Kaiserpinguin

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Kaiserpinguin

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
Familie: Pinguine (Spheniscidae)
Gattung: Großpinguine (Aptenodytes)
Art: Kaiserpinguin
Wissenschaftlicher Name
Aptenodytes forsteri
Gray , 1844

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri) zählt innerhalb der Familie der Pinguine (Spheniscidae) zur Gattung der Großpinguine (Aptenodytes). Im Englischen wird dieser Pinguin Emperor Penguin genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kaiserpinguin erreicht eine Standhöhe von 115 bis 125 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 45 Kilogramm. Unmittelbar nach einer Fresswanderschaft weisen die Tiere das höchste Gewicht und die dickste Fettschicht auf. Bei den Geschlechtern zeigt sich weder in der Größe noch in der Gefiederfärbung ein Dimorphismus. Der Leib der Kaiserpinguine ist länglich und leicht rundlich. Unter Wasser weist er durch seine torpedoartige Form sehr gute Schwimmeigenschaften auf. Der Kopf, die Flügel, der Schwanz und der gesamte Rücken weisen eine tief schwarze Färbung auf. Teile des Nackens, der Kopfseiten sowie die gesamte Bauchfläche sind weißlich gefärbt. Die Unterseite der Flügel ist ebenfalls weiß gefärbt. Während der Paarungszeit können die schwarzen Gefiederteile eine schwarzbraune Färbug aufweisen. Dies ist insbesondere in den drei Monaten vor den Paarungswanderungen der Fall.

Der Schnabel ist im wesentlichen schwarz gefärbt, im unteren Kiefer zeigt sich nahe der Schnabelwurzel jedoch auch eine leicht rosafarbene bis orangene Färbung. Im Bereich der Ohrgegend zeigt sich an der Kante zwischen der schwarzen und weißen Gefiederfärbung ein markanter gelber Fleck, der sich jedoch erst mit der Geschlechtsreife einstellt. Juvenilen Kaiserpinguinen fehlt diese markante Färbung noch. Die Küken werden durch ein dichtes und flauschiges Dunengefieder gewärmt. Das Dunengefieder weist eine silberweiße bis silbergraue Färbung auf. Der Kopf ist jedoch auch bei den Küken schwarz gefärbt. Das Gefieder ist speziell an den antarktischen Lebensraum angepasst. Es ist sehr dicht und verfügt über eine Vielzahl sehr kurzer Federn.
Kopfstudie
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Kopfstudie

Während der Ruhephasen an Land reiben Kaiserpinguine ihr Gefieder mit einem öligen Sekret aus der Bürzeldrüse ein. So wird das Gefieder absolut wasserdicht. Eine Fettschicht unterhalb der Haut schützt zusätzlich gegen Kälte. Die Fettschicht macht jedoch nur 10 Prozent der isolierenden Schicht aus. Dem Gefieder kommt die Hauptaufgabe der Isolierung zu.

Lebensweise

Die tag- und nachtaktiven Kaiserpinguine leben sowohl während als auch außerhalb der Paarungszeit in geselligen, sehr großen Gruppen. Auf die Brutkolonien trifft dieses ganz besonders zu. In den Kolonien brüten sie sehr dicht beieinander. Rund um den Nistplatz wird jedoch immer ein kleines Revier verteidigt. Bei sehr schlechtem Wetter rücken die Tiere jedoch weiter zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Während der Paarungs- und Brutzeit wandern die adulten Tiere ständig zwischen den Brutkolonien und den Nahrungsgründen hin und her. Dabei bleibt vor allem in der ersten Zeit immer ein erwachsenes Tier bei dem Nachwuchs. Kaiserpinguine sind ausgezeichnete und schnelle Schwimmer. Sie können leicht Geschwindigkeiten von über 30 km/h erreichen. Sie tauchen bis in Tiefen von gut 400 Metern hinab. In der Literatur tauchen sogar Tiefenangaben von über 500 Metern auf. Die Tauchzeiten liegen bei 15 bis 20 Minuten. Unter Wasser bewegen sie sich durch kräftige Schläge mit den Flügeln fort. An Land bewegen sich Kaiserpinguine wie alle Pinguine mit einem watschelnden Gang fort. Die Kommunikation erfolgt über Lautäußerungen. Sie scheinen dabei sehr genau unterscheiden zu können, denn in den Brutgebieten finden die Eltern sich und ihren Nachwuchs unter einigen Tausend Individuen wieder.

Verbreitung

Kaiserpinguine kommen ausschließlich in den antarktischen Gewässern vor. Abgesehen von der Paarungszeit leben sie nur im Wasser. Ihre Brutgebiete liegen landeinwärts in der Antarktis. Nicht selten liegen die Brutkolonien 120 bis 160, selten sogar bis 200 Kilometer von der Küste entfernt. Die Brutkolonien liegen grundsätzlich in Tälern, die weistestgehend vom kalten Wind verschont sind. Außerhalb der Brutzeit leben Kaiserpinguine im Wasser. Hier erfolgt auch die Nahrungssuche.

Prädator: Seeleopard (Hydrurga leptonyx)
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Prädator: Seeleopard (Hydrurga leptonyx)

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Kaiserpinguine gehören der Riesensturmvogel (Macronectes giganteus) und der Südpolarskua (Stercorarius maccormicki), die beide in den Kolonien der Kaiserpinguine den Jungvögeln nachstellen. Im Wasser zählen der Große Schwertwal (Orcinus orca) und vor allem der Seeleopard (Hydrurga leptonyx) zu den wichtigsten Freßfeinden. Im Wasser ist ihr einziger Schutz die hohe Schwimmgeschwindigkeit, mit der sie auch einem Großen Schwertwal leicht entkommen können.

Ernährung

Kaiserpinguine sind opportunistische Fleischfresser (Carnivoren). Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören kleinere Fische (Actinopterygii), Kopffüßer (Cephalopoda) und vor allem Krebstiere (Crustacea). Krebstiere decken in der Regel drei Viertel des Nahrungsbedarfes. Unter den Krebstiern stehen insbesondere Krill (Euphausiacea) und Flohkrebse (Amphipoda) auf dem Speiseplan. An Kopffüßern werden beispielsweise verschiedene Arten der Kalmare (Teuthida) gefressen. Unter den Fischen werden Antarktisdorsche (Nototheniidae), Krokodileisfische (Channichthyidae) und Barrakudinas (Paralepididae) bevorzugt verspeist. Saisonal und auch geografisch kann die aufgenommene Nahrung jedoch Schwankungen unterworfen sein. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen ausschließlich im Wasser. Küstennahe Gewässer werden dabei gemieden, die offene See bevorzugt.
Beliebter Snack: Antarktischer Krill (Euphausia superba)
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Beliebter Snack: Antarktischer Krill (Euphausia superba)

Nach Beutetieren getaucht wird durchschnittlich in Tiefen von 100 bis 300 Meter Tiefe, wobei gelegentlich Tiefen von bis zu 400 Metern erreicht werden. Die Fresswanderungen erstrecken sich in der Regel über einige Hundert Kilometer, ehe sie wieder an Land gehen und sich auf den weiten Weg in die Brutkolonien machen.

Fortpflanzung

Der Kaiserpinguin erreicht die Geschlechtsreife mit fünf bis sechs Jahren. Männchen benötigen meist ein Jahr länger als Weibchen. Ende März oder im zeitigen April beginnen die Wanderungen zu den Fortpflanzungsregionen, die im Hinterland der Antarktis liegen. Dabei nehmen die Kaiserpinguine Wanderungen von bis zu 200 Kilometern auf sich. Für diese lange Reise haben sie sich von Januar bis März eine dicke Fettschicht angefressen. Während der zwei bis drei Monate an Land nehmen sie keine Nahrung zu sich und zehren von den Fettreserven. Die Männchen treffen kurze Zeit vor den Weibchen in den Kolonien ein. Erst in den Brutkolonien erfolgt die eigentliche Paarung. Vor der Paarung steht allerdings eine ausgiebige Balz. Die Männchen, die deutlich in der Unterzahl sind (auf ein Männchen kommen meist 2 Weibchen), bemühen sich nach Kräften um die Weibchen. Zur Balz gehört ein entsprechender Tanz und lautstarke Balzrufe. Die charakteristischen Ausrufe dienen im folgenden auch, um den Partner in der zum Teil riesigen Kolonie wiederzufinden. Kaiserpinguine leben in einer monogamen Einehe, in einer Saison kommt es nur zu einem Gelege, da sich die Aufzuchtzeit des Nachwuchses über mehrere Monate erstreckt. Eine Ehe hält meist nur eine Saison, seltener auch über mehrere Jahre.

Bildlicher Ablauf der Paarungszeit
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Bildlicher Ablauf der Paarungszeit
Vier bis sechs Wochen nach der Paarung legt das Weibchen ein einzelnes Ei. Ein Nest wird nicht benötigt, da das Ei zwischen den Füßen und einer Bauchfalte ausgebrütet wird. Nachdem das Ei gelegt ist, macht sich das Weibchen auf den langen Weg zurück zum Meer. Das Ei ist ausgesprochen groß und weist eine Gewicht von rund 460 Gramm und eine Länge von gut 12 Zentimeter auf. Hier frisst sie über mehrere Wochen, ehe sie in die Brutkolonie zurückkehrt. In der Zwischenzeit hat das Männchen das Ei über einen Zeitraum von 60 bis 65 Tagen gewärmt. Das geschlüpfte Küken wird in der ersten Zeit mit hochgewürgter Nahrung vom Männchen gefüttert. Kurze Zeit später taucht das wohlgenährte Weibchen auf und übernimmt nun die weitere Aufzucht des Jungtieres. Das Männchen sucht nun seinerseits das Meer auf, um seine Fettreserven aufzufüllen. Ist das Küken etwa sechs Wochen alt, so wird es in einer Jungtierkolonie zurückgelassen und beide Elternteile gehen gleichzeitig auf Nahrungssuche. Sie kommen nach zwei bis drei Wochen zurück um ihren Nachwuchs mit Nahrung zu versorgen.

Dieser Vorgang der abwechselnden Nahrungssuche und Fütterung wiederholt sich einige Male, ehe die Jungpinguine in großen Gruppen nach etwa 5 Monaten zurückgelassen werden. In den Gruppen schmiegen sich dabei die Jungtiere dicht zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Die Eltern, die von der Nahrungssuche zurückkommen, erkennen ihren Nahwuchs an den Lauten. Diese sind bei jedem Jungtier anders und dienen somit als Erkennungsmerkmal. Gegen Ende November sind die Jungtiere mit ihren ersten adulten Federkleid ausgestattet und begeben sich nun auf den Weg zum Meer. Der Weg ist nun deutlich kürzer, da das Eis an der Küste geschmolzen ist. Kaiserpinguine können ein Alter von 30 oder mehr Jahren erreichen. Das Höchstalter liegt bei etwa 50 Jahren. Ein derart hohes Alter erreichen jedoch nur wenige Tier. Die Mortalität ist im ersten Lebensjahr mit rund 80 Prozent sehr hoch. Die meisten Jungtiere verenden aufgrund von Erfrierungen oder Nahrungsmangel.

Gefährdung und Schutz

Der Kaiserpinguin gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten Er wird daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über 50-100.000 Quadratkilometer. Die globale Population wird laut BirdLife International auf etwa 270-350.000 Individuen geschätzt und scheint seit Jahren stabil zu sein. In den antarktischen Lebensräumen ist es bislang noch nicht zu größeren Störungen im Ökosystem gekommen. Dieses könnte sich jedoch ändern, wenn der Mensch weiterhin in den Lebensraum der Antarktis vordringt.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Boris M. Culik & Rory P. Wilson: Die Welt der Pinguine. Überlebenskünstler in Eis und Meer. Blv Buchverlag; 1993 ISBN 3405144760
  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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