Kahlhecht

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Kahlhecht
Männchen

Systematik
Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Ordnung: Kahlhechtartige (Amiiformes)
Familie: Kahlhechte (Amiidae)
Gattung: Amiopsis
Art: Kahlhecht
Wissenschaftlicher Name
Amia calva
Linnaeus, 1766

Der Kahlhecht (Amia calva), der auch Schlammfisch oder Amerikanischer Schlammfisch genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Kahlhechte (Amiidae) zur Gattung Amiopsis. Im Englischen wird der Kahlhecht Bowfin genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Er ist innerhalb der Familie der Kahlhechte die einzige rezente Art.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Kahlhecht erreicht eine maximale Länge von 109 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 9.750 Gramm. Der Körper weist eine deutlich zylindrische Form auf, wobei der Körper lateral leicht abgeflacht ist. Die Beschuppung ist ursprünglich, der Körper ist mit sogenannten Ganoidschuppen bedeckt, die eine rhombische Form aufweisen. Die einzelnen Schuppen sind mit einer Schicht aus Ganoin überzogen. Dies ist nur bei einigen urtümlichen Fischen der Fall. Auch die Knochenplatten zwischen den Kiefern sind ein Indiz für eine sehr alte Fischart. Die Beschuppung weist eine olivegrüne bis leicht bräunliche Grundfärbung auf und hellt ventrolateral deutlich auf. Ventral ist die Beschuppung meist cremefarben gefärbt. Lateral zeigen sich dunkle und helle netzartige Muster. Bei den Männchen zeigt sich unmittelbar vor dem Schwanzansatz ein dorsolateraler Fleck, der meist hell gesäumt ist. Beim Weibchen fehlt dieser Fleck. Die Rückenflosse erreicht in etwa 45 Prozent der Körperlänge und ist durch zwei dunkle Längsbänder gekennzeichnet. Sie weist 42 bis 53 Strahlen auf. Die Brustflossen sitzen lateral unmittelbar hinter den Kiemen und verfügen über 16 bis 19 Strahlen. Die analen Flossen sitzen deutlich vor der Schwanzflosse und weisen 9 bis 12 Strahlen auf. In der Mitte des Körpers sitzen die Bauchflossen mit jeweils 10 bis 12 Strahlen. Die Schwanzflosse ist deutlich gerundet. Kahlhechte gelten als gute Schwimmer, die sich mehr oder weniger schlängelnd fortbewegen.

Verbreitung

Der Kahlhecht ist in Nordamerika weit verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den großen Seen im südlichen Kanada bis in den Süden der USA. Er lebt in Seen, Überschwemmungsbereichen, wasserreichen Sumpfgebieten und langsam fließenden Flüssen. An größeren Flüssen werden beispielsweise der Missouri, der Rio Grande und der Mississippi besiedelt. Die Lebensräume sind für gewöhnlich reich mit Wasserpflanzen besetzt.

Prädator: Mississippi-Alligator (Alligator mississippiensis)
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Prädator: Mississippi-Alligator (Alligator mississippiensis)

Prädatoren

Ausgewachsene Kahlhechte haben im Grunde kaum natürliche Feinde. Sie stehen am oberen Ende der Nahrungskette. Im Mississippi stehen sie jedoch auf der Speisekate der Mississippi-Alligatoren (Alligator mississippiensis). Juvenile Kahlhechte werden auch von anderen Raubfischen und sogar von der eigenen Art gefressen. Kannibalismus ist den Kahlhechten demnach nicht fremd.

Ernährung

Kahlhechte ernähren sich räuberisch und opportunistisch von anderen Wassertieren. Zur bevorzugten Nahrung gehören unter anderem Knochenfische (Osteichthyes), Krebstiere (Crustacea), Lurche (Amphibia), Weichtiere (Mollusca) und Insekten (Insecta). Auch Aas wird bei Gelegenheit keineswegs verschmäht und Kannibalismus ist den Knochenhechten ebenfalls nicht fremd. Kahlhechte jagen aktiv Beutetiere, die blitzschnell eingesaugt werden (Saugschnapper).

Fortpflanzung

Kahlhechte erreichen die Geschlechtsreife durchschnittlich mit 4 (3-5) Jahren. Dies entspricht einer Länge von 45 bis 60 Zentimeter. In den nordamerikanischen Gewässern beginnt die Paarungszeit im Frühjahr, die Eiablage kann sich von April bis in den Juni hinein erstrecken. Während der Fortpflanzungszeit versammeln sich Männchen und Weibchen in den Fortpflanzungsgewässern. Es handelt sich dabei stets um flache und vegetationsreiche Seen oder Teiche, mitunter auch Überschwemmungsbereiche. Die Befruchtung erfolgt nach der Eiablage. Das Weibchen legt ihre Eier in Nester am Gewässergrund ab. Das Männchen befruchtet die Eier im folgenden. Da die Nester mehrerer Weibchen meist nah beieinander liegen, kommt es in der Regel vor, dass ein Männchen mehrere Gelege befruchtet. Die Nester, bei denen es sich um flache Mulden inmitten dichter Vegetation handelt, wurden von den Männchen vorbereitet. Ein Gelege umfasst je nach Alter und Ernährungszustand eines Weibchens etwa 20.000 bis 50.000, gelegentlich auch mehr leicht gelbliche bis bräunliche Eier. Sie weisen einen Durchmesser von 2,2 bis 3,0 Millimeter auf. Ein Gelege wird bis zum Schlupf der Larven vom Männchen bewacht. Bis zum Schlupf der Larven dauert es für gewöhnlich 7 bis 10 (9) Tage. Die geschlüpften Larven weisen eine Länge von 0,8 Zentimeter auf und leben in der nächsten Zeit in mittelgroßen Schulen. Auch jetzt werden sie vom Vater beschützt und gegenüber Fleischfressern energisch verteidigt. In den ersten 7 bis 10 Tagen ernähren sich die Larven vom Dottervorrat. Erst danach fressen sie organisches Material. Die Jungfische werden bis zu einer Länge von gut 10 Zentimeter vom Vater betreut. Danach sind sie selbständig und auf sich alleine gestellt. Im Alter von 6 Monaten weisen sie eine Länge von bis zu 22 Zentimeter auf. Die Lebenserwartung liegt bei rund 12 Jahren. In Gefangenschaft können Kahlhechte durchaus ein Alter von mehr als 25 Jahren erreichen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In seinem Lebensraum steht der Kahlhecht am oberen Ende der Nahrungskette. Mit seinem durchaus gesunden Appetit reguliert er die Populationen zahlreicher Tiere. Ein übermäßiger Besatz eines Gewässers mit Kahlhechten kann sich jedoch negativ auswirken. In weiten Teilen der Verbreitungsgebieten ist der Kahlhecht ein beliebter Fisch bei Anglern. Der Rogen wird als günstiger Kaviarersatz gehandelt. In der Roten Liste der IUCN wird der Kahlhecht nicht geführt. Gleichwohl gilt die Art heute in vielen Gewässern als gefährdet. Die Hauptgründe sind meist in der Trockenlegung von Sümpfen, Auen und Feuchtgebieten sowie in der allgemeinen Gewässerverschmutzung zu suchen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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