Hunter-Antilope

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Hunter-Antilope

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Gattung: Damaliscus
Art: Hunter-Antilope
Wissenschaftlicher Name
Damaliscus hunteri, Beatragus hunteri
Sclater, 1889

IUCN-Status
Critically Endangered (LC)

Die Hunter-Antilope (Damaliscus hunteri oder Beatragus hunteri) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Damaliscus. Die Hunter-Antilope wird gelegentlich auch als Unterart der Leierantilope (Damaliscus lunatus) angesehen und in diesen Fällen unter dem wissenschaftlichen Namen Damaliscus lunatus hunteri geführt.

Im Jahre 2005 (Wilson & Reeder, 2005) wurde die Art aufgrund des Ergebnis einer DNA-Untersuchung in eine eigene Gattung mit der Bezeichnung Beatragus ausgelagert. Hier läuft die Hunter-Antilope unter dem wissenschaftlichen Namen Beatragus hunteri. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Hunter-Antilope nicht weiter mit der Leierantilope und anderen Vertretern der Gattung Damaliscus verwandt ist. <1>

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Hunter-Antilope erreicht eine Körperlänge von 125 bis 200 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 105 bis 125 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 30 bis 45 Zentimeter sowie ein Gewicht von 80 bis 135 Kilogramm. Männchen werden etwas größer und schwerer als Weibchen, zudem weisen sie eine etwas dunklere Färbung auf. Beide Geschlechter tragen imposante Hörner, die eine Länge von bis zu 70 Zentimeter erreichen können. Die Hörner der Männchen werden nur geringfügig länger. Markant an den Hörnern ist die starke Furchung an der Vorderseite. Die Hörner verlaufen in leichtem Bogen nach hinten und leicht nach außen. Das kurze und ausgesprochen glatte und dichte Fell weist eine hellbraune bis graubraune Färbung auf. Im Bereich des Widerristes zeigt sich deutlich eine buckelartige Erhebung. Die Augen sind durch einen hellen Augenring gekennzeichnet. Die Rückenlinie ist insgesamt leicht nach hinten abfallend. Auf dem Nasenrücken zeigt sich eine dunkelbraune bis fast schwarze Färbung, zwischen den Augen verläuft ein weißlicher Streifen. Die langen, spitz zulaufenden Ohren sitzen seitlich am Kopf, unmittelbar hinter den Hörnern. Der Kopf ist insgesamt leicht in die Länge gezogen. Der Schwanz zeigt eine weißliche Färbung. Jungtiere sind hellbraun gefärbt.

Lebensweise

Die Geschlechter der Hunter-Antilopen leben in getrennten Gruppen. Männchen leben in Junggesellenherden, ältere Männchen durchstreifen die weite Ebene einzelgängerisch. Die Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs in Herden, die eine Gruppenstärke von 10 bis 15 Individuen umfassen können. Auf den Wanderungen schließen sich einzelne Gruppen gelegentlich zu größeren Gruppen zusammen. In der Vergangenheit konnten Gruppen von einigen Tausend Tieren beobachtet werden. Während der Paarungszeit sind die Männchen ausgesprochen territorial und versuchen eine Herde mit Weibchen zu übernehmen. Die Reviere können einige Hundert Hektar groß sein. Die Reviergrenzen werden von den Männchen mit Urin und Kot markiert. Darüber hinaus werden Büsche und Zweige mit einem Sekret aus Körperdrüsen markiert. Dabei kommt es oftmals unter rivalisierenden Männchen zu erbitterten Auseinandersetzungen, die mit den Hörnern ausgetragen werden. Hunter-Antilopen sind sehr schnelle Läufer. Selbst über längere Strecken können sie ein Tempo von bis zu 70 km/h durchhalten.

Verbreitung

Die Hunter-Antilope ist in Ostafrika nur in einem kleinen Gebiet zwischen den Flüssen Tana und Juba verbreitet. Dieses Gebiet liegt im Grenzgebiet zwischen Kenia und Somalia. Die Tiere sind hauptsächlich in der weiten Ebene anzutreffen, sie bevorzugen dabei steppen- und savannenartige Habitate und Grasland. Aber auch an den Rändern in lichten Akazienwäldern sind sie durchaus häufig anzutreffen. Während der Trockenzeit kommt es regelmäßig zu Wanderungen in andere Nahrungsgründe.

Prädatoren

In den natürlichen Lebensräumen gehören Löwen (Panthera leo), Leopard (Panthera pardus), Streifenhyänen (Hyaena hyaena), Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta) und [[Afrikanischer Wildhund|Afrikanische Wildhund]e] (Lycaon pictus) zu den natürlichen Fleischfressern der Hunter-Antilope. Geparden (Acinonyx jubatus) erbeuten hin und wieder ein Kalb. Der gefährlichste Feind ist und bleibt der Mensch, der die Art gnadenlos an den Rand der Ausrottung gebracht hat.

Ernährung

Hunter-Antilopen ernähren sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern, die sie auf grasigen Wiesen weiden. Sie bevorzugen Süßgräser (Poaceae) der Gattungen Panicum, Digitaria sowie Portulak (Portulaca oleracea) und ähnliche Gräser. Eher selten fressen sie auch Laub und junge Triebe oder die Rinde von Bäumen und Büschen. Hunter-Antilopen sind zwar auf Trinkwasser angewiesen, sie können aber durchaus für längere Zeit auf Trinkwasser verzichten. Sie vermeiden während der Trockenzeit jede unnötige Bewegung um nicht zu dehydrieren. Auf Nahrungssuche gehen Hunter-Antilopen zumeist in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Fortpflanzung

Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit knapp zwei bis drei Jahren, Männchen werden erst mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Zu ihrer ersten Paarung kommen Männchen meist noch später zu ihrer ersten Paarung, da nur ausgewachsene starke Männchen ein Recht auf Paarung haben und dieses durch gewonnene Rivalenkämpfe auch dokumentieren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten von März bis April oder Mai. Während der Paarungszeit kommt es unter den geschlechtsreifen Männchen zu heftigen Kämpfen, aus denen nur ein siegreiches Männchen hervorgeht und sich im folgenden mit den Weibchen einer Herde paart. Die Herden umfassen durchschnittlich zwischen sechs und acht Weibchen. Die Geburten fallen in der Regel in die beginnende Regenzeit. Das Weibchen bringt nach einer Tragezeit von rund 215 bis 235 Tagen ein Kalb an einer geschützten Stelle zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten, aber bereits dokumentiert. Unmittelbar nach der Geburt leckt die Mutter ihr Junges ab, um den verräterischen Geruch zu tilgen. Das Junge bleibt einige Tage im hohen Gras verborgen, ehe es kräftig genug ist, der Mutter zur Herde zu folgen. Die Mutter kommt mehrmals am Tag zum Säugen vorbei. Die Säugezeit erstreckt sich über vier bis fünf Monate. Das Jungtier bleibt allerdings bis zu einem Jahr bei der Mutter. Die Lebenserwartung einer Hunter-Antilope liegt in Freiheit bei bis zu 10 Jahren. In Gefangenschaft können sie auch ein wenig älter werden.

Gefährdung und Schutz

Hunter-Antilopen bilden die Nahrungsgrundlage für viele natürliche Fressfeinde. Der Schwund durch Prädatoren alleine wäre für die Art aber nicht weiter bedrohlich, denn auch der Mensch stellt den Tieren massiv nach und hat die Art mittlerweile an den Rand der Ausrottung gebracht. Die Bestände haben mittlerweile einen kritischen Zustand erreicht. Heute leben von der Hunter-Antilope nur noch weniger als 300 Exemplare (Kingdon, 1997). Andere Schätzungen belaufen sich auf 400 Tiere. Aktuell gelten die Populationen auf Seiten Somalias bereits als ausgestorben. In den letzten Jahren trug aber nicht nur die Bejagung die Hauptschuld an den dramatischen Rückgang der Populationen, sondern auch lang anhaltende Dürreperioden und die Nahrungskonkurrenz zu dem Vieh der einheimischen Bevölkerung. Im Jahre 1996 verbrachte man eine Gruppe von 35 Tieren in einen geschützten Nationalpark, mit dem Ziel, die Art unbedingt zu erhalten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als kritisch gefährdet geführt. <2>

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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