Hundeartige (Familie)

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Hundeartige
Kojote (Canis latrans)

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hundeartige
Wissenschaftlicher Name
Canidae
Fischer von Waldheim, 1817

Die Hundeartigen (Canidae) sind Säugetiere (Mammalia) aus der Ordnung der Raubtiere (Carnivora). In dieser Familie werden heute 34 Arten in 12 Gattungen geführt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Die Entwicklung der Hundeartigen setzte vermutlich bereits im mittleren Eozän vor 40 bis 38 Millionen Jahren ein. Man geht heute davon aus, dass sich Hunde aus der im Eozän lebenden Gattung Miacis entwickelten. Aus dieser Zeit sind heute etwa 5 bis 6 fossile Gattungen der frühen Hunde bekannt. Die Funde belegen, dass die Entwicklung in Nordamerika ihren Ursprung hat. Zu den ältesten Gattungen gehören insbesondere Mesocyon (38 bis 24 Ma), Hesperocyon (37 bis 34 Ma), Paraenhydrodon (30 bis 25 Ma), Osbornodon (32 bis 18 Ma), Ectopocynus (32 bis 19 Ma) und Cynodesmus (32 bis 29 Ma). Alle Gattungen haben ihren Ursprung im mittleren bis späten Eozän und starben meist im frühen Oligozän aus. Hesperocyon gehört zu den ersten Vertretern, die auch in Europa in Erscheinung traten. Nach einhelliger Meinung war dies wahrscheinlich mit dem frühen Oligozän der Fall. Die Diversität der Hunde erreicht im Oligozän (34 bis 23 Ma) mit etwa 19 Gattungen und im Miozän (23 bis 5 Ma) mit 42 Gattungen ihren Höhepunkt. Die Gattungen Canis und Vulpes traten vor 10 bis 9 Millionen Jahren im späten Miozän in Erscheinung. Der Wolf (Canis lupus) tauchte vor etwa 300.000 Jahren im späten Pleistozän auf.

Unklar ist die Herkunft des Dingo (Canis lupus dingo).
Haushund: Deutscher Schäferhund
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Haushund: Deutscher Schäferhund
Die ältesten fossilen Funde weisen ein Alter von etwa 5.500 Jahren auf und wurden in Thailand gefunden. Die ältesten Funde aus Australien sind lediglich rund 3.500 Jahre alt. Man geht davon aus, dass asiatische Seefahrer die Dingos nach Australien eingeführt haben. Nachgewiesen ist, dass der Dingo vom Indischen Wolf (Canis lupus pallipes) abstammt.

Durch die konvergente Evolution fand bei fuchsähnlichen Arten morphologisch gesehen eine Selektion statt. Morphologische Eigenschaften, die bislang zur Klassifizierung herangezogen wurden, führten immer wieder zu widersprüchlichen Ergebnissen und somit zu einer Überzahl von Arten. Heute erfolgt die Klassifizierung für gewöhnlich auf phylogenetische, evolutionäre Verbindungen zwischen den Taxa, die durch molekulare Analysen weitgehend entschlüsselt wurden. Bei den fuchsartigen Hunden gibt es demnach 3 unterschiedliche Stammlinien. Den Vorfahren am nächsten stehen die Graufüchse der Gattung Urocyon. Sie haben ihren Ursprung vor etwa 6 bis 4 Millionen Jahren. Mit keinem der echten Füchse sind die Vertreter dieser Gattung enger verwandt. Die erste Stammlinie bildet der Löffelhund der Gattung Otocyon. Er unterscheidet sich sowohl genetisch als auch morphologisch und hat seinen Ursprung im Pliozän vor etwa 3 Millionen Jahren. Die zweite Stammlinie umfasst insbesondere die Gattung Vulpes. Diese Gattung ist zweigeteilt, zum einen in die rotfuchsartigen und zum anderen in die fennekartigen Formen. Die Entwicklung dieser Linie begann vor 4,5 bis 4 Millionen Jahren. Zur dritten Linie gehören die südamerikanischen Fuchsarten. Sie sind deutlich enger mit der Canis-Radiation verwandt.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Fast alle Arten der Hunde sind anatomisch perfekt an die Verfolgung von Beutetieren angepasst. Sie verfügen über schlanke und gelenkige Körper, eine buschige Rute (Schwanz) und lange Läufe (Beine). Eine der wenigen Ausnahmen bildet der gedrungen wirkende Waldhund (Speothos venaticus). Die Füße der Hunde weisen jeweils 4 Zehen auf, mit nicht retraktilen Krallen.
Dingo (Canis lupus dingo)
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Dingo (Canis lupus dingo)
Bis auf den Afrikanischen Wildhund verfügen alle Hunde über einen rudimentären Daumen (Pollex) an den Vorderpfoten. Haushunde (Canis lupus familiaris) und Dingos (Canis lupus dingo) besitzen an den hinteren Läufen rudimentäre Daumenkrallen, die sogenannten Afterkrallen. Eine Anpassung an die Hetzjagd stellt die Verschmelzung der Handwurzelknochen und die Sperrung der Vorderarmknochen gegen Drehbewegungen dar. Zu den kleinsten Arten gehört der Fennek (Vulpes zerda), zu den größten Arten der Wolf (Canis lupus) und der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus). Der Wolf erreicht eine Körperlänge von 100 bis 150 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 31 bis 51 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 66 bis 100 Zentimeter sowie ein Gewicht von 12 bis 75 Kilogramm. Die kleinste Art, der Fennek, erreicht eine Körperlänge von 24 bis 41 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 18 bis 31 Zentimeter sowie ein Gewicht von 800 bis 1.500 Gramm.

Viele Arten zeigen typische Körperformen und sind in den großen Gattungen Vulpes und Canis angesiedelt. Eher wenige Arten zeigen atypische Körperformen und bilden daher meist monotypische Gattungen. Waldhunde (Speothos venaticus) gehören zu den eher untypischen Hundearten. Sie wirken mit den kurzen Beinen und dem walzenartigen Körper sehr gedrungen. Im Gegensatz zu anderen Arten sind ihren kleinen Ohren gerundet. Auch der kurze Schwanz und die breiten Pfoten sind durchaus untypisch. Ebenfalls untypisch sind die extrem langen Beine der Mähnenwölfe (Chrysocyon brachyurus), sie stellen eine Anpassung an hohes Gras in ihrem Lebensraum dar.

Zu den eher primitiven Hundearten gehört der Marderhund (Nyctereutes procyonoides). Die Art ist nah mit dem Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) und dem Löffelhund (Otocyon megalotis) verwandt. Marderhunde leben zumeist in Wassernähe und gelten daher als exzellente Schwimmer. Die gelten als die einzige Hundeart, die nicht bellt. Marderhunde wurden zwischen 1920 und 1950 zur Pelzgewinnung im westlichen Russland eingeführt. Später entkommene oder ausgesetzte Tiere waren in Russland der Grundstock für eine eigene Population und sind heute in weiten Teilen des östlichen Europa anzutreffen. Diese eher unbeabsichtigte Verbreitung hat jedoch gravierende Auswirkungen. Marderhunde gelten als Überträger der Tollwut. Man geht davon aus, dass sich der Tollwutvirus während des Winterschlafes der Marderhunde in deren Körper vermehrt. So breitet sich der Tollwutvirus auch in fuchsarmen Regionen in jedem Frühjahr erneut aus.

Waldhund (Speothos venaticus)
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Waldhund (Speothos venaticus)
Das kräftige Gebiss der Hunde besteht meist aus 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet I3/3, C1/1, P4/4, M2/3. Von dieser Formel weichen nur 3 Arten ab: dies sind der Löffelhund mit 48 Zähnen, der Rothund (Cuon alpinus) mit 40 Zähnen und der Waldhund mit 38 Zähnen (I3/3, C1/1, P4/4, M1/2). Die Reißzähne weisen 2 distale Höcker auf, beim Afrikanischen Wildhund, dem Waldhund und dem Rothund zeigt sich nur ein distaler Höcker.

Lebensweise

Hundeartige sind ausgesprochen anpassungsfähig und gegenüber Artgenossen sozial eingestellt. Hunde leben in aller Regel in Rudeln. Die Rudel zeichnen sich vor allem durch flexible, komplexe Sozialstrukturen aus. Bei vielen Arten wie beispielsweise dem Wolf können auch verschiedene Muster und Sozialstrukturen auftreten. So trifft man bei Wölfen sowohl monogam lebende Paare als auch größere Gruppen von bis zu 20 Tieren an. Für ein Leben in Gruppen sprechen neben der gemeinsamen Jagd auf größere Beutetiere auch die gemeinsame Revierverteidigung und die gemeinschaftliche Versorgung des Nachwuchses.

Die Kommunikation untereinander durch Lautäußerungen ist bei fast allen Arten die Regel und drückt sich in Bellen, Jaulen, Heulen oder Quieken aus. Besonders bekannt ist das Heulen der Wölfe. Es hat den Anschein, als würden Wölfe in klaren Nächten den Mond anheulen. Tatsächlich dient das Heulen lediglich als Mitteilung der Anwesenheit in Richtung anderer Wölfe oder fremder Wolfsrudel. Das Heulen erfolgt meist im Rudel. So vermeiden Wölfe Angriffe auf Einzelgänger. Neben den akustischen Signalen dienen auch olfaktorische und visuelle Signale der Kommunikation untereinander. Die Körperhaltung spielt vor allem bei den Wölfen eine große Rolle. Eine aufrecht getragene Rute und aufrecht stehende Ohren signalisieren sowohl Wachsamkeit als auch zuweilen Aggression. Ähnlich verhält es sich mit dem Blecken der Zähne.

Einige Hundeartige, wie z.B. Wolf und Afrikanischer Wildhund leben in Rudeln, die aus einem Pärchen, Jungtieren und mitunter aus Tieren vergangener Würfe bestehen. Die Größe eines Rudels ist von Art zu Art unterschiedlich und kann beispielsweise beim Wolf zwischen 20 und 30 Individuen betragen. Afrikanische Wildhunde leben nicht selten in Rudeln von bis zu 50 Tieren. In einem Rudel herrscht grundsätzlich eine strenge Hierarchie. Die Position in der Hierarchie spielen Status und Rechte wider. Hunde sind meist territorial.
Rothund (Cuon alpinus)
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Rothund (Cuon alpinus)
Die Reviergrößen können zwischen einigen wenigen und mehreren Hundert Quadratkilometern liegen. Die Reviere werden vor allem an den Grenzen mit Urin und Kot markiert. Die Größe eines Reviers richtet sich auch nach der Größe eines Rudels sowie nach dem Nahrungsangebot.

Verbreitung

Hundeartige sind fast weltweit auf allen Kontinenten verbreitet. Sie kommen nur in wenigen Regionen der Erde wie etwa Madagaskar oder Neuseeland nicht vor. Wölfe sind dabei ausschließlich in der nördlichen Hemisphäre verbreitet. In Europa ist der Wolf jedoch weitestgehend verschwunden. Andere Arten wie Kojoten (Canis latrans), sind kontinental beschränkt, sie kommen ausschließlich in Nordamerika vor. Schakale sind im Südosten Europas, im Nahen Osten, im westlichen Asien und in Afrika weit verbreitet. Füchse fehlen lediglich im zentralen Afrika und in Südostasien. Rothunde kommen in Indien, der Himalaya-Region und im westlichen Teil Südostasiens vor. Mähnenwölfe sind im zentralen Osten Südamerikas beheimatet. Ähnliches gilt auch für den Waldhund, der jedoch ein Verbreitungsgebiet bis in den Norden Südamerikas aufweist. Jedoch weisen nicht alle Arten eine großes Verbreitungsgebiet auf: der Äthiopische Wolf (Canis simensis) ist nur in einem kleinen Gebiet in den Bergen Äthiopiens endemisch.

Der Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis) weist ein besonders kleines Verbreitunbgsgebiet auf. Er ist vor der Küste des südlichen Kaliforniens, USA, auf sechs Inseln endemisch, die sich in einer Entfernung von 30 bis 96 Kilometer vom Festland entfernt befinden. Dabei handelt es sich um die Inseln San Miguel, Santa Rosa und Santa Cruz im Norden sowie Santa Catalina, San Nicolas und San Clemente im Süden. Die drei nördlichen Inseln liegen westlich von Los Angeles, die südlichen Inseln liegen südwestlich von Los Angeles und nordwestlich von San Diego. Die Tiere sind in einer Vielzahl von Lebensräumen anzutreffen und haben sich an diese angepasst. Zu den natürlichen Lebensräumen gehören neben den Küstenregionen und anschließenden Dünenlandschaften auch Heidegebiete, Chaparrals (strauch- und buschartige Habitate), lichte Laub- und Nadelwälder sowie die Ufer von Bächen und Flüssen.

Kojote (Canis latrans)
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Kojote (Canis latrans)
Als Lebensräume kommen bei Hunden je nach Art so gut wie alle Habitate in Frage. So sind Hundeartige in den arktischen Tundren, in der Prärie, offenes Land, Gras- und Heidelandschaften, Wüsten, Halbwüsten, Baum- und Strauchsavannen, lichte und montane Wälder, alpine Hochgebirgsregionen, subtropische und tropische Regenwälder, waldnahes Marschland, bewaldete Flusstäler, zuweilen auch städtische Regionen bis hin zu Ballungsräumen anzutreffen.

Für gewöhnlich halten sich Hunde nicht in der Nähe des Menschen auf. Einige Vertreter gelten jedoch als ausgesprochene Kulturfolger. Dazu gehören beispielsweise der Rotfuchs (Vulpes vulpes) oder auch der Kojote. Letzterer traut sich zuweilen bis in die Zentren größerer Städte vor.

Prädatoren

Auch wenn die Hundeartigen am Ende der Nahrungskette stehen, so treten je nach Hundeart mehr oder weniger zahlreiche Fressfeinde in Erscheinung. Sandfüchse (Vulpes rueppelli) werden gelegentlich von Raubadlern (Aquila rapax), Uhus (Bubo bubo) oder Honigdachsen (Mellivora capensis) gerissen. Fenneks stehen bei Hyänen (Hyaenidae) und Schakalen hoch im Kurs. Zu den Jägern der Polarfüchse (Vulpes lagopus) zählen insbesondere Eisbären (Ursus maritimus), Rotfüchse, Wölfe, Vielfraße (Gulo gulo), Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), Steinadler (Aquila chrysaetos), größere Bussarde (Buteo), Schnee-Eulen (Bubo scandiacus). Graufüchse werden gelegentlich von Kanadischen Luchsen (Lynx canadensis) oder Kojoten getötet. In der Regel fallen einem dieser Jäger nur Jungtiere sowie alte und schwache Tiere zum Opfer.

Auch endemisch lebende Arten wie der Insel-Graufuchs werden gelegentlich Jagdopfer. Auf den zum Teil kleinen Inseln seines Verbreitungsgebietes hat er jedoch verhältnismäßig wenige Prädatoren. Diese schließen je nach Insel und Lebensraum insbesondere die Westlichen Fleckenskunks (Spilogale gracilis), Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis), Kolkraben (Corvus corax), Steinadler und Weißkopfseeadler mit ein. In der Regel fallen aber auch hier einem Fressfeind nur Jungtiere oder juvenile Tiere zum Opfer. Der Weißkopfseeadler jedoch ist auch in der Lage einen erwachsenen Insel-Graufuchs zu reißen.

Ernährung

Je nach Art erfolgt die Jagd einzelgängerisch oder im Rudel. Größere Beutetiere werden von den großen Hundearten wie dem Wolf grundsätzlich im Rudel gejagt.

Bei den großen Hundeartigen wie etwa den Wölfen, stehen meist größere Huftiere wie beispielsweise Elche (Alces alces), Dallschafe (Ovis dalli), Wildschafe (Ovis orientalis), Moschusochsen (Ovibos moschatus), Rentiere (Rangifer tarandus), Bisons (Bison) sowie andere Hornträger (Bovidae) und Hirsche (Cervidae) auf der Speisekarte. Auch wenn Wölfe leicht ein großes und gesundes Huftier im Rudel erlegen könnten, haben sie es zumeist auf alte und schwache Tiere oder Jungtiere abgesehen. Wölfe beobachten potentielle Beutetiere, bevor sie zuschlagen. Dabei fallen ihnen bereits kleine Auffälligkeiten wie etwaige Schwächen auf. Greifen Wölfe dennoch beispielsweise einen gesunden Moschusochsen an, so kann es durchaus sein, dass ein Moschusochse (Ovibos moschatus) die Oberhand gewinnt und sogar einen Angreifer tötet.
Steht bei Wölfen auf der Speisekarte: der Kanadische Biber (Castor canadensis)
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Steht bei Wölfen auf der Speisekarte: der Kanadische Biber (Castor canadensis)
In Mangelzeiten verschmähen Wölfe aber auch Kleingetier wie Biber (Castoridae), Hasen (Leporidae) oder sogar Mäuse (Myomorpha) nicht. Selbst Vögel (Aves) werden bei Gelegenheit erbeutet. Wölfe, aber auch andere Hundeartige, sind nicht selten auf Mülldeponien und ähnlichen Plätzen beobachtet worden, wo sie nach verwertbarer Nahrung suchen.

Andere Hundeartige wie Kojoten gelten als opportunistische Beutegreifer und Allesfresser. Sie ernähren sich von Früchten, Abfällen, Aas oder Tieren von der Maus bis zur Größe eines mittelgroßen Huftieres. In landwirtschaftlichen Regionen stehen auch Geflügel und anderes Getier auf der Speisekarte. Kleinere Hundeartige wie der Marderhund bevorzugen kleinere Beutetiere wie Gliederfüßer (Arthropoda), Lurche (Amphibia) und kleinere Reptilien (Reptilia). Aber auch Beeren und Früchte werden vom Marderhund gerne gefressen. Mähnenwölfe machen Jagd auf Insekten (Insecta), Gürteltiere (Dasypodidae), aber auch auf Nagetiere (Rodentia) und Vögel.

Fortpflanzung

Hundeartige sind je nach Art mit 8 bis 12 Monaten geschlechtsreif. Größere Arten paaren sich erstmals erst gegen Ende des zweiten Lebensjahres. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen über den auslaufenden Winter oder das beginnende Frühjahr. In tropischen Regionen kommt es meist während der Regenzeit zu den Geburten. Pro Saison kommt es nur zu einem Wurf. Der Östrus der Weibchen beträgt bei den meisten Arten zwischen 2 und 5 Tage. Die Tragezeit liegt artenabhängig zwischen 60 und 63 Tagen. Beim Afrikanischen Wildhund liegt die Tragezeit bei 70 bis 73 Tagen, beim Mähnenwolf bei 65 Tagen. Die kürzeste Tragezeit weist der Maikong (Cerdocyon thous) mit 55 bis 58 Tagen sowie der Kitfuchs (Vulpes velox) mit 50 bis 55 Tagen auf. Ein Weibchen bringt zwischen 3 und 12, selten auch mehr Jungtiere an geschützter Stelle, nicht selten in einem Erdbau oder an ähnlicher Stelle, zur Welt.
Juvenile Kapfüchse (Vulpes chama)
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Juvenile Kapfüchse (Vulpes chama)
Erdbauten verfügen über einen geräumigen Wohnkessel und meist mit mehreren Ein- und Ausgängen. Die Welpen werden nackt und blind geboren. Erst nach 2 bis 3 Wochen öffnen sie erstmals ihre Augen. Die Säugezeit erstreckt sich über 3 bis 4 Monate. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen Jungtiere in der Regel den Familienverband. Um die Versorgung des Nachwuchses kümmern sich neben beiden Elternteilen auch andere Rudelmitglieder. Die Lebenserwartung liegt bei Hunden zwischen 7 und 16 Jahren. Wölfe können in Gefangenschaft ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen.

Domestizierung

Über den Ursprung des Haushundes gibt es mehrere Theorien. Vorherrschend ist die Meinung, dass der Haushund vom Wolf abstammt. Daher wird der Haushund für gewöhnlich als Unterart des Wolfes unter der Bezeichnung Canis lupus familiaris geführt. Der älteste Nachweis eines domestizierten Hundes stammt aus Deutschland und weist ein Alter von rund 14.000 Jahren auf. Die gefundenen Zähne lassen sich mit hoher Sicherheit einem Hund zuordnen, der direkt mit dem Wolf verwandt war. Molekulare Befunde lassen darauf schließen, dass die Domestizierung bereits vor etwa 100.000 Jahren begonnen haben muss. Um die genauen Umstände der Domestizierung wurde und wird spekuliert. Diverse Theorien besagen, dass die Vorfahren des Menschen den Hund wohl bewusst für praktische Zwecke wie die Jagd, die Bewachung und ähnlichem einsetzte. Vielleicht dienten die domestizierten Hunde als Nahrung. Andere Thesen gehen davon aus, dass die Domestizierung rein zufällig geschah.

Mythen und Kulturen

Kaum eine Tierart ist in den Mythen so stark verankert wie der Wolf. Er trat vor allem in den nördlichen Kulturen in Erscheinung. Romulus und Remus, der römischen Mythologie nach die Gründer der Stadt Rom um 750 v. Chr., wurden von einer kapitolinischen Wölfin gesäugt. Der griechische Dichter Äsop beschrieb 600 v. Chr. in seinen Fabeln den Wolf als klug und listig sowie den Fuchs, der den Raben überlistete. Bei verschiedenen Schakalen (Goldschakal (Canis aureus), Streifenschakal (Canis adustus) und Schabrackenschakal (Canis mesomelas)) zeigte sich bereits im alten Ägypten die Assoziation mit dem Tod. So wurde der altägyptische Gott Anubis, Richter der Seelen und Wächter der Toten, mit einem Kopf eines Schakals dargestellt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Kritisch gefährdet: der Rotwolf (Canis rufus)
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Kritisch gefährdet: der Rotwolf (Canis rufus)

Hundeartige, vor allem der Wolf, konkurrierten schon seit Jahrtausenden mit dem Menschen um Lebensraum und Nahrung. Im Zuge der Domestizierung tritt der "gezähmte Wolf" heute domestiziert als "bester Freund des Menschen" in Erscheinung. Weit weniger beliebt ist der Wolf heute in seiner Stammform. Man stellt ihm nach, da er in der Nähe des Menschen auch dessen Vieh reißt. Auch von Übergriffen auf den Menschen wird immer wieder berichtet. Jedoch ist es in Wirklichkeit so, dass der Wolf die Nähe zum Menschen eher meidet und bei Kontakt die Flucht ergreift.

Auch wenn Hunde sehr anpassungsfähig sind, so sind sie nicht vor der indirekten Bedrohung durch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume geschützt. Einige Arten wie der Waldhund oder auch der Kurzohrfuchs (Atelocynus microtis) sind heute sehr selten geworden und stehen kurz vor der Ausrottung. Ähnlich schlecht steht es um den Mähnenwolf und den Afrikanischen Wildhund. Bedrohte Arten werden nicht selten Opfer des Allee-Effekts: bei geringem Bestand geraten sie in eine Abwärtsspirale, die letztlich zur Ausrottung führt. Es besteht demnach ein negativer Effekt von kleinen Populationen auf die Fitness des Einzelindividuums. Im Fall der auf Kooperation angewiesenen Afrikanischen Wildhunde bedeutet dies: eine Gruppe von weniger als 5 Individuen ist zu klein, um erfolgreich zu jagen, Beute zu verteidigen und die Jungen zu versorgen. Der Allee-Effekt beruht auf Forschungen des amerikanischen Forschers Warder Clyde Allee (1885–1955) und wurde nach ihm benannt.

IUCN-Status

Die meisten Hundeartigen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Der Rotwolf (Canis rufus) und der Insel-Graufuchs stehen heute jedoch kurz vor der Ausrottung und werden daher in der Roten Liste der IUCN als kritisch gefährdet (CR, Critically endangered) geführt. Der Äthiopische Wolf, der Afrikanische Wildhund (Lycaon pictus) und der Rothund werden in der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet (EN, Endangered) geführt. Der Waldhund und der Afghanfuchs (Vulpes cana) gelten in der Roten Liste der IUCN als gefährdet (VU, Vulnerable).

Link-Text==Systematik der Hundeartigen==

Rotfuchs (Vulpes vulpes)
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Rotfuchs (Vulpes vulpes)
Steppenfuchs (Vulpes corsac)
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Steppenfuchs (Vulpes corsac)
Löffelhund (Otocyon megalotis)
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Löffelhund (Otocyon megalotis)
Maikong (Cerdocyon thous)
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Maikong (Cerdocyon thous)
Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus)
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Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus)
Darwinfuchs (Lycalopex fulvipes)
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Darwinfuchs (Lycalopex fulvipes)

Familie: Hundeartige (Canidae)

Gattung: Aelurodon
Art: Aelurodon ferox
Art: Aelurodon taxoides
Art: Aelurodon wheelerianus
Gattung: Aletocyon
Gattung: Kurzohrfüchse (Atelocynus)
Art: Kurzohrfuchs (Atelocynus microtis)
Gattung: Bassariscops
Gattung: Borophagus
Art: Borophagus direptor
Art: Borophagus diversidens
Art: Borophagus pachyodon
Gattung: Caedocyon
Gattung: Echte Hunde (Canis)
Art: Streifenschakal (Canis adustus)
Art: Canis arnensis
Art: Goldschakal (Canis aureus)
Art: Canis davisi
Art: Kojote (Canis latrans)
Art: Wolf (Canis lupus)
Art: Schabrackenschakal (Canis mesomelas)
Art: Rotwolf (Canis rufus)
Art: Äthiopischer Wolf (Canis simensis)
Art: Canis vitastensis
Gattung: Carpocyon
Gattung: Maikongs (Cerdocyon)
Art: Maikong (Cerdocyon thous)
Gattung: Mähnenwölfe (Chrysocyon)
Art: Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus)
Gattung: Cormocyon
Gattung: Rothunde (Cuon)
Art: Rothund (Cuon alpinus)
Gattung: Cynarctoides
Gattung: Cynarctus
Gattung: Cynodesmus
Gattung: Falklandfüchse (Dusicyon)
Art: Falklandwolf (Dusicyon australis)
Gattung: Ectopocynus
Gattung: Enhydrocyon
Gattung: Epicyon
Art: Epicyon aphobus
Art: Epicyon diabloensis
Art: Epicyon haydeni
Art: Epicyon littoralis
Art: Epicyon saevus
Gattung: Eucyon
Gattung: Euoplocyon
Gattung: Hesperocyon
Gattung: Leptocyon
Art: Leptocyon vafer
Gattung: Lycalopex
Art: Magellanfuchs (Lycalopex culpaeus)
Art: Darwinfuchs (Lycalopex fulvipes)
Art: Argentinischer Graufuchs (Lycalopex griseus)
Art: Pampasfuchs (Lycalopex gymnocercus)
Art: Lycalopex sechurae
Art: Brasilianischer Kampfuchs (Lycalopex vetulus)
Gattung: Afrikanische Wildhunde (Lycaon)
Art: Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus)
Gattung: Mesocyon
Art: Mesocyon brachyops
Art: Mesocyon coryphaeus
Gattung: Marderhunde (Nyctereutes)
Art: Marderhund (Nyctereutes procyonoides)
Gattung: Osbornodon
Gattung: Osteoborus
Art: Osteoborus cyonoides
Gattung: Löffelhunde (Otocyon)
Art: Löffelhund (Otocyon megalotis)
Gattung: Oxetocyon
Gattung: Paraenhydrocyon
Gattung: Philotrox
Art: Philotrox condoni
Gattung: Phlaocyon
Gattung: Procynodictis
Gattung: Prohesperocyon
Gattung: Protocyon
Gattung: Prototocyon
Gattung: Waldhunde (Speothos)
Art: Speothos pacivorus
Art: Waldhund (Speothos venaticus)
Gattung: Strobodon
Gattung: Sunkahetanka
Gattung: Theriodictis
Art: Theriodictis platensis
Gattung: Tomarctus
Art: Tomarctus euthos
Art: Tomarctus kelloggi
Art: Tomarctus optatus
Art: Tomarctus rurestris
Art: Tomarctus temerarius
Gattung: Graufüchse (Urocyon)
Art: Urocyon californicus
Art: Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus)
Art: Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis)
Gattung: Echte Füchse (Vulpes)
Art: Bengalfuchs (Vulpes bengalensis)
Art: Afghanfuchs (Vulpes cana)
Art: Kapfuchs (Vulpes chama)
Art: Steppenfuchs (Vulpes corsac)
Art: Tibetfuchs (Vulpes ferrilata)
Art: Polarfuchs (Vulpes lagopus)
Art: Großohr-Kitfuchs (Vulpes macrotis)
Art: Blassfuchs (Vulpes pallida)
Art: Sandfuchs (Vulpes rueppellii)
Art: Kitfuchs (Vulpes velox)
Art: Rotfuchs (Vulpes vulpes)
Art: Fennek (Vulpes zerda)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

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