Kamerunflussdelfin

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Kamerunflussdelfin
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Unterfamilie: Cephalorhynchinae
Gattung: Sousa
Art: Kamerunflussdelfin
Wissenschaftlicher Name
Sousa teuszii
(Kükenthal, 1892)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Kamerunflussdelfin (Sousa teuszii) zählt innerhalb der Familie der Delfine (Delphinidae) zur Gattung Sousa. Im Englischen wird dieser Delfin Atlantic Hump-backed Dolphin, Atlantic Humpbacked Dolphin oder Teusz's Dolphin genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Molekular-genetische Studien in Verbindung mit der Schädelmorphologie belegen den Artstatus. Dies wurde lange Zeit in Frage gestellt. Eine enge Verwandtschaft besteht mit dem Chinesischen Weißen Delfin (Sousa chinensis) (Jeffersson und Van Waerebeek, 2004; Frere et al., 2008 in IUCN, 2012).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kamerunflussdelfin erreicht eine Körperlänge von bis zu 250 cm und ein Gewicht von rund 150 kg. Die Haut weist eine gräuliche bis schiefergraue Grundfärbung auf. Ventral ist die Färbung etwas heller und zeigt unterschiedliche dunkle Sprenkelungen. Der Kopf ist relativ groß und endet in einen langen Schnabel. Die Flossen sind rundlich, die Brustflossen erreichen eine Länge von 30 cm, die Rückenflosse eine Länge von 15 cm und die Schwanzflossen jeweils eine Breite von gut 45 cm. Das Gebiss besteht aus 52 bis 62 homodonten Zähnen (Novak, 1999).

Lebensweise

Kamerundelfine sind tagaktiv. Die Tiere gelten eher als behäbige Schwimmer und tauchen dabei immer nur für wenige Minuten. Die Orientierung erfolgt durch Echoortung und akustische Kommunikation. Der Sehsinn ist schlecht ausgeprägt. Kamerundelfine leben für gewöhnlich in kleinen Gruppen von 3 bis 6 oder 7 Individuen. Gruppenstärken von über 20 Tieren sind eher selten zu beobachten. Insbesondere während der Jagd auf Beutetiere ist die Gruppenbildung von großer Bedeutung. Kamerundelfine sind meist sesshaft. Zu lokalen Wanderungen kann es dennoch kommen (IUCN, 2012; Novak, 1999).

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist im östlichen Atlantik vor der Küste West- und Zentralafrikas endemisch. Die Vorkommen erstrecken sich von der Küste von Westsahara südlich bis an die Küsten von Angola. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich demnach über Angola, Kongo, Gabun, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Mauretanien, Senegal und Westsahara. Die Tiere besiedeln hauptsächlich die Delta von großen Flüssen und andere Flussmündungen. Bevorzugt wird dabei flaches Küstengewässer und Flussgewässer mit mäßiger Tiefe. Nachgewiesen ist die Art bis 50 km landeinwärts. Separate Süßwasserpopulationen sind nicht bekannt. Offshore ist der Kamerundelfin nicht vertreten. In den Gewässern herrschen Temperaturen von 17 bis 28°C Ross, 2002, Van Waerebeek et al., 2004 in IUCN, 2012).

Biozönose

Kamerundelfine werden an den Küsten des Verbreitungsgebietes gelegentlich von Großen Schwertwalen (Orcinus orca) erlegt. In den Flüssen scheinen die Tiere keine natürlichen Feinde zu haben (Novak, 1999).

Ernährung

Über die Ernährung der Kamerundelfine ist nur wenig bekannt. Auf der Speisekarte stehen hauptsächlich Schwarmfische wie Meeräschen (Mugil spp.), Grunzer (Haemulidae) wie Pristipoma jubelini und Heringe (Clupeidae) wie Ethmalosa fimbriata (Van Waerebeek et al., 2004 in IUCN, 2012).

Fortpflanzung

Kamerundelfine erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 4 bis 7 Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den tropischen Regionen von April bis Mai. Pro Jahr kommt es nur zu einem Wurf. Das Paarungsverhalten der Art kann wie bei allen Delfinen als polygam bezeichnet werden, Männchen haben mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Nach einer Tragezeit von etwa 12 Monaten bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Dieses wird für 2 Jahre gesäugt und nach spätestens 5 Jahren in die Selbständigkeit entlassen. Bei der Geburt weisen die Jungtiere ein Gewicht von 9 bis 11 (10) kg auf (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Kamerundelfin gehört heute zu den gefährdeten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie VU, Vulnerable geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet den Delfin in Anhang I des Abkommens. Die Hauptgefahren sind nach einhelliger Meinung die Zerstörung der natürlichen Lebensräume, die Überfischung und der Beifang durch de lokale Fischindustrie. Durch die intensive Befischung der Küstengewässer verfangen sich zahlreiche Kamerundelfine in den Fischernetzen und ertrinken qualvoll. Lokal stehen die Tiere auch auf der Speisekarte der einheimischen Bevölkerung. Die Auswirkungen durch die direkte Bejagung sind jedoch unbekannt (IUCN, 2012).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Delfine (Delphinidae)
  • Die Ordnung der Wale (Cetacea)

Literatur und Quellen

  • Karl Müller: Wale und Delfine. Karl Müller Verlag, Kön (2004) ISBN 3833601329
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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