Rinderartige

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Rinderartige / Hornträger
Langschwanzgoral (Naemorhedus caudatus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Rinderartige
Wissenschaftlicher Name
Bovidae
Gray, 1821

Hornträger bzw. Rinderartige (Bovidae) zählen innerhalb der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) zur Unterordnung der Wiederkäuer (Ruminantia). Rinderartige sind nah mit den Hirschen (Cervidae), Giraffenartigen (Giraffidae), Gabelhornträgern (Antilocapridae), Moschushirschen (Moschidae) und den Hirschferkeln (Tragulidae) verwandt. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Familien gelten jedoch als umstritten (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde von Rinderartigen stammen aus dem Miozän. Diese Funde lassen sich der Unterfamilie der Rinder (Bovinae) zuordnen. Die Fossilien wurden der Gattung Eotragus zugerechnet. Zur Diversifizierung kam es jedoch erst gegen Ende des Miozän und im frühen Pliozän. Die frühen Fossilien wurden in Europa, Afrika und Asien gefunden. In Nordamerika konnten Rinderartige erst seit der letzten Eiszeit nachgewiesen werden. In Australien lassen sich keine Fossilien nachweisen.

Taxonomie

Man geht heute davon aus, dass Rinderartige von den Boselaphini abstammen, zu denen heute die Gattungen Tetracerus und Boselaphus gehören. Rezente Vertreter beider Gattungen sind die Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) und die Nilgauantilope (Boselaphus tragocamelus). Zahlreiche Forscher gehen jedoch davon aus, dass Rinderartige wahrscheinlich keine monophyletische Gruppe bilden, also nicht von einer einzigen Art abstammen. Man geht heute eher von einer Reihe parallel verlaufender Entwicklungen aus. Hausrinder stammen vom Auerochsen (Bos p. primigenius) ab. Man geht davon aus, dass der Auerochse an mehreren Orten unabhängig voneinander domestiziert wurde. Domestiziert wurden in der Vergangenheit jedoch auch andere Arten wie der Yak (Bos grunniens), der Banteng (Bos javanicus), der Gaur (Bos frontalis) sowie der Wasserbüffel (Bubalus bubalis). Es kam in der Vergangenheit auch zu Experimenten mit Kreuzungen zwischen den Arten. In Asien wurden Yak und Hausrind gekreuzt, in Nordamerika Bison (Bison bison) und Hausrind. Bei letztgenannter Kreuzung, dem sogenannten Cattalo, sind die männlichen Hybriden jedoch unfruchtbar.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ein markantes Merkmal der Rinderartigen sind die Hörner, die vor und hinter den Augenhöhlen entstehen und auf Stirnbeinen sitzen. Sie bestehen aus einer Keratinschicht (Hornscheide), die auf einem knöchernen Zapfen sitzt. Die Form der Hörner ist artabhängig, die Länge variiert von 20 bis 100 cm. Den meisten Arten dienen die Hörner als Waffe bei Angriffen. Gegenüber anderen Männchen betonen die Hörner zudem die Körpergröße und sind dadurch wichtig bei der Festlegung der Rangordnung. Rinderartige verfügen über ein exzellentes Gehör und scharfe Augen. Die Gehörkapseln sind gut entwickelt und verlängern sich in einen röhrenförmigen Gehörgang. Der Geruchssinn ist hingegen schlecht entwickelt. Bei der Unterfamilie der Rinder (Bovinae) zeigen sich bei den Arten im Bereich der Brust und des Halses auffällige weiße Streifen. Eine Rückenmähne und Hautlappen sind bei den Männchen besonders stark ausgeprägt. Die Fellfärbung ist vielfältig und dient in erster Linie der Tarnung im Lebensraum. Der Körperbau der meisten Arten ist stämmig und untersetzt, schlank und grazil sind nur wenige Arten gebaut. Die Schnauze endet meist stumpf und weist einen feuchten Nasenspiegel (Rhinarium) auf. Oberarm- und Oberschenkelknochen (Humerus und Femur) sind vollständig in der Muskelverspannung eingeschlossen. Frei liegen bei den Vordergliedmaßen die Handwurzel, an den hinteren Extremitäten die Fußwurzel (Tarsus). Ein Schwanz ist bei allen Arten vorhanden, unterscheidet sich jedoch artabhängig in der Länge und in der Behaarung.
Amerikanischer Bison (Bison bison)
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Amerikanischer Bison (Bison bison)
Die Hufe sind symmetrisch. Rinderartige unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern vor allem in der Größe. Das Gewicht schwankt beispielsweise von wenigen kg bei Dikdiks (Madoqua) bis hin zu einem Gewicht von 1.000 und mehr kg bei Bisons (Bison). Die Weibchen sind meist kleiner als die Männchen. Sie sind zudem leichter gebaut und verfügen über keine oder kleinere Hörner.

Bei den größeren Arten wie dem Wasserbüffel (Bubalus bubalis) oder dem Hausrind (Bos taurus) ist die Haut mit bis zu 8 mm ausgesprochen dick. Die Haare sitzen einzeln in der Haut in Schweißdrüsen bzw. bei einigen Arten auch in Talgdrüsen, mehrere Haare bilden in der Regel eine Gruppe. Bei den Ziegenartigen (Caprinae) kommen weniger als eine Schweiß- und Talgdrüse pro Haar vor. Die Dichte des Felles unterscheidet sich ebenfalls gravierend. So verfügen Wasserbüffel über 10 bis 14 Haare/mm², Hausrinder über 28 bis 32 Haare/mm² und das Wildrind (Bos primigenis) über 39 bis 41 Haare/mm². Die Talgdrüsen sind sitzen in napfartigen Gebilden (Alveolen) und bilden komplexe Cluster oder liegen verteilt und einzeln. Das Gebiss besteht aus 26 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i/0/0, c0/1, p3/3, m3/3. Das Milchgebiss ist identisch, es fehlen jedoch die bleibenden Molaren. Rinderartige verfügen über 7 Hals- und 13 Brustwirbel. Bei der Anzahl an Lendenwirbeln zeigen sich Unterschiede zwischen den Gattungen. Rinder und Wasserbüffel weisen 7 Lendenwirbel auf, bei Ziegen und Schafen sind es 6 bis 7 Lendenwirbel. Die Anzahl der Kreuzbeinwirbel liegt bei Rindern und Wasserbüffeln bei 5, bei Ziegen und Schafen bei 4. Ähnliches zeigt sich auch bei den Schwanzwirbeln: Rinder und Wasserbüffel verfügen über 18 bis 20 Schwanzwirbel, Ziegen über 16 bis 18 und Schafe über 12 Schwanzwirbel. Schlüsselbeine sind nicht vorhanden. Die Schulterblätter sind länglich geformt. Die Elle (Ulna) ist mit der Speiche (Radius) verschmolzen, das Schienbein (Tibia) mit dem Wadenbein (Fibula). Das Kahnbein weist eine Verschmelzung mit dem Tarsus auf.

Das Gewicht des Herzens der Rinderartigen entspricht rund 0,3 bis 0,5% des Körpergewichtes. Das Hirngewicht entspricht weniger als 1% des Körpergewichtes. Die Hämoglobinwerte des Blutes liegen artabhängig bei 9,8 und 12,3 g/100 ml. Variabel ist auch die Körpertemperatur, die zwischen 37,3 und 39,3 schwankt. Die Schwankungen sind Tageszeit bedingt. Die Temperatur wird bei Rindern und Wasserbüffeln vor allem durch Schwitzen kontrolliert, bei Ziegen und Schafen durch Hecheln. Das Rhinarium, bzw. der Nasenspiegel liegt subterminal (am Ende gelegen). Das vomeronasale Organ, also das Jacobsonsche Organ ist gut entwickelt. Die markanten Augen liegen seitlich hoch oben am Kopf. Die seitlich deutlich abstehenden Ohren sind beweglich. Alle Schweißdrüsen sind gut entwickelt. Dies ist vor allem bei den Wasserbüffeln, aber auch bei den Hausrindern der Fall.

Lebensweise

Rinderartige bewegen sich mit diagonalen Schritten fort. Neben Gehen sind auch Gangarten wie Trab und Galopp bei vielen größeren Arten möglich. Rinderartige leben zumeist in geselligen Gruppen von mehreren Dutzend bis mehreren Hundert Tieren. In der Regel weisen die Gruppen eine gemischte Zusammensetzung auf. Einige Arten, insbesondere Rinder, leben in Herden, denen eine Leitkuh vorsteht. Bullen leben einzelgängerisch und stoßen nur während der Paarungszeit zu den Herden. Unter den Kühen ist Komfortverhalten (Grooming) die Regel. Ziegenartige weisen 2 grundsätzlich verschiedene Sozialstrukturen auf. Die primitiven Formen werden als Nahrungsverteidiger bezeichnet. Primitiven Formen besiedeln relativ kleine aber fruchtbare Habitate, die ganzjährig Nahrung bieten und verteidigt werden.
Blauducker (Cephalophus monticola)
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Blauducker (Cephalophus monticola)
Die modernen Formen sind überwiegend Grasfresser in weniger fruchtbaren, meist klimatisch ungünstigen Regionen. Um genügend Nahrung zu finden, müssen sie große Gebiete durchwandern. Diese Formen weisen große Hörner und vielfältige Kampfrituale auf. Bei den modernen Formen unterscheiden sich die Geschlechter zudem relativ stark. Dies ist bei urtümlichen Formen wie dem Moschusochsen nicht der Fall. Nahrungsverteidiger besitzen in der Regel ein dunkles Fell und die Geschlechter sehen sich sehr ähnlich. Die Hörner sind meist dolchartig geformt und dienen der Abwehr von natürlichen Feinden. Auch das Gebiss hat sich angepasst. Bei den Laubfressern weisen die Zähne niedrige Höcker auf. Gämsenartige und höher entwickelte Ziegenartige zeigen im Sozialverhalten deutliche Unterschiede. Gämsenartige zählen zu den Nahrungsverteidigern und sind daher territoriale Einzelgänger. Höher entwickelte Ziegenartige schließen sich zum Schutz vor Fleischfressern zu Herden mit einer durchaus komplexen Sozialstruktur zusammen. Die Herdenbildung dient im Wesentlichen der Abwehr von natürlichen Feinden. Die Tiere in der Mitte der Herde sind praktisch unangreifbar. Herdentiere kommen in der Regel im flachen Grasland vor, wo reichlich Nahrung vorhanden ist. Grasfresser sind mobiler, müssen allerdings stark faserhaltige Nahrung zerkleinern können. Im Laufe der Evolution haben Grasfresser daher größere Zähne ausgebildet. Männliche Wasserbüffel haben einzelne Reviere, Kühe leben in Herden. Die Männchen suhlen sich in Kot und Urin, um im Folgenden das Revier zu markieren. Ducker sind nicht gesellig und leben fast ausschließlich einzelgängerisch. In Gesellschaft sieht man allenfalls ein Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Bei einigen Arten wie beispielsweise dem Blauducker wurde jedoch eine monogame Lebensweise festgestellt. Dies ist unter Hornträgern sehr selten. Ducker verhalten sich gegenüber Artgenossen ausgesprochen territorial und verteidigen ihre Revier vehement.

Verbreitung

Rinderartige kommen fast weltweit vor. Nicht besiedelt wurde ursprünglich Australien. Seit der Besiedlung durch den Menschen wurden jedoch zahlreiche Arten auf dem Kontinent eingeführt und leben heute in freier Wildbahn. Wildrinder und Drehhörner besiedeln Nordamerika, Europa, weite Teile Afrikas sowie Süd- und Südostasien. Die Arten kommen von der Tundra bis in den tropischen Regenwald in allen Lebensräumen vor. Ducker kommen ausschließlich in Afrika, südlich der Sahara vor. Sie besiedeln hauptsächlich dichtes Walddickicht. Ähnliches gilt für die Pferdeböcke, die nur in Afrika vorkommen, jedoch in trockenen und feuchten Graslandschaften leben. Gazellen und Böckchen kommen in Afrika sowie im südlichen bis zentralen Asien vor. Die Arten leben in höchst unterschiedlichen Lebensräumen, vom dichten Wald bis hin zu Wüsten, Steppen und Felsregionen. Ziegenartige kommen weltweit in der nördlichen Hemisphäre vor. Ziegen leben in steilem Gelände, Wüsten, aber auch tropischen Regenwäldern und arktischem Ödland.

Biozönose

Prädatoren und Mortalität

Je nach Verbreitungsgebiet, Klimazone und Lebensraum treten zahlreiche natürliche Feinde der Rinderartigen in Erscheinung. Artabhängig sind dies insbesondere große, räuberisch lebende Säugetiere (Mammalia) wie Braunbären (Ursus arctos), Asiatische Schwarzbären (Ursus thibetanus), Schneeleoparden (Uncia uncia), Leoparden (Panthera pardus), Tiger (Panthera tigris), Löwen (Panthera leo), Rothunde (Cuon alpinus), Steppenpaviane (Papio cynocephalus), Nilkrokodile (Crocodylus niloticus), Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus), Wölfe (Canis lupus), Eisbären (Ursus maritimus), Kojoten (Canis latrans), Kanadische Luchse (Lynx canadensis), Pumas (Puma concolor), Vielfraße (Gulo gulo) oder auch Nebelparder (Neofelis nebulosa). Große Greifvögel (Falconiformes) wie der Bartgeier (Gypaetus barbatus) oder der Steinadler (Aquila chrysaetos) haben es auf Jungtiere oder auf Kadaver abgesehen. Lokal stellen auch Schlangen (Serpentes) wie Bambusottern (Trimeresurus), der Netzpython (Python reticulatus), der Felsenpython (Python sebae) und der Königspython (Python regius) für kleine Arten eine durchaus große Gefahr dar. In Australien stellt vor allem der Dingo (Canis lupus dingo) verwilderten Rindern und Ziegen nach. Lokal sorgt weltweit eine Überweidung der Nahrungsgründe oder nördlichen Regionen sehr strenge Winter für eine erhöhte Mortalität unter den Rinderartigen. Rinderartike werden von zahlreichen Ekto- und Endoparasiten befallen. Dazu gehören insbesondere verschiedene Schildzecken (Ixodidae), Kokzidien (Coccidia), Dünndarm-Parasiten wie Giardien (Giardia), Peitschenwürmer (Trichuris trichiura) und Zwergfadenwürmer (Strongyloides stercoralis). Aber auch zahlreiche Bandwürmer (Cestoda) und Fadenwürmer (Nematoda) konnten nachgewiesen werden.

Ernährung und Verdauungssystem

Alle Rinderartigen sind reine Pflanzenfresser. Ziegen ernähren sich von Zweigen und Blättern, Rinder und Schafe von Gräsern. Grasfresser schneiden Gräser entweder direkt mit den Zähnen oder zupfen Gras mit den Lippen oder Zunge ab. Rinderartige haben vor allem selenodonte und hypsodonte (hochkronige) Zähne. Der Schmelz der Backenzahnhöcker bildet hier aufgrund der starken Abnutzung V-förmige Strukturen aus. Der Unterkiefer ist schmaler als der Oberkiefer. Der Magen ist, wie bei allen Stirnwaffenträgern (Pecora), in 4 Kammern unterteilt. Der Pansen umfasst etwa 80% des Magens und liegt quer zur der Körperachse. Er enthält insbesondere Bakterien, die Cellulose fermentieren. Die dadurch entstehenden Fettsäuren, wie Essigsäure oder Milchsäure, werden durch die Wand des Pansens absorbiert. Der Labmagen ist länglich und entspricht zwischen 7 und 12,5% der Magenkapazität. Die Speiseröhre (Oesophagus) trifft in den Magen an der Schnittstelle zwischen Pansen und dem Netzmagen (Reticulum). Die Länge von Dünndarm, Dickdarm und Blinddarm unterscheiden sich je nach Art.

Fortpflanzung

Jungtier einer Hausziege (Capra hircus)
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Jungtier einer Hausziege (Capra hircus)

Die Weibchen der Rinderartigen verfügen über 1 bis 2 Paar Zitzen in der Leistengegend. 1 Paar Zitzen sind bei Schafen und Ziegen vorhanden. Rinderartige leben polygam, die Fortpflanzung weist meist einen saisonalen Zyklus auf. Je nach Art erstreckt sich der Östrus über 17 bis 21 Tage, die reine Brunst dauert 1 bis 3 Tage. Der Eisprung erfolgt etwa 10 bis 15 Stunden nach dem Ende der Brunst. Die Tragzeit dauert etwa 150 Tage bei Schafen und Ziegen, 270 bis 320 Tage bei anderen Rinderartigen. Zwillingsgeburten sind bei Rindern selten, bei Ziegen und Schafen jedoch die Regel. Das Geburtsgewicht des Nachwuchses ist sehr unterschiedlich und liegt bei den größeren Rindern bei 16 bis 30 kg. Die Jungtiere der Rinder folgen der Mutter sofort nach der Geburt, die Jungtiere von Schafen und Ziegen verstecken sich die erste Zeit in dichter Vegetation. Die Mütter kommen nur zum Säugen vorbei und gehen ansonsten auf Nahrungssuche. Die Milch der Rinderartigen enthält durchschnittlich 4 bis 5% Fett, 3,5% Eiweiß sowie 4,7% Laktose. Das Milchgebiss bricht artabhängig nach 1 bis 6 (2) Wochen durch. Die Säugezeit erstreckt sich bei Ziegen und Schafen über 4 bis 5 Monate, bei Rindern über 9 Monate. Die Geschlechtsreife wird zu sehr unterschiedlichen Zeit, meist nach 4 bis 13 Monaten erreicht. Männchen erreichen in der Regel nach den Weibchen die Geschlechtsreife.

Domestikation

Rinder, Schafe und Ziegen werden seit jeher vom Menschen weltweit domestiziert. Vor rund 6.000 Jahren wurden vermutlich in China die ersten Wasserbüffel gezähmt. Später folgten insbesondere Indien und Mesopotamien. Über mehrere Jahrtausende breiteten sich die Büffel über das gesamte südostasiatische Areal aus. Heute sind domestizierte Wasserbüffel fast weltweit anzutreffen und werden vor allem in Südeuropa, im nördlichen und östlichen Teil Afrikas sowie in Südamerika und Japan gehalten. Im Süden Europas spielen sie in Italien und einigen osteuropäischen Ländern eine mehr oder weniger wichtige Rolle. Auch in Deutschland sind Wasserbüffel gebietsweise verbreitet. Hier soll es einige Hundert Exemplare geben. In einigen Gebieten wie Argentinien, Nordafrika und Australien gibt es mittlerweile größere ausgewilderte bzw. verwilderte Populationen.

Die Domestikation zum Hausrind erfolgte wahrscheinlich schon vor dem 9. Jahrtausend v. Chr. Das Hausrind stammt nach einhelliger Meinung vom Auerochsen (Bos primigenius primigenius) ab. Rinder, Schafe und Ziegen sind Lieferanten von Fleisch, Milch und Leder. Aber auch die Ausscheidungen werden als Gülle und Mist in der Landwirtschaft als natürliche Düngemittel genutzt. In einigen Regionen der Erde werden Rinder auch als Zugtier eingesetzt.

Systematik der Hornträger/Rinderartigen

Mittelchinesischer Goral (Naemorhedus goral arnouxianus)
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Mittelchinesischer Goral (Naemorhedus goral arnouxianus)
Nilgiri-Tahr (Hemitragus hylocrius)
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Nilgiri-Tahr (Hemitragus hylocrius)
Pyrenäen-Steinbock (Capra pyrenaica)
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Pyrenäen-Steinbock (Capra pyrenaica)
Schraubenziege (Capra falconeri)
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Schraubenziege (Capra falconeri)
Blauschaf (Pseudois nayaur)
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Blauschaf (Pseudois nayaur)
Kronenducker (Sylvicapra grimmia)
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Kronenducker (Sylvicapra grimmia)
Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor)
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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor)

Familie: Hornträger (Bovidae)

Unterfamilie: Impalas (Aepycerotinae)
Gattung: Aepyceros
Art: Impala (Aepyceros melampus)
Unterfamilie: Kuhantilopen (Alcelaphinae)
Gattung: Alcelaphus
Art: Kuhantilope (Alcelaphus buselaphus)
Art: Kaama (Alcelaphus caama)
Gattung: Damaliscus
Art: Hunter-Antilope (Damaliscus hunteri)
Art: Buntbock (Damaliscus pygargus)
Art: Leierantilope (Damaliscus lunatus)
Gattung: Sigmoceros
Art: Lichtenstein-Antilope (Sigmoceros lichtensteinii)
Gattung: Gnus (Connochaetes)
Art: Weißschwanzgnu (Connochaetes gnou)
Art: Streifengnu (Connochaetes taurinus)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Antilope
Art: Hirschziegenantilope (Antilope cervicapra)
Gattung: Ammodorcas
Art: Stelzengazelle (Ammodorcas clarkei)
Gattung: Litocranius
Art: Giraffengazelle (Litocranius walleri)
Gattung: Gazellen (Gazella)
Art: Dorkasgazelle (Gazella dorcas)
Art: Saudi-Gazelle (Gazella saudiya)
Art: Indische Gazelle (Gazella bennettii)
Art: Edmigazelle (Gazella gazella)
Art: Jemen-Gazelle (Gazella bilkis)
Art: Arabische Gazelle (Gazella arabica)
Art: Spekegazelle (Gazella spekei)
Art: Cuviergazelle (Gazella cuvieri)
Art: Rotstirngazelle (Gazella rufifrons)
Art: Thomsongazelle (Gazella thomsonii)
Art: Algerische Gazelle (Gazella rufina)
Art: Kropfgazelle (Gazella subgutturosa)
Art: Dünengazelle (Gazella leptoceros)
Art: Damagazelle (Gazella dama)
Art: Sömmeringgazelle (Gazella soemmeringii)
Art: Grantgazelle (Gazella granti)
Gattung: Antidorcas
Art: Springbock (Antidorcas marsupialis)
Gattung: Kurzschwanzgazellen (Procapra)
Art: Tibet-Gazelle (Procapra picticaudata)
Art: Przewalski-Gazelle (Procapra przewalskii)
Art: Mongolische Gazelle (Procapra gutturosa)
Gattung: Saiga
Art: Saiga (Saiga tatarica)
Gattung: Pseudonovibos
Art: Spiralhornantilope (Pseudonovibos spiralis)
Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
Gattung: Tetracerus
Art: Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis)
Gattung: Pseudoryx
Art: Vietnamesisches Waldrind (Pseudoryx nghetinhensis)
Gattung: Asiatische Büffel (Bubalus)
Art: Wasserbüffel (Bubalus bubalis)
Art: Tamarau (Bubalus mindorensis)
Art: Anoa (Bubalus depressicornis)
Art: Berg-Anoa (Bubalus quarlesi)
Gattung: Syncerus
Art: Afrikanischer Büffel (Syncerus caffer)
Gattung: Eigentliche Rinder (Bos)
Art: Wildrind (Bos primigenis)
Art: Hausrind (Bos taurus)
Art: Kouprey (Bos sauveli)
Art: Banteng (Bos javanicus)
Art: Gaur (Bos frontalis)
Art: Yak (Bos grunniens)
Gattung: Bisons (Bison)
Art: Amerikanischer Bison (Bison bison)
Art: Wisent (Bison bonasus)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Pantholops
Art: Tschiru (Pantholops hodgsoni)
Gattung: Seraue (Capricornis)
Art: Sumatra-Serau (Capricornis sumatraensis)
Art: Taiwan-Serau (Capricornis swinhoei)
Art: Japanischer Serau (Capricornis crispus)
Gattung: Gorale (Naemorhedus)
Art: Goral (Naemorhedus goral)
Art: Roter Goral (Naemorhedus baileyi)
Art: Langschwanzgoral (Naemorhedus caudatus)
Gattung: Oreamnos
Art: Schneeziege (Oreamnos americanus)
Gattung: Rupicapra
Art: Gämse (Rupicapra rupicapra)
Art: Pyrenäen-Gämse (Rupicapra pyrenaica)
Gattung: Myotragus
Art: Höhlenziege (Myotragus balearicus)
Gattung: Budorcas
Art: Takin (Budorcas taxicolor)
Gattung: Ovibos
Art: Moschusochse (Ovibos moschatus)
Gattung: Tahre (Hemitragus)
Art: Himalaya-Tahr (Hemitragus jemlahicus)
Art: Arabischer Tahr (Hemitragus jayakiri)
Art: Nilgiri-Tahr (Hemitragus hylocrius)
Gattung: Ziegen (Capra)
Art: Wildziege (Capra aegagrus)
Art: Steinbock (Capra ibex)
Art: Äthiopischer Steinbock (Capra walie)
Art: Westkaukasischer Steinbock (Capra caucasica)
Art: Ostkaukasischer Steinbock (Capra cylindricornis)
Art: Pyrenäen-Steinbock (Capra pyrenaica)
Art: Schraubenziege (Capra falconeri)
Gattung: Pseudois
Art: Blauschaf (Pseudois nayaur)
Art: Zwergblauschaf (Pseudois schaeferi)
Gattung: Ammotragus
Art: Mähnenspringer (Ammotragus lervia)
Gattung: Schafe (Ovis)
Art: Wildschaf (Ovis orientalis)
Art: Urial (Ovis vignei)
Art: Argali (Ovis ammon)
Art: Schneeschaf (Ovis nivicola)
Art: Dall-Schaf (Ovis dalli)
Art: Dickhornschaf (Ovis canadensis)
Unterfamilie: Ducker (Cephalophinae)
Gattung: Cephalophus
Art: Sansibar-Ducker (Cephalophus adersi)
Art: Rotducker (Cephalophus natalensis)
Art: Harvey-Ducker (Cephalophus harveyi)
Art: Schwarzstirnducker (Cephalophus nigrifrons)
Art: Rotflankenducker (Cephalophus rufilatus)
Art: Ruwenzori-Ducker (Cephalophus rubidus)
Art: Weißbauchducker (Cephalophus leucogaster)
Art: Fernando-Po-Ducker (Cephalophus ogilbyi)
Art: Petersducker (Cephalophus callipygus)
Art: Weyns-Ducker (Cephalophus weynsi)
Art: Schwarzducker (Cephalophus niger)
Art: Abbot-Ducker (Cephalophus spadix)
Art: Gelbrückenducker (Cephalophus sylvicultor)
Art: Jentink-Ducker (Cephalophus jentinki)
Art: Schwarzrückenducker (Cephalophus dorsalis)
Art: Zebraducker (Cephalophus zebra)
Art: Blauducker (Cephalophus monticola)
Art: Maxwell-Ducker (Cephalophus maxwellii)
Gattung: Sylvicapra
Art: Kronenducker (Sylvicapra grimmia)
Unterfamilie: Pferdeböcke (Hippotraginae)
Gattung: Hippotragus
Art: Blaubock (Hippotragus leucophaeus)
Art: Pferdeantilope (Hippotragus equinus)
Art: Rappenantilope (Hippotragus niger)
Gattung: Oryxantilopen (Oryx)
Art: Säbelantilope (Oryx dammah)
Art: Arabische Oryx (Oryx leucoryx)
Art: Spießbock (Oryx gazella)
Gattung: Addax
Art: Mendesantilope (Addax nasomaculatus)
Unterfamilie: Böckchen (Neotraginae)
Gattung: Pelea
Art: Rehantilope (Pelea capreolus)
Gattung: Oreotragus
Art: Klippspringer (Oreotragus oreotragus)
Gattung: Ourebia
Art: Bleichböckchen (Ourebia ourebi)
Gattung: Raphicerus
Art: Steinböckchen (Raphicerus campestris)
Art: Kap-Greisbock (Raphicerus melanotis)
Art: Sharpe-Greisbock (Raphicerus sharpei)
Gattung: Neotragus
Art: Kleinstböckchen (Neotragus pygmaeus)
Art: Batesböckchen (Neotragus batesi)
Art: Moschusböckchen (Neotragus moschatus)
Gattung: Dikdiks (Madoqua)
Art: Eritrea-Dikdik (Madoqua saltiana)
Art: Silberdikdik (Madoqua piacentinii)
Art: Günther-Dikdik (Madoqua guentheri)
Art: Kirk-Dikdik (Madoqua kirki)
Gattung: Dorcatragus
Art: Beira (Dorcatragus megalotis)
Unterfamilie: Riedböcke (Reduncinae)
Gattung: Riedböcke (Redunca)
Art: Gemeiner Riedbock (Redunca redunca)
Art: Großer Riedbock (Redunca arundinum)
Art: Bergriedbock (Redunca fulvorufula)
Gattung: Wasserböcke (Kobus)
Art: Gemeiner Wasserbock (Kobus ellipsiprymnus)
Art: Weißnacken-Moorantilope (Kobus megaceros)
Art: Letschwe (Kobus leche)
Art: Kob (Kobus kob)
Art: Puku (Kobus vardonii)
Unterfamilie: Waldböcke (Tragelaphinae)
Gattung: Tragelaphus
Art: Nyala (Tragelaphus angasi)
Art: Bergnyala (Tragelaphus buxtoni)
Art: Sitatunga (Tragelaphus spekei)
Art: Buschbock (Tragelaphus scriptus)
Art: Großer Kudu (Tragelaphus strepsiceros)
Art: Kleiner Kudu (Tragelaphus imberbis)
Art: Bongo (Tragelaphus eurycerus)
Gattung: Elenantilopen (Taurotragus)
Art: Elenantilope (Taurotragus oryx)
Art: Riesen-Elenantilope (Taurotragus derbianus)
Gattung: Boselaphus
Art: Nilgauantilope (Boselaphus tragocamelus)

Anhang

Siehe auch

Enige Unterfamilien sind bereits in Form von umfangreichen Artikel vorhanden. Dies sind unter anderem:

Literatur und Quellen

  • C. P. Croves in D. W. Walton & B. J. Richardson: Fauna of Australia Volume 1B. AGPS Canberra, 1989. ISBN 978-0644060561
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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