Kaiserreiher

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Kaiserreiher

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Reiher (Ardeidae)
Unterfamilie: Tagreiher (Ardeinae)
Gattung: Ardea
Art: Kaiserreiher
Wissenschaftlicher Name
Ardea insignis
Hume, 1878

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Kaiserreiher (Ardea insignis), auch als Weißbauchreiher und unter dem Synonym Ardea imperialis bekannt, zählt innerhalb der Familie der Reiher (Ardeidae) zur Gattung Ardea. Im Englischen wird der Kaiserreiher white-bellied heron oder imperial heron genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kaiserreiher ist nach dem Goliathreiher (Ardea goliath) der zweitgrößte Reiher auf der Erde und erreicht eine Körperlänge von etwa 127,0 Zentimeter und eine Körperhöhe von etwa 1,2 Meter sowie ein Gewicht von etwa 2,2 bis 2,6 Kilogramm. Dieser große Reiher mit einem ziemlich langen Hals weist ein dunkelgraues Obergefieder auf. An einigen Stellen des Obergefieders zeigt sich eine braune oder olivfarbene verwaschene Tönung. Die Krone ist von einer dunkleren Färbung, jedoch zeigen sich keine schwarzen Streifen am grau gefärbten Hals wie bei dem Graureiher (Ardea cinerea). Der Kopf ist ein wenig brauner getönt. Die Iris der Augen weist eine gelbe Färbung auf. In der Brutzeit hat der Kaiserreiher gräulich-weiße Nackenfedern und ein länglich grau gefärbtes Brustgefieder mit weißen Zentren. Der Schnabel wirkt ziemlich massiv und dolchartig geformt und ist meist dunkel mit ein wenig Gelb an der Basis. Die untere Schnabelhälfte ist ein bisschen grünlich getönt. Die Haut um die Augen und um die Zügel ist nackt und grünlich-gelb gefärbt. Das Kinn ist von einer weißlichen Tönung. Die Beine und die Füße sind dunkelgrau geschönt. Im Flug zeigt sich ein einheitliches Dunkelgrau und die Flügelunterseiten erscheinen weiß gefärbt, die etwas mit den dunkelgrauen Schwungfedern kontrastieren. Der Rumpf erscheint im Gegensatz zum übrigen Gefieder blass grau. Wenn der Kaiserreiher gestört wird, äußert er ein tiefes Quaken.

Lebensweise

Der Kaiserreiher lebt in den östlichen Ausläufern des Himalaya in Bhutan und im Nordosten Indiens bis zu den Hügeln von Bangladesch sowie im Norden Myanmars und historisch zumindest in West- und Zentral-Myanmar. Er kann auch in Süd-Ost-Tibet und in China auftreten. In Nepal ist der Kaiserreiher jetzt ausgestorben. Im Winter zhiehen die Bögel in die Tieflandebene des Brahmaputra. Obwohl der Kaiserreiher bisher in Myanmar häufig auftrat, kam es offenbar aufgrund von Nahrungsknappheit zum Rückgang. Die meisten der wenigen letzten Aufzeichnungen kamen von fünf oder sechs Standorten in Assam und Arunachal Pradesh, Indien, von ein oder zwei Standorten in Bhutan und in Myanmar. In Bhutan gibt es eine kleine Population von etwa 30 bekannten Individuen (mit sechs Jugendlichen) vom Juli 2007. Die Vögel wurden entlang am Fluss Phochu und am Zusammenfluss der Flüsse Phochu und Mochu, Punatsangchhu, Kamechu (Digchu), Zawa, Ngagshina und am Zusammenfluss Burichu beobachtet. Sechs aktive Nester wurden im Jahr 2007 in Bhutan aufgenommen und am 26. Juli 2007 fand man insgesamt sechs Küken. Aufgrund der natürlichen Waldbrände wurden drei Nester verlassen. Weitere drei aktive Nester mit fünf Küken wurden im Jahr 2009 aufgenommen, obwohl nur drei Küken bei einem späteren Besuch überlebt haben. Sechs Brutstätten an zwei Flüssen im zentralen Bhutan wurden aufgezeichnet, jedoch wurde der östliche Teil des Landes nicht gründlich untersucht.
Brahmaputra - Assam
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Brahmaputra - Assam
In Myanmar befindet sich auf einer Fläche von etwa 21.700 Quadratkilometer das größte Hukaung Valley Tiger Reservat. In diesem Reservat leben etwa 30 bis 40 Individuen. Eine weitere kleine Population lebt in den Naturschutzgebieten HPON Razi Wildlife Sanctuary und Hkakabo Razi Nationalpark. Ferner wurde der Kaiserreiher entlang der Flüsse in Kachin State und in Nam Sam Chaung aufgenommen, obwohl wenig über den Status der Art in diesen Bereichen bekannt ist. Trotz einer geringen Zunahme, die man bei einer Zählung in Myanmar feststellte, ist die Art aufgrund der fehlenden geeigneten Lebensräume stark gefährdet. Eine neuere Zählung fand dann noch im Jahr 1998 statt, bei der man ebenfalls nur eine geringe Zunahme registrierte. Die Ergebnisse der Felduntersuchungen wurden auch durch die Berichte von Menschen vor Ort bestätigt, dass die Art in der Region in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Dies deutet darauf hin, dass es weniger als 250 Individuen gibt.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Kaiserreiher in Bangladesch, Bhutan, Indien und in Myanmar vor. Regional ausgestorben ist der Kaiserreiher in Nepal. Der Kaiserreiher besiedelt vor allem die kleinen und großen Flüsse mit Sand- oder Kiesbänken. Oft tifft man den Kaiserreiher auch in subtropischen Laubwäldern sowie im Tiefland und in Höhen von 1.500 Metern an. Gelegentlich hält sich der Kaiserreiher auch nahe der Binnenseen auf. Im Allgemeinen ist der Kaiserreiher ein Einzelgänger. Es kommt aber auch vor, dass er kleine Gruppen während des Winters bildet und häufig dazu neigt, unzugängliche und ungestörte Bereiche aufzusuchen. Die Art ist bekannt, in Kiefernwäldern zu brüten. In Bhutan fand man im Zeitraum von 2003 bis 2007 vier Nester an steilen Hängen bei 500 bis 1.500 Metern, nahe dem Zufluss von einem kleinen Waldbach. Die Brutzeit findet in den Monaten von März bis Anfang Juni statt.

Ernährung

Brahmaputra - Assam
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Brahmaputra - Assam

Bei der Nahrungssuche schreitet der Kaiserreiher mit gesenktem Haupt durch flaches Wasser. Selten erfolgt die Jagd auch von einer Ansitzwarte aus. Der Sehsinn ist hoch entwickelt und dient dem Kaiserreiher der Ortung von Beutetieren. Hat der Kaiserreiher ein Beutetier entdeckt, so sticht er blitzschnell mit seinem spitzen Schnabel danach. Er bevorzugt hauptsächlich große Fische. Aber auch Molche und Frösche, Schnecken, Krebstiere, Insekten und deren Larven, kleinere Reptilien und gelegentlich auch Kleinsäuger wie Mäuse stehen durchaus auf der Speisekarte. Beutetiere werden grundsätzlich im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Kaiserreiher erreichen die Geschlechtsreife mit gut zwei Jahren, zur ersten Paarung kommt es dabei meist erst gegen Ende des dritten Lebensjahres. Die Paarungs- und Brutzeit erfolgen in den meisten Verbreitungsgebieten in den Monaten von März bis Anfang Juni oder von April bis August. Sie leben in einer monogamen Einehe, die in der Regel nur eine Saison hält. Die Nester entstehen in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer in hohen Bäumen. In Ermangelung dessen werden aber auch größere Büsche genutzt. Das Nest ist eine einfache Plattform, die aus belaubten Ästen und Zweigen besteht. Das Weibchen legt zwei bis vier Eier in das Nest. Die Eier weisen eine grünlich-blaue Färbung auf. Die Eigröße kann je nach Verbreitungsgebiet unterschiedlich sein. So beträgt die Eigröße in Arakan 70,2 x 50,8 mm und 69,2 x 49,9 mm und in Sikkim 63,0 x 49,9 mm und 63,1 x 41,6 mm. Das Brutgeschäft teilen sich beide Partner über einen Zeitraum von 28 bis 30 Tagen. Die Nestlinge sind Nesthocker und werden von beiden Elternteilen mit hochgewürgter und leicht vorverdauter Nahrung versorgt. Die Jungen äußern raspelnde Rufe, wenn die Partner sich dem Nest nähern. Das Nest wird ständig von den Eltern besucht und bewacht bis die Jungen 3 bis 4 Wochen alt sind. Ältere Geschwister schikanieren das kleinste bis es in der Regel stirbt. Im Alter von gut acht bis zehn Wochen sind die Jungvögel flügge. Die Jungensterblichkeit ist auch bei dem Kaiserreiher sehr hoch. Kaum ein Drittel der Jungvögel erreicht das Ende des ersten Lebensjahres. Generell überleben nur ein oder zwei Küken.

Gefährdung und Schutz

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Laut der Roten Liste der IUCN wird der Kaiserreiher als vom Aussterben bedroht eingestuft, weil er eine extrem kleine und rasch abnehmende Population aufweist. Dieser Rückgang ist die Folge von Verlust und Verschlechterung der Auwälder und der Feuchtgebiete sowie durch die direkte Ausbeutung und Störung der Brutkolonien. Obwohl eine komplette Zählung noch nicht durchgeführt wurde, so wird doch die derzeitige Population mit 50 bis 249 Individuen geschätzt (D. Wilson und J. Eames in litt. 2006).

Wahrscheinlich brütet der Kaiserreiher im Namdapha Tiger Reservat (letzte Zählung fand in den Jahren von 2005 bis 2006 statt), und tritt saisonal in mehreren anderen Schutzgebieten auf, einschließlich Kaziranga, Dibru-Saikhowa und Manas National Parks sowie Pabitora Wildlife Sanctuary, Indien. Eine kleine Population befindet sich in Myanmar innerhalb des Hukaung Tiger Reservates und Hpon Razi Wildlife Sanctuary. Ein Projekt wurde in Bhutan im Jahre 2003 in Verbindung mit der Königlichen Gesellschaft für Naturschutz, dem World Wildlife Fund, der Felburn Foundation und der International Crane Foundation in Angriff genommen. In Anerkennung der Bedeutung dieser Art in Punakha-Wangdue hat die Königliche Regierung von Bhutan das Gebiet als Lebensraum für geschützte Kaiserreiher erklärt.

Da die Art kurz vor dem Aussterben steht, sollten folgende Maßnahmen durchgeführt werden: Umfangreiche Zählungen in Nord-Ost-Indien, Myanmar und auch im Süd-Ost-Tibet, um die Verbreitung, den Populationsstatus sowie die ökologischen Anforderungen, insbesondere in den Brutgebieten, festzustellen. Unterstützung von Vorschlägen, um einen effektiveren Schutz im Namdapha National-Park, einschließlich der Schaffung von Pufferzonen, zu garantieren. Des Weiteren Minimierung der Störungen entlang des Flusses Manas und rund um den Ada-See in Bhutan. Erhaltungs-Programme zur Bewusstseinsbildung der Bevölkerung, vor allem in Myanmar und im Nordosten Indiens.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

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