Insel-Flughund

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Insel-Flughund

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Flughunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Tribus: Eigentliche Flughunde (Pteropodini)
Gattung: Pteropus
Art: Insel-Flughund
Wissenschaftlicher Name
Pteropus hypomelanus
Temminck, 1853

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Insel-Flughund (Pteropus hypomelanus) gehört innerhalb der Familie der Flughunde (Pteropodidae) zur Gattung Pteropus. Im Englischen wird die Art Island Flying Fox, Small Flying-fox, Variable Flying Fox oder Variable Flying-fox genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der relativ kleine Insel-Flughund erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Gesamtlänge von 183 bis 240 mm, eine Flügelspannweite von 1.210 mm eine Vorderarmlänge von 121 bis 150 mm, eine Hinterfußlänge von 39 bis 55 mm, eine Daumenlänge von 54 bis 62,5 mm, eine Mittelhandknochenlänge von 12 bis 14,5 mm, eine Schädellänge von 62,1 bis 69 mm, eine Condylobasallänge von 57,6 bis 65 mm, eine Jochbeinbreite von 30,6 bis 38,5 mm, eine Hirnschädelbreite von 21,8 bis 24,2 mm sowie ein Gewicht von 425 to 576 Gramm (Jones & Kunz, 2000). Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Der Körper ist vollständig mit kurzem Fell besetzt. Die Fellfärbung ist je nach Unterart ausgesprochen variabel. Der Kopf ist meist dunkelbraun, seltener auch hellbraun bis gelblichbraun. Das dorsale Fell variiert geografisch von braun bis rotbraun, zuweilen auch gräulich bis silbergrau. Ventral ist das Fell deutlich heller, meist hellbraun bis cremefarben gefärbt. Der längliche Schädel ist ausgesprochen robust gebaut, das Jochbein ist gut entwickelt. Das kräftige Gebiss der Insel-Flughunde weist 34 Zähne auf, die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p3/3, m2/3. Der Penisknochen (Baculum) erreicht eine Länge von 6,2 to 8,2 mm und eine Breite von 5,3 to 7,3 mm (Jones & Kunz, 2000).

Lebensweise

Die überwiegend nachtaktiven Insel-Flughunde leben in geselligen Gruppen von 10 bis 70 oder mehr Tieren. Lokal können die Gruppen einige Hundert Tiere umfassen. Während der Ruhephasen hängen die Tiere kopfüber an Ästen von Schlafbäumen. Während der Nahrungssuche entfernen sich Insel-Flughunde bis zu 8 Kilometer von ihrem Schlafbaum. Die Aktivitäten beginnen kurz nach Sonnenuntergang und enden kurz vor Sonnenaufgang. Als nachtaktive Tiere verbringen sie die meiste Zeit vom Tage mit Schlafen. Aber auch die Körperpflege, die Paarung und die Revierverteidigung erstrecken sich über den Tag. Insel-Flughunde sind gute Flieger. In der Regel fliegen sie in Höhen von unterhalb 30 Metern.

Verbreitung

Insel-Flughunde sind in der südostasiatischen Inselwelt weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Malediven, über die Andamanen, die Nikobaren, Sulawesi (Insonesen) sowie Bohl, Palawan, dem Cagayan-Archipel, die Camotes Inseln,Camiguin, Cebu, Leyte, Luzon, Mactan, Masbate, Mindanao, Negros, Panay - jeweils Inseln oder Inselgruppen, die zu den Philippinen. Nach Angaben der IUCN kommt die Art in Indien, Indonesien, Malaysia, Malediven, Myanmar, auf Papua-Neuguinea, den Philippinen, den Salomonen, in Thailand und in Vietnam vor. Insel-Flughunde leben hauptsächlich auf kleinen und größeren Inseln. Hier sind sie üblicherweise auf Meeresniveau, seltener auch bis in Höhen von gut 900 Meter über NN anzutreffen. Tropische Regenwälder, lichte Sekundärwälder und landwirtschaftliche Flächen gehören zu den natürlichen Lebensräumen.

Prädatoren und Parasiten

Insel-Flughunde haben in den natürlichen Lebensräumen kaum natürliche Feinde. Die größte Gefahr geht vom Menschen aus, der den Tieren wegen des Fleisches nachstellt. Da Insel-Flughunde immer in großen Gruppen anzutreffen sind, haben Wilderer immer ein leichtes Spiel. Nachgestellt wird den Tieren vor allem auf den Philippinen und in Malaysia (Jones & Kunz, 2000). In Feldversuchen konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Hier sind vor allem Milben (Acari) aus der Familie Laelapidae sowie verschiedene Fledermausfliegen (Nycteribiidae) zu nennen. Nachgewiesen werden konnten auch Fadenwürmer (Nematoda) wie Makifilaria indri und Toxocara pteropodis (Jones & Kunz, 2000).

Ernährung

Insel-Flughunde ernähren sich hauptsächlich von Früchten, Pollen und Nektar. Zu den wichtigsten Futterpflanzen zählen Papaya (Carica Papaya), Kokosnusspalmen (Cocos nucifera), Mangos (Mangifera indica), Bananen (Musa), Feigen (Ficus), Pouteria sapota, Calophyllum inophyllum, Ceiba und Kakis (Diospyros kaki). Insel-Flughunde nehmen rund 50% des Körpergewichtes täglich an Nahrung zu sich. Nahrung wird sowohl über den Sehsinn als auch den hoch entwickelten Geruchssinn lokalisiert.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreichen Insel-Flughunde im Alter von gut einem Jahr. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden, da ein Männchen alle empfänglichen Weibchen im Harem begattet. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten von Februar bis in den April hinein. Während dieser Zeit kommt es zu einem Wurf. Insel-Flughunde leben in Haremsgruppen. Während der Paarungszeit sind vor allem die Männchen ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier und ihr Harem gegenüber Artgenossen. Die Reviermarkierung erfolgt über Duftdrüsen im Halsbereich. Nach einer Tragezeit von 180 bis 210 Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Die Geburt erfolgt kopfüber an einem Ast hängend. Der Ablauf einer Geburt kann sich dabei über mehrere Stunden erstrecken. Das Geburtsgewicht liegt bei etwa 74 Gramm, die Vorderarmlänge beträgt 62 mm. Zu Beginn der Säugezeit weist die Milch 7,6% Fett, 6% Kohlenhydrate und 2,5% Proteine auf. Gegen Ende der Säugezeit verfügt die Milch über 9,4 % Fett, 5,6 % Kohlenhydrate und 2,9 % Proteine. Der Energiegehalt der Milch liegt zwischen 0,9 and 1,1 kJ/g (Trockenmasse). Die Säugezeit erstreckt sich über etwa 6 Wochen. Die Unabhängigkeit erreicht der Nachwuchs im Alter von 4 bis 6 Monaten. Die Lebenserwartung der der Inselflughunde liegt unter günstigen Umständen bei 9 Jahren (Jones & Kunz, 2000).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In ihrem natürlichen Lebensraum spielen Inselflughunde als Samenverbreiter und Bestäuber blütentragender Pflanzen eine durchaus wichtige Rolle. Auf der anderen Seite sieht man die Tiere auf landwirtschaftlichen Flächen als Ernteschädling. Insel-Flughunde gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. IN der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Condern) geführt. Die größte Bedrohung geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume und der lokal starken Bejagung durch den Menschen aus. In einigen Regionen gilt das Fleisch der Insel-Flughunde als Delikatesse (Jones & Kunz, 2000; Nguyen et al., 2002).

Unterarten

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist der Insel-Flughund auch unter den Synonymen tricolor Gray, 1871, und vociferous Peale, 1848, bekannt. Beide Synonyme sind jedoch ungültig.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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