Kaiserschnurrbarttamarin

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Kaiserschnurrbarttamarin

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)
Gattung: Tamarins (Saguinus)
Art: Kaiserschnurrbarttamarin
Wissenschaftlicher Name
Saguinus imperator
Goeldi, 1907

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kaiserschnurrbarttamarin (Saguinus imperator) ist eine Primatenart, der zur Familie der Krallenaffen (Callitrichidae) zählt und zur Gattung der Tamarine (Saguinus) gehört. Seinen Namen verdankt er seinem langen weißhaarigen Bart, der links und rechts etwas gezwirbelt absteht und somit dem Kaiser-Wilhelm-Bart ähnelt. Der Schweizer Zoologe Goeldi bezeichnete humorvoll die Affenart Kaiserschnurrbart und die Bezeichnung wurde aber dann zum wissenschaftlich anerkannten lateinischen Namen (Saguinus imperator) übernommen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Kaiserschnurrbarttamarin erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 18 bis 21 cm und eine Schwanzlänge von 25 bis 32 cm. Das Gewicht beträgt etwa 300 bis 400 g. Der Körper ist verhältnismäßig kompakt gebaut und das Fell überwiegend grau gefärbt mit vereinzelt feinen gelben Strähnen, die sich bis zum Rücken hinziehen. Die Brust ist mit rostroten Sprenkeln versehen, der Scheitel silbrigbraun. Hände und Füße sind schwarz. Der Schwanz ist rötlichbraun gefärbt. Charakteristisch beim Kaiserschnurrbarttamarin ist - wie oben schon erwähnt - der extrem lange weiße Schnurrbart, der sich auf beiden Seiten über die Schultern hinaus wie zwei verlängerte Fasern erstreckt. Wie die meisten Tamarine hat auch der Kaiserschnurrbarttamarin Greifzehen, ausgenommen die große Zehe, die einen Nagel besitzt. Der Kaiserschnurrbarttamarin ist ein tagaktiver friedlicher Primat, der sich geschickt mit schnellen, ruckartigen, sprunghaften Bewegungen durch das Geäst der Bäume hangelt.

Unterarten

Nominatform

Verhalten

Kaiserschnurrbarttamarine leben im allgemeinen in kleinen Gruppen von zwei bis acht, manchmal aber auch bis zu 15 Tieren zusammen. Die Gruppe wird von einem älteren Weibchen angeführt, in der sich auch mehrere geschlechtsreife Männchen befinden können. Innerhalb der Gruppe spielt die Fellpflege eine wichtige Rolle. Es kommt vor, dass Kaiserschnurrbarttamarine mit anderen Tamarinarten in einem Territorium friedlich nebeneinander leben, zum Beispiel in einigen Teilen südöstlich von Peru. Diese Art von Verhältnis ist für beide Tamarinarten von Vorteil, da sie untereinander durch vokale Lautäußerungen vor Fleischfressern warnen und sich somit besser verteidigen können. Des weiteren bietet die Verbindung beider Gruppen eine leistungsfähigere und ertragreiche Nahrungssuche.

Verbreitung

Kaiserschnurrbarttamarine bewohnen die tropischen Waldregionen des Amazonasbeckens in Südostperu, in Nordwestbolivien und in Nordwestbrasilien. Sie halten sich in dicht bewachsenen Wäldern des Amazonesgebietes und saisonal in überfluteten Regionen auf. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie in den Bäumen.

Nahrung

Der Kaiserschnurrbarttamarin ist ein Allesfresser, er ernährt sich aber hauptsächlich von Früchten, Insekten und Baumsäften. Hier und da kommt es vor, dass er den Nektar aus Blüten verschiedener Baumsorten saugt. Aufgrund seines Leichtgewichtes ist er in der Lage die äußersten Zweige in den Baumwipfeln - an denen die Blüten sich befinden - zu erreichen, die für größere und schwere Affen nicht zugänglich sind. Um seinen Proteinhaushalt zu decken, verspeist er zusätzlich wirbellose Tiere wie Heuschrecken, Käfer, Schmetterlinge, Spinnen und Ameisen. Wegen seiner geringen Größe ist es ihm möglich, auch größere Insekten aufzuspüren und zu fangen. Eine weitere Nahrungsquelle sind die Baumsäfte, die ihm wichtige Kohlenhydrate und Mineralien bieten. Des weiteren stehen auch kleine Reptilien, Baumfrösche und Vogeleier auf dem Speiseplan.

Fortpflanzung

Jungtier
vergrößern
Jungtier

Das ranghöchste Weibchen einer Gruppe paart sich mit allen geschlechtsreifen Männchen. Der Östruszyklus des Weibchen dauert etwa 15 Tage. Nach einer Tragezeit von 5 Monaten bringt das Weibchen ein bis zwei Junge (selten drei) zur Welt. Bei der Geburt und Aufzucht der Jungen beteiligen sich alle Mitglieder der Gruppe. Ein junger Kaiserschnurrbarttamarin wiegt ungefähr 35 g. Die Mutter säugt das Baby alle zwei bis drei Stunden je eine halbe Stunde und überläßt die Jungen den Mitgliedern. Sechs bis sieben Wochen werden sie abwechselnd von den Mitgliedern auf dem Rücken getragen. Nach einer Entwöhnungszeit von etwa zwei bis drei Monaten sind sie dann selbständig. Mit zwei Jahren tritt die Geschlechtsreife ein und können ein Alter zwischen 16 und 20 Jahren erreichen.

Gefährdung

Der Kaiserschnurrbarttamarin gilt als potentiell gefährdet. Die IUCN stuft den Kaiserschnurrbarttamarin in Brasilien und Peru als bedroht ein. Hauptgrund ist die Vernichtung seines Lebensraumes durch den Menschen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge