Indusdelfin

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Indusdelfin

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Gangesdelfine (Platanistidae)
Gattung: Platanista
Art: Indusdelfin
Wissenschaftlicher Name
Platanista minor
Owen, 1853

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Indusdelfin (Platanista minor) zählt innerhalb der Familie der Familie der Gangesdelfine (Platanistidae) zur Gattung Platanista. Im Englischen wird die Art Indus River Dolphin, Susu, Indus Dolphin genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Ursprünglich wurden Gangesdelfine (Platanistidae), Flussdelfine (Iniidae) und Chinesische Flussdelfine (Lipotidae) in einer Familie geführt. Allerdings haben genetische Studien gezeigt, dass sie eine konvergente Gruppe von nur entfernt verwandten Arten bilden, die nur oberflächlich einander ähnlich sind. Gemeinsame Merkmale sind beispielsweise die rudimentären Augen. Dieses Merkmal hat sich jedoch unabhängig voneinander entwickelt. Grund hierfür dürften die ähnlichen Lebensräume sein. Heute geht man davon aus, dass Gangesdelfine (Platanistidae) aus den frühen Zahnwalen während des Oligozän entwickelt haben. Dies war vor rund 30 bis 35 Millionen Jahren der Fall. Nach einhelliger Meinung haben sich Gangesdelfine von den Pottwalen (Physeteridae) abgespalten, die Chinesischen Flussdelfine sowie die Flussdelfine (Iniidae) von den Schnabelwalen (Ziphiidae) und Schweinswalen (Phocoenidae).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Indusdelfin erreicht eine Körperlänge von 150 bis 250 cm und ein Gewicht von rund 70 bis 80 kg. Männchen bleiben kleiner und leichter als Weibchen. Markantes Merkmal ist der lange Schnabel mit der verbreiterten Spitze. Er erreicht gut 1 Fünftel der Körperlänge. Im Schnabel liegen je Kiefer 26 bis 39 Paar große, konisch geformte Zähne. Die Rückenfinne ist klein und liegt kurz vor dem Schwanzansatz. Sowohl die Brustflossen als auch die Schwanzflosse sind groß und breit. Die Haut ist dorsal dunkelgrau bis graubraun gefärbt, ventral zeigt sich eine deutlich hellere Färbung. Die Stirn ist steil abfallend und endet am Schnabelansatz. Die Melone ist rundlich geformt. Die Augen sind klein und haben nur rudimentären Charakter. Da die Linsen in den Augen fehlen, ist der Sehsinn sehr schwach entwickelt (Novak, 1999).

Lebensweise

Indusdelfine leben in der Regel einzelgängerisch oder paarweise. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere für gewöhnlich meist einzelgängerisch. Größere Schulen von 10 bis 30 Individuen sind sehr selten und nur in Lebensräumen mit ausreichend Nahrung zu beobachten. Die Orientierung, die Nahrungssuche und ansatzweise auch die Kommunikation untereinander erfolgen ausschließlich per Echoortung. Farben können die Tiere mit ihrem Sehsinn nicht unterscheiden. Sie sehen letztlich alles in Graustufen. Indusdelfine sind relativ langsame und behäbige Schwimmer. Die Tauchvorgänge erstrecken sich durchschnittlich über 90 Sekunden. Es sind aber auch Tauchgänge von mehreren Minuten bekannt und können bis in Tiefen von 6 m reichen. Mit dem langen Schnabel wird bei der Nahrungssuche das Sediment am Gewässergrund durchwühlt und Nahrung aufgestöbert. Während der Trockenzeit von Oktober bis April kommt es meist zu großeren Wanderungen in tiefere Gewässer, da die Wasserstände zu dieser Zeit deutlich sinken. Insbesondere Nebenflüsse werden in dieser Zeit gemieden (Novak, 1999).

Verbreitung und Lebensraum

Der Indusdelfin ist in Pakistan endemisch. Historisch war die Art im gesamten Fluss-System mit einer Länge von etwa 3.500 km verbreitet. Heute sind die Tiere auf einem kleinen Teil von je nach Autor 700 bis 1.375 km des Flusses anzutreffen. Die Vorkommen erstrecken sich im Wesentlichen zwischen den Staustufen von Sukkur und Guddu in der Provinz Sindh. Kleinere Populationen leben zwischen den Staustufen Chashma und Taunsa sowie in der Provinz Punjab im Nordosten Pakistans. Indusdelfine besiedeln Süßwasserflüsse. Hauptsächlich trifft man auf die Tiere in den tiefen Hauptgewässern, während der Regenzeit auch in flacheren Nebenflüssen. Im Jahr 2008 wurde eine kleine Population von 10 bis 15 Delfinen in Indien im Fluss Beas entdeckt worden. Die aktuelle Gesamtpopulation (5 Subpopulationen) wird auf 1.200 bis 1.340 geschätzt (IUCN, 2014; Awan & Shah, 2012).

Ernährung

Indusdelfine ernähren sich hauptsächlich von Fischen (Osteichthyes), Muscheln (Bivalvia), andere Weichtiere (Mollusca) und Krebstiere (Crustacea). Zu einem kleinen Teil werden nach einhelliger Meinung auch Schildkröten (Testudinata) und Vögel (Aves) gefressen. Die Nahrung wird in der Regel am Gewässergrund ergründelt und erfolgt per Echoortung (Novak, 1999).

Fortpflanzung

Die Tragezeit ist unbekannt, wird jedoch auf 8 bis 11 Monate geschätzt. Zu Geburten kann es im ganzen Jahr kommen. Die Spitzen liegen jedoch zwischen Dezember und Mai. Ein Weibchen bringt ein Jungtier zur Welt und wird für ein gutes Jahr gesäugt. Bei der Geburt weist der Nachwuchs eine Länge von 80 bis 90 (80) cm auf. Die Geschlechtsreife wird mit einer Länge von etwa 170 cm erreicht. In der Regel kommt es zur ersten Paarung im Alter von 6 bis 10 Jahren. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen in freier Wildbahn bei 30 Jahren (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Indusdelfine gehören heute zu den stark gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie EN, Endangered, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet den Indusdelfin in Anhang I des Abkommens. Zu den größten Gefahren gehören die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere die Fragmentierung durch Staustufen, der Fang, der nicht gewollte Beifang, die weitreichende Wasserverschmutzung und die vorsätzliche Tötung (IUCN, 2014).

Die Tiere wurden in der Vergangenheit stark bejagt. Verarbeitet wurde der Speck, aus dem Öl gewonnen wurde. Das Fleisch der Tiere landete auf den traditionellen Fleischmärkten. Auch wenn die Bejagung heute verboten ist, die Wilderei geht mangels Kontrollen munter weiter. Ein Problem ist auch der Beifang in den Netzen der traditionellen Fischer. Die Zahl der Verluste durch den Beifang ist jedoch nicht klar belegt. Für Fischer gilt der Indusdelfin als Nahrungskonkurrent. Daher wird er in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes vorsätzlich getötet. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Wasserverschmutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Siedlungen. Nachgewiesen sind insbesondere Quecksilber und Arsen. Über die landwirtschaftliche Düngung gelangen Pestizide ins Wasser. Ebenfalls ein großes Problem ist die Fragmentierung durch Staustufen. An den Staustufen wird insbesondere Strom erzeugt. Durch die Staustufen werden Populationen isoliert, ein genetischer Austausch zwischen den Populationen kann nicht mehr stattfinden. Kleine Subpopulationen sind zudem anfällig für äußerliche Einwirkungen. Die Migration ist durch die vorhandenen Staustufen blockiert (IUCN, 2014; Waqas et al, 2012).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Wale (Cetacea)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
  • Hadoram Shirihai, Brett Jarrett: Meeressäuger - Alle 129 Arten weltweit. Kosmos, Stuttgart, 2008

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