Kabeljau

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Kabeljau
Dorsch - noch nicht geschlechtsreifer Kabeljau

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Dorschartige (Paracanthopterygii)
Ordnung: Dorschartige (Gadiformes)
Familie: Dorsche (Gadidae)
Unterfamilie: Gadinae
Gattung: Gadus
Art: Kabeljau
Wissenschaftlicher Name
Gadus morhua
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Kabeljau (Gadus morhua) zählt innerhalb der Familie der Dorsche (Gadidae) zur Gattung Gadus. Diese Art hat zwei unterschiedliche Bezeichnungen, und zwar Kabeljau und Dorsch. Dorsch und Kaneljau sind die selbe Art: In der Nordsee nennt man den nicht geschlechtsreifen Kabeljau Dorsch, Fischer in den Ostseeanrainerstaaten kennen diesen Unterschied nicht. Hier heißt der Dorsch immer Dorsch. Im Englischen wird der Kabeljau Atlantic Cod, Tomcod, Cod, Codling oder Haberdine genannt. In Norwegen, Schweden und Dänemark heißt er "Torsk", in Polen "Dorsz", in Finnland "Turska". Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat den Kabeljau zum Fisch des Jahres 1993 gewählt. Die Bestände des Kabeljau sind dramatisch rückläufig. Dabei beruht dieser Rückgang keineswegs auf den Fängen der an deutschen Küsten beheimateten Angelkutter, sondern auf Überfischung durch die internationale Berufsfischerei und die nach wie vor bedenkliche Wasserverschmutzung sowie die sich daraus ergebende Sauerstoffzehrung, insbesondere in Wasserschichten der Ostsee, wo der Kabeljau seine Eier ablegt.


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Laut fishbase kann der Kabeljau eine max. Körperlänge von etwa 200 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 96,0 Kilogramm erreichen, die Normallänge beträgt etwa 100 Zentimeter. Die Lebenserwartung des Kabeljau liegt bei etwa 25 Jahren. <1>

Flossenformel des Kabeljau
Die Flossenformel setzt sich aus dem ersten Buchstaben der lateinischen Flossenbezeichnung, der Anzahl der Hartstrahlen und der Anzahl der ungeteilten und geteilten Weichstrahlen zusammen. Hartstrahlen werden dabei mit römischen, Weichstrahlen mit arabischen Zahlen angegeben.
Laut fishbase weist der Kabeljau insgesamt 0 Rückenflossenstacheln, insgesamt 44 bis 55 Rückenflossenweichstrahlen, 0 Afterflossenstacheln und 33 bis 45 Afterflossenweichstrahlen sowie 51 bis 55 Wirbel auf. <1>
Nahaufnahme - Kabeljau
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Nahaufnahme - Kabeljau

Die charakteristischen Merkmale des Kabeljau sind 3 Rückenflossen und 2 Afterflossen sowie ein Bartfaden am Ende der Unterkinnlade. Des Weiteren zeigt sich eine markante geschwungene helle Seitenlinie, die vom Kiemendeckel bis zur Basis der Schwanzflosse reicht. Der Kabeljau weist einen lanzettförmigen Körper auf. Sein Kopf ist viereckig-kegelförmig und wirkt seitlich zusammengedrückt. Die Kiefer sind rundlich-dreieckig-elliptisch. Der Oberkiefer ist nur schwach aufsteigend und überragt leicht den Unterkiefer. Der Zwischenkiefer ist mit mehreren Reihen von Zähnen bestückt und der Unterkiefer ist mit zwei Reihen von Zähnen besetzt. Unter dem Kinn zeigt sich ein langer Bartfaden. Die Schnauze ist stumpf und die Rachenspalte wirkt ziemlich breit. Die Augen sind verhältnismäßig groß und die Iris weist eine silberfarbene Tönung auf. Der Körper ist beschuppt und die Schuppen sind steif und klein, jedoch größer als bei den anderen Arten. Die Brustflossen sind abgerundet-dreieckig und sind mit 17 bis 19 Strahlen besetzt, während die Bauchflossen klein erscheinen und am Ende dreispitzig sind. Die mittlere Spitze ist die längste, mit 6 Strahlen. Die Schwanzflosse ist gerade abgesetzt und weist ungefähr 46 Strahlen auf. Dabei besitzt der Dorsch keine "richtige" Schwanzflosse wie andere Knochenfische. Der obere Schwanzflossenlappen, der normalerweise auf dem "Urostyl" genannten, letzten Wirbelfortsatz sitzt, ist in Wirklichkeit eine weit nach hinten gerutschte Rückenflosse. Ein Urostyl besitzt der Dorsch nämlich nicht. Die vorderste Rückenflosse vor dem After stehend besitzt 10 bis 14 Strahlen, die mittlere Rückenflosse weist 18 bis 20 Strahlen auf und hinter dem After stehend, der vordersten Afterflosse gegenüber, die hintere Rückenflosse ist mit 16 bis 18 Strahlen besetzt. Die vordere Afterflosse weist 19 bis 20 Strahlen und die hintere Afterflosse 15 bis 17 Strahlen auf. Der Rücken, die Seiten sowie die Schwanzflosse weisen eine graue Färbung auf und sind mit kleinen, unregelmäßig angordneten, gelblichen Flecken besetzt. Der Kopf oben ist ungefleckt. Die Brust-, Bauch- und Afterflossen weisen eine bläuchliche Färbung auf, während der Bauch von einer schmutzig-weißen Tönung ist. Die Leber des Kabeljau ist hellgelb, sehr groß und dreilappig. Der mittlere (kleinste) Lappen liegt unter dem Magen. Die Gallenblase befindet sich in der Mitte des rechten Lappen. Die Lebergallenblasengänge fehlen. <2>

Lebensweise

Nahaufnahme - Kabeljau
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Der Kabeljau ist ein benthopelagischer (Bodennähe, aber nicht direkt am Boden) und ozeanodromer Fisch und lebt ausschliesslich im Meer, dort kommt es allerdings zu Wanderungen. Des Weiteren ist der Kabelja eine epibenthisch-pelagische Art. Der Kabeljau hält sich in einer Vielzahl von Lebensräumen auf, von der Küste bis zum Festlandsockel. Am Tage formiert sich der Kabeljau zu Schulen. Er ist ein Allesfresser und erbeutet in der Morgen- oder Abenddämmerung wirbellose Tiere und Fische, einschließlich junge Dorsche. Der Kabeljau laicht einmal im Jahr. Die größten Bestände befinden in der norwegischen Arktis, in der Barentssee sowie in Island. Die Population rund um Grönland und Neufundland sind drastisch zurückgegangen. <1>

Diese Angaben sind aus dem Jahre 1847:
Der Kabeljau war zur damaligen Zeit im ganzen atlantischen Meer von Europa bis Amerika verbreitet. Die größten Bestände gab es in Norwegen, Island, Neufundland und in der Nähe von Nordamerika. <2>

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN weist der Kabeljau ein großes Verbreitungsgebiet auf, dazu zählen unter anderem Belgien, Kanada, Dänemark, Estland, Färöer, Finnland, Frankreich, Deutschland, Grönland, Guernsey, Island, Iran, Islamische Republik; Isle of Man, Jersey, Lettland, Litauen, die Niederlande, Norwegen, Polen, Russische Föderation; Svalbard und Jan Mayen, Schweden, Vereinigtes Königreich und die Vereinigten Staaten.

Nahaufnahme - Kabeljau
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Nahaufnahme - Kabeljau

Laut fishbase kommt der Kabeljau im Nordwesten und im Nordosten des Atlantik vor: Cape Hatteras bis Ungava Bay entlang der nordamerikanischen Küste, Ost-und Westküste von Grönland, rund um Island. Des Weiteren ist der Kabeljau an den Küsten Europas und im Golf von Biskaya sowie in der Barentssee, einschließlich der Region um Bear Island zu finden. <1>

Ernährung

Der Kabeljau hält sich in Bodennähe auf, am liebsten auf Bänken, wo er Weichtiere (Mollusca) und Krebstiere (Crustacea) erbeutet kann. Er ist ein Allesfresser und die Nahrung besteht hauptsächlich aus verschiedenen Fischen, wie Heringe (Clupeidae), Schleimfische (Blenniidae), Sandaale (Ammodytidae), Schollen (Pleuronectidae), Lachse (Salmoniformes). Des Weiteren nimmt er auch Tintenfische (Coleoidea), Schalenweichtiere (Conchifera), Seesterne (Asteroidea). Bevorzugt werden aber vom Kabeljau Tintenfische (Coleoidea) und Heringe (Clupeidae). <2>

Fortpflanzung

Der Kabeljau laicht im Winter und kommt dann an die Küsten, um dort die Eier zwischen den Steinen abzusetzen. Nach einem Zeitraum von etwa 4 bis 5 Monaten suchen die inzwischen geschlüpften Fische ihre Nahrung wie die Erwachsenen am Meeresboden. Ihre Nahrung besteht anfänglich aus Weichtieren (Mollusca) und Krebstieren (Crustacea). Später ernähren sie sich hauptsächlich von verschiedenen Fischen. Die Zahl der Eier ist sehr groß. Man fand im Rogen eines großen Kabeljau etwa 4 Millionen und in einem anderen Kabeljau sogar 9 Millionen Eier. Außerhalb des Wassers oder im Süßwasser stirbt der Kabeljau sehr bald. <2>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

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Der Fang war damals und auch heute noch von großer Wichtigkeit, insbesondere für die Isländer, Engländer, Niederländer, Franzosen und Amerikaner. In Norwegen und Island erschien der Kabeljau am häufigsten von Februar bis April. Die Fangschiffe liefen im März aus und kamen im September wieder. So ergiebig die Fischerei im Nord- und Eismeer auch war, so war sie doch nicht mit der zu vergleichen, welche die Amerikaner, Franzosen und Engländer in Neufundland ausbeuteten. Bei diesen Fängen wurden etwa 15.000 bis 20.000 Seeleute beschäftigt. In Neufundland wurden zur damaligen Zeit etwa 200 Millionen Kabeljau mit Kapelan (Mallotus villosus), 100 Millionen Kabeljau mit Tintenfische (Coleoidea) und im Sankt-Lorenz-Strom 400 Millionen Kabeljau in Netzen mit Köder von Heringen (Clupeidae) und Dorschen (Gadidae) gefangen. Neufundland und Labrador waren die Hauptfischerplätze. Die Fischerei fing im Juni an, sobald der Kapelan (Mallotus villosus) erschien und dauerte bis Anfang September, wo sich die Tintenfische (Coleoidea) von den Küsten entfernten. Während der ersten 6 Wochen diente der Kapelan (Mallotus villosus) als Köder, dann die Tintenfische (Coleoidea). Da der Sommer nur 8 Wochen dauerte, so mußte in den ersten 3 Wochen eine große Menge Kabeljau gefangen werden, der an der Sonne trocknen sollte. Das Trocknen dauerte bei gutem Wetter etwa 4 Wochen. Von den 400 Millionen des amerikanischen Fangs gewann man etwa 250.000 Tonnen getrockneten Fisch und 25.000 Tonnen Tran. Kabeljau und Robben waren es eigentlich, welche Neufundland und Labrador den politischen Wert gaben und obwohl man den Kabeljau schon seit Jahrhunderten fängt, bemerkte man keinen Rückgang dieser Art. Dies ist die Schilderung aus dem Jahre 1847. <2>

Was man ja heute nicht mehr behaupten kann. Denn eben gerade das jahrzehntelange Überfischen der internationalen Berufsfischerei (siehe oben aufgeführte Fangergebnisse) und auch der Fischindustrie führte zum drastischen Rückgang der Kabeljau-Bestände bei. Aufgrund dessen wird der Kabeljau auch in der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet (vulnerable) geführt. <2>

Im Interesse des Artenschutzes müßte ein totales Fangverbot oder mindestens eine Fangbeschränkung während der Laichzeit des Kabeljau im Nordatlantik, im Europäischen Nordmeer und in der Ostsee erlassen werden. Sonst wird eines Tages in der Roten Liste der IUCN unter dieser Art statt vulnerable (stark gefährdet) dann extinct (ausgestorben) stehen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Gadus morhua Linnaeus, 1758
  • [2] Naturgeschichte der für die Heilkunde wichtigen Thiere, mit besonderer Rücksicht auf Pharmacologie, Pathologie und Toxicologie. Entworfen von Dr. med. Edward Martiny. Mit 22 grossentheils colorirten Abbildungen. Darmstadt. Druck und Verlag von Wilhelm Leske. 1847.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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