Kahlkopfgeier

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Kahlkopfgeier

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Altweltgeier (Aegypiinae)
Gattung: Kahlkopfgeier (Sarcogyps)
Art: Kahlkopfgeier
Wissenschaftlicher Name
Sarcogyps calvus
Scopoli, 1786

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Kahlkopfgeier (Sarcogyps calvus) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Kahlkopfgeier (Sarcogyps).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Kahlkopfgeier erreicht eine Körpergröße von 80 bis 90 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 180 bis 200 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.700 bis 5.300 Gramm. Er gehört zu den eher kleineren bis mittelgroßen Altweltgeiern. Weibchen werden deutlich größer als Männchen. Markant ist der überwiegend kahle Kopf, der für Geier im allgemeinen typisch ist. Die Federlosen Partien weisen eine rote bis rosarote, bisweilen auch eine orangerote Färbung auf. Zudem ist der Kopf im Vergleich zum Körper recht klein. Der Oberkopf ist dabei deutlich heller als das restliche Gesicht. Seitlich am Hals zeigen sich rötliche Hautlappen. Die Iris der Augen ist dunkel bis gelblichbraun gefärbt. Der kräftige Schnabel weist eine Länge von fünf bis sechs Zentimeter auf und ist dunkelgrau gefärbt. Im hinteren Nackenbereich zeigt sich eine erhöhte Befiederung, die wie ein Saum ausschaut und dunkelbraun bis schwarz gefärbt ist. Das Gefieder ist insgesamt recht farblos und weist eine graubraune bis schwarzbraune Grundfärbung auf. Im Brustbereich zeigen sich weiße Gefiederteile. Die Flügel sind im Gegensatz zu vielen anderen Raubvögeln ausgesprochen breit, der Schwanz ist sehr kurz. Im Bereich der Schwungfedern sind feine weißliche Linien zu erkennen. Juvenile Kahlkopfgeier sind deutlich dunkler gefärbt als adulte Vögel, auch die weiße Brustzeichnung ist noch nicht vorhanden. Die adulte Ausfärbung stellt sich mit vier bis fünf Jahren ein. Die Beine sind recht lang und von rötlicher Färbung. Die Krallen sind relativ klein.

Verhalten

Der Kahlkopfgeier lebt einzelgängerisch oder in einer festen Paarbindung. Nur sehr selten sieht man die Tiere in Gruppen. Und wenn, dann meist beim Fressen. Er ist ausgesprochen reviertreu und bleibt bei ausreichender Nahrung dauerhaft an einem Ort. Juvenile Kahlkopfgeier ziehen schon deutlich mehr umher. Mit Eintritt der Geschlechtsreife werden aber auch sie sesshaft. Meist sieht man den Kahlkopfgeier im Gleitflug über seinen Lebensraum auf der Suche nach toten Tiere gleiten. Dabei fliegt er meist in weiten Kreisen. Sein Sehsinn ist sehr gut entwickelt. Bereits aus großer Entfernung kann er Aas und sterbende Tiere erspähen.

Verbreitung

typischer Lebensraum
vergrößern
typischer Lebensraum

Das Verbreitungsgebiet des Kahlkopfgeiers erstreckt sich über weite Teile Südostasiens. Er kommt insbesondere in Bangladesh, Bhutan, Kambotscha, China, Indien, Laos, Myanmar, Nepal, Pakistan, Thailand und Vietnam vor. Sein natürlicher Lebensraum sind die Ränder tropischer Regenwälder oder lichte Galeriewälder. Auch Hochgebirgslagen von 1.500 bis 2.500 Metern Höhe gehören zu seinem Lebensraum. Seine Habitate sind meist durch Flussläufe gekennzeichnet.

Ernährung

Kahlkopfgeier sind wie alle Geier reine Aasfresser. Aktiv wird kein Beutetier gerissen. Dazu wäre er aufgrund mangelnder Geschwindigkeit und kleiner Krallen des recht kleinen Schnabels auch nicht in der Lage. Größere Gruppen, mitunter auch andere Geierarten, machen sich in der Regel über einen Kadaver her. Bei dem Aas kann es sich um frisches Fleisch handeln oder aber auch schon fauliges Fleisch, der Kahlkopfgeier ist da nicht wählerisch. Beim Fressen kommt es regelmäßig vor, dass der Kahlkopfgeier Nahrungskonkurrenten vom Fressplatz vertreibt. Sein Verhalten gegenüber Nahrungskonkurrenten kann durchaus als aggressiv bezeichnet werden. In der Nähe menschlicher Siedlungen ist der Kahlkopfgeier auch auf Mülldeponien anzutreffen, wo er nach Fleischresten sucht. Bis auf die Knochen verwertet er an einem Tier fast alles. Selbst ledrige Haut wird gefressen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit etwa fünf bis sechs Jahren erreicht. Hat sich ein Paar gefunden, so bleiben sie ein Leben lang zusammen. Das Nest baut der Kahlkopfgeier in mittleren Höhen von Bäumen und gräßeren Sträuchern, es wird aus Ästen und Reisig gebaut und nur wenig mit Blättern und anderen weichen Materialien ausgepolstert. Die Bäume befinden sich meist in Hanglagen. Hier kann der Kahlkopfgeier beim Start vom Nest die vorhandenen Aufwinde nutzen. Das Weibchen legt lediglich ein Ei, dass über einen Zeitraum von 45 bis 48 Tagen von beiden Partnern bebrütet wird. Die Jungvögel werden von beiden Elternteilen mit hochgewürgter Nahrung gefüttert. Nach einer langen Nestlingszeit von 80 bis 90 Tagen ist der Jungvogel flügge. Der Nachwuchs bleibt allerdings noch einige Zeit in der Nähe der Eltern.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

'Persönliche Werkzeuge