Kalifornienmöwe

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Kalifornienmöwe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Unterordnung: Lari
Familie: Möwen (Laridae)
Gattung: Larus
Art: Kalifornienmöwe
Wissenschaftlicher Name
Larus californicus
Lawrence, 1854

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Kalifornienmöwe (Larus californicus) zählt innerhalb der Familie der Möwen (Laridae) zur Gattung Larus. Im Englischen wird die Kalifornienmöwe california gull genannt. Die Kalifornienmöwe kann leicht mit der Westmöwe (Larus occidentalis) verwechselt werden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Kalifornienmöwe erreicht eine Körperlänge von 53 bis 56 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 120 bis 125 sowie ein Gewicht von 500 bis 850 Gramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen, unterscheiden sich in der Gefiederfärbung aber nicht vom Männchen. Der Rücken und die Flügel sind grau gefärbt, nur die Flügelspitzen weisen eine schwarze Färbung auf. Die Flügel reichen bis über den Schwanz hinaus. Das restliche Gefieder und der Kopf sind weiß gefärbt. Juvenile Vögel sind dunkelgrau, wobei einzelne Federchen eine weißliche Säumung aufweisen. Die Extremitäten und die mit Schwimmhäuten versehenen Zehen der Jungvögel sind grau, die der adulten Möwen sind hellgelb gefärbt. Der kräftige Schnabel ist bis auf einen roten Fleck in vorderen Bereich des Unterschnabels gelb gefärbt. Rund um die Augen ist ein schwach ausgeprägter roter Ring zu erkennen. Bei Jungvögeln ist der Schnabel durchweg dunkelgrau. Die adulte Befiederung stellt sich im Dritten Lebensjahr ein.

Lebensweise

Kalifornienmöwen leben außerhalb und während der Paarungszeit in zum Teil großen Gruppen, die durchaus einige Tausend Vögel umfassen können. Sie gelten als sehr gesellig und legen nur während der Brutzeit ein territoriales Verhalten an den Tag. Dieses Verhalten beschränkt sich aber nur auf die unmittelbare Umgebung um das eigene Nest. Kalifornienmöwen gelten als sehr gute Flieger, Schwimmer und Taucher. Im Wasser erjagen sie Fische und Krebstiere bis in Tiefen von einigen Metern. Ihr Gefieder ist wasserabweisend. Nach einer Nahrungssuche im Wasser wird das Gefieder ausgiebig geputzt. Dazu nutzen sie ihren Schnabel und die Füße. Kalifornienmöwen sind sehr lautstarke Möwen. In den Kolonien geht es immer hoch her und die Tiere scheinen sich nur durch ihr Geschrei zu verständigen. Gegenüber Fressfeinden setzen sich Kalifornienmöwen gemeinschaftlich zur wehr. Sie scheuen dabei auch keine deutlich größeren Tiere oder den Menschen.

Verbreitung

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Die Kalifornienmöwe lebt in weiten Teilen Nordamerikas. Das Verbreitungsgebiet reicht dabei von Kanada und Alaska über die USA bis nach Mexiko. Insgesamt konzentrieren sich die größten Populationen an der Westküste der USA und des westlichen Kanada. Die südlichen Populationen gelten als Standvögel, nur in den nördlichen Verbreitungsgebieten kann es zu einem Teilzug kommen. Kalifornienmöwen leben sowohl an der Küste an Salzgewässern als auch im Binnenland an Süßgewässern wie Seen, Teichen, Sumpfgebieten und an Flussläufen. Auch die Nähe des Menschen wird nicht gescheut. Sie sind häufiger Gast in Häfen, Müllkippen und auf landwirtschaftlichen Flächen. Kalifornienmöwen sind in Bezug auf ihren Lebensraum nur wenig anspruchsvoll.

Prädatoren

Vor allem in der Klasse der Vögel hat die Kalifornienmöwe eine Reihe von Fressfeinden. Zu den wichtigsten gehören unter anderem Silbermöwen (Larus argentatus), Virginia-Uhus (Bubo virginianus), Steinadler (Aquila chrysaetos), Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), Präriefalken (Falco mexicanus) und Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis). Räuberisch lebende Säugetiere wie der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Nordamerikanische Waschbär (Procyon lotor), der Kojote (Canis latrans) und der Nordamerikanische Fischotter (Lontra canadensis) haben es vor allem auf die Eier und die Jungvögel abgesehen. Ansonsten gelten auch einige Schlangen wie die Kiefernatter (Pituophis melanoleucus) zu den natürlichen Fressfeinden. Kalifornienmöwen sind vor allem in den Kolonien sehr wehrhafte Vögel. In der Regel verteidigt sich eine ganze Gruppe gemeinsam gegen Fressfeinde. Dies erhöht insbesondere den Bruterfolg. Der Nachwuchs ist zudem durch eine unauffällige Tarnfärbung geschützt. Dennoch fallen viele Jungvögel in den ersten Lebenswochen Räubern zum Opfer.

Ernährung

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Die Kalifornienmöwe gilt als Allesfresser. Neben Fischen, die dicht unter der Wasseroberfläche gefangen werden stehen auch Krebstiere, andere Vögel, deren Brut und Eier sowie kleinere Säugetiere, Insekten wie zum Beispiel Mormonengrillen (Anabrus simplex) und auch Aas auf der Speisekarte. An pflanzlicher Kost nehmen sie Sämereien, Körner aller Art und Früchte zu sich. In der Nähe des Menschen, insbesondere auf Obstplantagen, gelten Kalifornienmöwen als wahre Plagegeister. Auch Mülldeponien werden nicht selten zwecks Nahrungssuche aufgesucht.

Fortpflanzung

Die Kalifornienmöwe erreicht die Geschlechtsreife erst sehr spät mit gut vier Jahren. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Paarungszeit vom Mai bis in den Juni oder Juli hinein. Während einer Saison kommt es nur zu einem Gelege, wobei Nachgelege bei Gelegeverlust möglich sind. Die Brutgebiete liegen meist in der Nähe eines Gewässers. Seen, Teiche, Flussufer oder Sümpfe werden dabei bevorzugt. Die Balzzeit ist in den Kolonien durch lautstark unterstützte Balztänze geprägt. Ritualisierte Kopfbewegungen und Darreichen von Nahrung seitens des Männchens gehören ebenso zum Balzverhalten. Kalifornienmöwen brüten in zum Teil großen Kolonien. Die einzelnen Nester befinden sich dabei in unmittelbarer Nähe zum Nachbarn. Jedoch umfasst jedes Nest ein kleines Revier, dass in etwa eine Flügellänge im Radius beträgt. Die eigentliche Kopulation ist nur eine Sache von Sekunden. Das Männchen steigt dazu auf den Rücken des Weibchens. Die Paarbeziehung ist monogam, aber in der Regel hält eine Ehe nur eine Saison.

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Das Nest ist eine einfache Nistmulde, die nur spärlich ausgepolstert wird. In das fertige Nest legt das Weibchen drei bis fünf hellbraune, schwarz befleckte Eier. Sie werden im Abstand von einem Tag gelegt. Die Eier werden über einen Zeitraum von 24 bis 26 Tagen von beiden Geschlechtern ausgebrütet. Die Küken sind anfangs noch nackt und blind. Sie werden mit hochgewürgter Nahrung gefüttert. An der Nahrungsbeschaffung sind beide Elternteile beteiligt. Mit 50 bis 60 Tagen sind die Jungvögel flügge, bleiben aber noch einige Zeit in der Kolonie. Die Lebenserwartung kann in Freiheit bei bis zu 20 Jahren liegen. Ein solch hohes Alter wird aufgrund der vielen Fressfeinde aber nur selten erreicht.

Gefährdung und Schutz

Die Population der Kalifornienmöwe ist seit Jahrzehnten stabil und in einigen Verbreitungsgebieten sogar steigend. Abgesehen von den Raubzügen in Obstplantagen gelten Kalifornienmöwen als nützliche Tiere, die Ungeziefer, Aas und Abfall in großen Mengen vertilgen. Sie sind sozusagen die Gesundheitspolizei in ihren Lebensräumen. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet geführt. Auch das Washingtoner Artenschutzabkommen oder lokale Gesetze in Kanada und den USA stellen die Vögel nicht unter Schutz. Die Kalifornienmöwe ist in Bezug auf ihren Lebensraum und die Nahrung sehr anpassungsfähig und von daher gut für die Zukunft gerüstet.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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