Kalifornischer Ziesel

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Kalifornischer Ziesel

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Sciurida
Überfamilie: Hörnchenartige (Sciuroidea)
Familie: Hörnchen (Sciuridae)
Unterfamilie: Erd- und Baumhörnchen (Sciurinae)
Tribus: Echte Erdhörnchen (Marmotini)
Untertribus: Ziesel und Präriehunde (Spermophilina)
Gattung: Ziesel (Spermophilus)
Art: Kalifornischer Ziesel
Wissenschaftlicher Name
Spermophilus beecheyi
Richardson, 1829

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Kalifornische Ziesel (Spermophilus beecheyi) zählt innerhalb der Familie der Hörnchen (Sciuridae) zur Gattung der Ziesel (Spermophilus). Die Art kann aufgrund der ähnlichen Färbung leicht mit dem Östlichen Fuchshörnchen (Sciurus niger) verwechselt werden. Die englische Bezeichnung lautet California Ground Squirrel.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kalifornische Ziesel erreicht eine Gesamtlänge von 35 bis 50 Zentimeter, eine Schwanzlänge von gut 15 bis 22 Zentimeter sowie ein Gewicht von 350 bis 850 Gramm. Unmittelbar nach der Winterruhe weisen die Tiere das niedrigste Gewicht auf. Dorsal ist das Fell graubraun bis dunkelbraun gefärbt und weist unregelmäßig verteilte helle Sprenkel auf. Die Kopfseiten und die seitlichen Teile des Halses sind meist etwas heller gefärbt. Eine ähnliche Färbung setzt sich stellenweise an den Extremitäten und im Schulterbereich fort. Oberhalb und unterhalb der großen Augen ist deutlich ein weißlicher Augenring zu erkennen. Die Bauchseite zeigt sich in einer überwiegend weißlichen bis cremefarbenen Färbung. Die Ohren sind leicht gerundet, von stehender Form und sitzen auf Höhe der Augen weit hinten am Kopf. Die Außen- wie Innenseiten der Ohren sind spärlich mit Fell versehen. Im Bereich der Nase zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Extremitäten sind gut entwickelt. Mit den Vorderfüßen kann der Kalifornische Ziesel Nahrung greifen und zum Maul führen. Einen Geschlechtsdimorphismus weisen die Geschlechter nicht auf.

Lebensweise

Kalifornische Ziesel gehören zu den überwiegend tagaktiven Hörnchen und verbringen die Ruhephasen in einem schützenden Erdbau. Die Tiere leben überwiegend am Boden. Obwohl sie durchaus gute Kletterer sind, begeben sich Kalifornische Ziesel eher selten in Bäume, Büsche oder Felsen. Die Nester befinden sich in Erdbauten, hier bringen die Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Die Bauten werden während der Winterruhe auch als Schlaflager genutzt. Je nach Verbreitungsgebiet erstreckt sich die Winterruhe über fünf bis sieben Monate, nicht selten von September bis in den April hinein.
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Kalifornische Ziesel legen Nahrungsvorräte an, von denen sie sich in Mangelzeiten ernähren. Gegen Ende des Sommers haben sich die Tiere eine dicke Fettschicht angefressen, von denen sie im Winter zehren. Während der Winterruhe verringert sich ihr Metabolismus (Stoffwechsel) um rund 90 Prozent. Gelegentlich erwachen Kalifornische Ziesel aus ihrer Winterruhe, um zu urinieren oder zu fressen. Diese sehr kurzen Wachphasen sind alle ein bis zwei Wochen festzustellen.

Die Nester entstehen unter der Erde, meist in geringer Tiefe und sind über mehrere Ein- und Ausgänge mit der Oberfläche verbunden. Die Gänge zur Oberfläche erstrecken sich in der Regel über eine Länge von 50 bis 100 cm. Das Nest in der Wohnkammer wird mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Kalifornische Ziesel leben zwar in Kolonien, jedoch hat jedes Tier seinen eigenen Bau, der gegenüber Artgenossen verteidigt wird. Die meiste Zeit ihrer Aktivität im Sommer entfällt auf die Nahrungssuche. Die Sinne des Kalifornischen Ziesels sind ausgesprochen gut entwickelt. Dies gilt sowohl für den Seh- als auch den Hörsinn. Bei nahender Gefahr suchen die Tiere ihr Heil in der Flucht. Dabei geben sie in der Regel piepsende und pfeifende Geräusche von sich, die auch Artgenossen in angrenzenden Revieren bzw. den Kolonien wahrnehmen können. Eine soziale Interaktion ist nur zwischen einer Mutter und ihrem Nachwuchs festzustellen. Die Geschlechter treffen nur kurz während der Paarungszeit aufeinander, die kurz und schmerzlos ist.

Verbreitung, Lebensraum

Der Kalifornische Ziesel ist in einem schmalen Streifen im Nordwesten und Westen von Nordamerika beheimatet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich an der Pazifikküste vom südlichen Washington bis hinunter nach Kalifornien. Kalifornische Ziesel leben sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen in Höhen von knapp über 2.000 Metern. Bevorzugte Lebensräume sind felsige Gegenden, die Prärie in der Ebene, Waldrändern, landwirtschaftlichen Flächen sowie Heide- und Graslandschaften. Ausgesprochen trockene Gebiete wie Steppen werden hingegen nicht besiedelt. Kalifornische Ziesel können zwar recht gut klettern, leben aber fast ausschließlich auf dem Boden. Nur selten klettern sie in Felsen oder auf Bäume. Ihre Bauten entstehen an geschützter Stelle in lockerem Erdboden. Ihre Behausungen graben Kalifornische Ziesel im lockeren Erdboden.

Prädatoren

In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet steht der Kalifornische Ziesel auf der Speisekarte einer Reihe von Fressfeinden. Zwar ist der Kalifornische Ziesel ein wachsamer Nager, aber vor allem junge und unerfahrene Jungtiere fallen häufig Raubtieren zum Opfer. Aber auch adulte Tiere werden in den zum Teil offenen Habitaten zur Beute von Fressfeinden. Bei Gefahr sondern Kalifornische Ziesel über Hautdrüsen ein übelriechendes Sekret ab, dass den einen oder anderen Feind abschrecken kann. Zuflucht suchen die Tiere in ihren Erdbauten, in Felsnischen, in Baumhöhlen oder an ähnlich geschützten Stellen. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes) wie Rotschwanzbussarde (Buteo jamaicensis) und Präriebussarde (Buteo swainsoni). Aber auch Raubtiere wie der Silberdachs (Taxidea taxus), Amerikanische Nerze (Mustela vison), Klapperschlangen (Crotalus), Kojoten (Canis latrans), verwilderte Hauskatzen (Felis silvestris forma catus) und Wildkatzen (Felis silvestris) zählen zu den Feinden der Kalifornischen Ziesel.

Ernährung

Kalifornische Ziesel ernähren sich hauptsächlich von Sämereien und Körnern aller Art. Darüber hinaus werden auch Nüsse, Blüten und Knospen, Pilze sowie Gräser, Wurzeln und Knollen gefressen. An tierischer Nahrung nehmen sie vor allem Insekten, Larven und Vogeleier zu sich. Der Anteil pflanzlicher Nahrung überwiegt dabei. Hin und wieder stehen aber auch Früchte und Beeren auf der Speisekarte. In ihren Backenbeuteln speichern die Tiere kurzfristig Nahrung. Insbesondere für Mangelzeiten werden Nahrungsvorräte angelegt. Da diese nicht immer verbraucht oder wieder aufgefunden werden, gelten sie als exzellenter Samenverbreiter.

Fortpflanzung

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Kalifornische Ziesel erreichen die Geschlechtsreife mit knapp einem Jahr. Die Männchen pflanzen sich meist erst im Alter von zwei Jahren das erste Mal fort. Die Tiere leben wie bei den meisten Hörnchen polygam und die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Die Paarungszeit beginnt kurz nach der Winterruhe im Frühjahr. Dies ist in den meisten Verbreitungsgebieten ab April der Fall und kann sich bis in den Mai erstrecken, in Höhenlagen oder nördlichen Regionen entsprechend später. Während dieser Zeit kommt es zu lediglich einem Wurf. Die Männchen erwachen aus dem Winterschlaf in der Regel ein bis zwei Wochen vorher und begeben sich zugleich auf die Suche nach Weibchen. Unter den Männchen kommt es während dieser Zeit zu territorialen Kommentkämpfen um das Recht auf Paarung mit einem Weibchen. Die Reviere der Männchen decken sich mit den Revieren mehrerer Weibchen, die sie nach Möglichkeit alle begatten möchten.

Nach einer Tragezeit von 28 bis 30 Tagen bringt das Weibchen in ihrem schützenden Nest vier bis sieben, selten auch bis zehn Jungtiere zur Welt. Die Nester entstehen in unterirdischen Bauten und werden mit Gräsern und anderen weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Die Jungtiere sind bei der Geburt sowohl blind und taub als auch unbehaart und nur wenig entwickelt. Das Geburtsgewicht beträgt höchstens 10 Gramm. Sie sind vollständig auf den Schutz und die Fürsorge der Mutter angewiesen. Mit zehn Tagen ist ihnen das erste Fell gewachsen, mit 18 Tagen zeigen sich die ersten Zähne, und im Alter von gut vier bis fünf Wochen öffnen sie erstmals ihre Augen.
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Ab diesem Zeitpunkt beginnt langsam die Entwöhnung von der Muttermilch, und sie nehmen die erste feste Nahrung zu sich. Mit etwa acht bis zehn Wochen ist die Entwöhnung abgeschlossen. Die Trennung von der Mutter erfolgt meist im dritten, spätestens im vierten Lebensmonat. Die Lebenserwartung der Kalifornischen Ziesel liegt bei rund sechs Jahren. In Gefangenschaft ist ein Alter von acht bis zehn Jahren möglich.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Kalifornische Ziesel ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, jedoch sind die Tiere nur selten zu beobachten, da sie in unzugänglichen Regionen beheimatet sind und sich dort zumeist in dichter Bodenvegetation aufhalten. In den letzten Jahrzehnten rückten aber die pazifische Westküste, des natürliche Verbreitungsgebiet diese Art, immer weiter ins Visier der Holzindustrie und dem Straßenbau. In der Roten Liste der IUCN wird der Kalifornische Ziesel als nicht gefährdet geführt. Im Grunde genommen gehört der Kalifornische Ziesel zu den Nützlingen, da er die Populationen an Schadinsekten und er als Samenverbreiter fungiert. Seine verlassenen Erbauten dienen anderen Tiere zudem als Unterschlupf. Farmer und Landwirte sehen den Kalifornischen Ziesel jedoch eher als Schädling an, da er hin und wieder auf landwirtschaftlichen Flächen kleinere Schäden verursacht. Der Kalifornische Ziesel gilt auch als Träger von Krankheiten, insbesondere der Tularämie, einer Krankheit, die durch den Erreger Francisella tularensis ausgelöst wird.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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