Kaiseradler

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Kaiseradler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Aquilinae
Gattung: Echte Adler (Aquila)
Art: Kaiseradler
Wissenschaftlicher Name
Aquila heliaca
Savigny, 1809

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Kaiseradler (Aquila heliaca), auch als Östlicher Kaiseradler bekannt, zählt innerhalb der Familie der Habichtartige (Accipitridae) zur Gattung der Echten Adler (Aquila). Im Englischen wird der Kaiseradler eastern imperial eagle, asian imperial eagle oder imperial eagle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Kaiseradler erreicht eine Körperlänge von 70 bis 80 cm sowie eine Flügelspannweite von 180 bis 210 cm. Weibchen werden allgemein etwas größer und schwerer als Männchen. Das Gewicht liegt beim Männchen zwischen 2.500 und 3.000 Gramm, beim Weibchen zwischen 2.800 und 3.600 Gramm. Einzelne Exemplare können auch etwas schwerer werden. In Europa gilt der Kaiseradler als der zweitgrößte Adler. Das Gefieder ist überwiegend bräunlich bis schwarzbraun gefärbt. Im Nacken und auf dem Kopf weisen adulte Vögel meist eine gelbliche bis goldene Färbung auf. Die Bauchseite ist deutlich heller und in der Regel graubraun gefärbt. Der Schwanz ist meist gräulich bis graubraun und kann mit einer dunklen Querbänderung versehen sein. Die Deckfedern des Unterschwanzes sind meist weiß bis cremefarben. Das Jugendgefieder ist insgesamt deutlich heller. Das adulte Gefieder stellt sich bei den Jungvögeln meist zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr ein. Die Flügel sind breit und lang. Der Schnabel weist eine dunkelgraue, die Iris eine dunkelbraune Färbung auf. Die Augen sind durch einen schmalen gelblichen Ring umrandet. Die Beine sind bis zu den Zehen bräunlich befiedert. Die Füße enden in langen Zehen, die mit kräftigen Krallen versehen sind. Die Krallen sind auf der Jagd regelrechte Tötungsmaschinen.

Lebensweise

Kaiseradler leben einzelgängerisch oder paarweise. Eine Paarbildung hält dabei ein Leben lang. Die Kaiseradler sind schnelle und gewandte Flieger. Sie können Geschwindigkeiten von bis zu 125 km/h erreichen. Im Normalflug erreichen sie ein Tempo von 50 bis 55 km/h. Im Flug halten Kaiseradler ihre Flügel horizontal zum Körper. Ihre Reviere weisen eine durchschnittliche Größe von 30 qkm auf. Es kann gebietsweise aber auch bis 150 qkm betragen. In nördlichen Regionen ziehen Kaiseradler in wärmere Gebiete. Ihr Zug kann dabei über einige Tausend Kilometer erstrecken. Auf ihren Flügen in die Winterquartiere schließen sich meist mehrere Adler in kleinen Gruppen zusammen.

Verbreitung

Der Kaiseradler ist in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet. In Europa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet hauptsächlich über Südeuropa. Im Osten reichen die Vorkommen bis nach Ostsibirien und Südostchina. Auch im Nordwesten von Indien ist der Kaiseradler anzutreffen. In den gemäßigten Regionen gilt der Kaiseradler als Standvögel. In nördlichen Verbreitungsgebieten zieht er zum Winter hin nach Nordafrika oder ins südliche Asiens, zumeist nach Indien. Der Kaiseradler lebt zumeist in geschlossenen oder lichten Wäldern, wo er auch sein Brutrevier hat. Er bevorzugt Wälder mit altem Baumbestand. Von daher ist auch die Erhaltung dieser Wälder für den Kaiseradler so lebenswichtig. Auf die Jagd geht er zumeist an Waldrändern oder in offenem Gelände. Nicht selten auch entlang von großen Flussläufen oder auf landwirtschaftlichen Flächen.

Ernährung

Kaiseradler sind wie alle Raubvögel reine Fleischfresser. Sie fressen bevorzugt kleinere Säugetiere wie Kaninchen und Ratten. Aber auch Echsen und Schlangen sowie andere Vögel stehen auf der Speisekarte dieses imposanten Adlers. Gelegentlich wird auch Aas gefressen. Sehr selten erjagt der Kaiseradler auch größere Tiere wie die Lämmer von Schafen, dies zum Ärgernis von Bauern und Viehwirten. Seine Beute lokalisiert der Kaiseradler über seinen hoch entwickelten Sehsinn. Bereits aus großer Entfernung kann er Beutetiere erspähen. Bei Sichtung eines Tieres erfolgt der Fang über einen Sturzflug. Die Beute wird mit den mächtigen Fängen getötet. Der Kaiseradler jagt am Tage auf offenen Flächen und an den Rändern von Wäldern.

Fortpflanzung

Kaiseradler erreichen die Geschlechtsreife mit rund vier Jahren. Hat sich ein Paar gefunden, so leben sie in lebenslanger Einehe. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungs- und Brutzeit über die Monate April bis August. Während der Paarungszeit kommt es zu aufwendigen Balzflügen. Ihren Horst erbauen Kaiseradler gelegentlich in Felsnischen, meist aber in hohen alten Bäumen. Ein Horst wird meist über mehrere Jahre genutzt und jährlich erweitert. Muss ein Nest neugebaut werden, so dauert dies unter Umständen vier bis fünf Wochen. Die Nester bestehen hauptsächlich aus stabilen Ästen und Reisig. Der Nistplatz wird mit Blattwerk, Moosen und Flechten ausgepolstert.

Meist wird in Mai oder Juni das erste Ei gelegt. Im Abstand von drei bis vier Tagen legt das Weibchen meist zwei, selten auch drei oder vier Eier. Ein Durchschnittsgelege umfasst zwei Eier. In der Regel werden die Eier vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von 40 bis 43 Tagen ausgebrütet. Die durchschnittliche Brutzeit beträgt 42 Tage. Die geschlüpften Jungen werden in den ersten Tagen vom Weibchen gehudert, bis ihnen nach 10 bis 15 Tagen das Dunenkleid gewachsen ist. Bis zu dieser Zeit sorgt fast ausschließlich das Männchen für Nachschub an Nahrung. Danach werden die Jungvögel von beiden Elternvögeln mit Nahrung versorgt.

Nach rund 50 bis 55 Tagen ist den Jungtieren das jugendliche Gefieder gewachsen. Sie nehmen nun auch selbständig Nahrung in Form von Fleischhappen zu sich, die sie von Beutetieren mit ihrem Schnabel abrupfen. Mit rund 60 bis 65 Tagen erfolgen die ersten Flugversuche. Bereits 10 bis 14 Tagen nach den ersten Flugversuchen sind sie voll flugfähig. Oft ist es so, dass nur ein Jungtier aus einem Gelege überlebt. Es ist meist der erstgeschlüpfte Vogel, der auch am kräftigsten ist. Vor allem bei Nahrungsmangel tötet er seine Geschwister und wirft sie aus dem Nest. In Freiheit können Kaiseradler unter günstigen Umständen ein Alter von bis zu 30 Jahren erreichen.

Bedrohung, Schutz

Der Kaiseradler untersteht heute dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommen. Hier wird er in Anhang I geführt. In der Roten Liste des IUCN wird die Art als stark gefährdet geführt. Dies trifft insbesondere auf die europäischen Populationen zu. Die Zerstörung der natürlichen Lebensräume dürften der Hauptgrund für den starken Rückgang sein. Der Kaiseradler braucht insbesondere für die Brut alten Baumbestand. Dieser alte Baumbestand fällt oftmals der Holzindustrie zum Opfer. Auch die andauernden Störungen durch Touristen haben eine nachhaltige Wirkung auf den Bruterfolgt dieser Vögel.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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