursus arctos) können einem ausgewachsenen Hirsch gefährlich werden. Jungtiere fallen gelegentlich den Luchsen (Lynx Lynx) oder Rotfüchsen (Vulpes vulpes) zum Opfer.

In Nord- und Südamerika stellen der Jaguar (Panthera onca) und der Puma (Puma concolor) den Hirschen nach. Jungtiere können gelegentlich auch vom Ozelot (Leopardus pardalis), dem Tayra (Eira barbara) oder größeren Adlern gerissen werden. In den nördlichen Regionen gehören zweifellos Wölfe (Canis lupus) und Kojoten (Canis latrans) sowie größere Bären (Ursidae) zu den wichtigsten Fleischfressern. Die Erkennung von Gefahren erfolgt hauptsächlich über den Sehsinn und das Gehör. Beide Sinne gelten als hoch entwickelt.

Ernährung

Hirsche ernähren sich als reine Pflanzenfresser meist von leicht verdaulicher Kost wie junge Triebe und Blätter, Kräuter und Gräser, Schösslinge, Flechten sowie Früchte und Pilze. Die meisten Arten verfügen nur über einen kleinen Pansen, der auf eine schnelle Verdauung ausgelegt ist. Arten wie der Axishirsch (Axis axis) bevorzugen eher frische Gräser. In Anpassung an diese Nahrung haben die Tiere stetig wachsende Molaren entwickelt. Stark faserhaltige Nahrung wird von keiner Art zu sich genommen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Hirsche je nach Art mit 6 bis 24 Monaten. Wasserrehe sind bereits im Alter von 6 bis 8 Monaten geschlechtsreif. Größere Arten wie beispielsweise Weißwedelhirsche benötigen bis zu 2 Jahren für die Erlangung der Geschlechtsreife. In den tropischen und subtropischen Regionen Asiens und Südamerikas erstreckt sich die Paarungszeit über das ganze Jahr, wobei es zu den meisten Geburten während der Regenzeit kommt. Die Paarungszeit der Arten in gemäßigten bis subarktischen Regionen erstreckt sich über den späten Herbst und kann sich bis in den Winter hinein erstrecken (Oktober bis Dezember).
Jungtier eines Weißwedelhirsches (Odocoileus virginianus)
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Jungtier eines Weißwedelhirsches (Odocoileus virginianus)
Zu den Geburten kommt es in diesen Regionen im Frühjahr. Unter den Hirschen weisen nur Rehe (Capreolus) eine Keimruhe auf. Die Eier werden im Sommer befruchtet. Erst nach einer längeren Keimruhe nisten sich die Eier im Januar ein und die eigentliche Tragezeit beginnt. Bei allen Arten kommt es in einer Saison nur zu einem Wurf. Bei den den Muntjaks (Muntiacinae) leben die Geschlechter einzelgängerisch und treffen nur für kurze Zeit während der Brunft aufeinander. Bei allen Arten kommt es während der Brunft zu heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Andere Arten, die außerhalb der Brunft durchaus gesellig leben, legen die Männchen während der Paarungszeit ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Die Reviere werden mit Kot, Urin und artabhängig auch mit einem Körpersekret aus den Augendrüsen markiert. Alle Arten leben polygam, ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen. Die Männchen haben demnach mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun.

Nach einer Tragezeit von gut 168 bis 280 Tagen bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle in der Regel ein Jungtier zur Welt (Zwillingsgeburten kommen selten vor). Hier bleibt es je nach Art für mehrere Wochen verborgen. Die Mutter kommt nur gelegentlich zum Säugen vorbei. Nach einigen Wochen kann ein Kitz stehen und der Mutter folgen. Zur Tarnung ist das Fell der Jungtiere meist mit hellen Flecken und Mustern versehen. Bei den Wasserrehen bringt ein Weibchen 1 bis 6 (2-3) Jungtiere zur Welt. Dies ist in der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) einzigartig. Das Geburtsgewicht liegt bei rund einem Kilogramm. Die Säugezeit erstreckt sich meist über 2 bis 4 Monate. Mit 6 Monaten verlassen die Jungtiere ihre Mütter und sind selbständig. Die Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei bis zu 20 Jahren. In Freiheit liegt die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich darunter.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Hirsche haben sich seit jeher nicht in etablierten und artenreichen Ökosystemen entwickelt, sondern immer ökologische Nischen gesucht, in denen sie ihr Auskommen fanden. Hirsche haben immer von weit reichenden Landschaftsveränderungen profitiert. Diese können aufgrund von Bränden, Überschwemmungen oder Stürmen entstanden sein. Historisch taten sich auch neue Lebensräume durch Vergletscherung oder Rückzug der Gletscher auf. Unterstützt wurde die historische Verbreitung zudem durch das Aussterben der Megafauna. Hirsche hatten daher in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete kaum Nahrungskonkurrenten. Auch heute leben Hirsche überwiegend in nischenähnlichen Lebensräumen und wagen sich in der Nähe des Menschen mitunter bis in die Vorstädte oder größeren Parks vor. Nicht selten entwickeln sich Hirsche dabei als Plage. Schon immer wurden Hirsche wegen ihres Fleisches gejagt. Bereits die Menschen während der letzten Eiszeit machten Jagd auf Hirsche. Rentiere lassen sich leicht zähmen und gedeihen in Gefangenschaft prächtig.
Bawean-Hirsch (Axis kuhlii)
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Bawean-Hirsch (Axis kuhlii)
Sie dienen hauptsächlich als Fleischlieferant und Nutztiere. In China werden einige Hirscharten wie Sikahirsch (Cervus nippon) in Gefangenschaft gezüchtet. In China ist das Bastgeweih ein begehrtes Produkt und findet auch in der "traditionellen chinesischen Medizin" Verwendung. In der Regel warten die Züchter nicht ab bis das Geweih abfällt, sondern sägen es den Tieren ab.

Einige Arten zählen heute noch nicht zu den bedrohten Arten, von einige andere Arten kennt man nicht einmal ansatzweise die Bestandssituation. Die Bestände nördlicher Arten sind weitestgehend stabil. In den tropischen Regionen steht es für zahlreiche Arten schlecht, einige stehen sogar kurz vor der Ausrottung oder wurden bereits vom Menschen ausgerottet.

In der Roten Liste der IUCN werden der Sumpfhirsch (Blastocerus dichotomus), der Weißlippenhirsch (Cervus albirostris), der Barasingha (Cervus duvaucelii), der Leierhirsch (Cervus eldii), der Schwarze Muntjak (Muntiacus crinifrons) und der Südliche Pudu (Pudu puda) als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt.

Als stark gefährdet (EN, endangered) gelten der Calamian-Hirsch (Axis calamianensis), der Bawean-Hirsch (Axis kuhlii), der Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) und der Südliche Andenhirsch (Hippocamelus bisulcus). Der Schomburgk-Hirsch (Cervus schomburgki) gilt als ausgerottet. Die Gründe für die zum Teil massive Bedrohung ist in der starken Bejagung und in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Trockenlegung von Sumpfgebieten, Urbanisierung und der intensiven Landwirtschaft zu suchen.

Systematik der Hirsche

Indischer Muntjak (Muntiacus muntjak)
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Indischer Muntjak (Muntiacus muntjak)
Maultierhirsch (Odocoileus hemionus)
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Maultierhirsch (Odocoileus hemionus)
Axishirsch (Axis axis)
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Axishirsch (Axis axis)
Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi)
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Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi)
Ren (Rangifer tarandus)
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Ren (Rangifer tarandus)
Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus)
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Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus)

Die Systematik nach Mittermeier et al. (2011) beeinhaltet insgesamt 53 rezente Arten.

Familie: Hirsche (Cervidae)

Unterfamilie: Muntjaks (Muntiacinae)
Gattung: Muntiacus
Art: Chinesischer Muntjak (Muntiacus reevesi)
Art: Schwarzer Muntjak (Muntiacus crinifrons)
Art: Tenasserim-Muntjak (Muntiacus feae)
Art: Indischer Muntjak (Muntiacus muntjak)
Art: Borneo-Muntjak (Muntiacus atherodes)
Art: Gongshan-Muntjak (Muntiacus gongshanensis)
Art: Truong-Son-Muntjak (Muntiacus truongsonensis)
Art: Putao-Muntjak (Muntiacus putaoensis)
Gattung: Megamuntiacus
Art: Riesenmuntjak (Megamuntiacus vuquangensis)
Gattung: Elaphodus
Art: Schopfhirsch (Elaphodus cephalophus)
Unterfamilie: Hydropotinae
Gattung: Hydropotes
Art: Wasserreh (Hydropotes inermis)
Unterfamilie: Trughirsche (Odocoileinae)
Gattung: Capreolus
Art: Europäisches Reh (Capreolus capreolus)
Art: Sibirisches Reh (Capreolus pygargus)
Gattung: Odocoileus
Art: Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus)
Art: Maultierhirsch (Odocoileus hemionus)
Gattung: Ozotoceros
Art: Pampashirsch (Ozotoceros bezoarticus)
Gattung: Blastocerus
Art: Sumpfhirsch (Blastocerus dichotomus)
Gattung: Spießhirsche (Mazama)
Art: Großmazama (Mazama americana)
Art: Graumazama (Mazama gouazoupira)
Art: Kleiner Rotmazama (Mazama rufina)
Art: Zwergmazama (Mazama chunyi)
Art: Merioa-Mazama (Mazama bricenii)
Art: Kleinmazama (Mazama nana)
Art: Mazama bororo
Gattung: Pudus (Pudu)
Art: Nördlicher Pudu (Pudu mephistophiles)
Art: Südlicher Pudu (Pudu puda)
Gattung: Rangifer
Art: Rentier (Rangifer tarandus)
Gattung: Andenhirsche (Hippocamelus)
Art: Nördlicher Andenhirsch (Hippocamelus antisensis)
Art: Südlicher Andenhirsch (Hippocamelus bisulcus)
Gattung: Alces
Art: Elch (Alces alces)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Gattung: Axishirsche (Axis)
Art: Axishirsch (Axis axis)
Art: Schweinshirsch (Axis porcinus)
Art: Bawean-Hirsch (Axis kuhlii)
Art: Calamian-Hirsch (Axis calamianensis)
Gattung: Elaphurus
Art: Davidshirsch (Elaphurus davidianus)
Gattung: Edelhirsche (Cervus)
Art: Wapiti (Cervus canadensis)
Art: Barasingha (Cervus duvaucelii)
Art: Leierhirsch (Cervus eldii)
Art: Sikahirsch (Cervus nippon)
Art: Weißlippenhirsch (Cervus albirostris)
Art: Rothirsch (Cervus elaphus)
Gattung: Rucervus
Art: Schomburgk-Hirsch (Rucervus schomburgki)
Gattung: Rusa
Art: Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi)
Art: Philippinenhirsch (Rusa marianna)
Art: Mähnenhirsch (Rusa timorensis)
Art: Sambar (Rusa unicolor)
Gattung: Dama
Art: Europäischer Damhirsch (Dama dama)
Art: Mesopotamischer Damhirsch (Dama mesopotamica)
Gattung: † Megaloceros
Art: † Riesenhirsch (Megaloceros giganteus)

Anhang

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge