Kakapo

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Kakapo

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Eulenpapageien (Strigopinae)
Gattung: Eulenpapageien (Strigops)
Art: Kakapo
Wissenschaftlicher Name
Strigops habroptilus
Gray, 1845

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Kakapo (Strigops habroptilus, syn. Strigops habroptila) zählt innerhalb der Familie der Eigentliche Papageien (Psittacidae) zur Gattung der Eulenpapageien (Strigops). Der Kakapo gehört zu den gefährdetsten Vogelarten überhaupt. Im Freiheit leben heute nur noch 86 Vögel (Stand 2005). Ohne die engangierte Arbeit von Natur- und Tierschützern wäre der Kakapo bereits seit Jahren ausgestorben

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Kakapo erreicht eine Körperlänge von 60 bis 64 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 3.800 Gramm. Weibchen bleiben etwas kleiner und leichter als Männchen, jedoch zeigen die Geschlechter in der Gefiederfärbung keinen Geschlechtsdimorphismus. Der Kakapo gilt als der schwerste Papagei der Welt. Das Gefieder weist eine überwiegend grünliche bis moosgrüne Färbung auf. Bräunliche bis schwärzliche Muster gestalten das Gefieder insbesondere auf dem Rücken und den Flügeldecken facettenreich. Die Brust und der Bauch sind deutlich weniger gemustert und insgesamt etwas heller. Der Schwanz ist in der Grundfärbung eher grünbraun und weist ähnliche Musterungen wie die Flügeldecken auf. Die weichen Federn der Kehle und der oberen Brust weisen einen Anflug einer gelblichgrünen Färbung auf. Der Schnabel ist hellgrau bis elfenbeinfarben gefärbt. Rund um den Schnabel zeigen sich verlängerte bartartige Federchen, die eine helle Färbung aufweisen. Die Augen sind knopfartig und ausgesprochen klein. Dies ist ein sicheres Indiz für die Nachtaktivität des Kakapo. Jungvögel sind in der Gefiederfärbung etwas stumpfer als adulte Vögel. Der Kakapo ist der einzige flugunfähige Papagei in der Welt. Seine Flügel sind klein und die Flugmuskulatur ist zurückgebildet. Die Extremitäten sind kräftig ausgebildet und enden in vier Zehen, wovon je zwei Zehen nach vorne und nach hinten weisen. Die Zehen enden jeweils in kräftige Krallen.

Verhalten

Der Kakapo ist flugunfähig. Er gilt allerdings als ausgezeichneter Kletterer. Er ist sowohl in Felsen auch in Bäumen gut unterwegs. Wenn er von einer Anhöhe springt, also zum Beispiel von einem Baum, so nutzt er die verkümmerten Flügel, um seinen Fall zu bremsen. Er gilt auch als die einzige nachtaktive Papageienart der Welt. Den Tag über verbringt er schlafend in Felshöhlen, Felsnischen oder an geschützten Plätzen zwischen den Wurzeln größer Bäume. Nicht selten sind auch selbstgegrabene Erdbauten, die über umfangreiche Gangsysteme und einen Wohnkessel verfügen. Solche Bauten werden in der Regel über viele Jahre genutzt und ständig ausgebaut.

Er lebt zurückgezogen und einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen sich nur kurz zur Paarungszeit. Mit Einbruch der Dämmerung wird der Kakapo munter und beginnt mit der Nahrungssuche. Ein Kakapo beansprucht ein Revier, das leicht 30 bis 50 Hektar erreichen kann. Reviere von Weibchen sind in der Regel deutlich größer. Ist ein Feind oder ein Konkurrent in Sicht, so kann der Kakapo seine im Brustbereich befindlichen Luftsäcke aufblasen und so laute Geräusche von sich zu geben. Solche Laute dienen als Imponiergehabe und sollen einen Gegner vertreiben. Ein solcher Luftsack ist unter Papageien einzigartig. Die Laute sind so laut und durchdringend, dass man sie über mehrere Kilometer hören kann. Diese Laute dienen auch zum Anlocken von Weibchen.

Verbreitung

Der Kakapo ist auf Neuseeland endemisch. Ursprünglich war er über beide Hauptsinseln verteilt anzutreffen. Jedoch ist der auf dem Festland mittlerweile zu Gänze ausgestorben. Heute lebt der Kakapo nur noch auf einen wenigen Inseln, die frei von Fressfeinden sind. Dazu gehören insbesondere Maud Island, Fiordland, Codfish Island, Little Barrier Island, Stewart Island, Pearl Island und Chalky Island. Insgesamt leben nur noch 86 Kakapos in Freiheit. Und das auch nur, weil über einen Zeitraum von 20 Jahren Natur- und Tierschützer sich der letztem überlebenden Tiere angenommen haben. Der natürliche Lebensrum sind Wälder in der Ebene sowie Bergwälder. Hier lebt der Kakapo hauptsächlich auf dem Boden, wo er auch seine Nahrung findet.

Gefährdung, Schutz

Der Kakapo wird durch das Washingtoner Artenschutzabkommen in Anhang I unter besonderem Schutz gestellt. In der Roten Liste des IUCN wird die Art aktuell als kritisch gefährdet (critically endangered) geführt. Im Jahre 1995 galt die Art in Freiheit als ausgestorben (extinct in the wild). Auswilderungsaktionen auf kleinen geschützten Inseln scheinen die Art mittlerweile zu stabilisieren.

In den ursprünglichen Verbreitungsgebieten, den beiden neuseeländischen Hauptinseln, ist der Kakapo seit Jahrzehnten ausgestorben. Heute lebt er nur noch auf einigen kleinen Inseln, die dem Festland vorgelagert sind. Diese Inseln stehen unter Beobachtung von Forscher und Naturschützern. Auf diesen Inseln sind zudem keine Fressfeinde anzutreffen. Lediglich die Polynesische Ratte (Rattus exulans) kann dem Kakapo und dessen Nachwuchs gefährlich werden.

Die Bejagung durch die neuseeländischen Ureinwohner (polynesische Seefahrer) und die Einfuhr von landesuntypischen Fressfeinden hat den Kakapo über Jahrhunderte hinweg an den Rand der Ausrottung gebracht. Raubtiere hatten es vor allem auf die Brut und die Jungvögel abgesehen. Altvögel konnten sich zumeist vor Räubern in Bäume oder auf andere geschützte Erhebungen retten. Die außerordentlich gute Tarnung des Gefieders nützte den Tieren auch nicht viel, da die meisten Raubtiere den Kakapo über den Geruch lokalisierten. Zu den Hauptfeinden zählten verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris), Frettchen, Ratten, Hunde und Greifvögel.

Zu den größten Feinden galt aber immer der Mensch, der den Kakapo wegen seines Fleisches und seiner Federn jagte. Vor 150 Jahren kamen die ersten Europäer nach Neuseeland. Durch ihre Anwesenheit verschlechterte sich die Lage für den Kakapo zusehend, da weitflächig Lebensräume zerstört wurden und Raubtiere als Neozoen eingeführt wurden. Nicht nur bei den Ureinwohnern stand der Kakapo auf der Speisekarte, sondern auch bei den frühen Europäern. Eine beispiellose Bejagung setzte in den folgenden Jahren ein.

Im Jahre 1987 begann man die letzten verbliebenen Tiere auf den Hauptinseln einzufangen und auf einigen kleineren Inseln wieder anzusiedeln. Dieser Prozess war im Jahre 1992 abgeschlossen. Bis heute erholte sich die Art ein wenig, außer Gefahr ist sie allerdings noch lange nicht.

Ernährung

Der Kakapo ernährt sich rein vegetarisch. Dabei setzt sich die Nahrung je nach Jahreszeit unterschiedlich zusammen. Zur bevorzugten Nahrung gehören Sämereien, Früchte und Beeren, Knospen, frische Gräser und Kräuter, Moose und Flechten sowie Wurzeln und Knollen. Seine Nahrung speichert der Kakapo in Körperfett. Auch dies ist einzigartig unter Landvögeln. Jungvögel werden vorzugsweise mit proteinhaltigen Sämereien gefüttert. Daher richtet sich die Brutzeit an das Vorhandensein solcher Nahrung.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich über die Monate Dezember bis März (Sommermonate in der südlichen Hemisphäre). Jedoch liegen meist zwei bis drei oder gar vier Jahre zwischen den einzelnen Bruten. Kakapos brüten nur bei passendem Nahrungsangebot. Auch die Geschlechtsreife wird mit neun bis zwölf Jahren erst sehr spät erreicht. Männchen erreichen die Geschlechtsreife zumeist ein Jahr früher als die Weibchen.

Wichtige Nahrungsgrundlage sind die fetthaltigen Früchte der Steineiben (Podocarpus). Steineiben sind eine Gattung mit weltweit rund 150 Arten. Auf Neuseeland kommen die Arten Podocarpus alpinus, Podocarpus cunninghamii, Podocarpus gnidioides, Podocarpus lawrencei, Podocarpus nivalis, Podocarpus nubigenus und Podocarpus totara vor.

Das Nest befindet sich zumeist in einem schützenden Bau. Meist befindet sich der Bau zwischen den Wurzeln großer Baume, in hohlen Baumstämmen oder an ähnlich geschützten Plätzen. Nach der Paarung verlässt das Männchen das Weibchen. Mit der Brut und der Aufzucht des Nachwuchses hat er nichts weiter zu tun. Das Weibchen legt zwischen ein und zwei, selten auch drei bis vier Eier. Die Brutzeit beträgt durchschnittlich 30 Tage. Die Küken werden von der Mutter mit Sämereien gefüttert. Spätestes nach zwei Monaten verlassen die Jungvögel erstmals das schützende Nest. Selbständig sind sie jedoch erst mit drei bis vier Monaten. Kakapo können unter günstigen Umständen ein sehr hohes Alter erreichen. Nicht selten erreichen sie ein Alter von 40 bis 60 Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2

Links

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