Königskobra

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Königskobra

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Giftnattern (Elapidae)
Gattung: Königskobras (Ophiophagus)
Art: Königskobra
Wissenschaftlicher Name
Ophiophagus hannah
Cantor, 1836

Die Königskobra (Ophiophagus hannah) zählt innerhalb der Familie der Giftnattern (Elapidae) zur Gattung der Königskobras (Ophiophagus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Königskobra ist die mit Abstand längste Giftschlange der Welt. Die Rekordlänge liegt bei 575 Zentimeter, die durchschnittliche Länge liegt bei etwa 380 bis 450 Zentimeter. Die Grundfärbung kann je nach Vorkommen sehr variable sein. Es können schwarze, schwarzbraune, braune oder auch gelblichbraune und olivbraune Farbmorphen auftreten. In gleichmäßigen Abständen durchziehen helle, meist weißliche bis gelbliche Querbänder den Körper. Der Kehl- und Brustbereich weist eine weißliche Färbung auf und kann durchaus mit bräunlichen Muster durchsetzt sein. In unregelmäßigen Abständen können auf der ansonsten dunkelgefärbten Bauchseite breite, weißliche Querbänder zu sehen sein. Mit zunehmendem Alter verblassen diese Querbänder jedoch. Der Kopf ist relativ klein und setzt sich nur wenig vom Körper ab.
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Die Iris der Augen ist dunkelbraun bis schwarz, die Pupillen weisen eine runde Form auf. Das Maul ist ausgesprochen breit. Die Giftzähne im Maul können nicht nach hinten geklappt werden, sondern befinden sich fix im Kiefer. Die Giftzähne können bis zu 10 Millimeter lang werden.

Lebensweise

Königskobras gehören zu den überwiegend tagaktiven Schlangen. Die Königskobra lebt einzelgängerisch und geht Artgenossen wie auch dem Menschen eher aus dem Weg. Sie ist im Grunde genommen nur wenig aggressiv und geht nur auf Konfrontation, wenn sie keinen anderen Ausweg sieht. Nur Weibchen, die ein Gelege schützen, sind ausgesprochen aggressiv und angriffslustig. Bei Bedrohung richtet sich eine Königskobra auf und kann dadurch eine Höhe von 100 bis 150 Zentimeter erreichen. Aus dieser Position kann sie blitzschnell nach vorne schießen und zubeißen. Markantes Merkmal der Königskobra ist das hutartige Aufspreizen der Nackenhaut. Dies wird durch verlängerte Halsrippen ermöglicht, die die lose Nackenhaut seitlich ausdehnen können. Die Königskobra gilt als gute Schwimmerin und kann ebenso gut klettern. Königskobras können fauchen. Dies wird durch Membranen in der Luftröhre hervorgerufen. Gelegentlich kommt es vor, das männliche Königskobras trächtige weibliche Königskobras töten. Die Forscher sind sich nicht sicher, ob es sich um eine Aggression der Männchen handelt oder ob es normal ist, dass die Männchen trächtige Weibchen töten.

Gift

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Das Gift der Königskobra ist zwar nicht so stark wie das der Brillenschlange (Naja naja), jedoch ist die abgegebene Menge des Giftes deutlich höher. Die Giftmenge wird mit durchschnittlich zwei Teelöffel angegeben. Bei dem Gift handelt es sich um ein Neurotoxin, das vor allem das zentrale Nervensystem abgreift. Schluckstörung (Dysphagie), Sprechstörung (Dysarthrie), Sehstörungen (Ptosis), Muskelschwäche, lokale Nekrosen und Blasenbildung, starke Schmerzen und Schwellungen sowie Atemlähmung sind die typischen Symptome nach einem Biss. Auch eine Hypovolämie, also eine Verminderung der Blutzirkulation, ist ein übliches Symptom. Nicht selten kommt es zu Todesfällen, die meist nach zwei bis zehn Stunden eintreten können. Ohne eine rasche Behandlung mit einem Antivenin führt der Weg zumeist zum Tod. In der Regel tritt dieser durch Herzinfarkt oder Atemstillstand durch Atemlähmung ein.

Verbreitung

Die Königskobra hat in Asien ein sehr weites Verbreitungsgebiet. Sie ist insbesondere in Chinas südlichen Provinzen Kwangsi Zhuangzu, Hainan, Yunnan, Hong Kong, Sichuan und Xizang, in Bangladesch, Myanmar, Kambodscha, Indien, Laos, Vietnam und Malaysia verbreitet. In Indonesien werden neben Sumatra und Borneo vor allem Semarang, Sulawesi, Bangka, Bali sowie die Mentawai Inseln und die Riau Inseln besiedelt. Auf die Philippinen ist die Königskobra insbesondere auf Luzon, Mindanao, Mindoro, Negros, Palawan und Balabac anzutreffen. Die Königskobra ist insbesondere in tropischen Regenwäldern nahe eines Gewässers beheimatet. Aber auch Mangrovensümpfe und landwirtschaftliche Flächen werden oftmals besiedelt.

Ernährung

Königskobras ernähren sich im wesentlichen von anderen Schlangen (Serpentes). Sie bevorzugen dabei kleinere bis mittelgroße Schlangen, wie zum Beispiel die Asiatische Rattenschlange (Ptyas mucosa), die durch einen Giftbiss getötet werden. Nur gelegentlich werden auch andere Reptilien (Reptilia) gefressen. Auf Nahrungssuche geht eine Königskobra am Tage.

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Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit rund fünf Jahren sehr spät erreicht. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr. Hat sich ein paarungsbereites Pärchen gefunden, so erfolgt die Paarung schlangentypisch durch gegenseitiges Umschlingen. Dabei dringt das Männchen mit seinem Geschlechtsorgan in die Kloake des Weibchens ein. Das Weibchen legt zwischen 20 und 40, selten auch mehr Eier an geschützter Stelle in einem vorher vorbereitetes Nest ab. Das Nest, dass eine Höhe von bis zu einem Meter erreichen kann, wurde zuvor mit Blättern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Anders als die meisten Schlangearten, so betreibt die Königskobra eine aufopfernde Brutpflege. Die Eiablage erfolgt meist im Dickicht, unter Büschen oder an ähnlich geschützten Plätzen. Bis zum Schlupf der Jungschlangen wacht das Weibchen über das Gelege. Je nach Umgebungstemperatur schlüpfen die Jungschlangen nach 80 bis 120 Tagen. Die geschlüpften Schlangen sind bereits weit entwickelt, weisen eine Schlupflänge von 45 bis 50 Zentimeter auf und verfügen bereits über den charakteristischen Nackenschild und voll ausgebildete Giftdrüsen.

Gefährdung und Schutz

Die Königskobra wird nicht in der Roten Liste der IUCN geführt. Sie gilt in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete durchaus als gefährdet. Vor allem die Zerstörung und Urbanisierung der natürlichen Lebensräume hat die Königskobra heute selten werden lassen. Auch die Verfolgung durch den Menschen hat zu dieser Misere beigetragen. Die Königskobra ist ein von Wilderern begehrtes Objekt, da die Haut vom illegalen Handel und von der Produktion von Handtaschen geschätzt wird. Das Washingtoner Artenschutzabkommen, Anhang II, stellt die Tiere unter weltweitem Schutz, der Handel mit Tieren und Produkten daraus ist verboten. Auch der Wildfang für den Haustierhandel bedroht die Art zusätzlich. Von den indischen "Schlangenbeschwörern" wird die Königskobra ebenfalls gefangen und gehalten. Dem Publikum wird vorgegaukelt, als würde die Königskobra den Flötentönen folgen. Dies trifft aber nicht zu, da eine Schlange nicht hören kann. Im Falle des Schlangenbeschwörers folgt die Königskobra lediglich den Bewegungen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Mark O'Shea, Giftschlangen. Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Franckh-Kosmos Verlag, 2006 - ISBN 3440106195
  • Ludwig Trutnau, Schlangen im Terrarium, in 2 Bdn., Bd.2, Giftschlangen,
    Verlag: Ulmer (Eugen); Auflage: 4., Aufl. (1998) - ISBN 3800173719
  • Roland Bauchot: Schlangen, Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9
  • W. P. Mara, Das Große Buch der Giftschlangen, Verlag: Bede (Februar 2002) - ISBN 3927997536

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