Kalifornischer Schweinswal

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Kalifornischer Schweinswal

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Familie: Schweinswale (Phocoenidae)
Gattung: Phocoena
Art: Kalifornischer Schweinswal
Wissenschaftlicher Name
Phocoena sinus
Norris & McFarland, 1958

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Kalifornische Schweinswal (Phocoena sinus) gehört innerhalb der Familie der Schweinswale (Phocoenidae) zur Gattung Phocoena. Im Englischen wird dieser Schweinswal Vaquita genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kalifornische Schweinswal erreicht eine Körperlänge von 120 bis 150 Zentimeter sowie ein Gewicht von 35 bis 50 Kilogramm. Männchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Weibchen. Dorsal ist die Haut gräulich bis dunkelgrau gefärbt, lateral zeigt sich eine hellgraue Färbung, die ventral noch etwas heller wird. Die Körperform wirkt ausgesprochen kompakt und massig. Die Flossen, sowohl die Rückenflosse als auch die Bauchflossen und die Schwanzflosse sind dunkel gefärbt. Die Rückenflosse sitzt fast in der Mitte des Rückens (Tendenz zum hinteren Körperdrittel). Die Brustflossen liegen im Bereich der vorderen Brust. Die Schwanzflosse ist waagerecht und relativ stark gegabelt. Anders als bei den Delfinen endet die Schnauze der Kalifornischen Schweinswale stumpf. Sie setzt sich nur kaum wahrnehmbar vom Kopf ab. Der Kopf zeigt insgesamt eine leicht kegelartige Form. Pro Reihe weist der Kalifornische Schweinswal zwischen 16 und 22 Zähne auf. Die Zähne dienen nur zum Greifen von Beute, zum Kauen sind sie nicht geeignet. Im Stirnbereich befindet sich ein einzelnes Blasloch, die Augen liegen weit vorne, seitlich am Kopf.

Lebensweise

Kalifornische Schweinswale sind nur wenig gesellige Wale. Sie leben einzelgängerisch oder in Kleinstschulen, die aus zwei bis vier, selten auch mehr Individuen bestehen. Kalifornische Schweinswale sind scheue Wale und leben eher zurückgezogen und verschwiegen. Da verwundert es nicht, dass sie nur selten zu beobachten sind. Die Tiere sind ausgesprochen sesshaft. Zu kleineren Wanderungen kommt es allenfalls während der Nahrungssuche.

Verbreitung

Der Kalifornische Schweinswal kommt vor der Ostküste von Baja California im Golf von Kalifornien vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über wenig mehr als 2.000 Quadratkilometer. Kalifornische Schweinswale kommen hauptsächlich nahe der Küste vor und sind demnach vorwiegend im Flachwasser anzutreffen. Die Tiere leben in durchschnittlichen Tiefen von 15 bis 35 Metern. Die Wassertemperatur liegt im Mittel bei 20 Grad, sie kann im Hochsommer aber auch leicht über 30 Grad Celsius betragen. Flache Lagunen und Buchten gehören zu den bevorzugten Lebensräumen.

Ernährung

Kalifornische Schweinswale ernähren sich von kleineren Fischen (Actinopterygii), Krebstieren (Crustacea) und Kopffüßer (Cephalopoda). Analysen der Mageninhalte toter Tiere haben 17 verschiene Fischarten ergeben. Die Nahrungssuche erfolgt in Flachwasser nahe der Küste. Stille Buchten und Lagunen dienen dabei als Nahrungshabitat.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit drei bis sechs Jahren erreicht. Die Paarungszeit erstreckt sich über das Frühjahr und beginnt in der Regel von April bis Mai. Meist treffen die Geschlechter nur während dieser Zeit aufeinander, da Kalifornische Schweinswale zumeist einzelgängerisch leben. Nicht selten kommt es unter rivalisierenden Männchen zu regelrechten Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Dieses System macht durchaus Sinn, denn so wird sichergestellt, dass nur die kräftigsten Tiere ihre Gene weitergeben. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da ein Männchen in der Regel mehrere Weibchen begattet. Weibchen bringen wahrscheinlich alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs zur Welt. Nach einer Tragezeit von 10,5 bis 11 Monaten bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Zur Geburt kommt es meist gegen Ende Februar oder im März. Der Nachwuchs weist eine Körperlänge von 60 bis 70 Zentimeter auf. Zwischen der Mutter und ihrem Kalb herrscht eine enge Bindung. Sie stellt dem Kalb Schutz und Nahrung zur Verfügung. Die Säugezeit erstreckt sich durchschnittlich über rund 12 Monate. Die Lebenserwartung der Kalifornischen Schweinswale ist nicht bekannt.

Ökologie

Kalifornische Schweinswale stehen in ihren natürlichen Lebensräumen in Nahrungskonkurrenz zum Menschen. Es ist daher nicht verwunderlich, das die Fischer die Wale lieber tot als lebendig sehen. Man macht den Kalifornischen Schweinswal für die Überfischung im Golf von Kalifornien verantwortlich. Richtig ist jedoch, dass die Überfischung ausschließlich der Mensch mit seiner kommerziellen Fischerei zu verantworten hat. Darunter leiden auch die Kalifornischen Schweinswale - auch sie finden kaum noch Nahrung. Ein weiteres Problem stellen die Netze der Fischer dar, in denen sich die Wale verfangen und ertrinken.

Gefährdung und Schutz

Der Kalifornische Schweinswal steht heute kurz vor der Ausrottung. Man schätzt die Gesamtbestände im nördlichen Golf von Mexiko auf kaum 400 Individuen. Auch wenn den Walen nicht direkt nachgestellt wird, die Erhaltung der Art ist abhängig vom Verhalten der Menschen. In den letzten 10 Jahren ist die Gesamtpopulation um 25 Prozent gesunken. Die Hauptgründe für den kritischen Bestand sind in den menschlichen Aktivitäten zu suchen. Jedes Jahr sterben Dutzende Kalifornische Schweinswale in den Schleppnetzen der Fischer. Aus der Fischerei ergibt sich auch das nächste Problem. Der Golf von Kalifornien gilt als völlig überfischt. Daher wird es für die Kalifornischen Schweinswale immer schwieriger genügend Nahrung zu finden. Die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die allgemeine Wasserverschmutzung bringen am Ende das Fass zum Überlaufen. Aktuell spricht alles gegen den Kalifornischen Schweinswal. Die Art wird aufgrund der kleinen Population kaum zu retten sein. Schon heute ist die genetische Vielfalt innerhalb der Art stark gefährdet.

Es wurde bisher erst ein Schutzgebiet im Golf von Kalifornien errichtet, in dem die Tiere ungestört leben können. Die Errichtung weiterer Schutzgebiete scheiterte an der Fischindustrie. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Art in Anhang I des Abkommens unter besonderem Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird der Kalifornische Schweinswal als kritisch gefährdet geführt. Er gilt als eines der gefährdetsten Säugetierarten überhaupt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Wale (Cetacea)
  • Hauptartikel: die Familie der Schweinswale (Phocoenidae)

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Mark Carwardine: Wale und Delfine in europäischen Gewässern. Delius Klasing Verlag, 2003 ISBN 3768814564
  • Karl Müller: Wale und Delfine. Karl Müller Verlag, Kön (2004) ISBN 3833601329
  • Mark Simmonds: Wale und Delfine der Welt. Delius Klasing Verlag, 2006 ISBN 3768817660

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