Jamaika-Leguan

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Jamaika-Leguan

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
Überfamilie: Leguanartige (Iguania)
Familie: Leguane (Iguanidae)
Gattung: Nashornleguane (Cyclura)
Art: Jamaika-Leguan
Wissenschaftlicher Name
Cyclura collei
Gray, 1845

IUCN-Status
Critically Endangered (CR) - IUCN

Der Jamaika-Leguan (Cyclura collei) zählt innerhalb der Familie der Leguane (Iguanidae) zur Gattung der Nashornleguane (Cyclura). Im Englischen wird dieser Leguan Jamaican Iguana genannt. Seit den 1940er Jahren galt der Jamaika-Leguan als ausgestorben. Im Jahre 1990 wurde auf Jamaica in den Hellshire Hills eine kleine Population von rund 100 Tieren wiederentdeckt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Jamaika-Leguan ist innerhalb der Gattung der Nashornleguane (Cyclura) die kleinste Art. Er erreicht eine durchschnittliche Körperlänge von 38 bis 43 Zentimeter. Nur selten treten auch etwas größere Exemplare auf. Zur Körperlänge addiert sich die Schwanzlänge von etwa 48 bis 58 Zentimeter. Der stämmige und muskulöse Körper weist eine graue bis olivgraue oder graubraune, zuweilen auch rötlichbraune Färbung auf. Die Bauchseite ist deutlich heller, meist gräulich gefärbt. Jungtiere sind eher grünlich gefärbt. Auf dem Rücken ist ein kleiner Kamm mit gezackten Schuppen gut erkennbar. Dieser Kamm ist bei adulten Tieren besonders ausgeprägt und setzt sich auch auf dem Schwanz fort. Auf dem Oberkopf sind vor allem bei älteren Männchen zwei gut entwickelte Wülste zu erkennen. Unter der Haut bestehen diese Wülste aus Fett und Bindegewebe. Männchen zeichnen sich zudem durch stark ausgeprägte Backenwülste aus. Ältere Tiere verfügen im Kehlbereich über große Hautlappen. Die Extremitäten sind sehr robust gebaut und enden in mächtigen Krallen, die vorzüglich zum Graben von Erdbauten geeignet sind.

Verbreitung

Die letzten Jamaika-Leguane leben heute nur noch in einem kleinen Bereich der westlichen und unzugänglichen Abschnitten der Hellshire Berge auf Jamaika. Ursprünglich erstreckte sich ihre Verbreitungsgebiet über ganz Jamaika und einigen umliegenden Inseln. Aride und halbaride offene bis halboffene Habitate gehören in den Hellshire Hills zu den natürlichen Lebensräumen. Buschland wird dabei eindeutig bevorzugt. Eher selten trifft man die Tiere auch in lichten Wäldern an. In sandigem Boden graben sie große Höhlen, in denen sie ruhen und die Weibchen ihre Eier legen. In den zum Teil schroffen Kalksteinfelsen der Hellshire Hills sind sandige Plätze jedoch sehr rar und werden von den Weibchen über viele Jahre immer wieder genutzt.

Ernährung

Adulte Jamaika-Leguane fressen überwiegend pflanzliche Nahrung. Nur gelegentlich bessern sie ihren Speiseplan mit kleinen Wirbeltieren oder wirbellosen Tieren wie Hundertfüßer (Chilopoda), Schnecken (Gastropoda), Käfer (Coleoptera), andere Insekten (Insecta) und deren Larven auf. Jungtiere fressen überwiegend Insekten, deren Larven und kleine wirbellose Tiere. Zur pflanzlichen Nahrung zählen Blätter, Blüten, Sämereien und Früchte.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Jamaika-Leguan in freier Natur mit etwa drei bis vier Jahren. Die Paarungszeit beginnt im zeitigen Frühjahr. Nach rund zweimonatiger Trächtigkeit legt das Weibchen in einer selbst gegrabenen Höhle etwa 16 bis 20 recht große Eier. Sandige Habitate werden als Eiablageplatz bevorzugt. Das Gelege wird vom Weibchen während der Inkubationszeit geschützt. Nach dem Schlupf erlischt jedoch die Brutpflege. Die Jungtiere schlüpfen nach etwa 85 bis 90 Tagen. Die Inkubationszeit ist im wesentlichen von der Außentemperatur abhängig. Die Schlüpflinge weisen eine Geburtslänge von etwa 25 Zentimeter und wiegen 35 bis 40 Gramm. Die Lebenserwartung der Jamaika-Leguane ist nicht bekannt.

Gefährdung und Schutz

Der Jamaika-Leguan gehört zu den kritisch gefährdeten Leguanarten. Lange Zeit galt die Art als bereits ausgestorben. Im Jahre 1990 wurde eine kleine Population von kaum 100 Tieren wiederentdeckt. Die letzten Tiere leben heute in den westlichen Abschnitten der Hellshire Berge auf Jamaika. Hauptursache für die starke Gefährdung ist der Verlust des natürlichen Lebensraumes. Wälder werden für die Produktion von Holzkohle weitflächig abgeholzt und so vernichtet. Damit gehen den Jamaika-Leguanen vor allem die wichtigen Fortpflanzungsplätze verloren. Auch die Bejagung wegen des Fleisches und der Fang für den illegalen Tierhandel und wegen des Fleisches haben zu dieser Situation beigetragen. Jungtiere und Schlüpflinge fallen zudem Katzen und anderen Räubern zum Opfer. Der Hauptfleischfresser ist jedoch der Kleine Mungo (Herpestes javanicus), der im 20. Jahrhundert als Neozoa auf Jamaika eingeführt wurde.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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