Kalifornischer Maulwurf

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Kalifornischer Maulwurf
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Maulwürfe (Talpidae)
Unterfamilie: Eigentliche Maulwürfe (Talpinae)
Gattung: Westamerikanische Maulwürfe (Scapanus)
Art: Kalifornischer Maulwurf
Wissenschaftlicher Name
Scapanus latimanus
(Bachman, 1842)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kalifornische Maulwurf (Scapanus latimanus) zählt innerhalb der Familie der Maulwürfe (Talpidae) zur Gattung der Westamerikanischen Maulwürfe (Scapanus). Im Englischen wird dieser Maulwurf Broad-footed Mole genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde von Westamerikanischen Maulwürfen reichen zurück bis ins späte Miozän und stammen aus Oregon/USA. Funde aus Idaho, Oregon und Washington stammen aus dem aus dem Pliozän. Man geht davon aus, dass der Vorfahre der Westamerikanischen Maulwürfe die Scapanoscapter simplicidens war. Dies belegen morphologische Untersuchungen. Der nächste Verwandte des Kalifornischen Maulwurfs ist die ausgestorbene Art Scapanoscapter malatinus.

Erkennung und Unterschiede

Kalifornische Maulwürfe können von den anderen Mitgliedern der Gattung der Westamerikanischen Maulwürfe (Scapanus) durch die dunkelbraune bis silbergraue Färbung des Felles unterschieden werden. Im Winter ist das Fell für gewöhnlich dunkler gefärbt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist auch der silbrig gefärbte Schwanz.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Kalifornische Maulwürfe weisen mit einem kurzen zylindrischen Körper und einem konisch zulaufenden Kopf mit spitzer Schnauze einen typischen Körperbau auf. Männchen erreichen eine Körperlänge von 164 bis 190 (180,2) mm, eine Schwanzlänge von 32 bis 38 (35,4) mm, eine Hinterfußlänge von 21 bis 23 (22) mm sowie ein Gewicht von 55,6 bis 73,9 (65,5) Gramm. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 154 bis 192 (178,3) mm, eine Schwanzlänge von 23 bis 39 (34,3) mm, eine Hinterfußlänge von 20 bis 24 (22) mm sowie ein Gewicht von 66,7 bis 73,9 (73,2) Gramm. Die Populationen in eher feuchten Regionen sind allgemein größer als in trockenen Regionen. Weibchen bleiben insgesamt kleiner, jedoch nur unwesentlich leichter als Männchen. Aufgrund der unterirdischen Lebensweise liegen die kleinen Augen im Fell verborgen. Die Beine sind kurz und kräftig, Ohrmuscheln fehlen völlig und der eigentliche Gehörgang ist sehr kurz. Bei den Männchen sind der Penis und die Hoden nach hinten gerichtet. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 8 Zitzen. 2 Paar Zitzen liegen im Brustbereich, ein Paar im Bauchbereich und ein weiteres Paar befindet sich in der Leistengegend. Der Hirnschädel ist breit und die Warzenfortsätze sind kräftig ausgebildet. Der Schädel der Männchen erreicht eine Länge von 33,57 bis 38,13 (35,41) mm, eine Schädelbreite von 9,73 bis 10,90 (10,31) mm und eine Unterkieferlänge von 21,19 bis 24,63 (22,88) mm. Der Schädel der Weibchen erreicht eine Länge von 34,37 bis 35,86 (35,36) mm, eine Schädelbreite von 10,19 bis 11,06 (10,45) mm und eine Unterkieferlänge von 22,09 bis 23,47 (22,86) mm. Das Gebiss der Kalifornischen Maulwürfe besteht aus 44 Zähnen. Die medizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m3/3. Die Art weist die typischen 46 Wirbel auf, die sich aus 7 Cervicalwirbel (Halswirbel), 14 Thoracalwirbel (Brustwirbel), 5 Lumbalwirbel (Lendenwirbel), 6 Sacralwirbel (Kreuzbeinwirbel), 14 Caudalwirbel (Schwanzwirbel) zusammensetzen. Das Schlüsselbein (lat. Clavicula) ist extrem kurz und schwer und artikuliert distal mit dem Tuber, also Höcker oder knöchernen Vorsprung, des Humerus (Oberarmknochen). Das Schulterblatt (lat. Scapula) ist deutlich verlängert und robust gebaut. Die Gelenkgrube weist eine elyptischen Form auf. Die Ulna (Elle) und der Radius (Speiche) sind relativ kurz, über die Länge gesehen jedoch deutlich verdickt. Die Ulna weist zudem einen sehr hohen Kamm auf, der als Ursprung vieler Extensoren der Hand diente. Ein Extensor ist ein Skelettmuskel, der eine Streckung eines Gelenks vollzieht. Das kräftig gebaute Sacrum, also das Kreuzbein, besteht aus fest miteinander verwachsenen Wirbeln, die Dornfortsätze aufweisen. Das Becken liegt parallel zum Kreuzbein. Das Acetabulum, ein Teil des Hüftgelenks, ist deutlich nach hinten geschoben. Dies stellt eine Anpassung an die grabende Tätigkeit dar. Das proximale Ende des Femur ist ausgesprochen breit, die Trochanter, die zum Oberschenkelknochenhals gehören, sind gut entwickelt.

Lebensweise

Kalifornische Maulwürfe führen eine grabende Lebensweise unter der Erde. Sie sind nur selten an der Erdoberfläche aktiv. Die Tiere sind bestens an ein unterirdisches Leben in völliger Dunkelheit angepasst. Unentwegt sind Kalifornische Maulwürfe in ihrem Revier auf Nahrungssuche und bauen ihr Gangsystem aus. Die Gangsysteme werden sowohl zum Wohnen, für die Nahrungssuche als auch zur Paarung und zur Aufzucht der Jungen genutzt. Zum Koten und Urinieren legen Kalifornische Maulwürfe bestimmte Plätze im Gangsystem an.

Unterarten

Unterarten gemäß Wilson & Reeder, 2005:

Verbreitung

Vorkommen

Der Kalifornische Maulwurf ist in den westlichen Regionen der USA endemisch. Das Vorkommen erstreckt sich über das südliche Oregon sowie südlich bis nach Kalifornien und Baja California in Mexiko. Östlich und südöstlich kommt die Art auch im westlichen Nevada vor. Die Lebensräume liegen auf Höhe des Meeresspiegels und in Höhenlagen bis in Höhen von gut 3.000 m über NN. Felsige Regionen und größere Gewässer bilden eine natürliche Ausbreitungsbarriere.

Lebensraum, Habitat

Mäßig feuchte Habitate mit sandigen Böden und relativ wenig Vegetation gehören zu den bevorzugten Lebensräumen. Hier sind beispielsweise Strauchsteppen, aber auch lichte Pinienwälder zu nennen. Zu den typischen Pflanzen gehören in höheren Lagen unter anderem Gelb-Kiefern (Pinus ponderosa), Zucker-Kiefern (Pinus lambertiana), in Flachland zum Beispiel Bärentrauben (Arctostaphylos) wie Arctostaphylos glauca, Rosengewächse (Rosaceae) wie Adenostoma fasciculatum, Adenostoma sparsifolium und Heteromeles arbutifolia. Neben sandigen Böden sind Kalifornische Maulwürfe auch in Habitaten mit tonigen, kiesigen oder steinigen Böden anzutreffen. In der Nähe des Menschen gelten die Tiere auch auf kultivierten Böden als nachgewiesen. Relativ trockene oder gar aride Regionen werden nicht besiedelt. Der Grund liegt wahrscheinlich in der Tatsache, dass derartige Lebensräume keine ausreichende Nahrungsressourcen bieten.

Biozönose

Prädatoren

Prädator: der Fichtenmarder (Martes americana)
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Prädator: der Fichtenmarder (Martes americana)

Kalifornische Maulwürfe stehen auf der Speisekarte zahlreicher natürlicher Feinde. Hier sind insbesondere der Fichtenmarder (Martes americana), aber auch Schleiereulen (Tyto alba) und Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) zu nennen. In der Regel fallen die Tiere Räubern nur zum Opfer, wenn gelegentlich der schützende Bau verlassen wird. Unter der Erde haben Kalifornische Maulwürfe im Grunde keine natürlichen Feinde.

Parasiten

Zu den bekanntesten Ektoparasiten gehören Flöhe (Siphonaptera) wie Corpsylla jordani und Corpsylla ornata, Milben (Acari, Acarida) wie Ixodes angustus, Androlaelaps fahrenholzi, Haemogamasus keegani und Haemogamasus liponyssoides. Von welchen Endoparasiten Kalifornische Maulwürfe befallen sein können, ist nicht bekannt.

Ernährung

Als reine Fleischfresser ernähren sich Kalifornische Maulwürfe im Wesentlichen von Regenwürmern (Lumbricidae) und Insekten (Insecta).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt in den niedrigen Lagen meist schon im Mai, in Höhenlangen für gewöhnlich erst im Juni. Aufgrund der relativ kurzen Paarungszeit geht man davon aus, dass es in einer Saison nur zu einem Wurf kommt. Ein durchschnittlicher Wurf besteht aus 4 Jungen. Aufgrund der nahrhaften Muttermilch wachsen die Jungtiere schnell heran. Sie weisen am 10. Lebenstag bereits eine Körperlänge von gut 75 mm auf und verlassen das schützende Nest im Alter von 30 bis 35 Tagen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Kalifornische Maulwürfe zählen heute noch nicht zu den bedrohten Tierarten. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Im Ökosystem bildet der Kalifornische Maulwurf eine wichtige Rolle. Die Tiere belüften durch ihre Grabaktivitäten den Boden. Des Weiteren dient die Art zum einen als Nahrung für räuberisch lebende Tiere, zum anderen halten Kalifornische Maulwürfe mit ihrem gesunden Appetit die Populationen an Schadinsekten bzw. deren Larven klein. Die größte Bedrohung für die Tiere geht heute von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus.

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) sind Kalifornische Maulwürfe unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind californicus (Ayres, 1856), townsendii Peters, 1863, alpinus Merriam, 1897 und truei Merriam, 1894. Verts und Carraway (2001) führen mit dilatus (True, 1894) ein weiteres Synonym an. Die genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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