Indische Gazelle

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Indische Gazelle

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Gazellen (Gazella)
Art: Indische Gazelle
Wissenschaftlicher Name
Gazella bennettii
Sykes, 1831

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Indische Gazelle (Gazella bennettii) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Gazellen (Gazella). Im Englischen wird die Indische Gazelle Indian Gazelle oder Chinkara genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Indische Gazelle erreicht eine Schulterhöhe von 65 Zentimeter, eine durchschnittliche Hornlänge von 25 bis 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von rund 23 Kilogramm. Die Populationen in den nördlichen Regionen verfügen über eine Hornlänge von bis zu 40 Zentimeter. Das Fell weist dorsal eine leicht kastanienbraune Grundfärbung auf. Die unteren Bereiche der Flanken, die Bauchseite, das Gesäß sowie die Innenseite der Extremitäten sind weißlich gefärbt. Der kurze Schwanz ist dunkelbraun gefärbt. Beide Geschlechter verfügen über Hörner. Die Hörner der Männchen sind an der Vorderseite stark geringelt und verfügen über 15 bis 25 Ringe. Die Form ihrer Hörner ist leicht s-förmig. Die Hörner der Weibchen sind glatt und im Wesentlichen gerade. Zudem sind die Hörner der Weibchen insgesamt kürzer und es ist auch von hornlosen Weibchen berichtet worden. Wie bei allen Hornträgern werden die Hörner nicht abgeworfen. Der Kopf ist zur Schnauze hin spitz zulaufend, seitlich des Rostrum zeigt sich ein mehr oder weniger gut sichtbarer weißlicher Streifen. Der Nasenrücken ist üblicherweise dunkelbraun gefärbt. Die länglichen Ohren sind trichterartig geformt und sitzen weit hinten am Schädel.

Lebensweise

Auch wenn Indische Gazellen tag- und dämmerungsaktiv sind, so meiden sie im Sommer die Mittagszeit. Sie ruhen dann an schattigen Plätzen unter Bäumen oder Büschen. Die Hauptaktivität entfalten die Tiere in Sommer in den frühen Morgen- und Abendstunden. Während dieser Zeit gehen sie auch auf Nahrungssuche. Das Ruhen am Tage während der warmen Tageszeit ist Teil einer ausgeklügelten Thermoregulation, die die Wärmeaufnahme reguliert. Die geschlechtsreifen Männchen der Indischen Gazelle leben in der Regel einzelgängerisch, Weibchen leben in kleinen Weibchengruppen, die eine Stärke von 10 bis 20 Weibchen und Jungtiere aufweisen. Subadulte Männchen schließen sich Junggesellenherden an. Indische Gazellen sind nicht territorial und dulden in ihrem Streifrevier durchaus Artgenossen. Ein direkter Kontakt wird, abgesehen von der Paarungszeit, jedoch vermieden. Ein Streifrevier umfasst meist eine Größe von 2 bis 3 Quadratkilometer. In nahrungsreichen Regionen können die Reviere auch kleiner ausfallen, in Wüsten und Halbwüsten auch entsprechend größer. Während der Paarungszeit ändert sich das Verhalten der geschlechtsreifen Männchen und sie legen ein territoriales Verhalten an den Tag. Während dieser Zeit wird das Revier mit Kot und Urin markiert. Eindringlinge und Artgenossen werden vehement vertrieben. Geduldet werden ausschließlich Weibchenherden.

Unterarten

Verbreitung

Indische Gazellen waren ursprünglich auf dem gesamten Indischen Subkontinent verbreitet. Dies haben fossile Funde belegt. Heute erstreckt sich das Verbreitungsgebiet in Indien über zentrale und westliche Landesteile sowie in Pakistan und Afghanistan, weiter bis in den Iran hinein. Indische Gazellen sind sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen und Hochebenen bis in Höhen von rund 1.500 Metern anzutreffen. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes werden eine Vielzahl natürlicher Lebensräume besiedelt. Aride und halbaride Lebensräume wie Buschland, lichte Wälder, Offene Savannen und auch die Ränder von Wüsten werden bevorzugt besiedelt. Ein Gewässer muss dabei nicht zwingend vorhanden sein. In den meisten Lebensräumen liegt die Niederschlagsmenge zwischen 100 und 150 mm im Jahr.

Prädatoren

Prädator: Rohrkatze (Felis chaus)
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Prädator: Rohrkatze (Felis chaus)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Indischen Gazellen gehören insbesondere Bengalfüchse (Vulpes bengalensis), verwilderte Haushunde (Canis lupus familiaris), Wölfe (Canis lupus), Rotfüchse (Vulpes vulpes) und Rohrkatzen (Felis chaus). Kleinere Räuber wie Füchse und Katzen haben es vor allem auf Jungtiere abgesehen. Indische Gazellen sind jedoch sehr wachsame Tiere. Innerhalb einer Herde hält zumindest immer ein Individuum Wache und alamiert die Gruppe bei nahender Gefahr. Die Kommunikation untereinander erfolgt durch akustische Laute wie Niessen und Schnauben.

Ernährung

Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Indische Gazellen von Gräsern, Kräutern, Blüten und Blättern. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise die Blätter der Kaperngewächse (Capparaceae), Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) und Akazien (Acacia). Aber auch Lampenputzergräser (Pennisetum), verschiedene Süßgräser (Poaceae) sowie Hülsenfrüchtler (Fabaceae) wie Schmetterlingsblütler (Faboideae) werden gerne gefressen, jedoch in geringerem Umfang wie Blätter. Das Nahrungsangebot kann saisonal und regional stark schwanken. In trockenen Regionen scharren Indische Gazellen auch mit den Hufen nach den Wurzeln verschiedener Pflanzen. Ihren Wasserbedarf stillen die Tiere hauptsächlich über die Nahrung. Ist Trinkwasser vorhanden, so nehmen sie dieses durchaus zu sich.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Indische Gazellen mit 1,5 bis 3 Jahren. Männchen kommen aufgrund der Rivalenkämpfe meist nicht vor drei bis vier Jahren zu ihrer ersten Paarung. Die Paarungszeit ist in den subtropischen Regionen an keine feste Jahreszeit gebunden. Die Hauptpaarungszeit fällt jedoch in die Zeiträume März bis April und August bis September. Dies entspricht der Regen- bzw. der Monsunzeit. In einer Saison kommt es in der Regel zu einem Wurf. Während der Paarungszeit legen Männchen ein besonderes territoriales Verhalten an den Tag und kämpfen mit Rivalen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Herde. Die Reviere werden mit Urin markiert und gegenüber Artgenossen verteidigt. Uneingeschränkten Zugang zum Revier eines Männchens haben nur geschlechtsreife und empfängnisbereite Weibchen. Ein siegreiches Männchen beansprucht das Paarungsrecht mit allen paarungsbereiten Weibchen einer Herde. Die Lebensweise kann aufgrund dieses Verhaltens als polygam bezeichnet werden. Nach einer Trächtigkeit von rund 175 bis 180 Tagen bringt das Weibchen ein, selten bis zwei Jungtiere zur Welt. Zwillingsgeburten treten relativ selten auf. Hochtragende Weibchen sondern sich von ihrer Herde zum Werfen ab. Die ersten 5 bis 6 Tage bleibt das Jungtier im hohen Gras oder in dichter Vegetation verborgen und wird von der Mutter aus einiger Entfernung bewacht. Das Weibchen kommt während dieser Zeit nur zum Säugen zum Nachwuchs. Ist ein Feind in der Nähe, so lenkt die Mutter die Aufmerksamkeit auf sich und leitet den Räuber vom Jungtier weg. Nach einigen Tagen ist das Jungtier kräftig genug, um der Mutter und der Herde zu folgen. Nach ein bis zwei Wochen ist das Junge so schnell unterwegs wie die erwachsenen Tiere. Bereits im zweiten oder dritten Lebensmonat nehmen Jungtiere neben der Muttermilch schon die erste feste Nahrung zu sich. Nach rund 3 bis 4 Monaten erfolgt die Entwöhnung von der Muttermilch. Zum Säugen verfügt ein Muttertier im Genitalbereich über Zitzen. Junge Männchen bleiben bis zum siebten Lebensmonat in der Herde der Mutter und schließen sich dann Junggesellengruppen an, Weibchen verbleiben ein Leben lang in ihrer Geburtsherde. Weibchen sind im Alter von 18 Monaten ausgewachsen, Männchen erst sehr viel später mit 30 bis 36 Monaten. Indische Gazellen können in Freiheit ein Alter von 8 bis 10 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Seit Jahrzehnten sinken die Bestände der Indischen Gazellen stetig. Zu den Hauptgründen zählen die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, die Überweidung durch das Vieh der Bauern, die Krankheiten, die vom Vieh der Bauern übertragen werden sowie die Bejagung durch den Menschen. Vor allem die Wilderei setzt den Tieren stark zu. Der Schwund in den Populationen durch Raubtiere fällt hingegen kaum ins Gewicht. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

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