Insekten

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Insekten
Polistes gallicus

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten
Wissenschaftlicher Name
Insecta
Linnaeus, 1758

Die Insekten (Insecta), aus früheren Zeiten manchem auch als Kerfe bekannt, sind eine Klasse vom Stamm der Gliederfüßer (Arthropoda) und zählen zur Überklasse der Sechsfüßer (Hexapoda). Mit weltweit rund einer Million Arten sind sie die erfolgreichste Klasse aller Tiere und man nimmt dennoch an, erst rund die Hälfte aller Insekten entdeckt zu haben, einige Wissenschaftler gehen sogar noch weiter und sagen, es könnte noch mehrere Zehnmillion Arten geben. In Mitteleuropa sind bereits weit über 30.000 Insektenarten entdeckt worden und es kommen regelmäßig neue Arten hinzu. Im Englischen werden die Insekten Insects genannt. Erstmals beschrieben wurde die Klasse im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.
Die sich mit Insekten befassende Wissenschaft ist die Entomologie.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Die ersten Insekten und ihre Vorgänger existierten vielleicht bereits schon vor über 400 Millionen Jahren auf der Erde und zu Beginn ihres Bestehens war noch nicht im Entferntesten daran zu denken, dass sie irgendwann einmal mit wahrscheinlich weit über einer Millionen Arten
Fossile Ameise eingeschlossen in Bernstein
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Fossile Ameise eingeschlossen in Bernstein
über die Hälfte aller bisher entdeckten Tierarten ausmachen würden, und man rechnet damit, das sich bis heute sogar über zwei Millionen Insektenarten entwickelt haben, was bedeuten würde, dass erst die Hälfte der Arten gefunden und beschrieben wurde. Sie finden ihren Ursprung etwa im Devonzeitalter und Silurzeitalter des Paläozoikums und waren später die ersten Tiere, die sich das Fliegen zu Nutze machten und allgemein mitunter die ersten Tiere, die das Land eroberten, lange vor dem ersten Auftreten der Dinosaurier. Die meisten der ersten Arten, genauer, fast alle, sind heute ausgestorben, die fossilen Funde jedoch zeigen, dass es sich bei den frühesten Insekten mit großer Wahrscheinlichkeit um Arten handelte, die heutigen Schabenverwandten (Dictyoptera), also beispielsweise der Hausschabe (Blattella germanica), und Libellen (Odonata) ähnelten. Die frühesten Insekten waren Springschwänze (Rhynie) aus Schottland, die Funde sind 374 bis 387 Millionen Jahre alt. Der Höhepunkt der Insektenfauna lässt sich ins Oberkarbon vor rund 333 bis 286 Millionen Jahren zurückführen, damals herrschte die größte je dagewesene Artenvielfalt. Erste Schmetterlinge (Lepidoptera), Libellen (Odonata), Hautflügler (Hymenoptera), Zweiflügler (Diptera) und Käfer (Coleoptera) traten vor 286 bis 248 Millionen Jahren im Permzeitalter auf. Viele Insekten wurden im Schlamm versteinert, die besten Funde ergeben sich jedoch aus im versteinerten Harz von Bäumen, dem Bernstein, eingeschlossenen Insekten, sie wurden dort, nach dem sie an einem harzendem Baum kleben geblieben sind, luftdicht eingeschlossen und regelrecht konserviert. Auf Grund dessen, dass die Flügel sich erst im Laufe der Evolution entwickelt haben, fehlen diese bei den sehr aller ältesten Insekten, wobei sie sich bei einigen auch wieder zurückgebildet haben.

Erfolgsgeheimnisse

Wie bereits beschrieben machen die Insekten mit einer Artenzahl von wahrscheinlich deutlich über einer Million weit mehr als die Hälfte aller Tierarten aus. Allgemein ist die Anzahl an Insekten milliardenfach größer als die Anzahl der weltweit über 6,1 Milliarden Menschen, mitunter ist auch ihre biodivärsitäre Dichte enorm. Auf einem Quadratmeter Weideland beispielsweise können bis zu 60.000 Insekten vorkommen. Sie besiedeln die unglaublichsten Lebensräume, zum Teil Gebiete, in denen sonst keine anderen Tiere vorkommen. Für den enormen Erfolg der Insekten kann man mehrere Eigenschaften verantwortlich machen. Zum Einen haben sie eine feste Körperhülle ohne Knochen, mit einem Außenskelett, welches die Insekten verhältnismäßig zur Größe sehr kräftigt und sie vor dem Austrocknen schützt und zum Anderen haben sie, im Gegensatz zu den meisten Wirbeltieren, eine sehr geringe Körpergröße, was ihnen ermöglicht in für Wirbeltiere förmlich fremde Lebensräume vorzudringen. Sie kommen bei Futterknappheit auch besser zurecht, als Wirbeltiere, da sie einen viel geringeren Energieverbrauch haben. Des Weiteren können sich die meisten Insekten durch die Fähigkeit zu fliegen über weite(re) Strecken verbreiten, was es ihnen ermöglicht, vor bestimmten Problemen einfach zu fliehen, sie suchen sich dann bessere und günstigere Lebensbedinungen. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis der kleinen Krabbeltiere ist ihr, bei vielen Arten beinahe schon unheimlich großes, Vermögen sich schnell fortzupflanzen, einige Insekten können bei günstigem Klima und guten Nahrungsverhältnissen innerhalb weniger Wochen vertausendfachen. Allgemein wird auch das vielfältige Nahrungsspektrum zum Vorteil, viele Insekten sind überhaupt Allesfresser (omnivor) und die Insekten allgemein fressen alles von Pflanzen und Fleisch über Aas bis hin zu Kot, wobei jedoch zu beachten ist, dass es auch extreme Spezialisten gibt.

Beschreibung

Hinweis: Die Angaben der folgenden sechs Absätze beziehen sich nur auf ausgewachsene Tiere.

Insekten und andere Gliederfüßer

Insekten weisen einige Ähnlichkeiten zu anderen Gliederfüßern (Arthropoda) auf und werden von Laien oftmals anderen Gliederfüßer-Gruppen zugeordnet oder ungekehrt: zu den Insekten werden andere Gliederfüßer zugeordnet. So sehen viele die Spinnentiere (Arachnida) als Insekten, wobei diese noch relativ leicht von ihnen zu unterscheiden sind, denn alle Spinnentiere haben acht Laufbeine, die Insekten sechs. Der Unterschied zu den Tausendfüßern (Myriapoda) scheint nicht zu übersehen zu sein, die Anzahl der Beine macht dies auch hier leicht, denn alle Tausendfüßer haben mehr als sechs Beine, teilweise über 300 Stück. Auch sind Tausendfüßer nicht in einzelne Körperabschnitte wie Kopf (Caput), Brustkorb (Thorax) und Hinterleib (Abdomen), wie es bei den Insekten der Fall ist, gegliedert. Auch Spinnentiere weisen in Regel nur eine Kopfbrust (Cephalothorax) und einen Hinterleib auf, können aber auch garnicht gegliedert sein. Einige Insekten wie das Silberfischchen (Lepisma saccharina) haben jedoch auch einen beinahe zusammenhängenden Körper, ihre Gliederung fällt sehr unauffällig aus, ist aber dennoch vorhanden und sie haben sechs Beine, die wie bei allen Insekten am Bruststück anliegen. Krebstiere (Crustacea) unterscheiden sich dadurch, dass sie in der Regel Scheren besitzen, mehr als sechs Beine haben, in vielen Fällen durch Kiemen atmen (können) und anders gegliedert sind, als Insekten. Außerdem gibt es von all den genannten Gruppen keine Tiergruppe, in welcher flugfähige Tiere enthalten sind, denn auch wenn sich beispielsweise einige Spinnen von dem Wind wegtragen lassen, so sind die flugfähigen Insekten die einzigen Gliederfüßer, die aus eigener Kraft fliegen. Der Unterschied zu anderen Sechsfüßern (Hexapoda) liegt im Körperbau und in der Körpergliederung sowie in der Flugfähigkeit.

Aussehen, Körperbau

Insekten sind unglaublich vielfältig. Es gibt Arten von einem Zehntel Millimeter Größe und Arten mit über Hundert Gramm Gewicht oder Arten mit einer Länge von über 30 Zentimetern, andere besitzen eine Flügelspannweite um die 28 bis über 30 Zentimeter, während viele weitere Insekten überhaupt keine Flügel haben. Auch gibt es welche mit Kiemen und unter den Insekten herrscht eine enorme Farben- und Formenvielfalt.
Körperbau und Körperteile eines Insekts. Zur näheren Beschreibung siehe hier.
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Körperbau und Körperteile eines Insekts. Zur näheren Beschreibung siehe hier.
So gibt es zum Beispiel unter den Schnabelkerfen (Hemiptera) extreme Extravaganzen im Regenwald, genauer sind es die meisten Arten der weltweit rund 3.200 Buckelzirpen (Membracidae), besonders eben die tropischen Arten. Alle Spezies aus der Gruppe der Membracidae haben Rückenschilde oder ähnliche Auswüchse. Sie sehen zum Teil aus wie ein Hubschrauber auf Beinen, ein Hirsch mit Flügeln oder Darstellungen von Ur-Atomen. Sie erhalten ihre Extravaganz durch die verschiedenen Gebilde auf ihren Köpfen und/oder Rücken und John Henry Comstock, ein bereits 1931 verstorbener Entomologe, sagte beim Anblick dieser Tiere: Die Natur muss Lust auf einen Witz gehabt haben, als sie diese Buckelzirpen entworfen hat. So haben einige Arten aus der Gattung Bocydium große kugelähnliche Gebilde an einem sternartigen Auswuchs auf einer Art "Antenne" oder einige der Gattung Umbonia segelförmige Spitzen in bunter Farbenpracht auf ihrem Rücken. Manch eine Buckelzirpenart der Gattung Cladonota sieht aus wie ein Stück Holz oder ein Klumpen Dreck, so sind sie bestens getarnt. Und bisher ahmen 44 Arten der Gattung Heteronotus erfolgreich giftige Wespen und Bienen nach, auch in vollster Farbenpracht. Aber dies ist nur ein Beispiel für die massive Vielfalt der Farben und Formen im Reich der Insekten. Allein bei uns in Mitteleuropa gibt es unzählige außergewöhnliche Insekten. Um einige Beispiele zu nennen, sind dies die unter vielen anderen Schwebfliegen (Syrphidae) wie die Hornissenschwebfliege (Volucella zonaria) die oft gefärbt sind wie giftige Bienen und wie Kolibris (Trochilidae) in der Luft "stehen" und rückwärts fliegen können oder der Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) mit seiner weinroten Flügel-Extravaganz sowie der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) und der Liguster-Schwärmer (Sphinx ligustri) mit ihrer Flügelspannweite von bis zu 12 Zentimetern. Des Weiteren wirken das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) mit seinem ebenfalls kolibriähnlichem Flugverhalten und Aussehen, die Rüsselkäfer (Curculionidae) mit ihren Kopfauswüchsen, der Zimmermannsbock (Saperda populena) mit seinen exzellenten Tarnfarben und seinen überlangen Antennen, der männliche Hirschkäfer (Lucanus cervus) mit seinen riesigen Oberkiefergeweihen oder die Streifenwanze (Graphosoma lineatum) mit ihrer rotschwarzen Streifenfärbung überaus exotisch. Neben solchen Extravaganzen wie den genannten Arten oder der Platanen-Netzwanze (Corythuca cilata) mit ihrer fast komplett durchsichtigen Netzstruktur der Flügel und des Körpers sowie der Kupferglucke (Gastropacha quercifolia) mit der ungewöhnlichen Flügelform und dem violetten Schimmer der rotbraunen Körper- und Flügelfärbung sind die vielen anderen Insekten nicht weniger unauffällig aber in der Regel halt eben nicht so "außergewöhnlich", wie diese. Die meisten sind rein schwarz, braun oder grün, zweifarbig mit jeweils einfarbigen Kopf, Brust und Beinen und andersfarbigem Hinterleib oder auf den Flügeln oder auf dem Kopf, auf der Brust oder auf dem nicht mit Flügeln bedecktem Hinterleib mit Flecken, Linien, Streifen, Punkten oder ganz anderen Mustern versehen.

Der Körper der Insekten enthält kein inneres Gerüst in Form eines Skelettes, wie dies unter anderem bei Säugetieren (Mammalia) durch das Innenskelett (Endoskelett) der Fall ist, sondern wird von außen wie von einer Hülle durch ein Außenskelett, das sogenannte Exoskelett, zusammengehalten. Dieses ist wie ein Panzer der bei den meisten Insekten recht hart und stabil ist sowie immer aus vielen beweglichen Platten und Röhren zusammengestellt ist, welche aus Chitin und Proteinen bestehen. Es bedeckt den gesamten Insektenkörper und sieht in der Regel glänzend und glatt aus, wobei es sich bei vielen Arten auch so anfühlt, aber unter dem Mikroskop wird deutlich, dass die Oberfläche von vielen kleinen Gebilden wie Schuppen, Häkchen, Haaren und Borsten sowie ganzen Haarbüscheln, bedeckt ist. Der schimmernde Glanz wird durch eine Schicht aus Wachs hervorgerufen, dieser verhindert auch das Austreten von Körperflüssigkeiten und das Eindringen anderer Flüssigkeiten. Der Chitinpanzer ist nicht fähig zu wachsen, daher muss dieser regelmäßig erneuert werden, wozu näher im Absatz Entwicklung eingegangen wird.

Kopf, Caput

Der Kopf (Caput) ist eine Art Kapsel und besteht meistens aus einem Akron und sechs Segmenten. Er trägt die Mundwerkzeuge, also die unpaarige Oberlippe (Labrum), die paarigen Oberkiefer (Mandibel) und Unterkiefer (Maxille) sowie ein drittes in der Mitte verwachsenes Paar, die Unterlippe (Labium). Des Weiteren befinden sich am Kopf die Augen und Antennen, welche oft auch als Fühler bezeichnet werden.

Brustkorb, Thorax
Das Bruststück (Thorax) besteht aus drei Teilen, der Vorderbrust (Prothorax), die häufig als Halsschild (Pronotum) ausgebildet ist, der Mittelbrust (Mesothorax) und der Hinterbrust (Metathorax). Von außen zu sehen trägt die Brust alle drei Beinpaare. Jedes Bein besteht aus der Hüfte (Coxa), dem Grundglied eines Beines, welches mit dem Schenkelring (Trochanter) verbunden ist. Dieses sehr schmale Beinglied ist nun wiederum zusammen mit der Hüfte beweglich und mit dem darunter liegendem Schenkel (Femur) fest verbunden. Der Schenkel ist für gewöhnlich das größte Beinglied und wird nach unten zu von der Schiene (Tibia) abgelöst. Die Schiene trägt häufig Dornen oder Borsten, wobei dem Körper abgewandte Dornen als Sporne bezeichnet werden. Der Fuß (Tarsus) am Ende eines jeden Beines besteht aus zwei bis fünf Abschnitten und trägt an seinem Ende zumeist zwei Krallen, wobei
Die Buckelzirpe Sextius virescens
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Die Buckelzirpe Sextius virescens
sich zwischen jeder Kralle ein Haftlappen (Arolium) befindet. Abgesehen vom Laufen und Festhalten haben Insektenbeine verschiedene Aufgaben, dem entsprechend gibt es verschiedene Typen von Beinen. Dies sind unter wenigen anderen Schwimmbeine (z. B. Wasserwanze, Lethocerus americanus), Grabbeine (z.B. Maulwurfsgrille, Gryllotalpa Gryllotalpa), Raubbeine (z. B. Europäische Gottesanbeterin, Mantis religiosa), Sprungbeine (z.B. Europäische Wanderheuschrecke, Locusta migratoria) und Sammelbeine (z. B. Honigbiene, Apis mellifera). Außerdem sitzen bei allen beflügelten Insekten die Flügel am Brustkorb an, dazu mehr im Absatz Flügel und Insektenflug.
Hinterleib, Abdomen

Der Hinterleib (Abdomen) besteht bei den meisten Insekten aus elf Segmenten, mal mehr mal weniger. Jedes einzelne Segment ist aus einer Rückenplatte (Tergit) und einer Bauchplatte (Sternit), welche jeweils durch Flankenhäute (Pleurum) verbunden sind, bestehend. Einzelne Segmente können bei einigen Arten zurückgebildet oder ganz verschwunden sein, der Hinterleib ist bei allen Insekten frei von Beinen und trägt auch niemals Flügel. Am Ende des Hinterleibes vieler weiblicher Insekten (z.B. Mittelmeerfeldgrille, Gryllus bimaculatus) sind Legebohrer als Hilfestellung zur Eiablage vorhanden, außerdem sind bei allen Insekten im Hinterleib die Geschlechtsorgane sitzend. Auch befinden sich oft Giftstachel oder Scheren, wie bei dem Gemeinen Ohrwurm (Forficula auricularia) im bzw. am Ende des Hinterleibes.

Kurzbeschreibungen der rezenten Insektenordnungen

"Exoten für sich" sind die 4.700 Libellenarten (Odonata), wovon man in Deutschland an die 80 Arten auffinden kann. Sie haben allesamt einen langgestreckten Körper mit sehr langem und selten gedrungenem Hinterleib (Abdomen), großem Brustkorb (Thorax) mit kräftigen Flugmuskeln, einem Kopf (Caput) mit großen Facettenaugen und kräftigen Mundwerkzeugen zum Zerkleinern und Zerlegen der Beute sowie lange Beine die zum Beutefang eine Art Korb bilden können. Ihren Einklang des Körperbaues machen sie durch die Vielfalt an Farben und Größen wieder gut. Die meisten Libellen haben glänzende und schimmernde Farben mit schwarzen Ringen. Libellen verfügen über vier lange Flügel, dabei unterscheidet man in der Flügelstellung die Großlibellen (Anisoptera), welche ihre Flügel im Regelfall bei Ruhen ausbreiten, sowie die Kleinlibellen (Zygoptera), die ihre Flügel zumeist anlegen, wenn sie sich ausruhen. Die größten Flügelspannweiten haben mit um die 20 Zentimeter, obwohl Großlibellen oftmals größer sind, einige tropische Kleinlibellen.

Die mehr als 160.000 artenstarken Schmetterlinge (Lepidoptera) sind die "exotische Eleganz" unter den Insekten. Sie sind in ihrer Gesamtheit die wahrscheinlich buntesten Insekten. Ihr behaarter Körper besteht aus einem langgestreckten und in der Regel schmalen Hinterleib, eine etwas gedrungenere Brust und einem kleinen Kopf. Der Körper ist allgemein relativ unkenntlich und übergängig gegliedert. Tag- und Nachtfalter sind keine systematischen Gruppen, man unterscheidet sie einfach aufgrund ihrer unterschiedlichen Aktivitätsphasen. Aber dennoch legen sie oftmals ein sehr unterschiedliches Aussehen an den Tag, nur selten ist es einem nicht möglich tagaktive auf einen Blick von nachtaktiven Faltern zu unterscheiden. So sind Nachtfalter zumeist matter und unauffälliger in ihrer Färbung, um sich über den Tag tarnen zu können, ihre Antennen sind an den Spitzen nicht verdickt, wie bei den Tagfaltern und in Ruhestellung liegen ihre Flügel bei vielen Arten, beispielsweise bei dem Eichenspinner (Lasiocampa quercus), wie ein Dach von oben nach unten über den Falter zusammen oder sind flach und nach hinten am Körper anliegend, wohingegen die Flügel ruhender Tagfalter immer nach oben zusammengefaltet sind. Auf den Flügeln liegen bei Schmetterlingen tausende kleine Schuppen in verschiedenen Farben, diese geben den Flügeln ihre Farben und Muster, welche so unterschiedlich sind, dass man mit sehr vielen Arten mit buchstabenähnlichen Mustern mehrere Male das Alphabet darstellen könnte ("Schmetterlingsalphabet"). Streift man über den Flügel eines Schmetterlings, sie haben übrigens zwei unterschiedlich große Flügelpaare, dann stirbt er nicht, wie es oft behauptet wird, sofern die Flügel nicht beschädigt werden. Allerdings reibt man so die Schuppen und damit das Muster weg und dies bringt dann das Problem mit sich, dass verschiedene Tiere einer Art sich nicht mehr erkennen und somit die Paarung verweigern, denn man geht davon aus, dass die Muster unter anderem zur Arterkennung dienen, denn jede Art hat ihr eigenes Muster. Die Beine sind recht lang und der Körper ist behaart. Beispiele zur Mustervielfalt sind unter all den anderen Schmetterlingen das Tagpfauenauge (Inachis io) mit seinen augenähnlichen blau, schwarz, orange und gelben Rundflecken und weißen Pünktchen, der Admiral (Vanessa atalanta) mit schwarzbraunen Flügeln, weißen Flecken und roten Bändern, der Segelfalter (Iphiclides podalirius) mit gelblich weißen Flügeln, schwarzen Bändern und Streifen und bläulichen Flecken sowie lang ausgezogenen Flügelspitzen und der Rotkragen-Flechtenbär (Atolmis rubricollis) mit einfarbig schwarzer Brust sowie einfarbig schwarzen Flügeln und lediglich einem roten Band auf der Oberseite der Brust. Alle Schmetterlinge sind im Besitz eines langen und einrollbaren Rüssels zur Nahrungsaufnahme.
Die Mydasfliege Mydas clavatus
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Die Mydasfliege Mydas clavatus

Die Zweiflügler (Diptera), also Fliegen (Brachycera) und Mücken (Nematocera), haben im Gegensatz zu den meisten anderen Insekten lediglich zwei Flügel (ein Flügelpaar) anstatt zwei Paare, das zweite Flügelpaar hat sich zurückentwickelt, in der Regel ist davon nichts mehr oder nur je Seite ein Stummel zu erkennen. Die Zweiflügler machen mit circa 125.000 Arten rund 12 Prozent aller bekannten Insektenarten aus. Mücken haben in der Regel längere Antennen als Fliegen, welche oft sehr kurze Antennen haben. Die Facettenaugen sind sehr groß, der große Kopf ist deutlich von der Brust getrennt und die Beine der Fliegen sind im Gegenteil zu den zumeist sehr langen Beinen der Mücken kurz. Die Körperlängen variieren auch sehr stark, so gibt es winzige Mücken von etwa drei Millimetern Länge, Schnaken (Tipulidae) mit Flügelspannweiten um die sieben Zentimetern und Mydasfliegen (Mydidae) deren Körperlänge einige Zentimeter betragen und Flügelspannweite zehn Zentimeter überschreiten kann. Dabei ist je nach Art der Hinterleib etwas gedrungen oder lang und schlank und der Brustkorb ist immer rundlich und oftmals auch massig. Neben dem behaarten und beborsteten Körper sind auch die Beine vieler Arten, beispielsweise die der Stubenfliege (Musca domestica), mit Saugnäpfen und Krallen ausgestattet, die es den Tieren ermöglichen, sich an der Decke oder an glatten Oberflächen wie Glas festzuhalten.

Mit über 400.000 Arten machen die Käfer (Coleoptera) ungefähr 37 Prozent und damit den größten Anteil der Insekten aus. Sie zeichnen sich unter anderem durch den im Vergleich zum Vorderkörper massigen Hinterleib sowie durch ihre zu harten Deckflügeln (Elytren) umgebildeten Vorderflügel aus. Diese Elytren verdecken die unteren transparenten Flügel und sind in Ruhestellung auf dem Rücken anliegend, sie stoßen in einer Linie aneinander und sitzen wie die Flügel aller Insekten mit Flügeln am Brustkorb feste. Der Brustkorb ist je nach Art ist von deutlich über unscheinbar bis hin zu kaum sichtbar von Hinterleib und Kopf getrennt, der Kopf jedes Käfers ist verglichen mit dem Rest seines Körpers relativ klein. Die Länge und Form der Antennen unterscheiden sich auch von Art zu Art, so hat der Leiterbock (Saperda scalaris) welche die seine gesamte Körperlänge einhohlen und die Antennen des Siebenpunkt-Marienkäfers (Coccinella septempunctata) sind nur knapp einen bis drei Millimeter lang. In der Körperlänge und im Gewicht reichen die Maße von wenigen Millimetern wie bei dem Reiskäfer (Sitophilus oryzae) bis hin zur Größe einer menschlichen Hand und mit bis über 100 Gramm dem dreifachen Gewicht einer Maus (Mus), so wie bei einigen Goliathkäfern (Goliathus). Die meisten Käfer sind von einem sehr feinem Flaum bedeckt und viele haben Stacheln, Dornen oder Borsten auf ihren starken Beinen. Das Schild am vorderen Kopf ist bei Käfern im Vergleich zu dem der meisten anderen Insekten sehr groß.

Die Hautflügler (Hymenoptera) werden von den Bienen (Apoidea), wozu auch die Hummeln (Bombus) zählen, von den Wespen (Vespoidea) und von den Ameisen (Formicoidea) gebildet, sie alle sind nahe miteinander verwandt. Weltweit wurden bisher ungefähr 200.000 Hautflügler entdeckt, dies sind knapp 20 Prozent aller Insektenarten. Sie zeichnen sich durch ihre schmale Taille aus, ansonsten sehen viele Arten sehr unterschiedlich aus. So haben fast alle Wespen einen relativ schmalen und lang ausgezogenen Hinterleib und Hummeln sind sehr massig und plump. Ameisen besitzen manchmal einen Kopf, der ihren Hinterleib in der Masse Konkurrenz macht oder ihn in dieser Beziehung sogar einholt, wobei ihr Hinterleib zumeist doch noch etwas größer ist. Bienen gleichen oft den Hummeln, können aber auch, so wie die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) wesentlich schmaler gebaut sein. Die Flügel sind bei allen Arten außer bei Ameisen allzeit vorhanden, bei Ameisen tragen nur die Drohnen (Männchen) und die Königinnen während der Paarungszeit Flügel. Hautflügler haben scheinbar ein Paar zumeist durchsichtiger Flügel von hautartiger Konsistenz, ihre Vorder- und Hinterflügel sind durch eine Häkchenreihe miteinander verbunden. Die Körperfärbung ist von Art zu Art unterschiedlich, wobei die meisten Bienen und Wespen gelblich orange und schwarze Streifenzeichnungen oder schwarze Schimmerfarben mit anderen Farbkombinationen und Ameisen tarnende und unscheinbare Braun-, Gelb- oder Schwarztöne aufweisen. In ihrer Größe unterscheiden sich die Tiere ebenfalls sehr groß. Mit mindestens über 18 Millimetern und maximal 35 Millimetern Körperlänge ist die orangefarbene Hornisse (Vespa cabro) die größte einheimische Wespenart, eine der eher kleinen Wespen Mitteleuropas ist die schwarze Tönnchenwegwespe (Auplopus carbonarius), sie erreicht circa sieben bis zehn Millimeter. Die größten Bienen Mitteleuropas sind unter anderen die bis 22 Millimeter langen Steinhummeln (Bombus lapidarius) und Erdhummeln (Bombus terrestris) sowie die bis zu 28 Millimeter langen Blauen Holzbienen (Xylocopa violacea), zu den kleinsten Bienen zählt die Winzige Furchenbiene (Lasioglossum pauxillum). Unter den heimischen Ameisen sind die Größenunterschiede auch enorm, unter einigen tropischen Arten gibt es allerdings noch größere Differenzen. So wird die gelblich gefärbte Gelbe Wegameise (Lasius flavus) nur zwei bis neun Millimeter lang und die schwarzrote Rote Waldameise (Formica rufa) erreicht bis zu elf Millimeter. Bei staatenbildenen Hautflüglern kann allein innerhalb einer Art je nach Aufgabenbereich eines Individuals die Größe beträchtig schwanken. So werden Königinnen immer größer als Arbeiterinnen, wenn sie nicht gleich groß sind und Soldaten, wenn es diese gibt, haben mächtige Köpfe mit großen und kräftigen Kieferklauen zur Verteidigung des Staates. Näheres zu den staatenbildenden Insekten ist im Absatz Sozialbiologie zu lesen.

Mit über 80.000 Arten machen die Schnabelkerfe (Hemiptera) etwa acht Prozent der Insekten aus. Zu ihnen zählen die Rundkopfzikaden (Clypeorrhyncha), Spitzkopfzikaden (Archaeorrhyncha), Wanzen (Heteroptera), Scheidenschnäbler (Coleorrhyncha) und Pflanzenläuse (Sternorrhyncha). Die meisten Arten weisen zwei Flügelpaare und schnabelartige Mundwerkzeuge vor. Die Grundform des Körpers gleicht oftmals der der Käfer, allerdings haben viele Schnabelkerfe äußerst außergewöhnliche Auswüchse, Antennenformen und bzw. oder deformiert wirkende Flügel, deren Form beispielsweise einem Hubschrauberrotor gleicht. So sind viele der bereits weiter oben im Text genannten Buckelzirpen (Membracidae) zutiefst extravagant in ihrer Körperform. Auch sucht man nach als Deckflügel fungierenden Vorderflügeln vergebens, alle zwei bis vier Flügel sind bei fast allen beflügelten Arten zumindest teilweise durchsichtig und mit dicken Adern verstärkt. Eine Vielzahl an Schnabelkerfe weist jedoch auch mit der Körperfarbe übereinstimmend oder bunt gefärbte Flügel auf. In Ruhestellung liegen die Flügel entweder auf dem Rücken, an den Seiten oder als eine Art dachförmiges Zelt über Rücken und Seiten, wie es bei der Gemeinen Blutzikade (Cercopis vulnerata) der Fall ist, auf. Es gibt auch jede Menge Schnabelkerfe, deren Körperbau einer Florfliege (Chrysopidae) gleicht. Zu den einheimischen Arten mit exotischem Charisma zählen beispielsweise die braune Dornzikade (Centrotus cornutus) mit ihren hornartigen Antennen und der grüngefärbte und beinahe heuschreckenförmige Europäische Laternenträger (Dictyophara europaea) mit seinem stark zugespitztem Kopf.

Die Geradflügler (Orthoptera) werden systematisch von den Langfühlerschrecken (Ensifera) und den Kurzfühlerschrecken (Caelifera) oder im Volksmund von den Heuschrecken und den Grillen gebildet. Sie machen etwa zwei Prozent aller Insekten aus. Geradflügler können sehr langgezogene Körper und Flügel haben, so die Gemeine Sichelschrecke (Phaneroptera falcata), und es gibt auch gedrungenere und etwas plump erscheinende Arten, wie die Gemeine Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera) oder der wuchtige Warzenbeißer (Decticus verrucivorus). Allgemein wirkt der Hinterleib jedes Geradflüglers mehr oder weniger schlank und geht mit Ausnahme der Europäischen Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) und einigen wenigen anderen sehr unscheinbar in den Brustkorb über, der Kopf ist im Regelfall klein und hat von vorne gesehen ein dreieckiges Erscheinungsbild, auch hier bildet die Maulwurfsgrille mit
Detailansicht eines Heuschrecken-Sprungbeines
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Detailansicht eines Heuschrecken-Sprungbeines
ihrem im Vergleich zu den meisten anderen massigen Kopf eine der wenigen Ausnahmen, wobei auch ihr Kopf nicht übertrieben groß ist. Das erste Beinpaar der Maulwurfsgrille ist zu "Schaufeln" umgebildet, bei allen anderen Geradflüglern sind die ersten beiden Beinpaare relativ gleich aufgebaut und das hintere Beinpaar ist (auch bei der Maulwurfsgrille) stark verlängert und zu Sprungbeinen umgebildet. Viele weibliche Geradflügler haben große und lange Legebohrer mit bedrohlichem Aussehen, sie sind aber völlig harmlos. Einige Spezies sind fast oder komplett flügellos. Die Länge des Körpers schwankt je nach Art zwischen rund einem Zentimeter und nicht einem einzigen Gramm und mehreren Zentimetern und siebzig Gramm bei einer flügellosen Riesenheuschrecke aus der Gattung Phasmid auf einer Insel zwischen Neuseeland und Australien, damit zählt sie zu den größten Insekten überhaupt.

Die urtümlichen, ein bis maximal zwei (drei) Zentimeter langen Felsenspringer (Archaeognatha) zeichnen sich durch ihren länglichen und flügellosen Körper sowie durch die langen Antennen mit bis zu 250 Einzelgliedern und die langen Unterkieferpalpen aus. Der gesamte Körper ist von mehr oder weniger bunten Schuppen bedeckt, welche Muster bilden oder tragen können. Der Brustkorb ist kaum sichtbar vom Hinterleib getrennt, nur anhand der drei größeren Schuppen des Brustkorbes und der daran liegenden Laufbeine sind Brust und Hinterleib voneinander zu unterscheiden. Die drei Schuppen des Thorax können sich überlappen. Der Kopf ist relativ klein. Am Hinterleib sind sogenannte Styli (Einzahl Stylus) zu sehen, dies sind verkümmerte Reste von Gliedmaßen. An der Spitze des Hinterleibes tragen die Felsenspringer einen langen Terminalfilum (Terminalfaden) sowie zwei Cerci. Ihre Facettenaugen treffen auf der Kopfoberseite zusammen.

Eines der bekanntesten Fischchen (Zygentoma) ist wohl das Silberfischchen (Lepisma saccharina). Die Fischchen zeichnen sich durch ihre flachen und nach vorne zu verbreiterten Körper aus. Ihre Antennen sind relativ lang, die Augen sehr klein oder garnicht vorhanden und am Ende des Hinterleibes tragen sie drei Anhängsel: zwei Cerci und einen Terminalfaden. Die Fischchen erreichen je nach Art zwischen 9 und 19 Millimeter in der Körperlänge und der Körper ist mit glänzenden Schuppen bedeckt. Der Körper wirkt nicht oder unkenntlich gegliedert, allerdings bildet der Brustkorb die dickste Stelle des Körpers. Neben dem einfarbigen Silberfischchen ist auch das mehrfarbige Ofenfischchen (Thermobia domestica) recht bekannt.

Die Ohrwürmer (Dermaptera) werden von etwa 75 Arten gebildet. Sie erreichen je nach Art 9 bis 25 Millimeter. Bei ihnen ist wie bei den Käfern (Coleoptera) das erste Flügelpaar zu mehr oder weniger verhärteten Deckflügeln umgebildet, allerdings sind diese sehr klein. Sie halten in Ruhestellung die durchsichtigen Flügel, die dem Flug dienen, zusammengefaltet unter sich verdeckt, so dass die Tiere flügellos wirken. Ohrwürmer sind weltweit als Garteninsekten bekannt. Sie haben einen kleinen Kopf, einen normal großen Brustkorb und einen langen und zumeist schmalen Hinterleib, allgemein wirkt der gesamte Körper ebenfalls sehr schmal. Das Ende des Hinterleibes ist stumpf beendet und trägt zwei große zu Zangen umgebildete Cerci, die zum Beuteerwerb, bei der Paarung und zur Verteidigung zum Einsatz kommt. Die Färbung der meisten Ohrwürmer liegt bei rötlich bis braun.

Die Schabenverwandten (Dictyoptera) sind eine Ordnung, die sich insbesonders aus Schaben wie den Waldschaben (Ectobiidae) oder die Deutsche Schabe (Blattella germanica) sowie aus den oftmals fälschlich noch als eigene Ordnung angesehenen Fangheuschrecken (Mantodea) zusammensetzt. Die Schaben werden häufig mit Käfern (Coleoptera) verwechselt, weil ihr Körperbau des öfteren dem der Käfer ähnelt. Allerdings weisen Schaben und Käfer einige Unterschiede auf, unter anderem in der Entwicklung. Sie haben wie die Käfer leicht verhärtete aber dennoch transparente Vorderflügel mit deutlich erkennbarer Aderung. Am Ende des Hinterleibes sind bei Schaben ein Paar kurz gegliederter Anhänge sichtbar. Außerdem haben weibliche Schaben bei einigen Arten unterentwickelte oder kurze Flügel und sind flugunfähig. Die Fangheuschrecken zeichnen sich durch eine verlängerte Vorderbrust und durch die langen, kräftigen und mit Dornen bewaffneten, als Fangbeine fungierenden Vorderbeine aus. Die Fangbeine werden durch die stark verlängerten Hüftgelenke in die Länge gezogen, damit ist der Aktionsbereich wesentlich erweitert. Die wohl bekannteste Fangheuschrecke ist die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa).

Die Tarsenspinner (Embiidina) erreichen je nach Art vier bis fünf Millimeter Körperlänge. Sie haben einen länglichen Körper und einen großen, deutlich vom Bruststück abgesetzten Kopf mit großen Komplexaugen aus relativ wenigen Einzelaugen. In den ersten Fußgliegern der Vorderbeine, den Tarsen, besitzen Tarsenspinner Spinndrüsen mit denen sie ihre Wohnröhren mit Seide ausspinnen, daher stammt auch ihr deutscher Trivialname. Die langen Antennen bestehen aus neun bis sechsunddreißig einzelnen Gliedern. Männchen besitzen fast immer zwei Paar Flügel, Weibchen sind stets ganz ohne Flügel. Am Ende des Hinterleibes sitzen immer zwei zweigliedrige Hinterleibsanhänge.

Die aus zwanzig beschriebenen Arten bestehenden Grillenschaben (Grylloblattodea), von denen in Mitteleuropa keinerlei Arten vertreten sind, erreichen 15 bis 30 Millimeter Körperlänge. Sie haben einen großen Kopf und lange Antennen mit zwanzig bis fünfzig Gliedern. Alle Arten sind komplett flügellos und haben mehrgliedrige Hinterleibsanhängsel (Urogomphi).

Die rund 2.800 Arten von Termiten (Isoptera) sind auch als "Unglückshafte" bekannt, weil sie auch an und ins Holz gehen und es so porös und einbruchgefährdet machen. Viele halten sie für Verwandte der Ameisen (Formicidae), was an und für sich über die Klasse der Insekten zwar nicht falsch ist, aber dennoch bilden sie eine eigene Ordnung und sind mit den Hautflüglern (Hymenoptera), zu denen auch die Ameisen zählen, nicht näher verwandt. Aber viele von ihnen weisen Gemeinsamkeiten im Aussehen mit den Ameisen auf. Sie haben einen allgemein langen Körper, der Hinterleib ist deutlich mit Ringen aus Chitin besetzt, der Kopf ist vergleichsweise groß, hart und vor allem bei den Soldaten mit starken Beißwerkzeugen bewaffnet. Einige Arten, wie die Mastotermes darwiniensis, haben ein schabenähnliches Aussehen, im Flug erinnern die Termiten an Heuschrecken wie die Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria). Es gibt recht kleine Arten wie die im Mittelmeerraum verbreitete Erdholztermite (Reticulitermes lucifugus) mit zwei bis drei Millimeter langen Arbeiterinnen und sechs bis neun Millimeter großen Geschlechtstieren und sehr große Arten wie die Macrotermes natalensis deren Königin mit prall gefülltem Hinterleib bis vierzehn Zentimeter Körperlänge erreichen kann. Bei vielen Termiten (z.B. bei der Erdholztermite) sind die Arbeiter und Soldaten im Larvenstadium stehengebliebene Tiere, ihr Wachstum wird durch Pheromone der Königin unterdrückt. Sonst sind es immer nur die Geschlechtstiere (Königinnen und Könige), die beflügelt sind. Sie werfen nach der Paarung die oftmals sehr langen Flügel ab.

Über die Gladiatoren (Mantophasmatodea) ist bisher noch nicht viel bekannt. Die ersten zwei bekannten, ausschließlich im tropischen Afrika lebenden Arten dieser erst im Jahre 2002 beschriebenen Insektenordnung wurden zunächst nur anhand von Museumspräparaten beschrieben und waren nur aus Museumssammlungen bekannt. Sie wiesen eine Körperlänge um die 20 Millimeter auf, besaßen einen freibeweglichen Kopf mit langen, aus vielen Gliedern bestehenden Antennen, waren flügellos, hatten einen weichen Panzer und am Ende des Hinterleibes zeigten sich zwei eingliedrige Anhänge (Cerci). Diese Beschreibung trifft grob auf die weiteren Arten der Gattung zu. Allgemein weisen sie eine große Ähnlichkeit auf, sowohl mit den Fangschrecken (Mantodea), als auch mit den Gespenstschrecken (Phasmatodea), woher auch der lateinische Name Mantophasmatodea stammt, er setzt sich aus den lateinischen Namen der beiden ähnlichen Gruppen zusammen.

Zu den wenigen Schnabelfliegen (Mecoptera) zählen kleine bis mittelgroße Insekten mit oftmals mückenähnlicher Gestalt, so die Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis). Die Schnabelfliegen zeichnen sich besonders durch den zu einem Schnabel (Rostrum) verlängerten Kopf aus. Die Mundwerkzeuge haben kauende Funktion, die Antennen sind sehr lang, bestehend aus 20 bis 60 Gliedern, die Komplexaugen sind sehr groß und die meisten Arten besitzen drei Ozellen als einfachste Lichtsinnesorgane. Die Flügel sind annähernd gleichgroß, bei einigen Arten, wie dem Schneefloh (Boreus hyemalis), sind die Flügel nur in Form von Stummeln vorhanden, bei Weibchen finden sich je nach Art Legebohrer (Ovipositor) und bei Männchen sind bei Arten wie der Gemeinen Skorpionsfliege Zangen am Ende des Hinterleibes zu finden, die zwar harmlos sind und nur beim Geschlechtsakt Verwendung finden, aber dem Giftstachel eines Skorpions (Scorpiones) ähneln.

Riesen-Stabschrecke (Phobaeticus serratipes) , eine gute Tarnung im Laub oder an der Rinde.
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Riesen-Stabschrecke (Phobaeticus serratipes) , eine gute Tarnung im Laub oder an der Rinde.

Die Gespenstschrecken (Phasmatodea), bestehend aus etwa 2.500, rein pflanzenfressenden Arten, erreichen je nach Art etwa einen bis 18 Zentimeter, einige sogar noch wesentlich mehr. Die Riesen-Stabschrecke (Phobaeticus serratipes) ist mit bis zu 35 Zentimetern länger oder so lang wie ein Männerfuß und damit das längste Insekt der Welt, allerdings bei weitem nicht das schwerste. Die Gespenstschrecken imitieren ihre Umgebung, beispielsweise ein Blatt oder ein Ast, um sich zu tarnen. Dadurch weisen sie teilweise die unglaublichsten Farben und Formen auf. Die Vorderflügel (Tegmina) sind verhärtet, haben aber auch am Flug Teilnahme, die Hinterflügel sind von hautartiger Konsistenz.

Die Tierläuse (Phthiraptera) sind parasitisch lebende Insekten. Die Arten ihrer Unterordnung der Haarlinge und Federlinge (Mallophaga) leben ausnahmslos im Haarkleid von Säugetieren (Mammalia) oder im Federkleid der Vögel (Aves). Ihr Körper ist stark abgeflacht und frei von Flügeln, die Mundwerkzeuge sind zum Beißen ausgebildet und stark zugespitzt. Die Arten aus der Unterordnung der Läuse (Anoplura) weisen ebenfalls abgeflachte und flügellose Körper auf, sie besitzen jedoch stechend saugende Mundwerkzeuge und leben ausschließlich vom Blut der Säugetiere. Alle Arten der Ordnung haben zangenartige Klammerfüße um sich an Haaren festzuhalten und besitzen keine Flügel.

Die Steinfliegen (Plecoptera), von denen zum Beispiel die Große Steinfliege (Perla grandis), die Zweischwänzige Steinfliege (Diura bicaudata) und die Graue Steinfliege (Nemoura cinerea) nennenswerte Arten sind, sind immer recht unauffällig gefärbt, haben je nach Art eine Körperlänge von etwa 10 bis 30 Millimetern, besitzen ein Paar schmale Vorderflügel mit auffälligen Queraderreihen sowie ein Paar breitere Hinterflügel und zwei eingliedrige Hinterleibsanhängsel (Cerci). Die Flügel werden in Ruhestellung flach übereinander über dem Hinterleib zusammengelegt. Die Antennen sind lang und die Komplexaugen gut entwickelt.

Die Staubläuse (Psocoptera) sind sehr unscheinbare Insekten, die im Regelfall unter fünf Millimeter messen. Ihr Kopf ist im Vergleich zum Rest des Körpers groß und recht kugelig. Die Mundwerkzeuge haben beißende Funktion, die Antennen sind lang und fadenförmig und die Flügel sind ungleich groß oder fehlen völlig (je nach Art).

Die jedem als lästige Parasiten bekannten Flöhe (Siphonaptera) haben einen seitlich extrem abgeflachten Körper und die Hinterbeine sind zu kräftigen Sprungbeinen entwickelt. Flöhe sind flügellos, besitzen rückentwickelte oder garkeine Augen, weisen kurze, neun- bis zehngliedrige Antennen und nach hinten gerichtete Borstenkämme auf und verfügen über eine für die Körpergröße von gerade mal rund 6 Millimeter enorme Sprungkraft von über 20 Zentimeter Höhe und rund einem Halben Meter Länge, was auf einen erwachsenen Menschen bezogen dem Sprung über ein mehrstöckiges Haus gleichen würde. Die Mundwerkzeuge funktionieren stechend-saugend.

Die Fächerflügler (Strepsiptera) sind eine sehr artenarme Ordnung der Insekten. Sie entwickeln sich parasitär im Körper anderer Insekten. Männchen ähneln im Aussehen den Zweiflüglern (Diptera), allerdings sind bei Fächerflüglern im Gegensatz zu den Zweiflüglern die Vorderflügel umgebildet, die Hinterflügel sehen fächerartig aus. Die Vorderflügel sind zu Schwingkeulen umgebildet. Die Weibchen haben ein madenartiges Aussehen und leben zeitlebens im Körper des Wirtes, lediglich den stärker verhärtete Vorderkörper lassen sie gelegentlich durch die Segmente des Wirtes sehen. Die Körperfärbung liegt zwischen braun und schwarz, die Antennen bestehen aus vier bis sieben Gliedern und sie haben einen rudimentären kauenden Mundapparat. Fächerflügler sind lebendgebärend.

Die zumeist nur 1,5 bis 2 und in seltenen Fällen bis 15 Millimeter messenden Fransenflügler (Thysanoptera) weisen eine skulpturierte und beborstete Körperoberfläche mit gelber oder dunkelbrauner Färbung sowie schmale Flügel mit fransigen Haaren, von denen die Vorderflügel und die Hinterflügel paarig und die Vorderflügel länger sind, auf. Die Antennen bestehen aus drei bis neun Gliedern und an den Füßen sind Blasen, die einen besseren Halt gewährleisten, erkennbar. Fransenflügler werden auch als Thripse bezeichnet und haben stechend-saugende Mundwerkzeuge.

Die in der Regel bräunlich gefärbten Köcherfliegen (Trichoptera) erreichen je nach Art etwa 15 bis 40 Millimeter Körperlänge. Mit den in Ruhestellung dachförmig über dem Hinterleib zusammengefalteten Flügeln erinnern die Köcherfliegen an einige Nachtfalter, die Flügel sind jedoch nicht beschuppt sondern fein behaart. Die Antennen sind lang und dünn, die Komplexaugen sind seitlich hervorstehend. Die stechend-saugenden Mundwerkzeuge sind in der Regel zurückgebildet.

Die 24 Arten der Bodenläuse (Zoraptera), von denen in Europa keine vertreten sind, erreichen maximal 3 Millimeter Körperlänge, besitzen einen vergleichsweise großen Kopf mit Komplexaugen und vielgliedrigen Antennen und verfügen über gut entwickelte Laufbeine und lange Flügel, die abgeworfen werden können.

Die bei uns nur durch wenige Arten vertretenen und zumeist dunklen, bräunlichen Schlammfliegen (Megaloptera), von denen beispielsweise die Gemeine Wasserflorfliege (Sialis lutaria) bekannt ist, haben recht lange Flügel, die dachartig über dem Hinterleib zusammengelegt werden, besitzen lange, gegliederte Antennen und beißende Mundwerkzeuge.

Die Netzflügler (Neuroptera) sind in sehr unterschiedlichen Varianten anzutreffen. So gibt es Arten die an Schmetterlinge (Lepidoptera), Libellen (Odonata) oder gar Fangschrecken (Mantodea) erinnern. Zu ihren Gemeinsamkeiten gehören vor allem die zwei Paare reich geaderter Flügel, die in Ruhestellung dachartig über dem Hinterleib zusammengefaltet werden, und die langen Antennen, die faden- oder keulenartig geformt sind. Die Färbung der Netzflügler kann sehr unterschiedlich ausfallen. Arten wie das Tote Blatt (Drepanepteryx phalaenoides) setzen auf Tarnung und sind schlicht braun gefärbt, andere wie die Gemeine Florfliege (Chrysoperla carnea) sind grün. Die Libellen-Schmetterlingshaft (Libelloides coccaius) hat einen tiefschwarzen Körper und strahlend gelb gefleckte Flügel. Die Fanghafte Mantispa styriaca gleicht einer Gottesanbeterin, sie ist ebenfalls schlicht graubraun gefärbt.

Die etwa 200 Arten der Kamelhalsfliegen (Raphidioptera) zeichnen sich durch den extrem lang nach vorne gezogenen vorderen Teil der Brust aus, dieser ähnelt dem Hals eines Kamels und ist namensgebend für die Ordnung. Der Kopf ist frei beweglich und bei den meisten Arten schwarz gefärbt, die Mundwerkzeuge haben beißend kauende Funktion. Die Flügel sind reich und netzartig geädert. Kamelhalsfliegen besitzen zwei Paar Flügel die je Flügel an den Spitzen ein Flügelmal (Pterostigma) aufweisen. Auch hier werden die Flügel in Ruhestellung dachförmig über dem Hinterleib gefaltet. Der Hinterleib ausgewachsener Tiere hat elf Segmente, Weibchen besitzen einen Legebohrer, einen sogenannten Ovopositor, am Ende des Hinterleibes.

Die Eintagsfliegen (Ephemeroptera) sind vor allem durch die Vertreter Dänische Eintagsfliege (Ephemera danica) und durch die Kleine Eintagsfliege (Ephemerella ignita) bekannt, weitere bekannte Arten sind beispielsweise die Turban-Eintagsfliege (Baetis rhodani), die Schildhaft (Ecdyonurus spec.) und die Rheinmücke (Oligoneuriella rhenana). Im grundliegendem Körperbau ähneln sich alle Arten. Sie haben einen schmalen Körper mit sehr langem Hinterleib, schmale Brust und einen deutlich von dieser abgesetzten, kleinen Kopf. Die Vorderflügel sind immer größer als die Hinterflügel, beide Flügelpaare sind deutlich geadert, durchsichtig und werden in Ruhestellung aufrecht nach oben zusammengefaltet. Die Körperfärbung liegt bei grau bis graugelb. Am Ende des Hinterleibes sind zwei bis drei Anhänge vorhanden, immer zwei Cerci und zumeist noch ein Terminalfaden, allesamt gegliedert. Die Antennen sind sehr klein, die Komplex- oder Facettenaugen allerdings groß. Die Körperlänge beträgt je nach Art bis zu oder knapp über 20 Millimeter, die Flügelspannweite ungefähr bis zu 50 Millimeter und die Hinterleibsanhänge messen oft weit mehr als die eigentliche Körperlänge.

Im Inneren des Insekts

Allgemeine Anatomie

Insekten haben kein inneres, sondern ein äußeres, alle Körperteile umgebenes Skelett, ein Exoskelett aus verschiedenen Stoffen, insbesondere Chitin. Darunter liegt der innere Organismus, welcher von dem Exoskelett geschützt und verdeckt wird. Die Organe der Insekten erfüllen die selben Aufgaben, wie die menschlichen auch, nur eben auf andere Art und Weise. Auch der Aufbau der Organe ist größtenteils völlig unterschiedlich. So transportiert das Blut der Insekten, Blut kann auch als ein "flüssiges Organ" angesehen werden (!), keinen Sauerstoff, sondern nur Nähr- und Abfallstoffe. Zusammen gefasst setzt sich ein Insektenorganismus hauptsächlich aus einem "Hauptgehirn", dem Strickleiternervensystem sowie mehreren, voneinander unabhängig funktionierenden Nervenknoten, der Hämolymphe (Insektenblut) und dem Herz, dem Atmungssystem aus Tracheen, Vor- und Hauptmagen, Mittel- und Enddarm, Geschlechtsorganen und Organen zur Produktion artspezifischer Stoffe, beispielsweise Giftdrüsen, zusammen.

Verdauungssystem

Das Verdauungssystem der Insekten erstreckt sich durch alle drei Körperabschnitte, vom Kopf (Caput), über die Brust (Thorax) bis zum Ende des Hinterleibes (Abdomen). In ihm, genauer im Magen- und Darmtrakt, werden die Nährstoffe aus der aufgenommen Nahrung herausgelöst und über das Verdauungssystem in den Blutkreislauf und somit erst endgültig in den Körper aufgenommen. Die Stoffe sind nicht von Anfang an zu gebrauchen für den Organismus, daher müssen sie durch chemische bzw. biochemische Prozesse in biologisch nutzbare Stoffe umgewandelt werden, auch diese Aufgabe obliegt dem Verdauungssystem und seinen "kleinen Helfern", den Darmbakterien. Der Verdauungskanal beginnt mit der Mundöffnung und dem Schlund, durch einen Pumpmechanismus wird die Nahrung in den Hauptkanal gezogen. Hier gelangt sie zunächst zum Kropf, einer Art Vormagen und Speicher für Nahrung von Larven (Beispiel: Honigbiene). Auf den Kropf folgt ein Kaumagen zur Zerkleinerung der Nahrung durch Muskelkontraktion und bei einigen Arten noch mit Unterstützung von zahnartigen Skleriten. Nach dem Kaumagen gelangt die Nahrung über den Mitteldarm in den eigentlichen Magen, wo die Resorbtion der Nahrung, also das Aufnehmen in den Blutkreislauf über malpighische Gefäße, stattfindet. Der Magen und die malpighischen Gefäße liegen im Abdomen. Sie haben Ähnlichkeit mit Schläuchen, sind an einer Seite verschlossen und münden mit der anderen Seite im Regelfall am Übergang zwischen Mittel- und Hinterdarm, also etwa am Übergang vom Brustkorb zum Hinterleib, in den Verdauungskanal. Über die malpighischen Gefäße, welche eine Nierenfunktion haben, werden auch die Abfallprodukte in den Hinterdarm abgegeben, von wo aus sie ausgeschieden werden. Der Dünndarm sowie der Grimmdarm sind mit Bakterien belegt, die der Unterstützung der Verdauung dienen. Bei Pflanzenfressern und besonders bei holzfressenden Insekten ist die Verdauung ein durchaus großes Problem. Durch mikroskopisch kleine Helfer, Bakterien verschiedenster Arten, wird die Nahrung "aufgeschlossen" und für das Insekt verdaulich gemacht. Im Mastdarm gelangen überschüssiges Wasser und Kot zusammen, werden einige Zeit angesammelt und dann gemeinsam über den durch Ringmuskeln verschließbaren After, also dem Ausgang des Verdauungskanals aus dem Organismus Insekt heraus, ausgeschieden. Im eigentlichen Sinne haben die Abfallstoffe den eigentlichen Organismus bereits mit dem Austritt aus dem Blutkreislauf und dem Eintritt in den Mastdarm verlassen. Die Länge, Form und Funktion der Darmanteile je nach Spezies sehr unterschiedlich.

Nervensystem
Das Nervensystem regelt die Koordinierung der einzelnen Funktionen von den verschiedenen Körperteilen und Organen des Organismus und reicht vom Kopf des Insekts durch das Bruststück bis in den Hinterleib. Es setzt sich aus einem dem Gehirn ähnlichen und zumeist auch als solches bezeichnetem Nervenknoten (Ganglion), dem Oberschlundganglion, als eine Art zentrales Nervensystem, welches als Doppelstrang den Schlund umspannt, dem Bauchmark als Gegenstück zum Rückenmark der Wirbeltiere in der Wirbelsäule, einem Unterschlundnervenknoten oder Unterschlundganglion im Kopf, drei sich im Thorax befindenden Nervenknoten (Ganglien), einigen im Abdomen sitzenden Nervenknoten sowie dem peripheren Nervensystem und vegitativen oder visceralen Nervensystem zusammen. Um den Austausch der Informationen durch elektrische Ströme in alle Körperteile und an alle Organe zu garantieren, sind alle Nervenfasern miteinander verbunden. Das Oberschlundganglion verarbeitet vor allem die aus Antennen und Augen gewonnenen Informationen, das Unterschlundganglion steuert vorrangig die Mundwerkzeuge und ist somit von äußerster Wichtigkeit für die Nahrungsaufnahme. Die Torakahlganglien, also die im Thorax gelegenen Nervenknoten, sind für die Koordinierung von Flügeln sowie Beinen und damit für die
Nervensysteme verschiedener Insekten: A – Termite, B – Schwimmkäfer, C – Fliege ; 1 – Oberschlundganglion, 2 – Unterschlundganglion, 3 – anderer Nervenknoten
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Nervensysteme verschiedener Insekten: A – Termite, B – Schwimmkäfer, C – Fliege ; 1 – Oberschlundganglion, 2 – Unterschlundganglion, 3 – anderer Nervenknoten
Fortbewegung und die abdominal gelegenen Ganglien für die Funktionen der inneren Organe, insbesondere der der Geschlechtsorgane, zuständig. Gehirn und Bauchmark werden vom peripheren Nervensystem mit Sensoren und Muskeln verbunden, dies dient der Steuerung der Bewegung. Mit dem vegitativen Nervensystem werden Gehirn und Bauchmark mit den inneren Organen verbunden, so dass auch die Steuerung ihrer Tätigkeiten gewährleistet wird.
Blutkreislauf

Insekten besitzen zwar auch Blut, dieses enthält jedoch kein in Blutkörperchen gebundenes Hämoglobin und dient nicht dem Sauerstofftransport. Es befindet sich, wenn überhaupt, frei schwimmend im Plasma der Hämolymphe, zumeist sucht man Hämoglobin bei Insekten allerdings vergeblich. Die Hämolymphe besteht aus Plasma und Hämocyten, also Blutzellen, welche bis zu einem Sechstel der Hämolymphmenge ausmachen können, allein in einem Milliliter der Hämolymphe von Gryllus assimilis konnten 30.000 Zellen nachgewiesen werden. Manche Insekten, so die Seidenraupen (Larven des Seidenspinners (Bombyx mori)), haben keine Blutzellen in der Hämolymphe. Die Hämolymphe dient zum Transport von Nährstoffen, von Abfallstoffen der Stoffwechselprodunkte sowie von Kohlenstoffdioxid (CO2), es ist zumeist farblos, kann aber auch gelblich, grünlich oder rötlich gefärbt sein. Insekten verfügen nicht über einen geschlossenen Blutkreislauf in Blutgefäßen, sondern ihr Blut fließt frei durch die Körperhöhlungen sowie durch Lücken im Gewebe und umströmt die Organe, um diese mit Nährstoffen zu versorgen und Abfallprodukte abzunehmen. Das zentrale Kreislauforgan besteht aus dem röhrenartigen Rückengefäß, welches im Bruststück und im Hinterleib an der Körperoberseite liegt. Der hintere Teil im Abdomen wird als Herz und der vordere im Thorax als Aorta bezeichnet. Die Aorta reicht bis in den Kopf. Das Herz verfügt über eine Ringmuskulatur und paarige Öffnungen, die sogenannten Ostien, durch welche die Hämolymphe eingesaugt wird. Durch Kontraktion der Ringmuskeln wird das Blut in die Aorta gepumt, von welcher aus es durch weitere Ostien in den Vorderkörper (Thorax und Caput) gelangt. Im Körper des Insekts bewirkt das offene Blutkeislaufsystem durch Ab- oder Zuleiten entsprechend warmer Hämolymphe eine Thermoregulation des Organismus. Die Flügel werden durch extrane Hämolymphpumpen an den Flügelansätzen, den sogenannten Flügelherzen, mit Blut versorgt. Genauso verfügen Antennen und Beine über Hämolymphpumpen.

Die Hämolymphe der Insekten dient außerdem dem Immunsystem, es transportiert Abwehrzellen und Abwehrstoffe, die den menschlichen ähneln, beispielsweise können sie Ähnlichkeiten im Verhalten und Aussehen mit den humanen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) oder mit den Riesenfresszellen aufweisen.

Atmungssystem

Anstelle von Lungen besitzen Insekten ein sehr fein verzweigtes Röhrensystem aus vielen Schläuchen, in denen die Luft transportiert wird. Die Röhren heißen Tracheen (nicht zu verwechseln mit dem Leitgewebe der Pflanzen, welches ebenfalls als Tracheensystem bezeichnet wird). Jede Trachee beginnt als einzelnes, relativ dickes Röhrchen, dieses führt nun weiter in den Organismus hinein und verzweigt sich immer mehr und mehr zu feinsten, kapilarähnlichen Gefäßen, nur fließt hier kein Blut, sondern es strömt Luft. Die feinen Gefäße bilden ein Netz, welches alle Organe umspannt. Die sauerstoffreiche Luft wird dann in die Zellen verteilt, gleichzeitig nehmen die Tracheen die alte, verbrauchte und mit Kohlenstoffdioxid angereicherte Luft auf und befördern sie nach draußen. Viele Insekten pumpen mit dem Hinterleib, um den Fluss der Gase zu beschleunigen. Jede Trachee findet ihren Anfang an einem seitlich am Abdomen liegenden Loch, von dem mehrere hintereinander gereiht sind. Diese Öffnungen werden als Stigmen bezeichnet. Sie haben zumeist kaum einen Millimeter, meist wesentlich kleineren und oft schon nicht mehr sichtbaren, Durchmesser. Sie sehen aus wie Bullaugen im Miniformat und können durch Ringmuskeln geöffnet und verschlossen werden. Ist ein Insekt in Bewegung, sind die Stigmen weit geöffnet, um möglichst viel Sauerstoff in den Körper zu befördern, in Ruhestellung hingegen wird kaum Sauerstoff benötigt und die Stigmen sind fast geschlossen.

Das Tracheen-Atmungssystem der Insekten ist Grund der Eindämmung der Größe und des Vorkommens nur sehr weniger Insekten im Meer. Die Insekten sind in Sachen Größe wahrscheinlich mit einer Riesenlibelle namens Meganeura sp. an ihre Grenzen gestoßen, sie konnte Flügelspannweiten von 80 Zentimeter erreichen und starb vor 250 Millionen Jahren aus. Das Tracheensystem ist ab einer bestimmten Körperdicke nicht mehr leistungsfähig genug, der Gasfluss wird zu langsam. In Ozeanen überleben Insekten nicht, weil sie ihren Räubern nicht entkommen können, würden sie abtauchen, drückt ihnen der Wasserdruck in ein paar Metern Tiefe bereits die Luft aus den Tracheen. Es gibt nur wenige Insekten, die sich dennoch auf oder gar in das Meer wagen, so tummeln sich beispielsweise einige Wasserläufer in Küstennähe auf der Wasseroberfläche und Läuse der Gattung Echinophthirius gehen als blinde Passagiere mit Robben auf Tauchstation.

Drüsen

Insekten verfügen über zahlreiche Drüsen. Sie produzieren verschiedenste Stoffe, welche zum Beispiel an Stoffwechselvorgängen, der Vermehrung oder als Pheromone (Sexuallockstoffe) Einsatz finden. Bei einigen von ihnen handelt es sich um Öl-, Duft-, Stink-, Wachs-, Abwehr- oder Häutungsdrüsen. Am Kopf eines Insektes münden paarig angeordnete Drüsen, welche auch die Labialdrüsen beinhalten. Diese liefern Verdauungssäfte, können jedoch, wie bei Schmetterlingsraupen, umgewandelt sein und feine Seiden produzieren.

Sinneswahrnehmung

Das Facettenauge

Im Gegensatz zu Säugetieren (Mammalia) und den meisten anderen Wirbeltieren (Vertebrata) haben Insekten keine zwei einzelnen Augen sondern zwei Facettenaugen mit vielen kleinen Einzelaugen, fachsprachlich als Omatidien bezeichnet. Die Oberfläche eines Facetten- oder Komplexauges ist recht stark gewölbt und weist ein regelmäßiges Sechseckmuster auf. Jedes einzelne Sechseck zeigt ein Einzelauge an, die sechseckigen Felder werden im Einzelnen als Facetten bezeichnet und bilden allegemein die Hornhautlinse der darunter liegenden eigentlichen Augen, von denen jede eine eigene Facette "besitzt". Ein Einzelauge besteht aus dem dioptrischen Apparat, also aus der Hornhautlinse (Cornealinse) und dem darunter liegendem Kristallkörper oder Kristallkegel, mit einer hohen Brechkraft. Der dioptrische Apparat bündelt das einfallende Licht und leitet es an die dahinter liegende Retinula weiter. Sie wird von Sehzellen gebildet die an einem axialen Stab, dem Rhabdomen, anliegen. Vor und hinter den Lichtsinneszellen liegen Pigmentzellen welche die einzelnen Augen, die Omatidien, voneinander abschirmen. Die einzelnen Augen werden von der Basalmembran abgeschlossen. Nach elektrischer Übertragung durch Gap Junctions kommt es an den ableitenden Neuronen zu Aktionspotentialen. Das Rhabdom wird von einzelnen Rhabdomeren gebildet, welche einen Saum aus dicht zusammenstehenden Mikrovillien darstellen. Bei einigen Insekten treten die Rhabdomere nicht zu einem einzigen Rhabdom zusammen, was also dem unfusionierten Auge entspricht. Weil die Einzelaugen festsitzen, nimmt jedes nur einen bestimmten Abschnitt der Umbegnung wahr, es blickt zwangsläufig nur in eine Richtung und kann damit auch nur aus
Facettenaugen einer Fliege
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Facettenaugen einer Fliege
dieser Richtung Reize aufnehmen. Im Gehirn werden die entstehenden Einzelbilder verarbeitet und wie ein Puzzel zusammengesetzt, so dass ein Gesamtbild entsteht. Facettenaugen mit wenigen Einzelaugen geben nur ein grobes Bild preis, wohingegen Insekten mit vielen Einzelaugen ein relativ gutes Bild der Umgebung erhalten können. Somit können Kellerasseln (Porcellio scaber), welche aufgrund der nächtlichen Lebensweise sowieso nur wenig auf die Augen zählen können und müssen, wesentlich schlechter sehen als eine Bremse (Tabanidae) oder gar eine Libelle (Odonata). Auch wenn Insekten ein nicht so scharfes Bild wie der Mensch mit seinen zwei Linsenaugen erhalten, so ist das zeitliche Auflösungsvermögen allerdings wesentlich höher, denn fliegende Insekten wie Libellen oder Fliegen (Brachycera) nehmen in einer Sekunde bis zu 250 Einzelbilder auf, der Mensch bringt es in einer Sekunde gerade mal auf 24 Bilder. Dies ist auch der Grund dafür, dass man eine Fliege nur sehr schwer mit der Hand erschlagen kann, sie sieht die Hand mehr oder weniger in Zeitlupe ankommen und kann somit schnell reagieren.

Unter den Facettenaugen gibt es noch verschiedene Typen. Das Appositionsauge, welches hauptsächlich bei tagaktiven Insekten vorzufinden ist, verfügt über Sehzellen und ein Rhabdom, welche vom Kristallkegel bis zur Basalmembran reichen. Durch die Abtrennung der einzelnen Omatidien in ihrer gesamten Länge durch Pigmentzellen können nur diejenigen Lichtstrahlen die Sehzellen erreichen, welche auch durch den dioptrischen Apparat dieses Omatidiums eingefallen sind. An den Wänden werden die in das Rhabdom eingefallenen Lichtstrahlen völlig reflektiert und somit über das gesamte Rhabdom geführt. Das Superpositionsauge ist besonders unter den nachtaktiven Insekten weit verbreitet. Im Gegensatz zum Appositionsauge ist die Retinula nicht direkt am Kristallkegel anliegend und die mittleren Abschnitte werden nicht von Pigmentzellen getrennt. Durch das dadurch durchaus über mehrere Einzelaugen einfallende Licht kommt es zu einer Überlagerung der wahrgenommenen Bilder. Zwar ist somit die Schärfe des gesamten Bildes sehr in Mitleidenschaft gezogen, aber damit wird auch ermöglicht, dass die entsprechenden Insekten (beispielsweise Nachtfalter, also nachtaktive Schmetterlinge) auch bei sehr geringer Lichtausbeute immerhin noch Umrisse oder und Bewegungen wahrnehmen können. Bei hoher Lichtintensität können sich die Pigmentzellen so verschieben, dass die Augen die Funktion eines Appositionsauges erreichen. Zweiflügler (Diptera) wie eine Mücke (Nematocera) verfügen über sogenannte neutrale Superpositionsaugen, deren einzelne Omatidien aus acht Rhabdomere, von denen zwei, die Sehzellen sieben und acht, hintereinander sitzen und von den anderen sechs umgeben werden. Da sie nicht zu einem einzigen Rhabdom verwachsen sind, liegt hier ein unfusioniertes Rhabdom vor. Von sieben benachbarten Einzelaugen liegen sieben Rhabdomere parallel zueinander, so dass sie auf den selben Punkt gerichtet sind. Die Axone der Sehzellen eins bis sechs liegen zusammen auf einem Steckmodul der Lamina ganglionaris, also der inneren Pyramidenzellschicht, sie sind dort verschaltet und werden von Neuronen (Nervenzellen) zweiter Ordnung abgegriffen. Die Sehzellen sieben und acht laufen auf die Medulla externa, einem Teil des Zentralen Nervensystems, also vom Gehirns, und dann auf Neurone zweiter Ordnung. Es lassen sich also zwei verschiedene Sehsysteme voneinander unterscheiden. Zusammengefasst wird das von den Sehzellen eins bis sechs gebildete System für Sehen bei geringer Lichtintensität und das System bestehend aus Sehzelle sieben und acht für die Höheneinschätzung im Flug benötigt und gebraucht.

Einige Insektenlarven weisen keine Facettenaugen sondern mehrere Punktaugen auf, so beispielsweise die Larven des Mehlkäfers (Tenebrio molitor), die sogenannten Mehlwürmer.

Die Westliche Honigbiene (Apis meliefera) kann, wie vermutlich auch viele weitere Insekten, Farben wahrnehmen, wobei jedoch das wahrgenommene Spektrum gegenüber dem menschlichen Auge zum kurzwelligeren Licht hin verschiebt, was zur Folge hat, dass sie zwar ultraviolettes Licht wahrnehmen, jedoch nicht die Farben rot und schwarz zu unterscheiden vermögen. Dies ist auch Grund dafür, dass rote Blüten in unserer heimischen Faune eher die Ausnahme darstellen.

Mikroskopaufnahme eines Ameisenauges
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Mikroskopaufnahme eines Ameisenauges
Facettenauge einer Europäischen Honigbiene
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Facettenauge einer Europäischen Honigbiene
Art Wiss.
Name
Anzahl der Facetten
pro Komplexauge
Abbildung
Kellerassel Porcellio scaber 20
Kornkäfer Sitophilus granarius 70
Gemeiner Ohrwurm Forficula auricularia 500
Europäische Honigbiene Apis mellifera 5.000
Libellen Odonata bis über 28.000

Die Antennen

Die Antennen der Insekten, oft auch als Fühler bezeichnet, dienen als Tast- und Riechorgane. Sie sind an ihren Enden mit tausenden und abertausenden, zum Teil hochspezialisierten Sinneszellen ausgestattet. Honigbienen (Apis) leben in Staaten mit vielen tausend Artgenossen. Sie sind auf ihre Sinne angewiesen. Mittels ihrer Antennen-Sinne finden die Arbeiterinnen im Stock zur Königin und zu den Larven, bei der Nahrungssuche finden sie damit zu den Blüten, denn auch wenn diese zusätzlich mit dem optischen Sinn erkannt werden, spielt der Geruch doch eine große Rolle. Bienen besitzen gekniete Antennen. Viele Käfer (Coleoptera) haben geknickte und beborstete Antennen. Oft können Käfer durch Erhöhung ihres Blutdrucks die Borsten spreizen. Häufig haben Käfer auch keulenförmige Antennen. Einige Insekten haben auch einen äußerst gut ausgeprägten Geruchssinn. Nachtaktive Schmetterlinge (Lepidoptera) sind besonders bei der Partnersuche darauf angewiesen. Weibliche Nachtfalter geben Pheromone, also Sexuallockstoffe, ab, die die Männchen über mehrere Kilometer riechen können. Zumeist besitzen Nachtfalter faserige oder borstige und Tagfalter dünne und am Ende gekeulte Antennen.
Beispiel für eine Antennenform: Fühler eines Nachtfalters.
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Beispiel für eine Antennenform: Fühler eines Nachtfalters.
Bei gekämmten Fühlern sind die Zahnfortsätze sehr gut ausgeprägt. Bei gefiederten Antennen stehen die seitlich verlängerten Fortsätze in zwei Reihen gegenüber. Die Antennen nehmen oftmals auch die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur, den Kohlenstoffdioxidgehalt in der Luft und Schallwellen war.

Das Gehör

Besonders Insekten die Laute von sich geben, verfügen über Hörorgane, die ganz unterschiedlich aufgebaut sein können. Bei einigen Insekten sind Hörorgane am Hinterleib angebracht und nachtaktive Falter (Lepidoptera) nehmen Schall mit den Antennen wahr. Immer ist es jedoch das gleiche Prinzip, mit dem der Schall wahrgenommen wird. Die Schallwellen treffen auf ein Körperteil, beispielsweise die Membran am Vorderbein des Grünen Heupferdes oder die Antennen eines Nachtfalters, und versetzen dieses in Schwingungen, also Bewegungsenergie. Die Schwingungen werden dann in irgendeiner Weise auf Mechanorezeptoren übertragen, die die Schwingen in elektrische Signale (elektrische Energie) umwandeln. Diese werden dann über das Nervensystem an das Gehirn bzw. an zentrale Nervensysteme weitergeleitet, wo die elektrischen Signale als Informationen ausgewertet werden. Im Regelfall hören nur die Insekten, die auch Geräusche von sich geben. Besonders zu nennen sind damit Feldheuschrecken, die über Tympanalorgane verfügen, die als Druckgradientenempfänger wirken. Der Schalldruck wird über zwei Trommelfelle (Membranen) auf die Hohlräume der Tracheen übertragen und über die Luft an die Mechanorezeptoren übertragen. Ähnliche Prinzipien finden sich bei Grillen (Gryllidae) und Laubheuschrecken (Tettigoniidae) wie dem Grünem Heupferd (Tettigonia viridissima), wo die Organe zur akustischen Wahrnehmung im Vorderbein liegen, bei Zikaden (Auchenorrhyncha) in Hinterleibssegmenten und bei Schmetterlingen (Lepidoptera) im letzten Brust- oder ersten Hinterleibssegment. Grillen und Laubheuschrecken besitzen zwei Tympanalorgane, die ihnen zusätzlich das Bestimmen der Richtung, aus der ein Geräusch kommt, ermöglichen. Bei einigen Nachtfaltern finden sich einfache Sinnesorgane zur akustischen Wahrnehmung, welche paarig angeordnet sind und nur je zwei Sinneszellen enthalten. Diese können Schallreize von 3.000 bis 50.000 Hertz (recht hohe Frequenzen) sowie Schalldruckdifferenzen wahrnehmen. Dies ist in einigen Situationen lebenswichtig für die fliegenden Insekten, denn so können sie den Ultraschall von Fledermäusen (Microchiroptera) erkennen und den fliegenden Insektenfressern ausweichen. Einige Insekten haben auch Haare zu Hörorganen ausgebildet. So schwingen die Hörhaare vieler Schaben leicht mit der Luft und dem Schall mit und geben die Schwingungen schnell an die Mechanorezeptoren weiter. Als typische Bewegungsempfänger sind die Hörorgane der Mücken (Nematocera) zu nennen, die über einen sehr engen Frequenzfilter verfügen, der es ihnen ermöglicht, ausschließlich die Flügelvibrationen eines Geschlechtspartners wahrzunehmen, so können sich Geschlechtspartner leichter finden.

Der Geschmackssinn

Bei den Insekten wird der Geschmackssinn in sogenannten Geschmacksborsten lokalisiert. Durch Poren gelangen die Geschmacksstoffe an die Härchen respektive Ausläufer von Geschmackssinneszellen, bei welchen die chemisch (der Geschmackssinn ist ein chemischer Sinn) gewonnen Informationen in elektrische Signale umgewandelt werden und zur Auswertung der Informationen über das Nervensystem an ein Zentralnervensystem weitergeleitet werden. Die Geschmacksborsten können auf verschiedene Geschmacksrichtungen oder Wahrnehmungen spezialisiert sein, oft süß oder salzig, aber auch sauer und bitter. Die Geschmacksborsten befinden sich oft an den Unterseiten von Füßen, aber auch an Antennen oder anderen Körperstellen.

Lebens- und Verhaltensweisen

Sozialbiologie

Kommunikation

Bei den Insekten finden sich die verschiedensten Arten der Verständigung und Kommunikation. Es gibt grundsätzlich drei Hauptkategorien (und "Nebenkategorien" wie elektrische Signale) der Kommunikation, und dies gilt nicht nur für die Insekten, sondern für alle Lebewesen. Dies sind im Einzelnen Verständigung über optische Reize (Ausdrucksbewegungen, Farbe, Form), akustische Reize (Lautäußerungen) und chemische Reize (Duftmarken, Pheromone, Drüsensekrete). Ein Trommeln auf den Boden kann hierbei aufgrund der freigesetzten Schallwellen auch als akustischer Reiz behandelt werden. Bei anderen Tieren findet Kommunikation auch über elektrische Signale statt. Die Kommunikation kann im Bereich der Insekten bleiben, kann aber genauso gut für andere Tiere bestimmt sein. Sie dient der Revierabgrenzung (z. B. bei territorialem Verhalten), Abwehr von Feinden (z. B. bei Agressionsverhalten), dem Anlocken von Sexualpartnern (Sexualverhalten), der sozialen Bindung (Sozialverhalten) der Ortung von Nahrungsquellen (Nahrungssuche) und oft auch dem Schutz der Jungen (Brutpflege). Bei Insekten findet sich in großer Vielfalt die Anwendung optischer Signale. Glühwürmchen (Lampyridae) machen sich die biologisch angewandte Chemolumineszenz zu Nutze. Sie Senden in der Dunkelheit durch die Zusammenfuhr von Liciferin und Sauerstoff O2 und ATP (Reaktion über das Enzym Luciferase) entstehende, grünliche Lichtsignale. Diese sogenannte Biolumineszenz dient hierbei dem Finden von Sexualpartnern. Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) verständigt sich optisch durch komplexe Zeichen, durch Drehen in bestimmte Richtungen und durch Schwänzeltänze (näheres siehe im Artikel), über gute Futterplätze. Chemische Signale werden ebenfalls häufig zum Anlocken von Sexualpartnern eingesetzt. So sind männliche Kiefernschwärmer (Sphinx pinastri) zum Beispiel in der Lage, mit ihren gefiederten Antennen Pheromone wahrzunehmen, die artspezifisch von weiblichen Geschlechtspartnern abgegeben wurden. Dem Menschen ist es möglich, sich diese Lockstoffe zur Schädlingsbekämpfung nützlich zu machen. So kann man Pheromonfallen im Wald aufstellen, welche zur Unterbrechung der Fortpflanzung einer Population die Männchen baumschädlicher Borkenkäfer (Scolytinae) in Fallen locken, aus denen sie nicht mehr heraus kommen. Durch die Spezifität innerhalb einer Art sind keine weiteren Arten betroffen. Eine weitere Form chemischer Verständigung findet sich bei den Ameisen (Formicoidea). Bis auf wenige Ausnahmen, die beispielsweise von wüstenbewohnenden Ameisen gebildet werden können, orientieren sich Ameisen über kommunikative chemische Signale, Duftsekrete, die bei ihren Streifzügen (also auf Nahrungssuche) permanent hinter einer Ameise ausgestreut werden. Diese haben je nach Art und sogar je nach Staat einen ganz eigenen Charakter, so wird verhindert, dass Ameisen zum falschen Staat gelangen. Auf einer solchen Ameisenstraße finden dann auch andere Ameisen des Staates zu einer Futterquelle.

Instinkte

Insekten haben verglichen mit uns, dem Menschen Homo sapiens, ein einfach gebautes Nervensystem und winzige Gehirne. Dennoch sind sie zu für diese Umstände extrem anspruchsvolle und im Regelfall für den Menschen ohne technische Hilfe unvorstellbare und selbst mit technischen Hilfsmitteln nie so perfekt hinzukriegenden Verhaltensweisen fähig. Gefahren entkommen, Nahrung suchen und finden, Partnersuche und noch einiges mehr. Insekten sind jedoch größtenteils an Instinkte gebunden, sie tun alles im Grunde genommen nur für ihr Überleben, wenn eine Gemeine Sandwespe (Ammophila sabulosa) den Nesteingang mit einem Steinchen verschließt und zum Öffnen wieder wegräumt, wirkt dies intelligent und aus freiem Willen her getan, denn sie macht von einem Werkzeug Gebrauch, was auf Intelligenz schließen lassen könnte. Doch dies ist nicht der Fall, das ist eine Instinkthandlung die von Hormonen über das Nervensystem gesteuert wird und "ohne freien Willen" des Insekts von Statten geht, wie ein Roboter, nur mit weniger Aufwand und größerem Erfolg. Die Handlung als Instinkt wurde über die Jahrtausende im Laufe der Evolution immer tiefer im Erbmaterial "eingelagert", das Verhalten ist also angeboren und wird vererbt. Eine Stubenfliege (Musca domestica) kann innerhalb von 0,2 Sekunden reagieren, dies währe mit einem freien Willen und somit freier Entscheidungskraft nicht möglich, es würde zu viel Zeit bei der Entscheidnung verloren gehen. Durch den Instinkt erkennt die Fliege eine anschnellende Hand bei 0,0 Sekunden, bei 0,1 Sekunden wird instinktiv das Fluchtverhalten ausgelöst und bei 0,2 Sekunden hebt die Fliege ab. Wie so gut wie alle Lebewesen haben auch Insekten eine innere Uhr. So werden Küchenschaben wie die Deutsche Schabe (Blattella germanica) auch in einem Gefäß, in dem den ganzen Tag lang für Licht gesorgt wird, 24 Stunden lang, erst bei Nacht anfangen zu fressen, dies ist ebenfalls ein instinktives Verhaltensmuster. Auch wenn Wüstenameisen (Cataglyphis fortis) sich bei ihrem Weg durch die Wüste wahrscheinlich an der Sonne orientieren (durch die ständigen Verwehungen des Sandes würden Duftspuren nichts nutzen), so geschieht auch dies nicht aus Intelligenz, sondern auch aus instinktivem Handeln. Eine andere Art von Instinkthandlung ist ein Reflex. Wenn auch bei der Spezies Mensch von Individuum zu Individuum unterschiedlich ausgeprägt, sind sie bei Tieren innerhalb einer Art immer gleich. Die wehrlosen Larven des Kartoffelkäfers (Leptinotarsa decemlineata) lassen sich bei Berührung durch einen Reflex von der Futterpflanze fallen und klettern, wenn die Gefahr vorüber ist, wieder hinauf. Ein Mensch mit seinem freien Willen hätte große Probleme damit, auf die Körpergröße übertragen müsste ein Mensch sich etwa vom Dach des Taipei 101 stürzen. Allerdings ist der Körperbau der Käferlarve entsprechend auf den Aufprall abgestimmt.

Insektenstaaten

Bei den Insektenstaaten unterscheidet man zwischen den sogenannten Sommerstaaten und den Dauerstaaten. Insekten die Staaten bilden, sind durch gesellige Triebe, also soziale Instinkte, gekennzeichnet. Die Bauten von Insekten reichen von sehr Einfach, wie bei der Mohn-Mauerbiene (Hoplitis papaveris), welche als "Vorläufer" wirklicher staatenbildender Insekten genannt werden kann und nur einfache, um die vier Zentimeter tiefe Röhren gräbt, welche sie nur alleine für die Eiablage nutzt, bis hin zu sehr weit verzweigten und komplexen Nestern mit unendlich weit scheinenden Gangsystemen, Tausenden Individuen und mehreren Aufgabenbereichen wie bei Waldameisen (Formica). Dauerstaaten unterscheiden sich von den Sommerstaaten durch ihre immer andauerne Anwesenheit, Sommerstaaten lösen sich im Winter auf. Alle im Staat anfallenden Aufgaben werden arbeitsteilig ausgefürt, es gibt in der Regel die meiste Zeit des Jahres nur ein fruchtbares (dominantes) Weibchen in einem Staat, sie ist die Königin, fachsprachlich als Gyne bezeichnet. Insektenstaaten unterscheiden sich von der menschlichen Gesellschaft dadurch, dass Menschengruppen Verbesserung nur durch Erfahrung herbeiführen können, bei Insekten, und das wird an den staatenbildenden Insekten am Ehesten sichtbar, geschieht alles von vornherein zum Wohle des Staates. Insekten sind allerdings an Instinkthandlungen gebunden und können im Normalfall nicht von diesen Abweichen und lernen auch nichts hinzu, wobei dies bei solch perfekt durchstrukturierten Organisationen wie in den Insektenstaaten auch kaum notwendig sein könnte. Die einzelnen Gruppen von Individuen eines Staates die bestimmte Aufgaben ausführen, werden als Kasten bezeichnet.

Zu den sommerstaatenbildenden Insekten zählen beispielsweise die Hummeln (Bombus) oder die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Die Deutsche Wespe legt ein geräumiges Erdnest an, in welchem je nach Umweltbedinungen ein großes Volk entstehen kann. Zur Nesthöhle hin führt ein schräger bis senkrechter Laufgang. Das eigentliche Nest bauen sie auf, wie die größere Staaten bildenden Wespen, die ihre Nester über die Erdoberfläche bauen, beispielsweise die Norwegische Wespe (Dolichovespula norwegica). Sie hängen es frei an der Decke der Erdhöhle auf, umgeben es mit einer mehrschichtigen Hülle und dann werden die Waben, in denen die Eier über die Larven zum fertigen Insekt heranwachsen, schichtweise hineingebaut. Das Nest besteht aus einer papierähnlichen Masse, die aus mit den kräftigen Kiefern der Wespen zerlegtem und mit ihrem Speichel vermischten (möglichst frischem) Holz hergestellt wird. Dieses Gemenge trocknet an der Luft recht gut und schnell zu der papierähnlichen Substanz. Halt bekommen der gesamte Bau und seine Stockwerke durch Säulen zwischen den Einzelnen Schichten. Wenn das Volk wächst, bauen die Wespen die Papierhüllen ab und legen stattdessen weitere Waben an und erweitern die Hülle nach außen hin, sofern der Platz noch reicht. In einem solchen Wespennest übernehmen junge, ausgereifte Wespen die Aufgaben von Ammen, sie verpflegen also die nachkommende Brut, die Königin legt als einziges Individuum Eier und sorgt für Nachwuchs und alte Wespen gehen auf Nahrungssuche und verteidigen das Nest. Die männlichen Wespen dienen ausschließlich der Fortpflanzung und sterben nach der Paarung. Durch die Abgabe bestimmter Pheromone vermeidet die Königin, dass fruchtbare Weibchen zur Welt kommen, alle ihre Nachkommen sind Arbeiter. Erst im Herbst legt sie Eier, aus denen fruchtbare Weibchen, also junge Königinnen, und Männchen, die sogenannten Drohnen, schlüpfen. Die Drohnen und jungen Königinnen schwärmen aus (zum Hochzeitsflug) und paaren sich mit Artgenossen aus anderen Staaten. Danach sterben die Drohnen und die jungen Königinnen überwintern. Der Staat, aus dem sie weggeflogen sind, stirbt nun komplett ab und auch die alte Königin überlebt den Winter nicht. Ein Wespenstaat kann je nach Art unter der Erde, in einem hohlen Baum, in einer dunklen Ecke oder einfach offen an einem Ast, oftmals auch auf Dachböden und in Holzkisten angelegt werden. Die Nester sind am Anfang noch sehr klein, können dann aber bei einigen Arten, wie der Deutschen Wespe (Vespula germanica) oder Hornisse (Vespa crabro) auf der Größe eines Fußballes oder noch mehr und mehrere Tausend Individuen anwachsen.
Bei Hummeln (Bombus) besteht der Staat ebenfalls einen Sommer lang. Eine Königin überwintert nach der Paarung, bei welcher auch hier die Drohnen gestorben sind, an einem frostsichern Ort, zum Beispiel unter der Erde oder im Moos und schachtet im Frühjahr eine kleine Höhle aus oder zieht in eine alte ein und legt darin eine Wabe an. Diese besteht aus mehreren tönnchenförmigen Zellen. Als Baumaterial wird von der Hummel ein Gemisch aus Pollen, Wachs und Harz verwendet. In jede Zelle legt sie mehrere Eier, die daraus schlüpfenden Larven werden mit Pollen und Nektar verpflegt, die die Königin von Blumen holt. Für kalte und regnerische Tage, an welchen die Mutter nicht ausfliegen kann, wird ein Nahrungsvorrat in größeren Zellen, den sogenannten Honigtöpfen, angelegt. Die Larven entwickeln sich relativ schnell und spinnen sich sehr bald schon zu Puppen ein, sie verpuppen sich also. In der Puppe entwickelt sich dann die Larve zu einer fertigen Hummel.
Waben der Europäischen Honigbiene (Apis mellifera)
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Waben der Europäischen Honigbiene (Apis mellifera)
Sehr junge Hummeln sind noch kleiner als die älteren und gehen der Königin wie bei den Wespen als Hebammen und Arbeiterinnen zur Hand, sie sind auch für die Instandhaltung des Nestes verantwortlich. Sie sind aufgrund mangelnder Ernährung und dadurch unterentwickelter Geschlechtsorgane unfruchtbar. Mit der Zeit vergrößert sich die Anzahl der Hummeln im Volk auf mehrere Dutzend bis Hundert und viele Weibchen können Nahrung sammeln. Außerdem gibt es nun mehr Pflanzen und das Nahrungsangebot allgemein und im Nest steigt, so kommt es nun zu größeren und fruchtbaren Weibchen, also neuen Königinnen, welche mit den nun ebenfalls entstehenden Drohnen zum Hochzeitsflug ausschwärmen und sich paaren. Das alte Volk stirbt mit der alten Königin und die neuen Königinnen überwintern. Der Kreislauf beginnt von Neuem.

Bei den Dauerstaaten verhält es sich etwas anders, wobei die Organisation der Dauerstaaten der Organisation der Sommerstaaten oft sehr gleicht, allerdings im Regelfall komplizierter ist. Dauerstaaten werden beispielsweise von Ameisen (Formicoidea), Termiten (Isoptera) und von der Europäischen Honigbiene (Apis mellifera) gebildet und über mehrere Jahre hinweg aufrecht erhalten. Die Nester werden bei den Honigbienen frei hängend und zumeist an geschützten Stellen, wie auf Dachböden und in Baumhöhlen, angelegt, Ameisen legen den Bau in der Erde unter Steinen, unter- und oberirdisch oder in Holz und Termiten im Holz oder ober- und unterirdisch, wobei der oberirdische Teil eines Termitenbaues je nach Art mehrere Meter in die Höhe reichen kann. Die größten Bauten legen in Mitteleuropa Rote Waldameisen (Formica rufa) an, ihre Bauten haben ein sehr weit verzweigtes Gangsystem, vor allem unter der Erde können die Gangsysteme mehrere Meter in die Tiefe reichen. Über der Erde ist nur der Ameisenhügel sichtbar. In einem solchen Bau läuft eine ganze Menge ab. Das typische Schema eines Ameisenbaus weist mehrere Kammern auf. Unter der Erde liegt im Verborgenen die Königin in einer Kammer und legt Eier, welche von den Arbeiterinnen in Brutkammern überführt werden. Dann gibt es etwas höher gelegen noch spezielle Kammern für die kleinen und für die größeren Larven, für die Puppen und in vielen Ameisenstaaten auch für die Nahrung und für Abfälle. Ameisenstaaten können je nach Art 30 bis mehrere Hunderttausend Individuen umfassen. Ein Ameisenstaat besteht die meiste Zeit nur aus weiblichen Tieren, also aus der Königin als weibliches Geschlechtstier und den kleineren, unfruchtbaren Arbeiterinnen. Im Sommer entwickeln sich in den meisten Staaten viele weitere weibliche Geschlechtstiere, also junge Königinnen sowie männliche Geschlechtstiere, welche auch bei den Ameisen als Drohnen bezeichnet werden. Beide, die jungen Königinnen und die Drohnen, sind beflügelt. An einem schwülwarmen Sommertag verlassen sie ihren alten Bau, der von nun an nach wie vor nur mit Arbeiterinnen und der alten Königin lebt, und schwärmen aus. Zuerst fliegen die Drohnen, welche einen chemischen Stoff abgeben, der dann auch die weiblichen Geschlechtstiere zum Abheben anregt. Beim Schwärmen finden sich Paare verschiedener Staaten (um Inzucht zu vermeiden) und kehren zur Kopulation zum Boden zurück. Nach der Paarung sterben die Drohnen und die jungen Königinnen verlieren sehr bald die Flügel. Sie gründen nun einen neuen Staat. Zu den Aufgaben, welche die Arbeiterinnen Ausführen, zählen alle Arbeiterinnen innerhalb und außerhalb des Baues. Je nach Tätigkeit wird zwischen Innendienst- und Außendiensttieren unterschieden. Jede frisch junge Arbeiterin, die das Puppenstadium gerade erst hinter sich gebracht hat, verrichtet zunächst Innendienst. Zu ihren Aufgabenbereichen zählt das füttern und Pflegen der Brut und der Königin. Auch tragen sie die Eier, Larven und Puppen in Kammern mit den entsprechenden Temperaturen für das jeweilige Stadium, auch bei Temperaturschwankungen werden sie von den jungen Arbeiterinnen in andere Kammern mit der richtigen Temperatur getragen. Ameisen im Außendienst sind für die Beschaffung der Beute und von Nistmaterial zuständig. Auch suchen sie Blattläuse, sie werden von den Ameisen bewacht und verteidigt und die Ameisen nehmen ihre süßen, zuckerhaltigen Ausscheidungen, den Honigtau, auf. Er wird im Kropf der Ameisen, einer Erweiterung der Speiseröhre, aufgenommen und kann in einer Kette von Ameise zu Ameise weitergereicht werden, bis er schließlich den Innendienst erreicht. Bei Honigtopfameisen wie der Myrmecocystus spec. werden bestimmte Individuen als Vorratsspeicher für Honigtau genutzt, sie speichern ihn in ihrem Hinterleib (Abdomen), der auf ein Vielfaches der Normalgröße anschwellen kann.

Bei der Europäischen Honigbiene (Apis mellifera) ist die Lebensdauer eines Staates nicht so lang, wie bei den Ameisen, allerdings kann ein Bienenvolk ebenfalls mehrere Jahre überdauern. Ein Bienennest kann ähnlich aufgebaut sein, wie ein Wespennest. Allerdings leben Honigbienen immer in versteckten Ecken, beispielsweise in einer Baumhöhle. Dort legen sie ihr Nest, den Bienenstock, an. Die meisten Honigbienen finden wir jedoch in Form von Bienenstöcken des Imkers vor, auch wilde Honigbienen nehmen oftmals Einzug in leere Bienenstöcke. Die verschiedenen Glieder im Bienenstock bilden je Volk eine Königin als weibliches Geschlechtstier, zur Paarungszeit die Drohnen als männliche Geschlechtstiere und die je Staat 30.000 bis 70.000 unfruchtbaren Arbeiterinnen. Sie verrichten je nach Alter verschiedene Aufgaben. Nach dem das Puppenstadium durchgegangen wurde und die Biene fertig entwickelt ist, übernimmt sie die ersten 12 Tage das Säubern der Waben, Füttern der älteren Larven mit Honig und Pollen und die jüngeren Larven mit einem Nährbrei aus speziellen Futtersaftdrüsen. In dieser Zeit wird sie als Ammenbiene bezeichnet. Danach liegt ihr Aufgabenbereich etwa vom 13. bis zum 20. Tag als Baubienen beim Bau der Waben unter Verwendung ihres Wachses aus den Wachsdrüsen oder als Wächterbienen beim Verteidigen des Stockes gegen Eindringlinge und Störenfriede sowie als Wache beim Eingang zum Volk, um unerwünschte Gäste vom Eindringen in den Stock abzuhalten. Ab dem 21. Tag sind sie bis ans Ende ihres mehrwöchigen Lebens sogenannte Trachtbienen, die für das Eintragen der Nahrung (Pollen und Honig) zuständig sind. Im Frühjahr kommt es zu einer Überbevölkerung im Bienenvolk, auch werden nun neue Königinnen und Drohnen herangezogen. Anschließend verlässt die alte Königin mit etwa der Hälfte des Volkes den Stock, dabei fliegen die Arbeiterinnen immer hinter der Königin her. Diese lässt sich irgendwann an einem Ast nieder (manchmal sogar an Stromleitungen über einer Straße oder ähnlichem) und die Arbeiterinnen bilden eine dichte Schwarmtraube um die Königin herum. Sie legen nun einen improvisierten Staat an und lassen Waben am Ast herunterhängen, in welchen das Brutgeschäft tüchtig weiter geht, um für weitere Arbeiterinnen zu sorgen. Während dessen fliegen einzelne Arbeiterinnen aus und kundschaften die Umgebung nach einer geeigneten Baumhöhle oder einem leeren Bienenstock aus. Ist eine Möglichkeit für die Anlage eines neuen Stockes gefunden, schwärmt das gesamte Volk dorthin und lässt sich hier nun endgültig nieder, bis dass im nächsten Jahr wieder ein halbes Volk davonschwärmt. Außerdem sind im Staat nun auch noch eine Menge weiterer Königinnen, aber das Gesetz der Bienen besagt, dass es nur eine Königin pro Volk geben darf. Daher versucht eine junge Königin alle anderen neuen Königinnen zu eliminieren. Sie gibt bestimmte Töne von sich und wartet auf eine Antwort von einer anderen Königin. Diese Antwort kommt zumeist von einer noch nicht geschlüpften Königin. Die früher geschlüpfte eilt zur Wabe der anderen, reißt den Deckel auf und tötet sie mit ihrem Stachel, das Gleiche versucht sie mit den anderen Königinnen ebenfalls. Schlüpfen zwei gleichzeitig, kommt es zu einem erbitterten Kampf. Ist nur noch eine Königin übrig, kehrt langsam aber sicher wieder der Alltag in den Staat ein. Allerdings muss die Königin auch befruchtet werden, um Nachwuchs produzieren zu können. Nach einiger Zeit im Stock schwärmt die junge Königin mit den Drohnen aus zum Hochzeitsflug, bei welchem die Königin von mehreren Drohnen befruchtet wird, auch hier sterben die männlichen Geschlechtstiere nach der Paarung. Die Königin wird nur einmal im Leben befruchtet, die Samenzellen bewahrt sie in der Samenblase auf, sie reichen für ihr
Termitenhügel australischer Termitenspezies
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Termitenhügel australischer Termitenspezies
ganzes drei bis fünfjähriges Leben aus. Nach dem Hochzeitsflug kehrt sie zusammen mit den übrigen Drohnen zurück in den Bienenstock, dort kann die Königin nun auch endlich für Nachwuchs sorgen. Die Drohnen verbleiben noch einige Zeit im Volk und werden noch von den Arbeiterinnen versorgt. Wird die Arbeit durch die ansteigende Anzahl der Arbeiterinnen zu viel und die Nahrung so zu knapp, werden die Drohnen von den Arbeiterinnen aus dem Stock verbannt und zumeist noch am Ausgang tot gestochen.

Die dauerbestehenden Völker von Termiten (Isoptera) sind, auch wenn die soziale Grundstruktur wenig oder kaum von der der anderen Staatenbildner abweicht, ein Fall für sich, schon allein aufgrund der systematischen Einordnung als eigene Ordnung innerhalb der Insekten, schließlich zählen alle anderen in Staaten lebenden Insekten zu den Hautflüglern (Hymenoptera). Unter den Termiten finden sich jene Arten die die größten Insektenstaaten von allen bilden. Einige können über eine Million Einzeltiere beherbergen, einige Bauten tropischer Spezies reichen bis zu sieben Meter in die Höhe und wiegen weit mehr als eine Tonne, wobei man bedenken muss, dass ein großer Teil des Baues unterirdisch liegt. Bei den Termiten gibt es eine Königin und ein König (hier wird die Königin regelmäßig vom männlichen Geschlechtstier begattet), also zwei Geschlechtstiere, pro Bau, unfruchtbare Arbeiter sowie ebenfalls unfruchtbare Soldaten die zur Verteidigung des Volkes größere und massivere Köpfe mit kräftigen Beißwerkzeugen haben. Sowohl Arbeiter als auch Soldaten sind immer flügellos, junge Geschlechtstiere sind zunächst beflügelt und verlassen den Mutterbau in großen Schwärmen zur Eroberung neuer Gebiete und um neue Staaten zu gründen. Hat sich ein Paar gefunden, gehen sie zu Boden, legen ihre Flügel ab und suchen eine geeignete Höhle, wo die Paarung stattfindet und der Bau von den darauf folgenden Arbeitern angelegt wird. Die Steuerung der Kasten erfolgt über Sozialhormone der Königin die durch Lecken untereinander im Volk verteilt werden. Oft befinden sich mehrere Bauten in unmittelbarer Nähe. Die großen Termitenhügel bestehen aus harter, getrockneter Masse, genauer ist es mittels Speichel der Termiten geformter und in der Sonne getrockneter Lehm. Der Bau wirkt tagsüber verlassen, da die Arbeiterinnen erst nachts zur Nahrungssucher herbei kommen. Der Turm der großen Termitennester wirkt wie ein Klimaturm, indem warme Luft durch Luftkanäle nach oben ausströmen kann und sich kalte nach unten zu sammelt, so überhitzt der Bau nicht. Relativ weit unten befinden sich die Brutkammern, die sogenannte Königskammer mit den Geschlechtstieren, Pilzzuchtanlagen (Pilze als Nahrung, v.a. für die Larven mancher Arten) in Pilzgärten und in einigen Kammern auch Pflanzenreste. Die Strukturen der Sozialbiologie und des Nestbaues sind von der Art abhängig.

Stirbt die Königin eines Staates, und dies betrifft alle staatenbildenden Insekten, ist dies bei den meisten Arten und in den meisten Fällen das Todesurteil für das gesamte Volk. Bei einigen Arten werden von Arbeiterinnen Eier gelegt, aus denen aber nur männliche Individuen schlüpfen können und es wird oftmals spezielles Futter von den Arbeiterinnen an die Larven gereicht, was aber nur selten zu einer neuen Königin führt. Ohne Königin werden zu wenig Eier gelegt und damit werden es auch weniger Arbeiterinnen, die für Nahrung sorgen. Also stirbt ein Volk ohne Königin sehr bald aus.

Symbiosen

Eine Symbiose (grieschich "symbioun" = zusammen leben, Zusammenleben) ist eine Lebensgemeinschaft zweier oder mehrerer Arten von Lebewesen zum Nutzen jedes Wesens in dieser Gemeinschaft, wobei es nicht ausgeschlossen ist, dass ein Lebewesen eine führende und dominante Rolle in der Gemeinschaft einnimmt. Die Symbiose kann unter allen Reichen (Regnum) und auch reichsübergreifend, beispielsweise zwischen einer Pflanze und einem Tier, stattfinden. Die Metabiose ist eine eigene Form des Zusammenlebens zweier Organismen, bei der jedoch nur eines Vorteile in der Lebensgemeinschaft hat. Hier soll nun ein kleiner Ausschnitt der Symbiosen unter den Insekten Einblick geben.

In der Welt der Insekten finden sich eine Vielzahl von Symbiosen, die mit Nichten alle auf einmal aufzuzählen wären. Sehr viele Symbiosen finden sich im tropischen Regenwald. So gibt es zum Beispiel Ameisen (Formicoidea) die eine Lebensgemeinschaft mit Pflanzen (Plantae), in der Regel Bäume, eingehen. Diese entwickeln extra für die Ameisen hohle Äste und Zweige, in denen die Ameisen dann ihre Nester anlegen können und sollen. Sie haben nun ein sicheres, trockenes Heim und bringen als Gegenleistung für den Baum Schutz vor Laubfressern, nagen Kletterpflanzen und junge Bäume (also Nährstoff- und Lichtkonkurrenz für den Baum) ab und halten den Baum sogar frei von toten Pflanzenresten anderer Bäume. Selbst Laub, was von Nachbarbäumen in die Krone des Ameisenbaumes hineinwächst, wird gekappt.

Eine weitere Symbiose zwischen Insekt und Pflanze ist die "Bestäubungs-Ernährungs-Symbiose" zwischen tausenden Pflanzenarten und etlichen Insekten. Dabei bietet eine Pflanze Nahrung in Form von Nektar an und das Insekt, beispielsweise eine Honigbiene (Apis), verbreitet die Pollen, also männlichen Samen der Pflanzen, von Pflanze zu Pflanze, so dass diese auf dem Nabel einer anderen Blüte der gleichen Art zur Befruchtung beitragen. Die meisten Pflanzen, die solch eine Ernährung- und Fortpflanzungsgemeinschaft mit Insekten eingehen, sind völlig auf diese angewiesen. Viele sogar auf ganz bestimmte Arten von Insekten. So vermutete Charles Darwin bei einer Begegnung mit dem "Stern von Madagaskar", der Orchideenart Angraecum sesquipedale, dass nur ein Nachtfalter mit extrem langem Rüssel in den knapp 30 Zentimeter langen Blütensporn der Orchidee gelangen könne, um an den Nektar zu gelangen. Anfangs noch über Darwin gelacht, hätten seine Kollegen wohl nicht schlecht gestaunt, als knappe vierzig Jahre später im Dschungel von Madagaskar ein Nachtfalter mit immerhin bis 22 Zentimeter langem Rüssel als Bestäuber von Angraecum sesquipedale identifiziert werden konnte. Es war der Falter Xanthopan morgani praedicta, der sich trotz des langen Rüssels noch ziemlich in die Blüte reindrängen muss.

Mit Tieren gehen Insekten auch Symbiosen ein. So ernähren sich viele Ameisen beispielsweise unter anderem vom Honigtau, also den süßen Ausscheidungen vieler Schnabelkerfe (Hemiptera), von Blattläusen (Aphidina). Als Gegenleistung bieten die Ameisen Schutz vor Räubern oder tragen die Blattläuse sogar zu besseren, saftreicheren Pflanzen, sie sind also wie Schäfer, die Blattläuse sind ihre Schafe. Bei den Larven einiger Schmetterlinge (Lepidoptera) gehen Ameisen sogar so weit, sie in ihre Bauten zu tragen, sie dort zu versorgen und dafür ihre süßen Ausscheidungen zu verwerten. Auch sorgen die Ameisen dafür, dass später auch die Puppe oder der fertige Falter heil vom Nest wegkommt.

Wanderungen

Eine Vielzahl von Insekten macht Wanderungen und legt dabei große Entfernungen zurück. So suchen sich auf hunderte Kilometer langen strecken jedes Jahr mehrere Millionen Schmetterlinge (Lepidoptera), Nachtfalter eingeschlossen, Gebiete, wo sie sich fortpflanzen können. Danach kehrt die Art mit der Elterngeneration und dem Nachwuchs, oder nur der Nachwuchs, in die Überwinterungsgebiete zurück. Auch Libellen (Odonata), Geradflügler (Orthoptera) und Fransenflügler (Thysanoptera), aber auch einige Zweiflügler (Nematocera), wie beispielsweise bestimmte Schwebfliegen (Syrphidae), sowie Arten anderer Insektengruppen unternehmen Wanderungen.

Wanderungen können aufgrund von veränderten Lebensbedinungen (Nahrung, Klima, ect.) oder der Fortpflanzung wegen (bessere Fortpflanzungsgebiete) stattfinden. In der Mongolei kommen Libellen vor, die sich vor Beginn des harten Winters an Seeufern versammeln und dann gemeinsam nach Süden ziehen, um der extremen Kälte der winterlichen Mongolei von bis zu minus 40 Grad Celsius zu entgehen. Viele Fransenflügler sind keine ausdauernden Flieger, aber sie können sich von Aufwinden, insbesondere bei schwülwarmen Wetter, hoch in die Luft tragen lassen, so werden sie über den Wind weggetragen. Dabei ist es ihnen zwar nicht möglich, die Richtung zu bestimmen, aber mit etwas Glück gelangen sie an einen Ort mit großem Nahrungsangebot. Monarchfalter (Danaus plexippus) in Nordamerika (USA, Kanada) fliegen über den Winter nach Süden, zumeist nach Kalifornien, Texas oder Nordmexiko. Häufig sammeln sich die Falter an einem Baum in einem lichten Wald und verweilen dort über kühlere Zeiten an der der Sonne zugewandten Seite des Baumes, mit geöffneten Flügeln nehmen sie die Wärme der Sonnenstrahlen auf. An mild warmen Tagen unternehmen sie kürzere Flüge. Wenn es im Süden wieder deutlich wärmer wird und auch im Norden der Frühling Einzug nimmt, beginnen die Falter wieder in ihre Brutgebiete bis nach Kanada auszuschwärmen, wobei sie bis zu 3.000 Kilometer zurücklegen. Oft sterben die Falter auf dem Weg nach Norden, der Nachwuchs legt dann den Rest der Strecke zurück und fliegt dann im Winter wieder nach Süden. Allerdings ziehen nicht alle Monarchfalter in den Süden, einige überwintern in hohlen Baumstämmen oder unter Rinde. Auch einheimische Schmetterlinge, wie der Admiral (Vanessa atalanta), unternehmen jährlich Wanderungen von Mittelmeergebieten nach Mitteleuropa, teilweise über die Alpen. Allerdings kommt es immer häufiger vor, dass aufgrund wärmerer Winter einige Schmetterlingsarten nur teilweise in den Süden ziehen. Wanderheuschrecken wie die Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) oder die Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) ziehen regelmäßig, nach dem sie sich unter guten Bedingungen extrem stark vermehrt haben, und die Nahrung dann knapp wird, auf Nahrungssuche hunderte Kilometer übers Land und vernichten dabei alles an essbarem, was ihnen in den Weg kommt, was vielen afrikanischen Bauern den Hungertod bringt.

Auf den Reisen können den Insekten viele Gefahren den Tod bringen. Besonders zu nennen sind Vögel (Aves) und Fledermäuse (Microchiroptera), die sich an großen Schwärmen sattfressen. Auch ungünstiges Wetter (Stürme, Regen, Temperaturstürze, ect.) stellt eine enorm große Herausforderung dar. Hin und wieder kommt es vor, dass Schiffe durch riesige Insektenschwärme fahren, die auf das Meer geweht wurden. In der Regel schafft ein Schwarm die Rückkehr auf das Festland dann nicht mehr.

Orientierung

Die Orientierung ist die kognitive Fähigkeit, sich in seinem Umfeld zurecht zu finden. Dies wird mit dem Zeitempfinden und vor allem mit den Sinnesorganen getan. Nachtaktive Insekten richten sich bei ihrer Orientierung beispielsweise nach dem Mond, der von Natur aus einzigen nächtlichen Lichtquelle. Sie halten instinktiv einen bestimmten zu ihm und finden sich somit zurecht. Sehen sie eine Straßenlaterne, werden sie desorientiert. Das Licht der Straßenlaterne leuchtet stärker, die Lichtstrahlen haben eine kürzere Strecke und leuchten nicht parallel zueinander (wie es beim weit entfernten Mond der Fall ist), das Insekt richtet sich nach der künstlichen Lichtquelle und versucht beim umkreisenden Flug den gleichen Winkel beizubehalten. Ähnlich wie diese nachtaktiven Insekten, zu denen besonders Nachtfalter ("Motten") zählen, orientieren sich andere an einem anderen Himmelskörper - der Sonne. In der Regel legen Ameisen (Formicoidea) permanent chemische Spuren aus, die sogenannten Ameisenstraßen, und orientieren sich dabei am Geruch. In der Wüste würden die Geruchsspuren jedoch schnell verweht werden, also müssen die Ameisen einen anderen Weg finden, sich zu orientieren, um nach der Nahrungssuche wieder zum Bau zurück zu finden. Tiere der Art Cataglyphis fortis richten sich dabei nach der Sonne und zählen bemerkenswerterweise vor allem ihre Schritte, somit kommen sie zur Erkenntnis der Richtung (Sonne) und der Entfernung (Schrittanzahl). Weiterhin spielen Gerüche bei der Nahrungssuche eine große Rolle. Aas- und kotfressende Fliegen (Brachycera) riechen Pferdemist und tote Tiere schon über mehrere Kilometer. Und der Duft von Blüten dient dem Anlocken von bestäubenden Insekten wie Honigbienen (Apis), welche sich dabei auch optisch nach den bunten Blütenfarben richten. Andere Blüten, so die der Herkulesstauden (Heracleum), verstreuen einen süßlich unangenehmen Geruch, der vor allem Schwebfliegen (Syrphidae) anlockt. Viele Aasinsekten lassen sich von dem Gestank der Stinkmorchel (Phallus imputicus), einem Pilz, anlocken und richten sich bei der Orientierung danach. Sie bietet Nahrung und die Insekten helfen durch die Verstreuung der Sporen bei der Vermehrung.

Fortbewegung, Flügel und Insektenflug

Imagine Insekten bewegen sich auf dem Boden mit den Beinen fort. Die Beine liegen immer am Brustkorb an und bestehen für gewöhnlich aus fünf hauptsächlichen Teilen. Das sind von oben nach unten die Hüfte (Coxa), welche eine Art Grundglied des Beines darstellt und an der Kapsel des Thorax fest am Körper anliegt und vom Schenkelring (Trochanter) gefolgt wird. Dieser ist ein sehr schmales Beinglied, welches als Gelenk beweglich nach oben zu mit der Hüfte und nach unten zu fest mit dem Schenkel verbunden ist. Der Schenkel (Femur) stellt im Regelfall das längste Beinglied dar und wird von der Schiene (Tibia) gefolgt. An der Schiene können je nach Art Dornen anliegen. Dornen, welche an der dem Körper abgewandten Seite anliegen, werden als Sporne bezeichnet. Zuletzt folgt der Fuß (Tarsus), zumeist mit zwei Krallen an seinem Ende.
Weibchen einer Kammschnake hebt ab. Ctenophora pectinicornis
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Weibchen einer Kammschnake hebt ab. Ctenophora pectinicornis
Neben diesen sechs Laufbeinen haben vor allem viele Larven "falsche Beine", welche nur zur Unterstützung des Vorankommens dienen, so zum Beispiel haben viele Raupen von Schmetterlingen (Lepidoptera) stützende Stummel, die Bauchbeine entlang der Bauchseite sowie ein Paar "Schiebebeine" am Ende des Hinterleibes, welche auf den ersten Blick einem Bein ähneln, bei genauerem Hinsehen jedoch nicht die gegliederte Struktur aufweisen, sie sind Ausstülpungen der Chitinhaut der Raupe. Schmetterlingsraupen kommen beispielsweise durch Voranschieben mit dem Hinterleib (die Rückseite der Raupe biegt sich dann nach oben) und dem dannigen Vorgehen des Vorderkörpers mit den "echten Beinen" voran. Andere, so die Mehlwürmer, krabbeln mit den Beinen des Vorderkörpers und ziehen den Hinterleib einfach hinterher. Es gibt nur sehr wenige Larven unter den Insekten, welche garkeine Beine haben. Alle Imagines haben sechs Beine an der Brust, einige verfügen auch über Stützbeine oder "Sprungfedern" am Hinterleib. An und für sich kommen sie auf festem Untergrund durch Krabbeln mit den drei Beinpaaren voran.

Im Wasser wissen Insekten ebenfalls, wie sie sich voran bringen. Während sich Wasserkäfer wie der Gemeine Furchenschwimmer (Acilius sulcatus) oder der Gelbrandkäfer (Dytiscus marginalis) mittels ruderartiger Beine vorantreiben, schießen sich beispielsweise die Larven vieler Libellen (Odonata) in entsprechenden Situationen förmlich durch das Wasser. Bei dem Pumpen von Wasser zur Atmung aus und in den Hinterleib entsteht bei entsprechend heftigem Ausstoßen ein starker Antrieb. Auch der Wasserläufer (Gerris lacustris) lebt im, genauer gesagt auf dem Wasser, er läuft darauf. Er verteilt sein Gewicht auf den sechs langen Beinen so, dass die Wasseroberflächenspannung ihn trägt.

Einige Heuschrecken verfügen über Sprungbeine, welche das Tier mit einer Wucht voranschleudern, dass es bis zu zwei Meter weit kommt (also bis etwa zum 40-fachen der eigenen Gesamtlänge!), ohne von den Flügeln Gebrauch zu machen. Dies ist, besonders wenn man den Maßstab auf den Menschen überträgt, eine extreme Leistung. Für die Sprungskraft sorgen zwei Muskeln im inneren des Exoskeletts, genauer innerhalb der extrem langen Sprungbeine, welche an diesem ziehen. Der in Richtung des Himmels weisende Muskel spannt das Bein stark an, während der dem Boden zugewandte Muskel es dann mit dem Lösen der Spannung des Spannmuskels und durch seine eigene dann aufgebrachte, entgegengesetzte Spannung blitzschnell ausstreckt. Auch streckt die Heuschrecke beim Sprung die Beine stromlinienförmig nach hinten aus, so dass die Luft feiner am Körper entlang streift und auf keinen bremsenden Widerstand stößt. Beinlose Insektenlarven, wie die Maden von Fliegen (Brachycera), bewegen sich zumeist schlängelnd vorwärts, Maden diverser Flöhe (Siphonaptera) krabbeln auf Nahrungssuche auf der menschlichen Kopfhaut herum und ernähren sich von Hautfetzen und geronnenem, getrocknetem Blut, die Maden vieler Fliegen bohren sich in ihre Nahrung, zum Beispiel eine Frucht oder ein Stück Fleisch, hinein. Einen Rekord im Schnelllaufen halten unter den Insekten die Sandlaufkäfer (Cicindelinae), sie bringen es mit ihren schnellen und sich perfekt organisiert bewegenden Beinen auf sage und schreibe bis zu 250 Zentimetern in einer einzigen Sekunde! Auch die Deutsche Schabe (Blattella germanica) oder andere Küchenschaben sind mit bis zu 150 Zentimetern in einer Sekunde noch äußerst schnell auf den Beinen. Die Feldgrille (Gryllus campestris) mit bis 15 Zentimetern sowie die Treiberameisen (Dorylinae) mit knappen 5 Zentimetern je Sekunde legen eine etwa durchschnittliche Geschwindigkeit zurück. Zwar bei weitem nicht so schnell, aber als eine Art "Tunnelbohrmaschiene" gebaut gräbt sich die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) mit den schaufelartigen Vorderbeinen und dem stark gepanzertem Kopf (Caput) durch die Erde. Da ihre Hinterbeine aufgrund der Lebensweise nicht so stark zu Sprungbeinen ausgebildet sind, wie bei anderen kann sie lediglich krabbeln und fliegen, zumeist hält sie sich aber verborgen unter der Erde auf, wo sie sich von Wurzeln ernährt. Weitere Insekten im Boden, genauer im und auf dem Waldboden, der mit seiner unglaublich großen "Mikro-Artenvielfalt" eine Art Universum unter unseren Füßen darstellt, sind die 0,2 bis 4 Millimeter großen Springschwänze (Collembola). Sie sind zwar bei weitem nicht die häufigsten Tiere im Waldboden, aber mit bis zu 50.000 Individuen in einem Block gesunder Laubmischwald-Erde von einem Quadratmeter Fläche und 30 Zentimetern Tiefe schon in extrem hoher Zahl vertreten. Sie zeichnen sich durch ihre "Sprunggabel" am Ende des Hinterleibes aus, mit denen sie sich durch hohe Sprünge aus Gefahrensituationen retten und voran kommen können, außerdem sind sie am Abbau von toter, pflanzlicher Materie (u.a. Herbstlaubstreu) beteiligt. Springschwänze sind flügellos. Neben diesen Insekten gibt es noch viele weitere, die den Boden als Habitat nutzen, insbesondere die Larven vieler Insekten halten sich im Boden auf.

Die Insekten waren in grauer Vorzeit die ersten Tiere, die sich in die Luft begaben. Doch zum Fliegen braucht es Flügel. Diese Flügel liegen bei allen Insekten an oder auf dem Brustkorb (Thorax) an und sind über Gelenke durch den Chitinpanzer hindurch mit Muskeln verbunden (direkte Flugmuskulatur) oder sie sind in die Chitinhülle hineingewachsen und werden indirekt
Schema der indirekten Flugmuskulatur: a: Flügel, b: Flügelgelenke, c: Quermuskeln (Heber), d: Längsmuskeln (Senker)
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Schema der indirekten Flugmuskulatur: a: Flügel, b: Flügelgelenke, c: Quermuskeln (Heber), d: Längsmuskeln (Senker)
(indirekte Flugmuskulatur) von den Muskeln bewegt. Die meisten Insekten besitzen vier Flügel, also zwei Paare. Einige jedoch, so die Zweiflügler (Diptera) besitzen nur ein Flügelpaar, allerdings sind die anderen beiden bei den meisten Arten noch als Stummel vorhanden, diese dienen dann der Steuerung während des Fluges.

Die Flügel an für sich sind sehr dünn und leicht, meistens durchsichtig und recht biegsam. Die Elytren (Vorderflügel als Deckflügel) der Käfer (Coleoptera) allerdings sind gehärtet, sie schützen die feinen Flügel darunter, welche dem Flug dienen. Auch andere Insekten, so die Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria), haben stabilere Vorderflügel. Diese härteren Flügel oder auch die Flügel von Schmetterlingen sind sehr zerbrechlich, wenn sie geknickt werden, die Flügel von Heuschrecken allerdings sind trotz der härteren Vorderflügel recht elastisch. Insektenflügel bestehen aus Chitin und sind von Äderchen durchzogen, manche mehr, manche weniger. Da diese Äderchen wichtig für die Artbestimmung sind, tragen sie spezifische Namen, im groben lassen sich die Adern in Quer- und Längsadern unterteilen. Durch die Adern führen Nervenleitungen, Blutgefäße sowie Tracheen-Röhren, die Äderchen geben den Flügeln die nötige Stabilität. Die freien Flächen zwischen den Äderchen nennt man Zellen, offene Zellen grenzen an die Außenseite des Flügels und geschlossene Zellen grenzen ausschließlich an die Äderchen. Die Flügel sind am Anfang des Adult-Stadiums noch weich und zerknittert, härten bei den meisten Arten jedoch innerhalb weniger Stunden aus und glätten sich. Da die Insekten ab dem Erreichen des Adult-Stadiums nicht mehr weiter wachsen, heilen die Flügel nicht aus, wenn sie beschädigt werden.

Um vom Boden zu kommen ist allerdings noch mehr, als "nur" ein oder zwei Paar Flügel notwendig. Ohne die Flugmuskulatur im Inneren des Thorax wären die Flügel absolut nutzlos, weil sie nicht in Bewegung zu bringen sein würden. Es sind immer zwei Arten von Muskeln, welche ein Insekt zum Fliegen befähigen, die Heber und Senker. Je Art der Postierung im Brustkorb und der Weise, wie sie die Flügel zum Ausschlagen bewegen unterscheidet man zwischen direkter und indirekter Flugmuskulatur. Eine Libelle (Odonata) verfügt über eine direkte Flugmuskulatur. Bei dieser sind die Muskeln, welche alle in der Senkrechten liegen, über Sehnen mit den Flügeln in direktem Kontakt. Spannen sich die innen gelegenen Heber, ziehen sie das Ende des Flügels nach unten womit sich die Flügel selbst nach oben bewegen. Als Gegenspieler zum Heber umgeben diese die sogenannten Senker. Wenn sich die Heber entspannen und die Senker Spannung aufbauen, ziehen sie die Flügel nach unten. Es wechseln also An- und Entspannung der Muskeln ab. Diese Art von Muskulatur macht sie sehr schnell und flink, darüber hinaus macht die Libellen die Tatsache, dass sie ihre Flügel voneinander unabhängig bewegen können, extrem wendig. Die indirekte Flugmuskulatur kommt beispielsweise bei einer Hummel (Bombus) vor. Bei ihr sind die Flugmuskeln in Form von Quermuskeln (vertikal; Heber) und Längsmuskeln (horizontal von vorn nach hinten; Senker) vorhanden. Die Quermuskeln verbinden die Rücken- und Bauchteile des Brustpanzers. Die Gelenke der Flügel sind zwischen Rücken- und Seitenplatten gelegen. Die Kontraktion der hebenden Quermuskulatur flacht den Brustraum ab, wodurch sich die Flügel anheben. Entspannen sich die Quermuskeln wieder und die Längsmuskeln kontrahieren, hebt sich der Brustraum an, was die Flügel zum Sinken bewegt. Auch hier wechseln sich also An- und Entspannung der Muskulatur ab. Der Name "indirekte Flugmuskulatur" kommt daher, dass die Flügel sich nicht direkt durch die Kontraktionen der Muskeln sondern durch die dadurch ausgelöste Erhebung und Abflachung des Brustraumes in Bewegung setzen.

Vor dem Fliegen muss ein Insekt abheben. Dazu benutzen viele Fluginsekten ihre Beine. Eine Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) ist ein schwacher Flieger, sie sucht sich einen höheren Punkt und stößt sich dann sachte und elegant mit den Beinen ab, eine Heuschrecke wie die Europäische Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) hat starke Beine, sie springt mit einem sehr kräftigen Satz ab und breitet dann die Flügel zum Flug aus. Viele Insekten ziehen ihre Beine beim Flug an, andere jedoch strecken sie weit aus, da sie das Gleichgewicht somit leichter halten können.
Neonsegelfalter (Graphium agamemnon) bei der Landung
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Neonsegelfalter (Graphium agamemnon) bei der Landung

Ein Schmetterling (Lepidoptera) hebt mit einem leichten Abstoßen ab. Der erste Flügelschlag geht ab "Sekunde null" von unten nach oben, nach etwa 0,3 Sekunden ist der Flügel oben. Nach unten zu stehen die Flügel nach insgesamt einer knappen halben Sekunde in der horizontalen und nach einer vollen Sekunde sind die Flügel dann einmal hoch und runter gegangen. Der meiste Auftrieb entsteht beim Senken der Flügel. Damit der Falter beim Anheben der Flügel nicht nach unten gedrückt wird, werden die Flügel in einem bestimmten Winkel verdreht, damit auch beim Heben des Flügels Auftrieb entsteht. Steuern tun Insekten im Flug mittels entsprechender Drehung der Flügel und/oder mit entsprechenden Bewegungen der Beine. Da Libellen ihre Flügel voneinander unabhängig bewegen können, sind sie im Flug die wohl wendigsten Insekten.

So groß wie die Vielzahl der Arten ist, so unterschiedlich ist die Geschwindigkeit, mit der die Insekten fliegen. Während eine Fruchtfliege (Tephritidae) gerade mal mit 0,2 Kilometern pro Stunde fliegt, bringt es eine Honigbiene (Apis) bereits durchaus auf bis zu 22 km/h. Eine Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) fliegt bis zu 33 und ein Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) sogar bis zu 54 km/h schnell. Allerdings übertreffen einige Libellen (Odonata) diese Geschwindigkeiten noch, mit bis zu 58 km/h können sie fliegen! Weil Insekten im Regelfall nur über kurze Abschnitte fliegen, ist das Messen ihrer Geschwindigkeit besonders schwer. Ihre geringe Größe vereinfacht das Messen auch nicht.

Überlebensstrategien

Tricks und Fallen, Tarnung und Täuschung
Insekten sind klein, daher sind sie auf gute Strategien angewiesen, um zu überleben. Die Evolution hat ihnen die raffiniertesten Tricks zum Überleben mitgegeben. In ihrer Welt gibt es unzählige trügerische Fallen, extravagante Tarnstrategien und vieles mehr, was den kleinen Gliederfüßern ihr Überleben sichert. Insekten arbeiten dabei unter anderem mit Gerüchen, Geräuschen, Farben und Tarnung, Mimikry und Mimesen, Licht, Schall, mit ihrer Umgebung und durchaus auch in Symbiosen. Ein Beispiel für die Tricks der Insekten stellen beispielsweise die Larven von Arachnocampa luminosa in den Waitomo-Höhlen auf Neuseeland dar. Es sind in Wirklichkeit Larven von Pilzmücken (Mycetophilidae) und nicht, wie oft behauptet, Leuchtkäfer bzw. Glühwürmchen (Lampyridae). Diese Larven lassen leuchtende, knapp 5 Zentimeter lange Fäden von der Decke herunterhängen, sie bestehen aus kleinen, perlenförmigen Gebilden, die von einer klebrigen Masse dargestellt werden, sehen aus wie Perlenketten und leuchten aufgrund von Biolumineszenz (in diesem Fall Reaktion mit Luziferin und dem Enzym Luciferase). Die Leuchtfäden bedecken die Höhlendecken von unten aus gesehen mit tausenden bläulichen Lichtern, welche dazu dienen, andere Insekten mit dem Licht anzulocken, welche dann in den Fäden kleben bleiben, zu der an der Decke hängenden Larve gezogen werden und dort von ihr gefressen werden. Larven anderer Arten der Pilzmücken betreiben diese Strategie der Beutebeschaffung auch in anderen dunklen Räumen, zum Beispiel in hohlen Baumstämmen. Ein weiteres Beispiel für die faszinierende Raffinesse der Insekten ist die Tarnung. Viele Insekten sind wahre Meister der Tarnung. Tarnung wird bei den Insekten zumeist damit definiert, dass die Insekten optisch regelrecht mit ihrer Umgebung verschmelzen und in sie übergehen. Zu nennen sind in dieser Beziehung auf jeden Fall die Gespenstschrecken (Phasmatodea), von denen sich nahezu alle als Teile ihrer Umgebung, insbesondere von Pflanzen (sog. Phytomimese), tarnen. Unter anderem finden sich in dieser Gruppe das Große Wandelnde Blatt (Phyllium giganteum) und Phyllium siccifolium, welche Laubblätter imitieren, oder die Riesen-Stabschrecke (Phobaeticus serratipes) als Imitator von dünnen Ästen. Bei den Gespenstschrecken erfüllt die Tarnung allein eine Schutzfunktion, ebenso bei vielen Schmetterlingen (Lepidoptera), die sich oft auch als Blätter oder mit der Farbe von Baumstämmen oder Fels und Böden tarnen. Allerdings kann die Tarnung auch ganz andere
Versteckspielen mit Insekten. Hier ist ein Beispiel für die perfekte Tarnung einiger Insekten mehr oder weniger zu sehen. An dem Ast lässt sich eine Tropidoderus childrenii, eine Gespenstheuschrecke, in der Mitte herunterhängen.
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Versteckspielen mit Insekten. Hier ist ein Beispiel für die perfekte Tarnung einiger Insekten mehr oder weniger zu sehen. An dem Ast lässt sich eine Tropidoderus childrenii, eine Gespenstheuschrecke, in der Mitte herunterhängen.
Hintergründe haben. So etwa bei den Fangheuschrecken (Mantodea), wozu auch die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) zählt. Sie ist als grünlicher oder bräunlicher Pflanzenteil getarnt und wartet auf Blütenpflanzen auf andere Insekten, welche sie dann mit den Fangarmen fängt und frisst. Die Orchideenmantis (Hymenopus coronatus), ebenfalls eine Fangschrecke, geht sogar soweit, sich zum Teil der Blüte zu machen und täuscht aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Fleck auf ihrem Panzer ein anderes Insekt vor, um potentieller Beute Sicherheit zu geben. Ein Beispiel für die Tarnfähigkeit aus anderen Gruppen ist das Tote Blatt (Drepanepteryx phalaenoides) aus der Ordnung der Netzflügler (Neuroptera). Auch dieses Insekt betreibt Phytomimese und ahmt, wie der Name bereits vermuten lässt, ein abgestorbenes Laubblatt nach. Auf der Borke der Birken (Betulus) ist der Birkenspanner (Biston betularia) unschlagbar gut getarnt, seine Flügel haben die Farbe der Rinde des Baumes angenommen. Ein weiterer Schmetterling, der sich als Tarnkünstler entpuppt, ist der Indische Blattschmetterling (Kallima inachus). Seine Flügeloberseiten sind bunt gefärbt, in blau, schwarz und rot. Die Flügelunterseite jedoch ist braun gefärbt. Sind die Flügel zusammengeklappt, wird die blattartige Form offenbar. Und wie bei einem echten Blatt zieht sich eine Ader quer über die ganzen Flügel, die Ader von Vorder- und Hinterflügel gehen optisch ineinander über. Auch einige Schmetterlingsraupen imitieren Pflanzenteile (in erster Linie Ästchen) und ihre Puppen können ebenfalls Pflanzenteile nachahmen. Ein ganz anderes Beispiel sind Insekten, die sich als "Abfall" tarnen: es gibt tatsächlich einige wenige Tiere, die sich von Vogelkot ernähren, aber diese stellen eine enorme Minderheit dar. Daher haben sich einige Insekten, vor allem diverse Larven, im Laufe der Evolution als Vogelkot getarnt, sie sind grün-weiß gefärbt und der Körper ist gebuckelt, um die Täuschung zu optimieren. Tadellose Fallensteller sind die Larven der Ameisenjungfern (Myrmeleontidae), die Ameisenlöwen. Diese schwerfälligen Larven legen kleine Trichter von bis zu fünf Zentimetern Durchmesser in sandigen Böden an und warten am Grund, eingegraben im Substrat. Kommt ein Insekt, häufig sind es Ameisen (Formicidae), fällt es entweder direkt in den Trichter oder der Ameisenlöwe nimmt die Bewegung wahr, bewirft es mit Sandkörnern und bringt es so aus dem Gleichgewicht. Einmal in der Grube kommt die Beute nicht mehr raus, sofern diese trocken ist. Der Ameisenlöwe packt das Beutetier mit den mächtigen Kieferzangen und frisst es. Auf eine andere, listige Weise erbeuten einige Raubwanzen (Reduviidae) ebenfalls andere Insekten. Manche von ihnen locken die Beuteinsekten, beispielsweise Honigbienen (Apis), an, indem sie die Vorderbeine mit klebrigem Harz bedecken. Die Bienen folgen durchaus diesem Geruch und können dabei in die Reichweite einer Raubwanze kommen, welche sich das Beutetier dann packt und mit einem Stich des stachelartigen Schnabels und der Injektion einer giftigen Speichelflüssigkeit lähmt. Außerdem bleiben die Beutetiere an dem klebrigen Harz an den Vorderbeinen der Wanze hängen. Eine andere Art der Raubwanzen ernährt sich von Termiten (Isoptera) und macht sich die Instinkte der Termiten zu Nutze. Sie lebt auf dem Termitenbau und tarnt sich mit Nestmaterial des Baues, so dass sie auf Anhieb kaum zu erkennen ist. Für den Beutefang tötet sie zunächst eine Termite, hält sie mit ihren Mundwerkzeugen fest und wartet auf weitere Termiten, die instinktiv nach toten Tieren auf und im Bau schauen. Diese werden dann ebenfalls von der Raubwanze gepackt und verspeist. Manche Insekten machen es sich einfacher. Viele Raupen gehen eine Symbiose mit Ameisen ein, sie werden bis zu ihrem Schlupf in dem Ameisennest von den Ameisen gepflegt, die Ameisen erhalten dafür die süßen, zuckerartigen Ausscheidungen der Raupen. Allerdings gibt es Raupen, die während ihres Aufenthaltes in dem Ameisennest die Brut der Ameisen fressen. Damit sie nicht erkannt und selbst von den Ameisen gefressen werden, ahmen sie zusätzlich die Gerüche der Ameisen nach. Überlebenswichtig ist für manche Insekten ebenfalls ihr Aussehen. Sie versuchen jedoch nicht, möglichst überhauptnicht aufzufallen, indem sie sich tarnen, sondern ihre Färbung lässt das Gegenteil vermuten, weil sie wohl am ehesten ins Auge fallen würden. Eine Vielzahl an harmlosen Insekten imitiert mit ihrer Färbung giftige Insekten, beispielsweise sehen etliche Arten der Schwebfliegen (Syrphidae) aus wie Bienen und Grabwespen (Apoidea) oder Wespen (Vespoidea) und der nordamerikanische Viceroy-Falter (Limenitis archippus) ahmt den Monarchfalter (Danaus plexippus) nach, welcher Giftstoffe in seinem Körper speichert, die er mit seiner Nahrung aufnimmt. Solche Formen des Nachahmens werden zur Bates'schen Mimikry gezählt. Die Raupen vieler Schmetterlinge, insbesondere auch viele Schwärmerlarven (Sphingidae), verfügen über große Augenflecken, teilweise am Kopf, am Hinterleib oder gar über den gesamten Körper verteilt. Sie erfüllen den Zweck, dem Feind durch große Scheinaugen vorzutäuschen, das Tier sei gefährlich und größer als es in Wirklichkeit ist. Bei einigen Raupen lässt sich sogar eine verblüffende Ähnlichkeit mit Schlangen erkennen. Auch imagine Schmetterlinge haben oft große Augenflecken. Zumeist sind die Flügel bei sich nähernder Gefahr zugeklappt, die Außenseiten sind gut getarnt. Nähert sich jedoch ein Feind in sehr bedrohlicher Form, werden die Flügel ruckartig aufgerissen und die großen Flecken kommen zum Vorschein. Der Falter versucht auf diese Weise den Feind mit einem Schrecken zu verjagen. Einige Falter, die nachtaktiven Motten, sind Nacht für Nacht mit einigen der besten Jäger im Tierreich konfrontiert: Fledermäuse (Microchiroptera). Sie haben sich im Laufe der Evolution perfekt an das Erjagen von Nachtfaltern angepasst. Sie nehmen Töne von einem bis 120.000 Hertz wahr (zum Vergleich Mensch: 16 bis 20.000 Hz als Kind, bis 12.000 Hz als Erwachsener) und loten ihre Beute mittels Ultraschall-Echolotung. An der als Tigermotte bekannten Art Cycnia tenera konnten Biologen eine raffinierte Strategie feststellen. Eine Fledermaus wie das Townsend-Langohr (Corynorhinus townsendii) attackiert die Motte und dreht im letzten Moment ab. Der Falter nimmt den Ultraschall und den Angreifer wahr und feuert schnelle Folgen kurzer Ultraschalltöne auf den Feind. Die Fledermaus nimmt zu viele Informationen auf einmal auf, das Gehirn kann diese nicht schnell genug verarbeiten und ist überfordert. Die Fledermaus dreht ab und der Falter kommt mit dem Leben davon. Andere Motten gehen den Fledermäusen durch andere Aktivitätsphasen (tageszeitlich und jahreszeitlich gesehen) aus dem Weg oder nehmen die Fledermäuse und ihre, teilsweise sogar spezialisierten Ultraschallrufe wahr und fliegen mit einem plötzlich Manöver aus der Flugbahn des Angreifers.
Verteidigung und Abwehr
Abgesehen von der, im vorangegangenen Absatz bereits beschriebenen, Abwehr durch Täuschung, bei der beispielsweise Augenflecken zum Einsatz kommen, gibt es unter den Insekten auch eine Vielzahl an Strategien, sich aktiv mittels, durchaus auch schmerzhaften, Mitteln zu verteidigen. Die bekanntesten Mittel sind dabei der Stechapparat und das Gift der Bienen (Apoidea) und Wespen (Vespoidea). Bei vielen Wespenarten erfüllt der Giftstachel vor allem die Aufgabe der Beutetötung. Aber bei allen erfüllt es zudem auch die Aufgabe der Verteidigung, bei einigen Wespen und bei der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) dient es ausschließlich dazu. Hierzu befindet sich im Hinterleib im hinteren Drittel eine Giftblase, die von einer Muskeltasche umgeben ist und in einen Giftkanal und einen Giftstachel übergeht. Der Stachel ist innen hohl, kann ausgefahren werden und befindet sich sonst innerhalb des Hinterleibes. Beim Stich gleitet der Stachel heraus und in das Opfer oder den Feind rein. Dann wird das Gift injiziert, bei Bienen bleibt der Stachel aufgrund von Widerhaken mitsamt des Giftapparates in der elastischen menschlichen Haut hängen, was das Todesurteil für die Biene ist, die Giftblase gibt durch die weiterhin bestehende Kontraktion der Muskeln noch den Rest des Giftes ab. Bienen- und Wespengifte wirken weitestgehend ähnlich, sie bestehen in der Regel aus verschiedenen biogenen Aminen, Peptiden, Enzymen und Proteinen, bei Honigbienen mit einem hohen Anteil des entzündungshemmenden Melittins und ironischerweise zusätzlich mit Analgetika, also schmerzlindernden Stoffen. Hornissen (Vespa crabro), welche deutlich weniger giftig sind als andere Wespen oder Bienen, geben zusätzlich schmerzerregende Stoffe ab. Ein Stich ist schmerzhaft, verläuft jedoch im Normalfall lediglich mit Lokalsymptomen. In Extremfällen droht jedoch der Tod, sofern man eine Allergie aufweist. Für andere Insekten ist das Gift tödlich, auch für viele, kleinere Fressfeinde kann es gefährlich werden, schmerzhaft ist es allemal. Auch viele der, mit den Bienen und Wespen sehr nah verwandten, Ameisen (Formicidae) besitzen einen solchen Stechapparat. Beispielsweise sind dies die Große Knotenameise (Manica rubida) und die Rote Feuerameise (Solenopsis invicta) aus Südamerika. Die Gifte der Ameisen unterscheiden sich jedoch in einiger Hinsicht von denen anderer Hautflügler (Hymenoptera), es enthält beispielsweise häufig die Methan- oder Ameisensäure (CH2O2) oder giftige Alkaloide. Der Stich der Roten Feuerameise ist extrem Schmerzhaft, unter Umständen kann der Tritt in ein Nest dieser Ameisen sogar lebensgefährlich werden, wenn man eine Vielzahl an Stichen abbekommt. Auch die Stiche einheimischer Knotenameisen sind äußerst unangenehm. Viele Ameisen versprühen auch einen Cocktail mit Ameisensäure, um sich ihre Feinde vom Leib zu halten, so die Rote Waldameise (Formica rufa). Unangenehm spritzen können auch die Bombardierkäfer (Brachininae), wozu auch der Große Bombardierkäfer (Brachinus crepitans) zählt. Dieser stellt eine Art Chemiefachmann im Tierreich dar. In seinem Hinterleib lagert er getrennt voneinander in zwei Kammern 28 prozentiges Wasserstoffperoxid (H2O2) und rund 10 prozentiges Hydrochinon (C6H6O2), also zwei äußerst reaktive Stoffe. Kommen diese in einer Reaktionskammer im Hinterleib des Käfer zusammen, werden die Enzyme Katalase und Peroxidase hinzugegeben, um eine Beschleunigung der Reaktion zu erreichen. Durch die Reaktion schießt das Gemisch in Form eines rund 100° Celsius heißen Dampf-Flüssigkeits-Gemisches mit einem Knall aus zwei Öffnungen am Anus des Käfers. Der Kontakt mit der ätzenden und heißen Flüssigkeit ist für Menschen wie auch für Fressfeinde eine sehr schmerzhafte Erfahrung, der Bombardierkäfer kommt damit in der Regel mit dem Leben davon. Den Hautkontakt sollte man auch mit einigen Schmetterlingsraupen meiden, beispielsweise mit dem Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea). Die Brennhaare, welche das Nesselgift und Eiweiß Thaumetopoein enthalten, brechen bei Berührung leicht ab und setzen das Nesselgift frei.
Die Schaumheuschrecke (Dictyophorus spumans) wehrt sich mit giftigen Abwehrsekreten
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Die Schaumheuschrecke (Dictyophorus spumans) wehrt sich mit giftigen Abwehrsekreten
Dies kann zu sehr starken Reizungen, Quaddeln und Knötchen in der Haut führen. Werden die Brennhaare eingeatmet, kann es zu gefährlichen bronchialen Reizwirkungen führen. Die Brennhaare können sich in einem Gebiet mit dem Bestand der Raupen über die Jahre anreichern, in Gräsern und Unterholz zum Beispiel, die Giftwirkung bleibt lange erhalten (kontaminierte Gebiete meiden!). Auch für Fressfeinde trifft die Wirkung zu. Andere Insekten suchen ihr Heil in der Flucht, so etwa der Mausgraue Sandschnellkäfer (Adelocera murina). Zunächst stellt er sich bei Bedrohung tot, indem er still auf dem Rücken liegend die Beine anzieht, die meisten Fressfeinde halten sich an sich bewegende Beute und ziehen ab. Bleibt die Gefahr dennoch bestehen, spannt er die Muskeln an, insbesondere am Übergang zwischen Hinterleib und Bruststück, wo sich ein spezielles Gelenk befindet. Bei plötzlicher Entspannung schnappt das Gelenk zu und das Bruststück bzw. der Übergangsbereich zum Hinterleib drückt ruckartig auf den Untergrund, der Körper wird hochgeschleudert und der Käfer schnellt davon. Sobald er nach einem etwa 30 Zentimeter langem Flug wieder den Boden berührt, dreht er sich zum Boden und krabbelt davon, ein Fressfeind wird ihn dann bereits aus dem Auge verloren haben. Die Larven der Alpenschaumzikade (Aphrophora major) sind total wehrlos und können sich kaum fortbewegen. Zum Schutz spielen sie mit ihren Feinden Verstecken. Sie saugen an relativ ungeschützten Stellen Pflanzensäfte, um sich herum legen sie einen dichten Schaum aus verdauten Pflanzensäften an, welches als Versteck dient. Eine andere Form von Schaum nutzt die afrikanische Schaumheuschrecke (Dictyophorus spumans), nicht jedoch zum verstecken, sondern zur Abwehr. Wird das Insekt bedroht, gelangen aus Drüsen im Bruststück Sekrete in Form von Schaumbläschen nach außen. Platzen diese Schaumbläschen, setzen sie einen üblen Geruch frei, zusätzlich haben sie einen sehr üblen Geschmack, was Feinde davon abhält, die Schrecke zu fressen, außerdem sind die Sekrete giftig. Die meisten anderen Geradflügler (Orthoptera) flüchten lieber mit weiten Sprüngen und fliegen dann davon, sofern sie flugfähig sind. Die meisten von ihnen können zusätzlich zur Abwehr den Mageninhalt sehr schnell hervorwürgen, was jedoch die meisten Fressfeinde nicht vom Fressen abhält. Es gibt auch Insekten, welche Gifte in der Hämolymphe, dem Insektenblut, haben und dieses bei Gefahr zur Abwehr in Form weniger Tropfen aus dem Körper entlassen (Reflexbluten). Darunter sind die Marienkäfer (Coccinellidae) mit übel riechendem und alkaloidhaltigem Blut und die Ölkäfer (Meloidae) zu finden. Das Blut wird aus Öffnungen in verschiedenen Körperregionen entlasse, beispielsweise hinter dem Kopf oder in den Beinschenkelregionen. Bei Ölkäfern wie der Spanischen Fliege (Lytta vesicatoria) findet sich das hochgiftige Cantharin (C10H12O4) im Blut, es wirkt sich auf dem Menschen vor allem hautreizend aus und kann zu Entzündungen und Blasen führen, in großen Mengen (als Aphrodisiakum missbraucht) kann es starke Nierenschäden hervorrufen. Außerdem wirkt Cantharin als Neurotoxin auf die Nerven. Braunbrustigel (Erinaceus europaeus) und viele der insektenfressenden Vögel (Aves) sind gegen Cantharin immun. Viele Buckelzirpen (Membracidae), so die Dornzikade (Centrotus cornutus) und Arten der Gattung Umbonia, besitzen lange Dornen auf dem Rücken, gebildet von Auswüchsen des Chitinpanzers. Durch diese sehen sie erstens aus wie die Dornen einer Pflanze, sie sind dadurch also, je nach Farbe, gut getarnt, und zweitens dienen die Dornen dazu, die Buckelzirpen den Fressfeinden zu einem möglichst schwierigem Mahl zu machen, denn durch die großen Dornen sind die Insekten spitz und äußerst sperrig für Prädatoren wie Vögel.

Viele der Insekten warnen ihre Fressfeinde durch auffällige Warnfarben (v. a. rot, gelb) und Warnmuster vor ihren Giften oder ihrer Abwehrreaktionen respektive Abwehrmechanismen.

Fortpflanzung

Werbung und Paarung

Die meisten Insekten haben nur eine kurze Zeit als Imago (vollentwickeltes Insekt), oft geht dem eine lange Entwicklung voraus. Daher sind viele Insekten nach dem Erreichen der Geschlechtsreife vor allem oder gar ausschließlich damit beschäftigt, für Folgegenerationen zu sorgen. Einige sind sogar zu kaum was anderem in der Lage. Einige Schmetterlinge (Lepidoptera) können nach ihrem Schlupf aus der Puppe keine Nahrung mehr aufnehmen, weil die Verdauungsorgane verkümmert sind. Nach der Fortpflanzung sterben die Tiere. Es gibt unter der großen Zahl an Insektenarten die unterschiedlichsten Methoden, zu Sexualpartnern zu finden. Bei Glühwürmchen (Lampyridae) werden mittels Biolumineszenz (chemische Reaktionen in/durch Lebewesen unter Freisetzung von Licht) grünliche Leuchtsignale in die Dunkelheit der Nacht geschickt, die die Geschlechtspartner zueinander führen. Dabei hat jede Glühwürmchen-Art ihre eigenen Signale. Sieht ein Weibchen, das sich in einem Busch versteckt hält, die Leuchtsignale eines Männchens, so sendet es ebenfalls Leuchtsignale zurück und das Männchen fliegt zur Paarung zum Weibchen. Bei einigen Arten von Glühwürmchen ahmen die Weibchen
Gemeine Stinkwanze (Palomena prasina) bei der Paarung
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Gemeine Stinkwanze (Palomena prasina) bei der Paarung
die Signale anderer Arten nach. Kommt ein Männchen der entsprechenden Art zu ihm, fängt das Weibchen es und frisst es auf. Heuschrecken, wie das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) machen sich die Akustik zu Nutze. Die Männchen reiben mit der gerippten Innenseite ihrer Hinterbeine über die Flügeladern, dies führt zu dem typischen Zirpen, dem sogenannten Stridulieren. Auch Grillen (Gryllus) strudulieren, sie benutzen jedoch die Flügel und reiben diese aneinander. Das Stridulieren dient auch hier besonders dem Anlocken von Weibchen. Einige Insekten nutzen den Geruchssinn, die Weibchen geben Pheromone ab, die die Männchen über mehrere Kilometer anlocken. Daneben gibt es noch eine Vielzahl an weiteren Methoden zur Partnerfindung. Um sicherzustellen, dass möglichst nur die besten Gene weitergegeben werden, liefern sich etliche männliche Insekten Kämpfe, der stärkere hat dann das Recht auf die Paarung, so ist es bei den Hirschkäfern (Lucanus cervus). Hat sich ein Paar gefunden, kommt es zur Begattung. Dabei werden die Eizellen des Weibchens vom Samen (altgr. Sperma = Keim, Samen) des Männchens befruchtet und es entwickelt sich ein neues Insekt, zunächst als Ei im Mutterleib. Was sich einfach anhört ist jedoch kompliziert und im Reich der Insekten unterschiedlicher als man es sich nur vorstellen kann. Die eigentliche Begattung läuft in der Regel von Art zu Art unterschiedlich ab, auch wenn die Unterschiede durchaus nur klein sind. Größere Ähnlichkeiten gibt es nur innerhalb einzelner Ordnungen. Ein markantes Beispiel für die Paarung sind verschiedene Schmetterlinge (Lepidoptera). Über kurze Strecken werden sie durch Sichtkontakt aufeinander aufmerksam, über weitere Strecken benutzen sie Duftstoffe, Pheromone, die die Männchen mit den Fühlern wahrnehmen. Haben zwei zueinander gefunden, flattert das Männchen um das Weibchen herum und produziert eigene Duftstoffe in speziellen Flügelschuppen. Das Weibchen hält zunächst Abstand, nimmt aber das Geflattere und die Duftstoffe wahr. Anschließend umkreist er das Weibchen, welches an dem Geruch die Artzugehörigkeit erkennt. Ist sie paarungsbereit, setzt sie sich auf ein Blatt, das Männchen landet ebenfalls und dort kommt es dann zu Kopulation. Die Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) ist ein Beispiel für die mögliche Dauer der Paarung. Ihre Kopulation kann mehrere Stunden lang dauern. Wanzen (Heteroptera) liegen meist mit den Hinterleibern zueinander, andere Insekten Kopf an Kopf, Bauch an Bauch und wieder andere auf einander. Libellen (Odonata) biegen ihr Hinterleib artspezifisch um und paaren sich im Flug oder im Sitzen. Bei der Europäischen Gottesanbeterin (Mantis religiosa) kommt es häufig vor, dass die Weibchen während der Paarung bereits anfangen, das Männchen mit dem Kopf voran aufzufressen. Die Geschlechtsorgane können jedoch noch weiterhin Sperma produzieren und in den weiblichen Körper pumpen.

In Folge der Fortpflanzung wird bei nahezu allen männlichen Insekten das Abwehrsystem geschwächt und es kommt zu einem früheren Tod. Grund dafür ist, dass die Männchen nach der Befruchtung einer Eizelle und der Sorge um die Weitergabe der eigenen Erbanlagen im Nachwuchs ihren Dienst sozusagen erfüllt haben.

Lebenserwartung

Im Vergleich zu den meisten Säugetieren (Mammalia) und Vögeln (Avis) haben die einzelnen Insektenarten eine ganz unterschiedliche Lebensdauer, bei Säugetieren und Vögeln kann man zumindest einer Familie in der Regel ungefähr eine Lebenserwartung zuordnen. Viele sind mit einigen Monaten recht kurzlebig, besonders kurzlebig Stadium sind kleine Hautflügler (Hymenoptera) und Fliegen (Brachycera), sind günstige Bedingungen gegeben, brauchen sie für Wachstum und Fortpflanzung um die zwei Wochen. Viele von ihnen sind Parasiten oder ernähren sich von schnell verderblicher Nahrung wie reifen Früchten oder ähnlichem. Einige im Holz bohrenden Käfer können hingegen zehn Jahre oder, inklusive Larvenstadium, welches den größten Teil des Lebens ausmacht, sechsundzwanzig bis einundfünfzig Jahre erreichen und die Königin eines Termitenbaus kann ebenfalls bis zu fünfzig Jahre alt werden. Eine Erzwespe (Chalcidoidea spec.) erreicht etwa zwei, eine Stubenfliege (Musca domestica) bis zu vier und eine Europäische Honigbiene (Apis mellifera) bis zu sechs Wochen, der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) kann sechs Monate, eine Libelle (Odonata) je nach Art bis zu drei Jahre und ein Bockkäfer (Cerambycidae) über zehn Jahre erreichen. Drei Arten von Zikaden, darunter die Siebzehnjahr-Zikade (Magicicada septendecim), verbringen siebzehn Jahre im Larvenstadium unter der Erde. Andere Zikaden (Auchenorrhyncha) kommen nur alle paar Jahre vor. So zum Beispiel eine in Nordamerika verbreitete Art. Sie verbringt dreizehn Jahre im Larvenstadium und kommt dann nach Abschluss der Entwicklung zur Fortpflanzung aus der Erde, allerdings geschieht dies mit allen Individuen der Art zur gleichen Zeit. Nach dem Tod dieser Tiere kommt es erst nach weiteren dreizehn Jahren mit ihrem Nachwuchs zum Auftreten erwachsener Tiere dieser Art. Eintagsfliegen (Ephemeroptera) entwickeln sich im Wasser zwei bis drei Jahre lang, die erwachsenen, geschlechtsreifen Imagines leben selten länger als einen bis zwei Tage, ihre einzige Bestimmung ist der Erhalt der Art, also die Fortpflanzung.

Das Alter von adulten Insekten, die eigentlich nur mehrere Wochen leben, kann sehr variieren. Schlüpft ein Schwalbenschwanz beispielsweise im Frühjahr, so wird er bis zu Sommer gestorben sein. Schlüpft er jedoch im Sommer oder Spätsommer, so kann er in Winterstarre überwintern und sein leben so noch im nächsten Frühjahr noch einige Tage bis Wochen weiterführen. Auch können viele Arten unter Nahrungsknappheit oder Trockenheit die Lebensfunktionen so herunterfahren, dass sie weitere Wochen überleben können, bis dass hoffentlich bald wieder Nahrung und Wasser zur Verfügung steht. Unter höheren Temperaturen leben Insekten nicht so lange und es gibt mehrere Generationen, als in kühleren Tagen. So stirbt eine Fruchtfliege wie die Schwarzbäuchige Taufliege (Drosophila melanogaster) bei dreisig Grad Celsius nach etwa zehn Tagen und sorgt schnell für Nachwuchs, bei zehn Grad Celsius jedoch überlebt sie bis zu vier Monate.

Galerie Entwicklung

Galerie verschiedener Insekten in verschiedenen Entwicklungsstadien

Wirtschaft

Vor allem in der Landwirtschaft hängt viel von den Insekten ab. Viele Insekten kommen als Bestäuber von unzähligen Blütenpflanzen in Betracht. Ohne die Insekten würde sich die entsprechenden Pflanzen nicht fortpflanzen können. Insekten sichern also mehr oder weniger das Heil der Welt, ohne sie würden die Ökosysteme nicht annähernd so funktionieren können, wie sie nun funktionieren und ohne sie würden viele Obstsorten und pflanzliche Produkte nicht existieren können. Da diese nun aber einen enormen wirtschaftlichen Faktor darstellen, sichern die Insekten somit tausende Arbeitsplätze im Garten- und Pflanzenbau und in der Landwirtschaft.

Insekten in der Forschung

In der Bionik versucht man Erkenntnisse von den Funktionen verschiedener Vorgänge und Eigenschaften zu gewinnen und diese auf technisch nutzbare Elemente zu übertragen. So ist man auch bei den Insekten mit Recht nach solchen am suchen. Dabei arbeiten Naturwissenschaftler wie Entomologen und Biologen in enger Zusammenarbeit mit Technikern und Ingenieuren. Mit der Bewegung hat man erste Fortschritte gemacht. Man hat die Erkenntnis der Bewegungsvorgänge auf Roboter übertragen, sie können somit wesentlich besser unwegsames Gelände durchqueren. So wurde am Massachusetts Institute of Technology (MTA) in den Vereinigten Staaten der Insektenroboter Attila entwickelt. Er misst 30 Zentimeter Länge, hat ein Gewicht von rund 1.500 Gramm und besitzt 23 Einzelmotoren, welche die einzelnen Abläufe der sechs künstlichen Beine steuern. Mittels Kameras und Mikroprozessoren steuert der Roboter eigenständig durch unebenes Gelände, immer mindestens drei Beine am Boden. Wenn er zu kippen droht, erkennen dies elektronische Programmierungen, das Bein hört auf zu schieben, andere Beine setzen sich für die Gegenleistung in Bewegung. Mit ziemlicher Sicherheit werden solche Roboter in wenigen Jahren mit großem Fortschritt andere Planeten für den Menschen erforschen.

Ebenfalls weniger für die entomologische Forschung wichtig sind die Fruchtfliegen der Gattung Drosophila, vielmehr interessieren sich Genetiker für die Tiere. Sie sind besonders leicht zu züchten und an ihnen lassen sich Erbvorgänge sehr gut beobachten. Außerdem sind die Chromosomen besonders groß, trotz der geringen Körpergröße. Sie sind das perfekte Forschungsobjekt für die Genetik und stellen heute, genetisch betrachtet, die mitunter best bekanntesten Lebewesen der Welt dar. Von ihnen konnte man viele wichtige Kenntnisse der Vererbung gewinnen, viele auch auf den Menschen übertragen. Da dadurch einiges an Erbvorgängen besser verstanden wird, ist die Pathologie vieler Krankheiten nun wesentlich offensichtlicher, daher oft auch die Behandlung sicherer und effektiver, was einige Krankheiten betrifft.

Ökologie

Insekten und Pflanzen

Beitrag zur Befruchtung der Pflanzen

Viele der Blütenpflanzen sind ohne Insekten nicht in der Lage, sich fortzupflanzen. Sie haben ihre Blüten entwickelt, um mit den bunten Farben oder den Gerüchen die Insekten auf sich aufmerksam zu machen. Im Laufe der Evolution, einer langen Koevolution, haben sich manche Arten von Insekten und Pflanzen so aneinander angepasst, dass sie ohne den anderen nicht mehr lebensfähig sind, das heißt, wenn eine Art ausstirbt, stirbt auch die andere Art aus. So sieht es etwa bei der bereits erwähnten Orchidee Angraecum sesquipedale aus, sie hat einen bis über 30 Zentimeter langen Lippensporn und im untersten Teil wird Nektar produziert. Der einzigste Falter, der in der Lage ist, den Nektar zu erreichen, ist Xanthopan morgani praedicta mit einem bis 22 Zentimeter langem Rüssel, er muss sich also trotz des langen Rüssels tief in die Blüte reinarbeiten. Etliche weitere Blüten sind in ihrer Form so angelegt, dass ausschließlich Schmetterlinge (Lepidoptera) als Bestäuber agieren können, bei anderen kommen ausschließlich Hummeln (Bombus) und bei anderen wieder andere Insekten als Bestäuber in Frage. Viele Pflanzen locken mit ihrem Duft ganz bestimmte Gruppen von Insekten. Die Gattung Bärenklau (Heracleum) hat es mit ihren weißen Doldenblüten und dem etwas unangenehmen und recht starken Geruch vor allem auf Fliegen (Brachycera), aber auch auf Käfer (Coleoptera) "abgesehen", an warmen Sommertagen sind durchaus hunderte, wenn nicht gar tausende Insekten gleichzeitig auf den Blüten eines dichten Bärenklau-Bestandes zu beobachten. Pflanzen, die von Insekten bestäubt werden, nennt man Insektenblumen oder Entomophile. Insekten kommen zu den Blüten und erwarten Nahrung, diese wird eingesammelt und zum Nest gebracht (bei staatenbildenden Insekten) oder nur vor Ort gefressen. Dabei nehmen die Insekten zur nächsten Blüte die Pollen der anderen mit. Gelangt ein Pollenkorn auf die Narbe einer anderen Pflanze der gleichen Art, legt es einen Pollenschlauch zur Eizelle an und befruchtet diese durch die Übertragung des Erbgutes. Daraus entwickelt sich dann eine Frucht, die Tochtergeneration einer Pflanze. Früchte sind für gewöhnlich von Pflanzen, welche von Insekten bestäubt werden. Ohne Insekten würde die Obstindustrie nicht sein können. Außerdem könnte kaumein Ökosystem so funktionieren, wie es dies jetzt tut, wenn es keine Insektenblumen gäbe. Berufe wie Florist/in würden keinen Sinn haben und der Mensch hätte enorme Problem, sich ausgewogen genug zu ernähren.

Insekten und andere Tiere

Insekten sind für viele andere Tiere von großer Bedeutung oder sind ihnen lästig. Parasiten wie Flöhe (Siphonapteraoder) oder weibliche Stechmücken (Culicidae) saugen Blut von warmblütigen Tieren, Stechmücken zur Eierbildung und Flöhe auch zur Ernährung ihres Selbst. Vor allem durch ihre gewaltige Arten- und Individuenzahl kommt ihnen eine enorm große ökologische Bedeutung zu. Sie haben unzählige Prädatoren, für die sie als wichtige Nahrungsquelle dienen. So ernähren sich fast alle Webspinnen (Araneae) von Insekten verschiedener Arten, sehr viele Webspinnen fressen ausschließlich Insekten und einige sogar nur Insekten bestimmter Gruppen oder gar Arten. Auch eine Großzahl an Vögeln (Aves) erbeutet, oft ausschließlich, Insekten. Ein Beispiel hierfür ist der Bienenfresser (Merops apiaster), der neben Wespen und Bienen (Hautflügler (Hymenoptera)) auch größere Geflügelte Insekten (Pterygota) wie Schmetterlinge (Lepidoptera) oder Libellen (Odonata) erbeutet. Schwalben (Hirundinidae) und Mauersegler (Apus apus) fangen mit weit aufgerissenem Schnabel im Flug kleine Insekten wie Mücken (Nematocera) und Blattläuse (Aphidoidea). Da diese im Winter nicht mehr zur Verfügung stehen, sind sie gezwungen in den Süden zu ziehen. Spechte (Picidae) wie der Buntspecht (Dendrocopos major) ernähren sich von im Holz toter Bäume lebenden Insektenlarven und Imagines. Auch etliche Säugetiere (Mammalia) wie Maulwürfe (Talpa europaea) fressen neben Würmern im Boden lebende Insektenlarven.

Viele Insekten sind auch an den Stoffkreisläufen beteiligt. Ein Beispiel dafür ist der Boden des Waldes. Hier sind Billionen von Mikroorganismen daran beteiligt, die organischen Abfälle (Falllaub, tote Tiere, Äste, ect.) abzubauen, sonst würde der Wald innerhalb weniger Jahre im eigenen Dreck ersticken. Ohne die Mitarbeit der Insekten und anderer Gliederfüßer (Arthropoda) wäre die Verwertung kaum möglich, denn sie leisten wichtige Beiträge, vor allem leisten sie große Leistungen in der Vorarbeit und erleichtern den Mikroben ihren Teil der Arbeit. Allein auf einem Quadratmeter Mischwald-Boden finden sich in bis zu 30 Zentimetern Tiefe bis über 50.000 Springschwänze (Collembola). Insekten öffnen vor allem Blätter und fressen Löcher hinein, Mikroorganismen können dann leichter eindringen und haben mit dem Inneren der Blätter leichtere Arbeit. Ohne Insekten würde es am Waldboden also deutlich langsamer zugehen, ganz ohne Gliederfüßer wäre das Ökosystem nicht in der Form lebensfähig, wie es nun funktioniert.

Insektizide

Ein großer Gefährdungsanteil ist wohl auf Insektizide zurückzuführen. Insektizide oder Insektenbekämpfungsmittel sind zumeist synthetisch hergestellte Stoffe, die für Pflanzen-, Material- und Vorratsschutz sowie in der Hygiene zur Vernichtung von Schadinsekten eingesetzt werden. Sie können von Atem-, Kontakt- oder Fraßgiften dargestellt werden und auch untereinander kombiniert sein. Systemische Insektizide werden nach großflächigem Versprühen über Feldern mittels Flugzeugen durch die Pflanzenwurzel aufgenommen und mit dem Saftstrom in der ganzen Pflanze verteilt. Unterteilen lassen sich Insektizide chemisch in anorganische Insektizide wie Arsenate, Cyanide und ähnliche, und in organische Insektizide wie Mineral- und Teeröle sowie Chlorkohlenstoffe. Derris, Nikotin, Ryanodin und andere sind als natürliche und biologische Insektizide einstufbar. Als Pyrethroide werden synthetische Analoga des Pyrethrum bezeichnet. Aufgrund der schlechten biologischen Abbaubarkeit und ihrer Anreicherung in tierischem Fettgewebe sind Chlorkohlenwasserstoffinsektizide in Deutschland weitestgehend verboten, neuere Entwicklungen streben größere Umweltfreundlichkeit an. Unter anderem gehören dazu insektenpathogene Mikroorganismen, hormonell wirkende Substanzen und andere. Auch Pheromone zum Anlocken der Insekten zur dannigen Vernichtung sollen in Zukunft angestrebt werden. Die meisten Insektizide setzen das Nervensystem außer Kraft und wirken somit neurotoxisch.

Systematik der Klasse der Insekten

Detail-Ansicht einer Heuschrecke
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Detail-Ansicht einer Heuschrecke

Klasse: Insekten (Insecta)

Ordnung: Felsenspringer (Archaeognatha)
Unterklasse: Dicondylia
Ordnung: Fischchen (Zygentoma)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Geroptera
Ordnung: Urlibellen (Protodonata)
Ordnung: Syntonopterodea
Überordnung: Palaeodictyopterida
Ordnung: Diaphanopterodea
Ordnung: Dicliptera
Ordnung: Megasecoptera
Ordnung: Urflügler (Palaeodictyoptera)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Familie: Chresmodidae
Familie: Probnidae
Ordnung: Caloneurodea
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Ordnung: Ohrwürmer (Dermaptera)
Ordnung: Schabenverwandte (Dictyoptera)
Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
Ordnung: Tarsenspinner (Embiidina)
Ordnung: Glosselytrodea
Ordnung: Grillenschaben (Grylloblattodea)
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Ordnung: Termiten (Isoptera)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Ordnung: Gladiatoren (Mantophasmatodea)
Ordnung: Schnabelfliegen (Mecoptera)
Ordnung: Miomoptera
Ordnung: Geradflügler (Orthoptera)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Ordnung: Tierläuse (Phthiraptera)
Ordnung: Steinfliegen (Plecoptera)
Ordnung: Protoperlaria
Ordnung: Protoptera
Ordnung: Staubläuse (Psocoptera)
Ordnung: Flöhe (Siphonaptera)
Ordnung: Fächerflügler (Strepsiptera)
Ordnung: Fransenflügler (Thysanoptera)
Ordnung: Titanoptera
Ordnung: Köcherfliegen (Trichoptera)
Ordnung: Bodenläuse (Zoraptera)
Überordnung: Netzflüglerartige (Neuropterida)
Ordnung: Schlammfliegen (Megaloptera)
Ordnung: Netzflügler (Neuroptera)
Ordnung: Kamelhalsfliegen (Raphidioptera)
Teilklasse: Altflügler (Palaeoptera)
Ordnung: Eintagsfliegen (Ephemeroptera)
Ordnung: Libellen (Odonata)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Neben über 370 Artikeln sind bislang auch einige Hauptartikel höherer Taxa erstellt worden. Dies sind im einzelnen:

Auch sind bereits viele lesenswerte Artartikel erstellt worden: Hornisse (Vespa crabro) - Rote Feuerameise (Solenopsis invicta) - 24-Stunden-Ameise (Paraponera clavata) - Allomyrina dichotomus - Allotopus moseri - Aurorafalter (Anthocharis cardamines) - Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) - Chiasognathus granti - Geißklee-Bläuling (Plebeius argus) - Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) - Elefantenkäfer (Megasoma elephas) - Graubindiger Mohrenfalter (Erebia aethiops) - Herkuleskäfer (Dynastes hercules) - Mehlkäfer (Tenebrio molitor) - Monarchfalter (Danaus plexippus) - Ockerbindiger Samtfalter (Hipparchia semele) - Orientalischer Goliathkäfer (Goliathus orientalis) - Prosopocoilus giraffa - Ritterwanze (Lygaeus equestris) - Rote Mordwanze (Rhynocoris iracundus) - Siebzehnjahr-Zikade (Magicicada septendecim) - Westliche Honigbiene (Apis mellifera) - Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) - Tagpfauenauge (Inachis io) - Australische Gespenstschrecke (Extatosoma tiaratum tiaratum) - Samtschrecke (Peruphasma schultei) - Buchdrucker (Ips typographus)

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann: Welches Insekt ist das?, Kosmos Verlag. ISBN 3440098745.
  • David Burnie: Insekten, Dorling Kindersley. ISBN 3831007446.
  • A. Villiers: Schön ist die Welt - Insekten, Wilhelm Goldmann Verlag München, Italy 1962.
  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 1 / Bd. 33. ISBN 3765394638.
  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 2 / Bd. 34. ISBN 3765394645.
  • Eugéne Bruins: Illustrierte Terrarien Enzyklopädie, Doerfler-Verlag. ISBN 9783895554230.
  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer - 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag. ISBN 3-440-10093-6.
  • M.Bergau, P.Habbe und B. Schäfer: Umwelt:Biologie, Ernst Klett. ISBN 3-12-029200-1.
  • H. Böttgenbach und andere: Bio 2I3, Westermann Verlag. ISBN 3-14-150702-3.
  • A. Gerhard, J. Dircksen und P. Höner: Biologie 2/3 N, BSV-Verlag. ISBN 3-7627-4119-0.
  • Harry Garms: Lebendige Welt, Westermann Verlag. ISBN 3-14-111691-1.
  • Michael Jütte: Biologie Heute entdecken 2, Schroedel-Verlag. ISBN 3-507-86104-6.
  • B. Sombecki-Hansen, U. Beckman: Einblicke Biologie 9/10, Ernst Klett. ISBN 3-12-030730-0.
  • Prof. Dr. Wilfried Probst, Petra Schuchardt: Abitur Duden Biologie. Basiswissen Schule, Bilbliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim, und DUDEN PAETEC GmbH, Berlin, 2. akualisierte Auflage, inkl. CD. ISBN 3411046120.
  • Dr. E. Wiegand, Dr. M. Schinnagel: Das große Buch des Wissens, Kap. Biologie, Bertelsmann Lesering. Fackelverlag G. Bowitz Kom.-Ges., Stuttgard; 1956. Buch-Nr. 417.
  • Georg Schön: Pilze - Lebewesen zwischen Pflanze und Tier, C.H. Beck. ISBN 340650860X.
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