Kalifornien-Kondor

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Kalifornien-Kondor

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Schreitvögel (Ciconiiformes)
Familie: Neuweltgeier (Cathartidae)
Gattung: Gymnogyps
Art: Kalifornien-Kondor
Wissenschaftlicher Name
Gymnogyps californianus
Shaw, 1898

IUCN-Status
Critically Endangered (CR) - IUCN

Der Kalifornien-Kondor (Gymnogyps californianus) zählt innerhalb der Familie der Neuweltgeier (Cathartidae) zur Gattung Gymnogyps.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kalifornien-Kondor erreicht eine Körperlänge von 105 bis 120 Zentimeter, eine Flügelspannweite von gut 310 Zentimeter sowie ein Gewicht von 9 bis 13 Kilogramm. Er gehört somit zu den größten flugfähigen Vögeln. Die Geschlechter weisen allenfalls in der Größe einen leichten Dimorphismus auf. Männchen bleiben meist ein wenig kleiner als Weibchen, die Gefiederfärbung ist identisch. Der unbefiederte Kopf und der Hals weisen eine rotbraune bis orangerote Färbung auf. Das Gefieder ist ansonsten schwarz gefärbt. Im Bereich der Flügel zeigen sich stellenweise weißlich gesäumte Federn, die vor allem im Flug gut zu erkennen sind. Die Unterseite der Flügel ist im Bereich der Fingerknochen weiß gefärbt. Nestlinge sind überwiegend gräulich gefärbt. Die adulte Befiederung stellt sich ab dem siebten Lebensmonat ein. Die charakteristische Färbung des Kopfes stellt sich hingegen erst mit der Geschlechtsreife ein.

Lebensweise

Kalifornien-Kondore leben entweder einzelgängerisch oder paarweise. Eine Paarbindung hält dabei ein Leben lang. Sie gelten in allen ursprünglichen und verbliebenen Verbreitungsgebieten als Standvögel, die das ganze Jahr über im angestammten Lebensraum verweilen. Die Reviere können ein Größe von über 100 Quadratkilometern aufweisen. Zentraler Punkt eines Reviers ist der Horst, in dem auch gebrütet wird. Kalifornien-Kondore sind ausgezeichnete Flieger, deren Flug trotz des hohen Gewichtes ausgesprochen majestätisch ausschaut. Sie nutzen insbesondere die warmen Aufwinde für ausgedehnte Gleitflüge. Nicht selten können sie bis zu einer Stunde fliegen, ohne mit den Flügeln zu schlagen. Täglich legen Kalifornien-Kondore auf der Suche nach Nahrung zwischen 80 und 150 Kilometer zurück. Sie können Spitzengeschwindigkeiten von über 80 km/h erreichen. Wenn sie nicht gerade ihre Zeit in der Luft verbringen, so nutzen die Vögel ihre aktive Zeit auch für eine ausgiebige Gefiederpflege. Diese wird in der Regel am Horst unmittelbar nach einer Mahlzeit durchgeführt.

Verbreitung, Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckte sich über weite Teile der Pazifikküste Nordamerikas. Heute ist die Art so gut wie ausgerottet und kommt nur noch in einem kleinen Gebiet im südlichen Kalifornien und im westlichen Arizona, USA, sowie im nördlichen Mexiko vor. Kalifornien-Kondore bevorzugen felsige Habitate wie schroffe Gebirgsmassive und lichte Bergwälder. Die Brutgebiete liegen in der Regel in unzugänglichen Felsklippen im Hochgebirge.

Ernährung

Kalifornien-Kondore sind reine Aasfresser. Sie ernähren sich zumeist von den Kadavern größerer Beutetiere. Dies können beispielsweise Schafe (Ovis), Ziegen (Capra) oder Hirsche (Cervidae) sein. Gelegentlich werden aber auch Kadaver in Kaninchengröße gefressen. Aas kann dabei relativ frisch oder bereits stark verwest sein, frisches Aas wird jedoch bevorzugt. Der Kalifornien-Kondor ist da nur wenig wählerisch. Auf der Suche nach Nahrung fliegen Kalifornien-Kondore teilweise viele Dutzende Kilometer am Tag umher.

Fortpflanzung

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Die Brutplätze der Kalifornien-Kondore liegen in der Regel im Hochgebirge, meist in schroffen Klippen oder Felsspalten. Eher selten brüten sie in hohen Bäumen. Die Geschlechtsreife wird erst sehr spät mit rund sechs Jahren erreicht. Die Paarungszeit erstreckt sich über das Frühjahr und beginnt meist in zeitigem Februar, spätestens jedoch Ende März. Der Horst besteht überwiegend aus groben Reisig wie es für große Greifvögel üblich ist. Während der Balzzeit kommt es bei geschlechtsreifen Männchen zu filigranen Balzflügen in großer Höhe, die an Rüttelflüge erinnern. Einmal gebildete Paare bleiben ein Leben lang zusammen, sie führen eine monogame Einehe. In das fertige Nest legt das Weibchen in der Regel nur ein Ei. Gelege mit zwei Eiern sind sehr selten. Das Ei wird von beiden Geschlechtern über einen Zeitraum von 53 bis 55 Tagen bebrütet. Aber nicht nur die Brutzeit ist sehr lang, sondern auch die Nestlingszeit. Jungvögel bleiben bis zu einem Jahr bei den Eltern. Ihre Flugfähigkeit erreichen Jungvögel erst im Alter von gut 180 Tagen. Ausgewachsen ist ein Kalifornien-Kondor im Alter von rund drei Jahren. In Gefangenschaft können diese imposanten Vögel ein Alter von über 50 Jahren erreichen. In Freiheit ist das erreichbare Alter noch nicht abschließend erforscht.

Ökologie, Gefährdung

Kalifornien-Kondore sind in ihrem Lebensraum die Gesundheitspolizei. Sie sorgen letztlich für die Beseitigung von toten Tieren. Gelegentlich erbeuten sie zwar auch lebende Beute, dies sind in der Regel allerdings nur kranke und schwache Tiere. Pro Tag kann ein Kalifornien-Kondor bis zu zwei Kilogramm an Aas vertilgen. Von einem Kadaver bleiben am Ende nur die Knochen übrig.

Gefährdung und Schutz

Die Kalifornien-Kondore gehören zu den seltensten Vögel der Erde. Aktuell, Stand Anfang 2007, gibt es in Freiheit nur noch 127. In den verbliebenen Brutgebieten stehen die Vögel unter Schutz und werden mehr oder weniger rund um die Uhr bewacht. In der Roten Liste de IUCN wird der Kalifornien-Kondor als kritisch gefährdet (CR, critically endangered) geführt.

Die 127 aktuell noch lebenden Vögel sind aber nicht der Tiefststand. Anfang der 80er Jahre gab es nur noch rund 25 Vögel. Um die Art zu retten fing man 1987 einen Teil der freilebenden Vögel ein und verbrachte sie zu Zuchtzwecken in Gefangenschaft. Nach und nach wilderte man per Hand aufgezogene Jungvögel in Schutzgebieten in Kalifornien aus. Während der nächsten 20 Jahre gab es allerdings immer wieder Rückschläge. Viele Kalifornien-Kondore starben beispielsweise an Bleivergiftung. Insgesamt haben sich die Bestände leicht stabilisiert. Aber ein Grund zur Entwarnung ist dieses keineswegs. Es sind einfach zu wenige Vögel. Eine unverhofft auftretende Krankheit könnte die letzte Population binnen kürzester Zeit auslöschen. Um die ausgewilderten Kalifornien-Kondore kümmern sich Naturschützer heute intensiv. So werden die Tiere auch in Freiheit mit frischem Aas gefüttert, um Vergiftungen vorzubeugen.

In den letzten 100 Jahren hat man die Art an den Rand der Ausrottung gebracht. Kalifornien-Kondore wurde entweder erschossen oder mit vergiftetem Fleisch getötet. Neben der Bejagung durch Farmer und Viehzüchter sind es vor allem die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, die allgemeine Umweltverschmutzung und das Absammeln der Eier die Hauptgründe für die kritische Gefährdung. Auch über Land verlaufende Strom- und Telefonleitungen haben für viele Kalifornien-Kondore den Tod bedeutet. Die direkte oder indirekte Vergiftungen hatten die meisten Todesfälle zur Folge. Die direkte Vergiftung resultierte zumeist aus Giftködern, die von Farmern ausgelegt wurden. Pflanzenschutzmittel wie DDT und andere hochgiftige Substanzen sorgten für eine indirekte Vergiftung. Vor allem die in den Organen eingelagerten Pflanzenschutzmitteln sorgen für eine nachhaltige Störung. So war bei brütenden Vögel die Schale der Eier so dünn, dass sie meist schon beim Brüten zerbrach.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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