Küstenotter

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Küstenotter

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marderartige (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Tribus: Lutrini
Gattung: Lontra
Art: Küstenotter
Wissenschaftlicher Name
Lontra felina
(Molina, 1782)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Küstenotter (Lontra felina) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Lontra. Im Englischen wird die Art Marine Otter oder Sea Cat genannt. Der Küstenotter ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Die Plazierung der Art in die Gattung Lontra erfolgte durch Zyll de Jong (1972, 1987), die Revision durch Larivière 1998 (Wilson und Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde von Otter stammen aus dem Pleistozän. Die ersten Vertrter der Gattung Lontra tauchten im späten Pleistozän auf. Fossile Funde des Küstenotters sind keine bekannt (Larivière, 1998).

Erkennung und Unterschiede

Der Küstenotter ist mit einem Gewicht von 3,2 bis 5,8 kg der kleinste Vertreter der Gattung Lontra und lebt ausschließlich an der Küste. Der Schwanz ist kurz, zwischen den Zehen zeigen sich ausgedehnte Schwimmhäute. Die ventrale Oberfläche der Schwimmhäute ist partiell behaart. Die Nasenlöcher sind beim Tauchen verschließbar. Der sympatrische Südliche Flussotter (Lontra provocax) ist größer, schwerer und dunkler gefärbt. Der Riesenotter (Pteronura brasiliensis) ist noch größer und mit einem Gewicht von mehr als 20 kg sehr viel schwerer (Larivière, 1998).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Fell der Küstenotter ist dorsal bräunlich gefärbt, ventral zeigt sich eine hellere Färbung. Jungtiere weisen eine dunklere Färbung auf. Das Fell ist ausgesprochen dicht, aber relativ kurz. Eine dichte Unterwolle sorgt für die Dichtigkeit des Felles, obenauf liegen gröbere Grannenhaare. Der Küstenotter erreicht eine Gesamtlänge von 833 bis 1.149 (900) mm, eine Schwanzlänge von 300 bis 362 (340) mm, eine Hinterfußlänge von 95 mm, eine Ohrlänge von 15 mm, eine basale Schädellänge von 78 bis 90 mm und ein Gewicht von 3.200 b is 5.800 g. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich kein nennenswerter Dimorphismus. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paar Zitzen. Die kurzen Extremitäten sind kräftig gebaut. Im Gesichtsfeld zeigen sich am Maul lange Vibrissen. Die Zähne sind relativ groß. Das Gebiss besteht aus 36 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3-4/3, m1/2 (Larivière, 1998).

Lebensweise

Ob Küstenotter territorial sind, ist nicht bekannt. Die Reviere einzelner Individuen überschneiden sich in der Regel. An einem Kilometer Küstenabschnitt kann eine Siedlungsdichte von bis zu 10 Tieren erreicht werden. Küstenotter leben meist einzelgängerisch, selten sind Gruppen mit bis zu 3 oder 4 Tieren zu beobachten. Die Nahrungssuche erfolgt grundsätzlich einzelgängerich. Reviere werden mit Kot und Urin markiert. Küstenotter sind im Wasser deutlich agiler als an Land. Dennoch gelten die Tiere auch an Land als schnelle und gewandte Läufer. Die Tiere sind gute Taucher und erreichen Tauschtiefen von 30 bis 40 m. Unter Wasser werden Strecken von bis zu 50 m zurückgelegt. Ein Tauchgang erstreckt sich über 6 bis 64 (28,5) sec. Küstenotter sind tagaktiv. Ob die Tiere auch in der Dunkelheit aktiv sind, ist nicht bekannt. Die Nahrungssuche erfolgt im Wasser, die Naherungsaufnahme bei kleinen Beutetieren ebenfalls im Wasser, ansonsten an Land. Während der Ruhezeiten halten sich Küstenotter in ihren Bauten auf. Diese liegen 2 bis 25 m von der Wasserlinie entfernt und 2 bis 3 m oberhalb der Wasserlinie. Die meisten Bauten haben auch einen Eingang, der unter Wasser liegt. Bei den Bauten handelt es sich meist um natürliche Felshöhlen (Larivière, 1998).

Verbreitung

Küstenotter kommen an der Pazifischen Westküste Südamerikas in den Ländern Argentinien, Chile und Peru vor. Im Süden reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Kap Horn. Küstenotter sind innerhalb der Gattung Lontra die einzige Art, die ausschließlich an der Küste leben. Die Tiere bewegen sich selten weiter als 30 Meter landeinwärts und nicht weiter als 100 bis 150 m auf See hinaus. Die Lebensräume sind durch starke Winde und mächtige Wellen gekennzeichnet. Die Küste ist zumeist sehr schroff und steinig. Natürliche Höhlen dienen den Tieren als Unterschlupf. An sandigen Stränden sind die Tiere meist nicht anzutreffen (Larivière, 1998).

Biozönose

Sympatrie

Der Küstenotter lebt sympatrisch, insbesondere in Nahrungskonkurrenz, mit Möwen (Laridae) der Gattung Larus und der Mähnenrobbe (Otaria flavescens). Den Lebensraum und die Nahrungsressourcen teilen Küstenotter auch mit dem nah verwandten Südlichen Flussotter (Lontra provocax) (Larivière, 1998).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Küstenotter gehören aufgrund der semiaquatischen Lebensweise der Große Schwertwal (Orcinus orca) und Haie (Galeomorphii). Jungtiere fallen gelegentlich größeren Vögeln (Aves) zum Opfer. Der größte Feind ist jedoch der Mensch, der den Tieren hauptsächlich wegen der Felle nachstellt (Larivière, 1998).

Ernährung

Die Erkenntnisse über die Ernährung beruhen im Wesentlichen auf Kotanalysen und Observationen im Freiland. Zur bevorzugten Nahrung der Küstenotter gehören hauptsächlich Wirbellose (Invertebrata). Gefressen werden beispielsweise Krebstiere (Crustacea) wie Krabben (Brachyura) und Garnelen (Caridea) aus der Zehnfußkrebse (Decapoda). Auf der Speisekarte stehen aber auch Muscheln (Bivalvia), Schnecken (Gastropoda) und Fische (Osteichthyes) aus den Familien der Schleimfische (Blenniidae), der Fingerflosser (Cheilodactylidae), der Schildfische (Gobiesocidae) und der Riffbarsche (Pomacentridae). Bietet sich die Geklegenheit, so werden auch Vögel (Aves) und kleine Säugetiere (Mammalia) gefressen. Zu einem kleinen Teil ernähren sich Küstenotter auch von Flohkrebsen (Amphipoda) und Asseln (Isopoda). Die 2 zuletzt genannten Gruppen stellen jedoch weniger als 3% am Nahrungsaufkommen. An pflanzlicher Nahrung werden gelegentlich auch Bromeliengewächse (Bromeliaceae) wie Greigia sphacelata und Fascicularia bicolor gefressen. Die aufgenommene Nahrung variiert lokal zum Teil sehr stark (Larivière, 1998).

Fortpflanzung

Küstenotter
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Küstenotter

Küstenotter leben in einer monogamen Einehe. Bei einem hohen Überschuss an Nahrung in Verbindung mit einer hohen Siedlungsdichte der Küstenotter kann sich jedoch auch eine Polygamie einstellen. Die Paarungszeit erstreckt sich von Dezember bis Januar, die Geburt erfolgt nach einer Tragezeit von 60 bis 65 Tagen zwischen Januar und März. Ob es auch zu einer verzögerten Embryonalentwicklung kommt, ist nicht bekannt. Ein Wurf besteht aus 2 bis 4 (2) Jungtiere. Über das Fortpflanzungsverhalten und die Aufzucht des Nachwuchses ist insgesamt sehr wenig bekannt (Larivière, 1998).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Küstenotter gehört heute zu den stark gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird der Küstenotter in der Kategorie EN, Endangered, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet die Art in Anhang I des Abkommens. Der Küstenotter steht somit unter besonderem Schutz. Die Hauptgründe für die starke Gefährdung liegen in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume, in der Verschmutzung an Land und im Wasser sowie die Bejagung durch den Menschen. Vor allem wegen der Bejagung sind die Populationen deutlich zurückgegangen und in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes nahezu völlig verschwunden. Küstenfischer sehen den Küstenotter zudem als Nahrungskonkurrenten und stellen ihm zusätzlich nach. Noch in den 1990ern wurde mit den Fellen der Küstenotter ein schwunghafter Handel betrieben. Ein ungelernter Arbeiter konnte mit nur einem Fell den Lohn für 2 bis 3 Monate verdienen. Die Gefahr der Entdeckung war meist verschwindend gering und die Geldstrafen waren niedrig. Heute steht die Art in allen Verbreitungsgebieten unter strengem Schutz (Larivière, 1998; Nowak, 1999; IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson und Reeder (2005) und Cabrera (1957) ist die Art unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind L. brachydactyla (Wagner, 1841), L. californica (Gray, 1837), L. chilensis (Kerr, 1792), L. cinerea (Thomas, 1908), L. lutris (Larrañaga, 1923), L. montana (Tschudi, 1844), L. paranensis (Burmeister, 1861), L. peruensis (Pohle, 1920) und L. peruviensis (Gervais, 1841). Die genannten Synonyme sind ungültig (Cabrera, 1957, in Wilson und Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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