Japanischer Riesensalamander

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Japanischer Riesensalamander

Systematik
Klasse: Amphibien (Amphibia)
Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Überfamilie: Cryptobranchiodea
Familie: Riesensalamander (Cryptobranchidae)
Gattung: Asiatische Riesensalamander (Andrias)
Art: Japanischer Riesensalamander
Wissenschaftlicher Name
Andrias japonicus
Temminck, 1836

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Japanische Riesensalamander (Andrias japonicus) zählt innerhalb der Familie der Riesensalamander (Cryptobranchidae) zur Gattung der Asiatischen Riesensalamander (Andrias). Im englischen wirder Japanische Riesensalamander Japanese Giant Salamander genannt. Im Japanischen O-Sansyou-Uo.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Japanische Riesensalamander sind große Wassersalamander, mit einer in der Literatur angegebenen Größe von bis zu 150 Zentimeter. Die meisten gefundenen Tiere weisen jedoch nur eine Körperlänge von 40 bis 70 Zentimeter auf. Ein in Gefangenschaft gehaltenes weibliches Tier wurde in Hiroschima mit einer Gesamtgröße von 140 Zentimeter und einem Gewicht von 20 Kilogramm dokumentiert. Dieses Tier kann man im Takamiya Eco Museum bewundern. Nur der Chinesische Riesensalamander (Andrias davidianus) soll mit angegebenen 180 Zentimeter noch Größer werden. Dies bedeutet, dass es sich beim Japanischen Riesensalamander um den zweitgrößten Salamander der Welt handelt. Die äußerste Lebenserwartung wird mit bis zu 70 Jahren angegeben.

Die Grundfarbe ist ein Braunton der von Tier zu Tier variieren kann. Die braune Färbung ist mit grauen bis schwarzen Punkten überzogen, die in Form und Intensität variieren können. Auf der Bauchseite ist er bedeutend heller gefärbt als auf der Rückenseite.

Die Augen sind liedlos und sitzen seitlich an dem großen breiten Kopf, aber oberhalb der Maulwinkel, was ihm einen etwas grimmigen Blick verleiht. Die Haut ist sehr faltig und der Körper weist an der Horizontallinie einen Hautlappen auf, der sich in einer Vertkalrichtung von der Schwanzwurzel bis in die Schwanzspitze als Kamm fortsetzt. Dieser Umstand lässt ihn mit der Vegetation und dem schlammigen Untergrund verschmilzen und unsichtbar werden. Die Vorderbeine und Hinterbeine sind sehr kurz und stämmig, sie sind ebenfalls mit Hautlappen überzogen. Die Füße weisen keine Schwimmhäute auf.

Lebensweise

Der Japanische Riesensalamander ist ein reiner Wassersalamander, er verlässt seinen aquatilen Lebensraum zeitlebens nicht. Er ist nachtaktiv und verbringt den Tag schlafend unter Stromschnellen. Um sich im schnellfließendem Wasser fortzubewegen, geht er auf allen Vieren flach auf dem Grund des Flusses, für kurze Strecken kann er in für Salamander typischer Form schlängelnd die Distanz schnell durchschwimmen. Obwohl er Fische frisst und in schnell fließenden Flüssen lebt, ist er sehr träge und geht nicht auf aktive Jagd. Vielmehr wartet er geduldig, dass ihm ein Fisch nah genug an sein Maul schwimmt, um ihn zu fassen. Der Japanische Riesensalamander ist in der Lage, über einen längeren Zeitraum ohne Nahrung auszukommen. Zur Paarungszeit wandert er in die Quellgebiete der Flüsse, um seine Eier dort abzulegen.

Da Japanische Riesensalamander mit ihren Augen nur hell und dunkel unterscheiden können, geht man davon aus, dass die Individuen durch chemische Duftstoffe kommunizieren. Dies wird bei der Balz deutlich, bei der Sexualduftstoffe über Ablehnung oder Annäherung entscheiden.

Besonderheit

Dies ist einer der wenigen aquatilen Salamander, welche die Kiemen nach der Metamorphose komplett zurückbildet. Nur ein Kiemenansatz bleibt erhalten, er ist aber nicht voll ausgebildet. Fachlich spricht man von einer partiellen Neotenie. Dies ist möglich, weil er durch die Epidermis, seine Haut atmen kann. Um genügend Sauerstoff zur Verfügung zu haben, um also nur über die Epidermis atmen zu können, hat er sich auf einen adäquaten Lebensraum spezialisiert. Er hat sich in die Bergregionen mit schnell fließendem und kühlem Wasser zurückgezogen. Ferner verfügt der Japanische Riesensalamander über die Lungen- und Darmatmung. Dies sind im allgemeinen Bergflüsse. Die Ausbildung der vielen Hautlappen und Falten ist nicht alleine der Tarnung zuzuschreiben, denn eine größere Fläche der Haut, kann ein stark erhöhten Gasaustausch bei gleicher Körpergröße bewältigen. Die Bergflüsse beinhalten genug Sauerstoff, so dass es ihm möglich war auf Kiemen zu verzichten. Die larvalen Zähne bleiben ihm bis zum Tode erhalten, sie werden nicht wie bei anderen Salamandern zurückgebildet. Ferner fehlen auch die Augenlieder, was durch die unvollständige Metamorphose begründet ist.

Verbreitung

Der Japanische Riesensalamander kommt vorwiegend in den kalten und schnellen Gebirgsströmen und Bächen sowie Bergseen der japanischen Inseln, in Höhen von 180 bis 1.350 Metern vor. Nur dort ist es ihm möglich genug Sauerstoff durch die Epidermis zu diffundieren (auszutauschen). Da er das Wasser nie verlässt, haben Veränderungen in der Gewässerform gravierende Folgen für diese Art. Hauptfundort sind die Berge auf Honshu, Shikoku, Chugoku und die auf Kyushu.

Ernährung

Als Lauerjäger wartet er auf Beute, die ihm vor sein riesiges Maul schwimmt, um dieses dann abrupt aufzureißen. Der dabei entstehende Unterdruck vor dem Maul reißt das Beutetier in einem Sog mit ins Maul. Das überschüssige Wasser, welches der Salamander mit eingesogen hat, wird bei fast geschlossenem Maul wieder herausgedrückt. Zu den Beutetieren zählen insbesondere Fische (Osteichthyes), Insekten (Insecta) und Krebstiere (Crustacea).

Fortpflanzung

Die Japanischen Riesensalamander haben über Generationen feste Laichplätze, an denen sie sich jedes Jahr erneut einfinden. Im späten August, aber spätestens, wenn die Wassertemperatur die 20 Grad Marke übersteigt, fängt die Zeit der Wanderung an. Die Männchen machen sich auf den Weg zu den Laichplätzen, um ihre angestammten Brutplätze einzunehmen. Sie benutzen immer den gleichen Brutplatz, welcher aus einer Sandmulde oder einer Ansammlung von Steinen bestehen kann. Junge Männchen sind bei dem Versuch einen angestammten Brutplatz zu übernehmen, von Alttieren schon getötet und gefressen worden. Einige Zeit später finden sich die Weibchen in den Laichgebieten ein. Die Weibchen werben nun mit drehenden Bewegungen um die Männchen mit den bevorzugten Nistplätzen, worauf das Männchen das Weibchen über das Nest führt, in das sie 400 bis 500 Eier, die wie an einer Kette mit Gallert zusammengehalten werden, ablegt. Die Eier haben einen Durchmesser von etwa sechs Millimeter und im Kern ungefähr vier Millimeter. Diese werden vom Männchen sogleich befruchtet. Das Ritual vollzieht während einer Saison mit wechselnden Partnern mehrfach.

Die Weibchen verlassen danach das Brutgebiet und kehren zu ihren angestammten Plätzen im Fluß zurück. Die Männchen hingegen werden für die nächsten 8 bis 12 Wochen aufmerksame Bewacher ihrer Brutreviere sein, die sie gegen andere Salamander, gegen Fische und andere Räuber vehement verteidigen. Die Larven beginnen nach ca. 2 bis 3 Monaten mit dem Schlupf. Beim Schlupf sind die Larven ca. 3 cm lang und haben Kiemenbüschel und Gliedmaßen. Die Jungen haben eine sehr langsame Entwicklung und werden sich erst nach zwei bis drei Jahren von der Larve in den Salamander umwandeln. Zu diesem Zeitpunkt sind sie etwa 20 Zentimeter lang. Vermutlich erreichen sie die Geschlechtsreife mit ca. 5 Jahren, dies ist jedoch nicht wissenschaftlich bestätigt. Um sich reproduzieren zu können, benötigen sie aber eine gewisse Größe, um sich gegen die Alttiere durchsetzen zu können. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Japanischen Riesensalamander ca. 10 Jahre alt.

Ökologie

Die einheimischen Fischer, die in den selben Fischgründen wie der Japanische Riesensalamander ihre Fische fangen, nutzen diese auch als Nahrungsquelle. Zudem werden die Tiere zu medizinischen Zwecke gefangen. Nachdem dies unter Strafe verboten wurde, befürchten Fischer durch den Riesensalamander beeinträchtigt zu werden, da dieser ihnen die Nahrungsgrundlage, förmlich wegfrisst. Auf dem Schwarzmarkt werden Teile des Japanischen Riesensalamanders für weiche Haut und für nicht bestimmte medizinische Zwecke verkauft.

Gefährdung und Schutz

In erster Linie wird die Art nur durch die Eingriffe des Menschen stark gefährdet. Trotzdem der Japanische Riesensalamander unter Schutz gestellt wurde, werden immer noch Tiere der Natur entnommen. Einerseits als Nahrungsmittel und andererseits zum zweifelhaften Gebrauch für Schönheitsmittel und medizinische Mittelchen. Weiterhin wird die Art stark durch die Veränderung der Fließgeschwindigkeit der Flüsse gefärdet, da die schnellfließenden Flüsse zur Stromgewinnung aufgestaut werden und dadurch eine Seenbildung und eine starke Verlangsamung verursacht wird. Dies führt dazu, dass der Riesensalamander erstickt, da er nicht mehr genug Sauerstoff über die Epidermis aufnehmen kann.

Bei Alttieren wurde eine neue Art der Parasiten nachgewiesen, bei der es sich um Fadenwürmer (Nematoden) mit dem wissenschaftlichen Namen Spiroxys hanzaki handelt. Die Jungtiere werden von Fischen (Osteichthyes), Insektenlarven (Insecta) und Krebstieren (Subphylum Crustarea) gefressen, wodurch sich die Nahrungskette im Fluss wieder schließt. Da es sich bei dem Verbreitungsgebiet des Japanischen Riesensalamanders um ein Habitat von nur 2.000 Quadratmetern handelt und die Eingriffe des Menschen gravierend sind, wurde die Art als streng geschützt eingeordnet. In der Roten Liste der IUCN wird der Japanische Riesensalamander als near threatened (gering gefährdet) geführt.

Arterhaltung

Vor dem einsetzen des internationalen Handelsverbotes für den Chinesischen Riesensalamander wurden unzählige Chinesische Riesensalamander nach Japan exportiert und zum überwiegenden Teil in Japan ausgesetzt. Beide Arten sind für den Laien nicht, für den Wissenschaftler nur schwer zu unterscheiden. Hier ist das Problem die eingeführten Riesensalamander aus China mit den einheimischen Riesensalamandern aus Japan zu unterscheiden. Frei lebende riesensalamander, welche in den flüssen von Zentral- und Westjapan vorkommen, sind wahrscheinlich die Chinesischen Riesensalamander. Vermutlich gibt es Mischpopulationen oder auch reine Vorkommen von eingeschleppten Chinesischen Riesensalamandern in Japan. Es ist nicht auszuschließen das die Chinesischen Riesensalamander die einheimischen Japanischen Riesensalamander in ihrem Bestand und Vorkommen stark oder sehr stark bedrohen. Zwischen 2005 und 2006 wurden bei 22 Japanischen Riesensalamandern aus verschiedenen Verbreitungsgebieten mittel DNA-Analyse vier Chinesische Riesensalamander festgestellt. Da sich die Wissenschafler nicht schlüssig darüber sind welchen Ursprung und/oder welche Entwicklung, auch in der Generationsfolge, die Chinesischen Riesensalamander genommen haben, zeigt sich hier bereits das größte Problem der reinen endemischen Arterhaltung des Japanischen Riesensalamanders ab.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

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