Jamaica Fruchtfledermaus

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Jamaica Fruchtfledermaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Blattnasen (Phyllostomidae)
Unterfamilie: Fruchtvampire (Stenodermatinae)
Gattung: Eigentliche Fruchtvampire (Artibeus)
Art: Jamaica Fruchtfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Artibeus jamaicensis
Leach, 1821

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Jamaica Fruchtfledermaus (Artibeus jamaicensis) zählt innerhalb der Familie der Fruchtvampire (Stenodermatinae) zur Gattung der Eigentlichen Fruchtvampire (Artibeus). Im Englischen wird die Jamaica Fruchtfledermaus Jamaican fruit bat genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die mittelgroße Jamaica Fruchtfledermaus erreicht eine Körperlänge von 7,8 bis 8,9 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 1,6 bis 1,8 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2,0 bis 2,7 Zentimeter, eine Vorderarmlänge von 5,2 bis 6,74 Zentimeter sowie ein Gewicht von 36 bis 48 Gramm. Die Nase erreicht eine Breite von 8,7 bis 9,0 Zentimeter, der kurze aber breite Schädel eine Länge von 2,62 bis 3,16 Zentimeter. An der hufeisenförmigen Unterseite des aufgerichteten Nasenblattes befinden sich beidseitig zusätzliche Blättchen, die effektiv mitschwingen. Hierüber wird ein Ultraschall abgegeben, der zur Orientierung und der Echolokation dient. Mit den seitlich liegenden großen Ohren wird der reflektierte Schall aufgenommen und zum Gehirn weitergeleitet. Die Fellfärbung variiert je nach Unterart von aschgrau bis graubraun, wobei die Bauchseite etwas heller gefärbt ist. Das Patagium (Flughaut) ist breit und dunkelgrau gefärbt. Auffälligstes Merkmal ist die aus zwei Hautschichten bestehende Flugmembran. Die Flughaut ist gleichzeitig das auffälligste Merkmal und erstreckt sich zwischen den Handgelenken und den Fußgelenken. Der Daumen ist kurz und verfügt über eine kleine Kralle. Die anderen vier Finger sind stark verlängert und bilden letztlich den Spannweitenbereich der Flughaut. Auch die Knochen im Armbereich, insbesondere die Speiche und die Elle sind deutlich verlängert. An jeder Zehe des Fusses befinden sich zwei Phalangen (Knochen, aus denen sich Finger und Zehen zusammensetzen).

Die Unterarten weisen zum Teil erhebliche Unterschiede in der Größe auf. Die nördlichen Populationen sind größer und schwerer als die Populationen rund um den Golf von Mexiko. Die kleinsten sind die Populationen im Amazonasbecken. Die Augen und auch die Ohren sind ausgesprochen breit. Sowohl die Ober- als auch die Unterlippen weisen Talgdrüsen (Glandula sebacea) auf. Die Drüsen sondern eine wachsartige Substanz ab. Über einen Schwanz verfügt die Jamaica Fruchtfledermaus nicht. Das Gebiss besteht aus 36 bis 38 Zähnen, die zuahnmedizinische Formel lautet i2/2, c2/2, p2/3, M2-3/3. Die Unterarten im südlichen Mittelamerika und in Südamerika weisen jeweils 3 Molaren je Kieferhälfte auf. Die Körpertemperatur der Jamaica Fruchtfledermäuse liegt am Tage bei 36,4 Grad, in der Nacht bei 39,1 Grad. Der Temperaturunterschied von fast 5 Grad zeigt den Unterschied zwischen den Ruhephasen und den aktiven Phasen. Die Milch der Weibchen weist folgende wichtige Bestandteile je 100 Gramm auf: 70 Gramm Wasser, 18,6 Gramm Fett, 7,3 Gramm Milchzucker, 1,1 Gramm Kasein (lat. caseus, Käse), 3,6 Gramm Molkeprotein, 0,11 Gramm Citronensäure. Der Energiegehalt der Milch liegt bei 2,3 kcal/Gramm. Während der Laktationsphase produziert ein Weibchen 12,3 Gramm Milch pro Tag.

Lebensweise

Die Jamaica Fruchtfledermaus ist eine gesellige Fledermausart, die in kleinen Gruppen lebt. Die Männchen der Jamaica Fruchtfledermäuse sind ausgesprochen territorial und verteidigen ein kleines Revier gegenüber Artgenossen, in dem alle geschlechtsreife Weibchen begattet werden. Die Weibchen zieht es dabei immer in die besten Nahrungsgründe. Genau hier richten Männchen für gewöhnlich ihr Revier ein. Im eigenen Revier werden nur Weibchen und subadulte Tiere geduldet. Vor allem die Schlafplätze sind Mangelware und werden energisch verteidigt. Als nachtaktive Fledertiere (Chiroptera) rasten die Tiere am Tage an Schlafplätzen, die sich meist in Baumhöhlen oder ähnlichem Befinden. In der Nähe des Menschen sind sie auch in menschlichen Behausungen wie Scheunen anzutreffen. Etwa eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit werden Jamaica Fruchtfledermäuse munter und fliegen zur Nahrungssuche aus. Um Mitternacht herum entfalten die Tiere ihre höchste Aktivität. Die Nahrungssuche erfolgt im Umkreis von 0,6 bis 8 Kilometer. Jamaica Fruchtfledermäuse orientieren sich durch Ultraschall. Bei Gefahr durch einen Fleischfresser werden Laute in einer Frequenz von 15 kHz ausgestoßen. Bei der Orientierung während der Nahrungssuche navigieren die Tiere mit Frequenzen zwischen 31 und 56 kHz.

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Jamaica Fruchtfledermaus erstreckt sich vom nordwestlichen Sinaloa und nördlichen Tamaulipas, Mexiko, südlich über Mittelamerika, über das Amazonasbecken bis ins nördliche Argentinien in Südamerika. Im Golf von Mexiko und in der Karibik werden zahlreiche Inseln wie Trinidad, Tobago, Kuba, Jamaika, Haiti, Puerto Rico, die Großen und kleinen Antillen sowie in den Florida Keys anzutreffen. Die Tiere sind von Meereshöhe bis in Höhen von etwa 2.135 Meter über NN verbreitet. In den meist tropischen Regionen sind die Tiere entlang von lichten Wäldern und in der Nähe des Menschen auf landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen. Beliebte Lebensräume sind auch Obstplantage und ähnliche Pflanzungen. Höhlen, hohle Bäume und ähnliche Orte dienen den Tieren als Unterschlupf bzw. Schlafplatz während der Ruhephasen. Jamaica Fruchtfledermäuse sind nur wenig sesshaft und wechseln meist alle 3 bis 5 Tage ihren Schlafplatz. Beliebte Schlafbäume sind beispielsweise Philodendren (Philodendron) und zahlreiche andere Palmengewächse (Arecaceae).

Biozönose

Prädatoren

Prädator: das Südopossum (Didelphis marsupialis)
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Prädator: das Südopossum (Didelphis marsupialis)

Zu den natürlichen Fleischfressern zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) wie die Schleiereule (Tyto alba), der Brillenkauz (Pulsatrix perspicillata), die Guatemala-Kreischeule (Megascops guatemalae) und der Fledermausfalke (Falco rufigularis). Aber auch einige Schlangen (Serpentes) wie die Abgottschlange (Boa constrictor) und andere arboreale Schlangen stellen den Tieren nach. Unter den Säugetieren (Mammalia) gehören je nach Verbreitungssgebiet vor allem Südopossums (Didelphis marsupialis), Weißrüssel-Nasenbären (Nasua narica) und Große Spießblattnasen (Vampyrum spectrum) zu den wichtigsten Fleischfresser.

Parasiten

Zu den wichtigsten Endoparasiten gehören Trypanosomen (Trypanosoma) wie Trypanosoma pessoai, Trypanosoma cruzi, Trypanosoma evansi und Trypanosoma hippicum, zahlreiche Fadenwürmer (Nematoda) wie Bidigiticauda vivipara, Haarwürmer (Capillaria cubana), Cheiropteronema globocephala, Histiostrongylus octacantha sowie Plattwürmer (Plathelminthes) wie Athesmia parkeri und Lecithodendrium pricei. Zu den nachgewiesenen Ektoparasiten gehören Milben (Acari) und Zecken (Ixodida). Jamaica Fruchtfledermäuse sind zudem anfällig für die Infektion mit Tollwut. Ebenfalls nachgewiesen sind einige Schlauchpilze (Ascomycota) wie Histoplasma capsulatum.

Ernährung

Die Jamaica Fruchtfledermaus gilt als ausgesprochener Nahrungsgeneralist. Neben Früchten werden auch Fruchtsaft, Pollen und Nektar gefressen. Weit oben auf der Speisekarte stehen jedoch saftige Feigen (Ficus) und stellen den Großteil der Nahrung. In einigen Regionen wie beispielsweise in Panama werden bis zu 78 Prozent nur Feigen gefressen. Ansonsten gehören auch folgende Arten zu breiten Spektrum der bevorzugten Pflanzen: Macauba-Palme (Acrocomia aculeata), Kaschus (Anacardium), verschiedene Annonengewächse (Annonaceae), Wollbaumgewächse (Bombacoideae) und Malpighiengewächse (Malpighiaceae), Flamingoblumen (Anthurium), Melonenbäume (Carica), Ameisenbäume (Cecropia), Färbermaulbeerbaum (Maclura tinctoria), Sternapfelbaum (Chrysophyllum cainito), Kordien (Cordia), Korallenbäume (Erythrina), Kirschmyrten (Eugenia), Animebäume (Hymenaea), Mangos (Mangifera), Bananen (Musa), Passionsblumen (Passiflora), Pfeffer (Piper), Guaven (Psidium), Sabal-Palmen (Sabal), Nachtschatten (Solanum), Mombinpflaumen (Spondias) und Myrobalanen (Terminalia).

Gefressen wird entweder das Fruchtinnere oder die Fruchthaut, mitunter auch beides. Von einigen Pflanzen werden nur Pollen und Nektar gefressen. Die Verdauung der aufgenommenen Nahrung erfolgt sehr schnell in einem Zeitraum von gut 30 Minuten. Die Verwertung der Nährstoffe ist daher mit 25 bis 30 Prozent eher schlecht. Eine 50 Gramm schwere Jamaica Fruchtfledermaus benötigt pro Tag etwa 85 Gramm an Nahrung (am Beispiel Feigen gerechnet). Dies entspricht 14,3 kcal. Die durchschnittlich aufgenommene Nahrung entspricht etwa 20 bis 40 Prozent des Körpergewichtes. Beim Auffinden der Nahrung spielt der olfaktorische Sinn (Geruchssinn) eine entscheidende Rolle. Sind Früchte knapp, so nehmen Jamaica Fruchtfledermäuse hin und wieder Insekten (Insecta) zu sich. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt ausschließlich in der Nacht.

Fortpflanzung

Die Jamaica Fruchtfledermaus erreicht die Geschlechtsreife mit 8 bis 12 Monaten, wobei Weibchen bereits mit 8 Monaten geschlechtsreif sind. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden, da ein Männchen mehrere Weibchen in seinem Harem begattet. Die Paarungszeit richtet sich je nach Nahrungsangebot. Dies entspricht in der Regel der Reifezeit der bevorzugten Früchte. In einigen Regionen wie in Mexiko, Mittelamerika und der Karibik pflanzen sich die Tiere auch ganzjährig fort. Nach einer Tragezeit von 105 bis 120 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein Jungtier zur Welt. In einigen Regionen kann es zu einer verzögerten Einpflanzung (Keimruhe) kommen. In diesen Fällen verlängert sich die Tragezeit auf bis zu 7 Monaten. Es weist ein Gewicht von gut 5 Gramm auf und ist relativ weit entwickelt. 3 Wochen nach der Geburt kann das Jungtier schon fliegen. Das Jungtier wird etwa 60 Tage lang von der Mutter gesäugt. Bis zum Absetzen des Jungtieres bleibt es aber noch bei der Mutter. Erst danach ist das Jungtier selbständig. Ausgewachsen sind die Tiere im Alter von gut 80 Tagen. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit unter günstigen Bedingungen bei 9 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Jamaica Fruchtfledermäuse gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie werden daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In einige Teilen des großen Verbreitungsgebietes stellt heute jedoch der Verlust an natürlichen Lebensräumen ein durchaus großes Problem dar. In der Nähe des Menschen sind die Tiere nicht gerne gesehen, da sie auf Plantagen und anderen Pflanzungen erhebliche Schäden anrichten können.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

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