Hundsrobben

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Hundsrobben
Weddellrobbe (Leptonychotes weddellii)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hundsrobben
Wissenschaftlicher Name
Phocidae
Gray, 1821

Hundsrobben (Phocidae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora). In 13 Gattungen werden 18 rezente Arten geführt.

Hundsrobben, Ohrenrobben (Otariidae) und Walrosse (Odobenidae) werden auch als Wasserraubtiere (Pinnipedia) innerhalb der Ordnung der Raubtiere (Carnivora) zusammengefasst. Die Bezeichnung Pinnipedia kommt vom latainischen Wort pinna (Flosse) und pedis (Fluß). Zusammen ergibt dies den Begriff Flossenfüßer.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Hundsrobben erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 120 bis 600 Zentimeter sowie ein Gewicht von 65 bis 3.700 Kilogramm. Die kleinste Art ist die Kegelrobbe (Halichoerus grypus), die größte Art ist der Südliche Seeelefant (Mirounga leonina). Innerhalb der Familie zeigen sich vor allem in der Größe zwischen den Geschlechtern deutliche Unterschiede und im Größenverhältnis der Geschlechter. Bei den meisten Arten sind Männchen und Weibchen jedoch in etwa gleich groß. Bei den Weddellrobben, Mönchsrobben und Seeleoparden sind die Weibchen sogar größer als die Männchen. Ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus zeigt sich hingegen bei den Seeelefanten (Mirounga), den Kegelrobben (Halichoerus grypus) und den Klappmützen (Cystophora cristata). Bei diesen Arten sind die Männchen deutlich größer und weisen auch größere, gewölbte Schädel auf.
Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina)
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Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina)
Auswüchse im Nasenbereich dienen den teils aggressiven Werberitualen. Bei den Südlichen Seeelefanten ist das Größenverhältnis zwischen den Geschlechtern am deutlichsten zu erkennen. Männchen werden rund 7-mal schwerer als Weibchen. In Bereich der Schnauze zeigen sich zahlreiche Tasthaare. Die Anzahl der Tasthaare liegt beispielsweise beim Seehund bei 100. Sie dienen im Wesentlichen der Orientierung.

Der Körper ist bei allen Arten mehr oder weniger stromlinienförmig bis spindelförmig und ermöglicht ein schnelles Schwimmen. Im Gegensatz zu den Ohrenrobben (Otariidae) verfügt das Fell der Hundsrobben über keine Unterwolle. Das Fell weist eine gräuliche bis graubraune Färbung auf. Bei einigen Arten können sich Flecken oder Sattelflecken zeigen. Ventral ist das Fell oftmals ein wenig heller gefärbt. Die fehlende Unterwolle wird funktionell durch den Blubber ersetzt, eine dicke Fettschicht unter der Haut, die der Thermoregulation und als Energiereserve dient. Bei den Mönchsrobben (Monachus) weist der Blubber eine Stärke von 10 bis 11 Zentimeter auf. Auch bei der Art zu Schwimmen unterscheiden sich Hundsrobben deutlich von den Ohrenrobben. Hundsrobben bewegen sich im Wasser durch kräftige Seitwärtsbewegungen des Hinterteils. Da die hinteren Gliedmaßen mit den Becken verbunden sind, steht der Schwanz kaum vor. Die Lendenwirbel sind kräftig ausgeprägt, die einzelnen Wirbel sind relativ locker verbunden, so dass die Wirbelsäule ausgesprochen beweglich ist. Die Füße sind ausgesprochen lang und mit Schwimmhäuten versehen. Dadurch ergeben sich äußerst wirksame Flossen. An Land sind die Flossen jedoch nutzlos, ja sogar fast hinderlich. Die vorderen Gliedmaßen dienen den Tieren im Gegensatz zu den Ohrenrobben nicht dem Vortrieb. Sie dienen lediglich der Steuerung und der Fortbewegung an Land. Bei einigen Arten, insbesondere bei den arktischen Arten, sind die Vorderflossen zudem sehr beweglich. Bei den Mönchsrobben (Monachus) unterstützen kräftige Muskelgruppen längs der Wirbelsäule die Vorderflossen.

Bei allen Arten der Hundsrobben ist das Herz- und Kreislaufsystem sowie die Atmung darauf ausgelegt, lange unter Wasser bleiben zu können. Weddellrobbe (Leptonychotes weddellii) und die Nördlichen Seeelefanten (Mirounga angustirostris) gelten als die besten Taucher unter den Hundsrobben. Eine Weddelrobbe erreicht eine Tiefe von bis zu 600 Metern, ein Südlicher Seeelefant sogar eine Tiefe von bis zu 1.500 Metern. Die längste nachgewiesene Tauchzeit eines Nördlichen Seeelefanten liegt bei etwa 120 Minuten. Hundsrobben können unter Wasser ausgezeichnet sehen. Die Pupillen erweitern sich unter Wasser je nach Helligkeitsgrad und ermöglichen so das Lokalisieren von Beutetieren. Das Gebiss der Hundsrobben besteht artabhängig aus 26 bis 36 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2-3/1/2, c1/1, p4/4, m0-2/0-2.

Lebensweise

Außerhalb der Paarungszeit leben Hundrobben auf hoher See oder in Küstennähe einzelgängerisch. Zu größeren Ansammlungen kommt es nur während der Fortpflanzungsperiode. Im Wasser verbringen die Tiere unterschiedlich viel Zeit. Nördliche Seeelefanten verbringen dabei weit mehr Zeit im Wasser als andere Arten der Hundsrobben. Bis auf die Paarungszeit verbringen sie ihr ganzes Leben im Wasser. Dies entspricht annähernd 90 Prozent ihres Lebens. Nördliche Seeelefanten sind nur wenig sesshaft und legen auf ihren Wanderungen zum Teil Tausende Kilometer zurück. Sie kehren allerdings wie alle Hundsrobben immer an die gleichen Fortpflanzungsstrände zurück. Zumindest dahingehend gelten sie als sesshaft. Ein mehr oder weniger soziales Gefüge bildet sich nur an den Fortpflanzungsstränden oder auf dem Schelfeis. Hier beanspruchen dominante Bullen einen Harem, der aus Weibchen und deren Nachwuchs besteht. An Land bewegen sich die Tiere aufgrund ihres hohen Gewichtes sehr langsam und unbeholfen.
Krabbenfresser (Lobodon carcinophagus)
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Krabbenfresser (Lobodon carcinophagus)
Im Wasser sind Nördliche Seeelefanten allerdings elegante und ausdauernde Schwimmer. Ihre Tauchtiefen sind annähernd unübertroffen und werden nur von wenigen Walarten übertroffen. Bei ihren Tauchgängen wird der Organismus mit Sauerstoff versorgt, der im Blut eingelagert ist. So können sie teilweise über eine Stunde tauchen. Andere Arten wie beispielsweise die Krabbenfresser leben während der Paarungszeit in kleinen Familiengruppen. Dabei schließen sich eine Vielzahl an Familien zu größeren Kolonien zusammen. Eine Kolonie kann dabei aus 100 bis 1.000 Tieren bestehen. Eine Familie besteht aus einem Weibchen, einem Männchen und einem Welpen. Die Ehe hält jedoch nur für kurze Zeit, wobei sich die Väter nicht um den Nachwuchs kümmern und unmittelbar nach der Paarung fällt eine Familie auseinander.

Hundsrobben sind zwar auch am Tage aktiv, jedoch auf Nahrungssuche gehen die meisten Arten ausschließlich oder überwiegend in der Nacht. Die Nahrungssuche erstreckt sich dabei nicht selten über die ganze Nacht. Die übliche Tauchtiefe beträgt etwa 10 bis 100 Meter, einige Arten tauchen auch bis in Tiefen von bis zu 600 Metern oder mehr. Die Tauchzeiten liegen zwischen fünf und zehn Minuten, bei den Tieren die sehr tief tauchen bis zu 2 Stunden. Bei einigen Arten kommt es während des Jahres zu saisonalen Wanderungen. Krabbenfresser und andere Arten wandern im späten Sommer oder im Herbst von den Sommerquartieren nordwärts in die Winterquartiere. Auch Seeleoparden wandern außerhalb der Paarungszeit. Während der Migration kann es bei ihnen zu Gruppenbildungen kommen. Die Arten sind unterschiedlich schnelle Schwimmer. Zu den schnellsten Schwimmern gehören die Kegelrobben. Mit ihrem stromlinienförmigen Körper sind sie unter Wasser zu Geschwindigkeiten von annähernd 40 km/h in der Lage. Ihr Blut hat einen hohen Anteil an Hämoglobin. Dieser eisenhaltige rote Blutfarbstoff ist in der Lage, extrem viel Sauerstoff im Blut zu binden. Damit können Kegelrobben bis zu 20 Minuten lang tauchen. Ihre normale Tauchtiefe beträgt rund 70 bis 100 Meter. In Extremfällen können sie aber auch bis zu 300 Meter tief tauchen. Durch die Verlangsamung ihres Herzschlages wird die Blutversorgung auf ein Minimum beschränkt und somit Sauerstoff gespart. Während eines Tauchvorganges sind Nasen- und Ohrenöffnung verschlossen.

Verbreitung

Hawaii-Mönchsrobbe (Monachus schauinslandi)
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Hawaii-Mönchsrobbe (Monachus schauinslandi)

Hundsrobben leben hauptsächlich in den polaren und subpolaren Gewässern der südlichen und nördlichen Hemisphäre. Einige Arten wie die Mönchsrobben (Monachus) leben auch in gemäßigten und subtropischen Gewässern. Je nach Art werden während der Paarungszeit Festlandeis, Packeis, felsige Regionen sowie die Küsten und Strände von Inseln besiedelt. Ursprünglich lebten die Vorfahren der Hundsrobben in wärmeren Gewässern. Bis auf den Seehund (Phoca vitulina) gebären alle Vertreter der Unterfamilie Phocinae ihren Nachwuchs auf dem Eis. Der Seehund bevorzugt eher gemäßigte Gewässerregionen. Die Vertreter der Monarchinae pflanzen sich ausschließlich in gemäßigten bis subtropischen Gewässern fort.

Das größte Verbreitungsgebiet aller Hundsrobben weist der Seehund (Phoca vitulina) auf. Er ist von der Ostsee, über den Atlantik und Pazifik bis ins südliche Japan verbreitet. Trotz des großen Verbreitungsgebietes und der nomadischen Lebensweise kehren Seehunde jährlich an die gleichen Fortpflanzungsplätze zurück. Diese erstaunliche Strategie wurde durch mitochrondriale DNA-Untersuchungen belegt. Die Populationen im Atlantik und im Pazifik unterscheiden sich ebenso wie die Populationen auf der westlichen und östlichen Seite eines Ozeans dabei deutlich. Genetische Sprünge können allenfalls bei benachbarten Populationen auftreten.

Prädatoren

Abhängig von der Art und dem Verbreitungsgebiet kommen zahlreiche Land- und Meerestiere als Prädatoren in Frage. Dazu gehören unter anderem der Weiße Hai (Carcharodon carcharias), der Grönlandhai (Somniosus microcephalus) und andere größere Haie (Galeomorphii), der Eisbär (Ursus maritimus), der Braunbär (Ursus arctos), der Polarfuchs (Vulpes lagopus), das Walross (Odobenus rosmarus) und der Große Schwertwal (Orcinus orca). Aber auch in den eigenen Reihen gibt es natürliche Feinde. Hier ist insbesondere der Seeleopard (Hydrurga leptonyx) zu nennen, der es auf andere Robben abgesehen hat. Kleinere Räuber wie Polarfüchse haben es auf Neugeborene oder Jungtiere abgesehen, oder begnügen sich mit den Resten, die der Eisbär nicht völlig gefressen hat.

Ernährung

Hundsrobben ernähren sich überwiegend von kleiner und weicher Nahrung. Aus diesem Grunde unterscheidet sich die Anordnung der Prämolaren und Molaren zu den Landraubtieren. Die Prämolaren und Molaren sind auf Reihen gleichförmiger Zähne verringert. Auf der Speisekarte stehen je nach Art kleine Knochenfische (Osteichthyes), Krebstiere (Crustacea), Kopffüßer (Cephalopoda) und andere Weichtiere (Mollusca).
Beliebter Snack einiger Arten: der Antarktische Krill (Euphausia superba)
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Beliebter Snack einiger Arten: der Antarktische Krill (Euphausia superba)
Abweichend davon ernähren sich Seeleoparden (Hydrurga leptonyx) neben Antarktischen Krill (Euphausia superba) auch von andere Robben und Vögel (Aves). Ein Leckerbissen sind vor allem der Krabbenfresser (Lobodon carcinophagus) und die Pinguine (Spheniscidae). Die Hauptnahrung besteht zu je einem Drittel aus Robben und aus Antarktischem Krill (Euphausia superba), das letzte Drittel machen Vögel, Fische (Actinopterygii) und Weichtiere (Mollusca) aus.

Andere Arten wie die Krabbenfresser ernähren sich fast ausschließlich vom Antarktischen Krill, nur selten ergänzen andere wirbellose Tiere den Speiseplan. Sattelrobben ernähren sich hauptsächlich von Fischen (Actinopterygii). Dazu gehören je nach Verbreitungsgebiet beispielsweise der Kapelan (Mallotus villosus), Atlantische Heringe (Clupea harengus), Dorsche (Gadidae), Groppen (Cottus gobio), der Goldbutt (Pleuronectes platessa) und der Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus). Aber auch Krebstiere wie Flohkrebse (Amphipoda) und Krill (Euphausiacea) werden gerne gefressen.

Bei den meisten Arten erfolgt die Nahrungssuche meist in Tiefen von bis zu 100 Metern, gelegentlich auch in Tiefen von 200 bis 300 Metern. Einige Arten tauchen bis in Tiefen von 400 bis 600 Metern und erreichen dabei artabhängige Tauchzeiten von 10 bis 70 Minuten. Absoluter Rekordhalter unter den Hundsrobben sind die Nördlichen Seeelefanten (Mirounga angustirostris): Sie erreichen Tauchtiefen von bis zu 1.500 Metern und Tauchzeiten von über einer Stunde. Durch die Verlangsamung des Herzschlages wird die Blutversorgung auf ein Minimum beschränkt und somit Sauerstoff gespart. Während eines Tauchvorganges sind Nasen- und Ohrenöffnung verschlossen.

Fortpflanzung

Geschlechtsreife

Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife differiert je nach Art unerwartet stark. Bei kleinen Arten wie beispielsweise der Ringelrobbe (Phoca hispida) liegt die Geschlechtsreife später als bei antarktischen und deutlich größeren Arten. Das macht Sinn, denn eine frühe Geschlechtsreife kleiner Robbenarten hätte zahlreiche Nachteile. Sie leben in komplexen Umgebungen an Küstenlinien und sind lokal zum Teil stark von Fleischfressern bewohnt. Mit einem höheren Alter können die Tiere die vielfältigen Gefahren deutlich besser einschätzen. Bei den Männchen der Seeelefanten zeigt sich zwischen dem Erreichen der physischen und der sozialen Geschlechtsreife eine deutliche Diskrepanz. Sie können erst voll ausgewachsen in den Rivalenkämpfen bestehen. Man hat festgestellt, dass bei zahlreichen Arten die Tiere in kleinen Populationen früher geschlechtsreif werden.
Sattelrobbe: Mutter mit Jungtier beim Säugen
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Sattelrobbe: Mutter mit Jungtier beim Säugen
Dies hat wahrscheinlich damit zu tun, dass den Tieren in kleinen Populationen mehr Nahrung zur Verfügung steht. Jungtiere wachsen so deutlich schneller voran.

Paarungszeit und Paarung

Die Fruchtbarkeit der Weibchen liegt in Zeiten, in denen eine Aufzucht des Nachwuchses gewährleistet ist. Es ist ein schmales Zeitfenster, in dem der Nachwuchs zur Welt kommt und die erneute Kopulation erfolgt. Männchen sind meist schon lange zuvor und lange danach potent. Bei jungen Weibchen kann es zu abweichenden (bis zu 6 Monaten) Wurf- und Paarungszeiten kommen, da sie ihren Zyklus noch nicht richtig koordinieren können. Die meisten Weibchen einer Art vermehren sich hingegen zur selben Zeit. Bei Populationen in höheren Breitengraden beginnt die Paarungszeit etwas später als in gemäßigten Regionen. Bei einigen Arten wie etwa den Kegelrobben kann es bei verschiedenen Populationen regionale Unterschiede im Timing und in der Wahl der Wurfplätze geben.

Die Paarung bei den meisten Arten erfolgt im Wasser. Nur die Seeelefanten und die Kegelrobben paaren sich an Land. Die Paarung erfolgt kurze Zeit nach der Entwöhnung des Nachwuchses. Meist ist dies nach 1 bis 2 Wochen der Fall. Je nach Art erstreckt sich die Paarungszeit über 270 bis 350 Tage. In dieser Zeit ist jedoch eine Keimruhe enthalten. Die Nettotragezeit erstreckt sich daher artabhängig über 195 bis 240 Tage. Die verzögerte Entwicklung der Embryonen hat zur Folge, dass die Männchen um die Weibchen werben, wenn diese durch ihre Mutterpflichten ortsfest sind. Zudem ist die verzögerte Einpflanzung des Eies eine Anpassung an die Nahrungsoptionen und die körperliche Konstitution der Weibchen. Bei Arten, die in Kolonien leben, scharrt ein dominanter Bulle ein Harem um sich. Sie verteidigen ihre Reviere und ihre Harems gegenüber Rivalen. Dabei kommt es mitunter zu heftigen Rivalenkämpfen, die durchaus auch blutig enden können. In der Regel kommt nur ein Bruchteil der geschlechtsreifen Männchen in einer Saison zum Zuge. Das Geschlechterverhältnis in großen Kolonien kann dabei bei bis zu 100 Weibchen auf ein Männchen sein.

Geburt, Laktation und Aufzucht

Jungtier einer Sattelrobbe, auch Heuler oder Welpe genannt
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Jungtier einer Sattelrobbe, auch Heuler oder Welpe genannt

Die mittlere Laktationsperiode liegt bei den meisten Arten zwischen 1 und 2 Wochen. Abweichend davon erstreckt sich die Laktationsperiode bei den Ringelrobben (Phoca hispida) und den Baikalrobben (Phoca sibirica) über gut 12 Wochen. Die Jungtiere dieser beiden Arten werden von den Müttern in Schneehöhlen gesäugt. Diese zeitlichen Differenzen lassen sich mit der vermeintlichen Sicherheit erklären. Mütter, die ihre Jungen ungeschützt auf dem Eis zur Welt bringen, müssen in Hinblick auf die zahlreichen Gefahren ihre Jungen schnell vom Eis bekommen. Jungtiere, die in Schneehöhlen zur Welt kommen, sind zunächst in Sicherheit und können sich mehr Zeit lassen. Auch Mönchsrobben (Monachus), Weddellrobben (Leptonychotes weddellii) und Seeleoparden (Hydrurga leptonyx) weisen eine etwas längere Säugezeit auf. Sie liegt bei etwa 5 bis 6 Wochen. Während der mehr oder weniger langen Laktationsperiode erreichen die Jungtiere das 2,5- bis 3,5-fache ihres Geburtsgewichtes. Grund für das schnelle Wachstum ist die fettreiche Muttermilch. Der Fettanteil liegt gegen Ende der Laktation bei bis zu 52 Prozent. Zu Beginn liegt der Wasseranteil bei 70 Prozent, gegen Ende der Laktation liegt der Wassergehalt bei nur noch 33 Prozent. Die Mütter beziehen den hohen Fettanteil ihrer Milch aus ihrem Blubber. Ohne Frage ist die Laktationsperiode für die Weibchen anstrengend. Dennoch fasten die Weibchen fast aller Hundsrobben während dieser Phase. Der Grund hierfür ist das relativ hohe Körpergewicht und die dicke Schicht Blubber, die im Wesentlichen als Energiereserve dient. Im Blubber werden neben Fett auch zahlreiche Proteine gespeichert. Während der gesamten Aufzuchtphase verlieren Weibchen artabhängig zwischen 35 und 40 Prozent ihres Körpergewichtes.

Ringelrobben bringen ihren Nachwuchs in unterirdischen Höhlen zur Welt. Dazu bricht ein Weibchen im Wasser ein Loch in die Eisdecke und legt oberhalb des Eises eine kleine Höhle im Schnee an. Der Lebensraum der Ringelrobben liegt in Breiten mit extrem tiefen Temperaturen und ist durch stabile Eisplattformen gekennzeichnet. Die geringe Körpergröße der adulten Tiere und die unselbständigen Jungtiere sind dabei eine durchaus ungewöhnliche Anpassung an die Kälte. Die Höhlen dienen in erster Linie dem Schutz der Welpen vor Fleischfressern wie den Eisbären (Ursus maritimus) oder auch den Polarfüchsen (Vulpes lagopus).

Besonders rasch nehmen die Jungtiere der Nördlichen Seeelefanten (Mirounga angustirostris) an Gewicht zu. Sie legen in den ersten 5 Wochen vom Geburtsgewicht von 40 Kilogramm auf rund 127 Kilogramm zu. Die Weibchen aller Arten senken während der Laktation ihren Grundumsatz, um während des Fastens Energie zu sparen. Das Geburtsgewicht der Jungtiere liegt artabhängig zwischen 5 und 40 Kilogramm.

Bei einigen Arten kann es zu Adoptionen kommen. Dies ist vor allem bei Nördlichen Seeelefanten zu beobachten. Auch die Toleranz der Weibchen wird von fremden Jungen ausgenutzt, um den einen oder anderen Happen Milch zu "stehlen". In dicht besiedelten Kolonien kommt es unter den Weibchen regelmäßig zu Aggressionen. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass Mütter von ihrem Nachwuchs getrennt werden. In weniger dicht besiedelten Kolonien, wie etwa bei den südlichen Seeelefanten tritt dies seltener auf. Auch das Alter der Weibchen spielt dabei eine Rolle. Jüngere und kleinere Weibchen werden weit häufiger von ihrem Nachwuchs getrennt als ältere und größere Weibchen. Die Lebenserwartung der Hundsrobben liegt bei durchschnittlich 25 Jahren. Einige Arten wie die Ringelrobbe erreichen sogar in Freiheit ein Alter von 43 Jahren, die Kegelrobbe sogar ein Alter von bis zu 46 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die meisten Arten gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie werden daher in der Roten Liste der IUCN als solches (LC, Least Concern) geführt. Eine Art, die Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis) gilt seit einigen Jahrzehnten als ausgestorben. Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) steht unmittelbar vor der Ausrottung. Der Gesamtbestand soll sich bei nur wenigen Hundert Tieren bewegen. Die Art wird als kritisch gefährdet (CR, critically endangered) geführt. Nicht viel besser geht es der zweiten rezenten Art der Mönchsrobben, den Hawaii-Mönchsrobben (Monachus schauinslandi). Diese Art gilt als stark gefährdet (EN, Endangered). Die Kaspische Robbe (Phoca caspica) gilt als stark gefährdet und wird in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie EN, Endangered, geführt.

Die Bejagung durch den Menschen spielt heute für die meisten Arten keine große Rolle mehr. Einige Arten wie beispielsweise die Bandrobben haben seit Jahren mit den erhöhten Wassertemperaturen und dem damit verbundenen Abschmelzen des Schelfeises zu kämpfen. Auf dem Schelfeis wechseln sie ihr Fell und der Nachwuchs kommt zur Welt. Mit diesem Problem haben auch andere Hundsrobben sowie auch die Eisbären zu kämpfen. Fehlt dieses Eis, so haben die angesprochenen Bandrobben ein großes Problem. In der Vergangenheit wurden viele Arten wegen dem Fell, der Haut, dem Fleisch und dem Tran bejagt. Dieses spielt heute für fast alle Arten keine große Rolle mehr. Allenfalls indigene Völker wie die Inuit jagen aktuell zur Selbstversorgung nach den Tieren. Ein weiteres Problem dürfte die Überfischung der Meere sein, für viele Tiere wird es immer schwieriger genügend Nahrung zu finden.

Am stärksten von der Bejagung sind heute noch die Sattelrobben betroffen. Die Bejagung der Sattelrobben hat ihren Ursprung vor rund 200 Jahren. Seither wurden jährlich Hunderttausende oder gar Millionen Tiere getötet. Neben dem wertvollen Pelz der Jungtiere hatte man es auch auf das Fleisch und das Öl der Tiere abgesehen. Das Öl diente primär als Brennstoff für Öllampen oder als Schmierstoff. Seit rund 50 Jahren liegt der Schwerpunkt jedoch auf das Fell der Jungtiere und das Leder der erwachsenen Tiere. 1983 erließ die Europäische Gemeinschaft ein Importverbot für die Felle der Jungtiere. Bereits seit 1972 herrscht in den USA ein Einfuhrverbot von Robbenprodukten. Dennoch geht die Bejagung der Tiere in einigen Ländern munter weiter. Nach wie vor ist vor allem der rein weiße Pelz der Neugeborenen das begehrteste Produkt der Sattelrobben. Die Felle finden weltweit reißenden Absatz. Die Bejagung und Tötung ist grausam und brutal. Die Jungtiere werden mit Holzknüppeln erschlagen. Dabei wird vorzugsweise der Schädel der Tiere zertrümmert, um das Fell nicht zu schädigen. Ein Jäger benötigt in der Regel mehrere Schläge bis ein Tier tot ist. Nicht selten geht es den Jägern nicht schnell genug und man zieht den noch lebenden Jungtieren das Fell ab. Die Bejagung der Sattelrobben hat sich vor allem in Kanada und in Norwegen zu einem lukrativen Geschäftszweig entwickelt. Aber auch Russland gehört zu den Nationen, die die Tiere massiv bejagen. Besonders makaber sind Jagdpraktiken in Norwegen. Hier ist es seit 2005 erlaubt, als Tourist in Begleitung eines einheimischen Jägers mit Knüppeln auf Robbenjagd zu gehen. In Kanada unterliegt die Robbenjagd zwar strengen Regularien, die Jagd ist dadurch aber nicht minder grausam und brutal. Im Jahre 2008 wurden 275.000 (2007: 270.000) Sattelrobben zum Abschlachten freigegeben. Die Jagdsaison begann mit einer "Tragödie", als ein Fangschiff rund 70 Kilometer nördlich von Cape Breton kenterte und 4 Robbenjäger ums Lebens kamen. Die Jagd wurde daraufhin für kurze Zeit unterbrochen.

Galerie des Grauens, Jagd auf Sattelrobben

Systematik der Hundsrobben

Bandrobbe (Phoca fasciata)
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Bandrobbe (Phoca fasciata)
Bartrobbe (Erignathus barbatus)
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Bartrobbe (Erignathus barbatus)
Kegelrobbe (Halichoerus grypus)
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Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Anatomisch gesehen werden Hundsrobben in zwei Unterfamilien eingeteilt, die wiederrum in jeweils 3 Stämme gegliedert werden. Eine Unterfamilie, die Monachinae, bilden die Stämme der Mönchsrobben (Monachus), ein weiterer Stamm weist die Seeelefanten (Mirounga) auf, der dritte Stamm erstreckt sich über die Ross-Robben (Ommatophoca), die Krabbenfresser (Lobodon), die Seeleoparden (Hydrurga) und Weddellrobben (Leptonychotes).

Die restlichen Gattungen, also die Bartrobben (Erignathus), die Echten Hundsrobben (Phoca), Kegelrobbe (Halichoerus) und die Klappmütze (Cystophora) werden der Unterfamilie der Phocinae zugeordnet. Die drei Stämme sind a) die Bartrobben, b) die Klappmützen und c) die restlichen genannten Gattungen.

Die nachstehende Systematik erfolgt nach Wilson & Reeder, 2003. <1>
Familie Hundsrobben (Phocidae)

Gattung: Cystophora
Art: Klappmütze (Cystophora cristata)
Gattung: Erignathus
Art: Bartrobbe (Erignathus barbatus)
Gattung: Halichoerus
Art: Kegelrobbe (Halichoerus grypus)
Gattung: Histriophoca
Art: Bandrobbe (Histriophoca fasciata)
Gattung: Hydrurga
Art: Seeleopard (Hydrurga leptonyx)
Gattung: Leptonychotes
Art: Weddellrobbe (Leptonychotes weddellii)
Gattung: Lobodon
Art: Krabbenfresser (Lobodon carcinophagus)
Gattung: Seeelefanten (Mirounga)
Art: Nördlicher Seeelefant (Mirounga angustirostris)
Art: Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina)
Gattung: Mönchsrobben (Monachus)
Art: Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus)
Art: Hawaii-Mönchsrobbe (Monachus schauinslandi)
Art: Karibische Mönchsrobbe (Monachus tropicalis)
Gattung: Ommatophoca
Art: Ross-Robbe (Ommatophoca rossii)
Gattung: Pagophilus
Art: Sattelrobbe (Pagophilus groenlandica)
Gattung: Echte Hundsrobben (Phoca)
Art: Largha-Robbe (Phoca largha)
Art: Seehund (Phoca vitulina)
Gattung: Pusa
Art: Eismeer-Ringelrobbe (Pusa hispida)
Art: Kaspische Robbe (Pusa caspica)
Art: Baikalrobbe (Pusa sibirica)

Anhang

Literatur und Quellen

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