Kammspinnen

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Kammspinnen
Brasilianische Wanderspinne (Phoneutria nigriventer)

Systematik
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Familie: Kammspinnen
Wissenschaftlicher Name
Ctenidae
Keyserling, 1877

Kammspinnen (Ctenidae) zählen in der Ordnung der Webspinnen (Araneae) zur Unterordnung der Echten Webspinnen (Araneomorphae). In der Familie werden in etwa 39 Gattungen rund 477 Arten geführt (Angaben laut Platnick, 2009).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Vom Habitus her erinnern Kammspinnen an Wolfspinnen (Lycosidae). Die durchschnittliche Körperlänge der meisten Arten variiert dabei zwischen 30 bis 50 mm. Die kleinsten Kammspinnen, die der Gattung Diallomus zuzurechnen sind, weisen nur eine Körperlänge von 5 mm auf. Deutliche Unterschiede zwischen Kammspinnen und Wolfspinnen sind in der Stellung der Augen zu erkennen. Bei den Kammspinnen stehen die Augen in 2 Reihen, bei den Wolfspinnen in 3 Reihen. Eine Besonderheit zeigt sich bei den Kammspinnen im Spinnapparat, der über ein Cribellum verfügt. Es handelt sich dabei um eine vor den Spinnwarzenpaaren liegende Spinnplatte. Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass juvenile Kammspinnen 3 Fußklauen besitzen. Bei adulten Kammspinnen ist die mittlere Fußklaue nur noch rudimentär vorhanden. Im Gegensatz zu den juvenilen Spinnen besitzen adulte Kammspinnen jedoch an den Fußsohlen ein Sohlenpolster aus speziellen Hafthaaren. Durch dieses Sohlenpolster können Kammspinnen selbst glatte Fläche senkrecht emporklettern. Zahlreiche Kammspinnen zahlen zu den ausgesprochen giftigen Spinnen. Hier sind insbesondere Vertreter der Gattungen Phoneutria und Ctenus zu nennen. In den tropischen Verbreitungsgebieten kommt es durch Bisse von Kammspinnen gelegentlich zu Todesfällen. Der Biss beispielsweise einer Brasilianischen Wanderspinne (Phoneutria nigriventer) verursacht sehr starke Schmerzen und es treten folgende Symptome ein wie Gleichgewichtsstörungen einhergehend mit Herzrhythmusstörungen, Lungenödeme, Erbrechen, Niesreiz, Pupillenerweiterung, Sehstörungen, Speichelfluß sowie Tränenfluß und letztendlich tritt der Tod durch Atemlähmung innerhalb von 12 bis 17 Stunden ein. Wird kein Phoneutria-Immunserum verabreicht, so kann ein Biss durchaus tödlich enden.

Lebensweise

Kammspinnen sind nachtaktiv und ruhen am Tage in ihren Schlupfwinkeln. Nur wenige Arten scheinen auch am Tage aktiv zu sein. Die Tiere sind für gewöhnlich äußerst aggressiv und gehen schon bei der geringsten Störung in eine Droh- und Angriffshaltung über. Sie richten sich dabei auf ihre Hinterbeine auf und das vordere Laufbeinpaar wird gespreizt gehalten. Gleichzeitig werden die Cheliceren weit geöffnet. Über die Chelicerenklauen wird ein hoch wirksames Gift im Zuge eines Bisses abgegeben. Zahlreiche Arten gelten als sesshaft, andere Arten wandern umher und verfügen nicht über einen stationären Schlupfwinkel. Männchen wandern dabei deutlich mehr umher als Weibchen, die zumindest zeitweise sesshaft sind.

Verbreitung

Kammspinnen sind fast ausschließlich in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde verbreitet. In den gemäßigten Regionen Europas treten keine Arten in Erscheinung. Die meisten Arten leben in der dichten Bodenvegetation und halten sich beispielsweise auf Bromelien, Agaven oder auch auf Bananen auf.

Ernährung

Die Spinnen gelten als Lauerjäger, die meist vor oder im Schlupfwinkel auf Beutetiere warten und diese überwältigen, wenn sie in erreichbarer Nähe sind. In der Regel warten Kammspinnen, bis ein Beutetier nur noch wenige Zentimeter entfernt ist. Mit einem kraftvollen Sprung wird ein Beutetier überwältigt. Zu den bevorzugten Beutetieren gehören vor allem Insekten (Insecta) aller Art. Auch vorbeifliegende Geflügelte Insekten (Pterygota) werden mitunter häufig erbeutet. Größere Kammspinnen haben es insbesondere auf Käfer (Coleoptera), die Larven von Schaben (Blattodea), Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und Grillen (Gryllidae) abgesehen.

Fortpflanzung

Das Fortpflanzungsverhalten der einzelnen Arten ist mehr oder weniger einheitlich. Männchen spinnen aus Seidenfäden die sogenannten Spermatophoren, in die die Männchen kleine Tröpfchen Sperma ablegen. Die Spermapakete werden von den Männchen mit den Pedipalpen aufgenommen. Im folgenden gehen die Männchen auf die Suche nach paarungsbereiten Weibchen. Dazu trommelt ein Männchen mit den Vorderbeinen in der Nähe einer potentiellen Partnerin, um ihre Paarungsbereitschaft zu prüfen. Die Geschlechter kommen sich dabei Zug um Zug immer näher. In einem günstigen Augenblick versucht das Männchen dann auf den Rücken des Weibchens zu gelangen. Ist dies gelungen, so lässt es seine Pedipalpen an die Geschlechtsöffnung des Weibchens gleiten und übergibt dort die Spermatophore. Damit ist der eigentliche Paarungsakt abgeschlossen. Mitunter fallen unvorsichtige Männchen der Partnerin zum Opfer. Nach erfolgreicher Befruchtung legt ein Weibchen einige Hundert Eier in einen Kokon. Die Spiderlinge sind nach dem Schlupf einige Millimeter lang. Die Spiderlinge wachsen sehr schnell heran und mit einem Jahr haben sie die Geschlechtsreife erreicht.

Systematik der Familie der Kammspinnen

Familie: Kammspinnen (Ctenidae)

Gattung: Acantheis
Gattung: Acanthoctenus
Gattung: Africactenus
Gattung: Amauropelma
Gattung: Anahita
Gattung: Ancylometes
Gattung: Apolania
Gattung: Asthenoctenus
Gattung: Bengalla
Gattung: Caloctenus
Gattung: Celaetycheus
Gattung: Centroctenus
Gattung: Ctenopsis
Gattung: Ctenus
Gattung: Cupiennius
Gattung: Diallomus
Gattung: Enoploctenus
Gattung: Gephyroctenus
Gattung: Incasoctenus
Gattung: Isoctenus
Gattung: Itatiaya
Gattung: Janusia
Gattung: Leptoctenus
Gattung: Montescueia
Gattung: Nothroctenus
Gattung: Oligoctenus
Gattung: Paravulsor
Gattung: Petaloctenus
Gattung: Phoneutria
Gattung: Phymatoctenus
Gattung: Pseudoctenus
Gattung: Thoriosa
Gattung: Trogloctenus
Gattung: Trujillina
Gattung: Tuticanus
Gattung: Viracucha
Gattung: Viridasius
Gattung: Vulsor
Gattung: Wiedenmeyeria

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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