Kampfläufer

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Kampfläufer
Weibchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Unterfamilie: Wassertreter (Phalaropodinae)
Gattung: Kampfläufer (Philomachus)
Art: Kampfläufer
Wissenschaftlicher Name
Philomachus pugnax
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kampfläufer (Philomachus pugnax) zählt innerhalb der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae) zur Gattung Kampfläufer (Philomachus). Im Englischen wird diese Art Ruff genannt. Das erste Mal wissenschaftlich beschrieben wurde der Kampfläufer von Carl von Linné im Jahre 1758.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Eine detaillierte Stammesgeschichte der Familie der Kampfläufer, die zu der vielgestaltigen Ordnung der Schnepfen-, Möwen- und Alkenvögel lässt sich, mangels Fossilien nicht genau nachvollziehen. So hat man etwa aus der Familie der Schnepfen, die auch den Kampfläufer umfasst, nur etwa 30 Fossilien ausgegraben. Diese entfernten Vorfahren, der heutigen Vögel dieser Art, lebten zwischen dem Eozän und dem Pleistozän, in einer Zeitspanne die vor zirka 40 Millionen Jahren begann und vor etwa 10.000 Jahren endete. Auch in der Alten Welt wurden in Ablagerungen von verschiedenen geologischen Zeitaltern Knochen gefunden. Man fand auch heraus, dass die Menschen der Eiszeit, Schnepfen jagten und verzehrt haben, da man bei Ausgrabungen in Südwesteuropa, an Stellen die als Rastplätze der früheren Menschen dienten bearbeitete Vogelknochen fand.

Kampfläufer der Gattung Philomachus, die heute nur noch durch eine Art vertreten ist, bevölkerten spätestens seit dem Pleistozän den Erdball, das älteste Fossil fand gegen Ende der 40er ein russischer Paläornithologe in Baku (Aserbaidschan) in 2 Millionen Jahre alten Ablagerungen. Dieser Fund der mit dem heutigen Kampfläufer eng verwandt war erhielt den Namen Philomachus binagadensis.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Kampfläufer
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Kampfläufer

Der Kampfläufer erreicht eine Körperlänge von 25 bis 32 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 30 bis 32 Zentimeter sowie ein Gewicht von 100 bis 230 Gramm. Der Körper des Kampfläufers ähnelt dem einer Tauben (Columbidae), der einzige Unterschied ist dass seine Beine wesentlich länger sind. Dieses Merkmal lässt ihn deutlich größer erscheinen. Durch seine Gestalt und Färbung wird er oft mit den Wasserläufern (Tringa) verwechselt, doch unterscheidet er sich von ihnen durch den kurzer Schnabel und dem kürzeren Lauf. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Außerhalb der Paarungszeit sind die Geschlechter ähnlich gefärbt, nur in der kurzen Zeit in der Balz, nehmen die Unterschiede durch das Prachtkleid der Männchen und des Brutkleides der Weibchen deutlich zu. Nach einer winterlichen Teilmauser erscheinen vor allem am Rücken des Hahns kontrastreichere Federn mit kräftigen rötlichen Säumen. Kopf und Hals tragen ein Tüpfelmuster. Dieses Hochzeitskleid verschwindet Anfang Juni allmählich wieder und die beiden Geschlechter ähneln sich wieder mehr. Das Schlicht- oder Ruhekleid der Kampfläufer ist im Unterschied zu vielen anderen Watvögeln (Charadriiformes) nicht verwaschen, sondern deutlich gezeichnet. Die Federsäume sind zu diesem Zeitpunkt gelblich bis rein weiß, die Unterseite weist einen beigefarbenen Farbton und der Rücken einen Schuppenzeichnung auf. Während des Flugs stechen eine schmale, helle Flügelbinde sowie zwei helle, ovale Flecken auf den dunklen Oberschwanzdecken zu beiden Seiten des Bürzels hervor. Vermutlich dient dieses arttypische Muster, das auch bei den Strandläufern (Calidris) auftritt, dem Zusammenhalt der fliegenden Vogelverbänden auf dem Zug. Die Unterseite des Federkleides entspricht farblich der Umgebung und dient dem Vogel als Tarnung vor Feinden.

Schnabel

Für eine Schnepfenart ist der Schnabel mit vier Zentimetern relativ kurz. Die beiden Schnabelhälften werden als feine Zangen gebraucht, mit denen Kleintiere aus dem Boden oder aus dem seichten Wasser herausgepickt werden können. Dadurch, dass an den Schnabelspitzen viele Tastsinnzellen sitzen, können die Kampfläufer im Schlamm durch Sondieren Beute finden. Die Schnabelfärbung variiert bei Jungvögeln zwischen Blaugrau und Braunschwarz, bei den erwachsenen Hähnen kann dieser oliv, schwarz, rosa, ocker, orange oder gelb sein. Die Form des Schnabels ist leicht abwärts gebogen.

Papillen

Ab dem Zeitpunkt, an dem die Halskrause des Männchens zu zwei Dritteln ausgebildet ist, ersetzten Hautauswüchse, mit ein bis drei Millimeter Länge und einen halben bis eineinhalb Millimeter Dicke, die kleinen Federn im Gesicht. Ihre Anzahl nimmt im Alter des Vogels zu, diese können sogar auf den vorderen Scheitel und zur Augenbrauenregion gelangen. Im Verlauf der Brutmauser nach der Balz verschwinden diese wieder langsam.

Beine

Männchen
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Männchen

Wie die meisten Watvögel zeichnet sich der Kampfläufer durch die langen Beine aus, die an das Laufen im feuchtem bis schlickigen Untergrund, sowie im Gras angepasst sind. Seine Füße enden in vier Zehen ohne Schwimmhäute, wobei die winzige, nach hinten gerichtete Hinterzehe den Boden nicht berührt. Darüber hinaus verhindern die langen, spreizbaren Zehen, dass er im Boden einsinkt. Beim Abflug legt er seine Beine dicht an den Körper an, so dass sie nur wenig über seine hinteren Schwanzfedern hinausragen. Der Luft bieten die schlanken Beine nur wenig Widerstand und beeinträchtigt die Manövrierfähigkeit des Vogels deshalb nur wenig. Die Farbe der Beine ist individuell unterschiedlich und weist auch noch auf das Geschlecht und das Alter des Vogels hin. Allerdings können nur Fachleute diese Farben richtig zuordnen. Die Palette dieser Farben reicht von schwarzbraun bei den Jungvögeln über Grün und bis hin zu Rosa und Gelb bei älteren Männchen.

Augen

Durch die seitlich angeordneten Augen ist das Gesichtsfeld des Kampfläufers sehr groß. Durch die sich nur wenig überlappenden Sehfelder ist das Sehvermögen sehr beschränkt. Seine großen Augen und die zahlreichen stäbchenförmigen Sehzellen in der Netzhaut bewirken eine gute Sicht im Dunklen, was dem Zugvogel, der oft nachts fliegt nur zugute kommt. Dagegen ist die zweite Sorte von Sehzellen, die Zapfen, für die Farbwahrnehmung verantwortlich. Diese Sinneszellen können ihre Funktion nur bei ausreichendem Licht erfüllen, weshalb die Nahrungssuche und Balz der farbenfrohen Männchen auch nur bei Tag erfolgen.

Verhalten

Kampfläufer im Flug
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Kampfläufer im Flug

Kampfläufer sind unter den Watvögel (Charadriiformes) extreme Langstreckenzieher. Sie brüten im kurzen nordischen Sommer, in Gebieten die von Nordeuropa bis Ostsibirien reichen. Schon im Hochsommer ziehen die Kampfläufer nach Süden. Am Ende der Balzzeit versammeln sich die Männchen, um sich auf die gefährliche Reise zu ihrem Winterquartier zu begeben, diesen wächst schon während der Reise ein Teil ihres voluminösen Balzkleides. Die Weibchen folgen bald darauf. Wenn die Jungen flügge werden starten auch diese nach Afrika los. Beim Abflug der Vögel teilen sich diese in kleineren Gruppen von zirka 5 bis 30 Tieren auf, selten auch in größere Schwärme. Die Flugstrecken einzelner Populationen sind erstaunlich lang. Mit Hilfe von Beringung konnten Ornithologen feststellen, dass Kampfläufer die in Ostsibirien brüten in Südafrika überwintern. So absolvieren die Vögel allein auf ihren Weg in den Süden pro Jahr eine Flugstrecke von 30.000 Kilometern. Am Tag legen einzelne Kampfläufer bis zu 330 Kilometer zurück. Oft legen die Vögel auch 1.000 Kilometer ohne Rast zurück, meist beim Flug über die Sahara. Viele rasten unterwegs an europäischen Binnengewässern, sogar ostasiatische Populationen schlagen in einem großen Bogen die weite Rute über Europa und das Mittelmeer ein.

Die Winterquartiere der meisten Kampfläufer befinden sich im tropischen Afrika, in einem breiten Gürtel der sich südlich der Sahara von West- bis Ostafrika erstreckt. Die beiden Geschlechter überwintern anscheinend an verschiedenen Orten, so halten sich in Kenia z.B. fünfmal so viele Weibchen wie Männchen auf. Auch in Mitteleuropa bzw. den Mittelmeerländern verbringen etwa tausend Tiere den Winter. Hingegen registrierte ein Ornithologe über eine Million Kampfläufer im Djoudj- Nationalpark im Norden Senegals, die sich auf einer Sandbank am Unterlauf des Senegals zur Nachtruhe eingefunden hatten. Ähnlich große Ansammlungen sind von den Überschwemmungsgebieten am Mittellauf des Niger, von seinen Nebenflüssen, vom Tschadsee und anderen bekannt. Zur Nahrungssuche tagsüber finden sich die Vögel in kleinere Gruppen zusammen, am Abend versammeln sie sich dann an den Ruheplätzen, und begeben sich zum Schlafen auf Sand- oder Schlickbänke. Ende Februar brechen die Männchen, ab Ende März die Weibchen wieder nach Norden auf. Nun fallen auch an den mitteleuropäischen Gewässern große Scharen von Durchzüglern ein, um sich für die Weiterreise zu stärken.

Nahrung

Weibchen bei der Nahrungssuche
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Weibchen bei der Nahrungssuche

Der Kampfläufer ist bezüglich der Nahrung nicht wählerisch, er stellt sich einfach immer auf das Angebot in seinem Aufenthaltsgebiet ein. Auf den Wiesen der Feuchtgebiete und Moore des nördlichen Eurasiens ernährt sich der Vogel im Frühling und Sommer von wirbellosen Kleintieren, die dort oft schon zur Plage werden. Auch sucht er mit wachem Blick Insekten (Insecta) und deren Larven, darunter sind Käfer (Coleoptera) und vor allem Mücken (Nematocera), die sich zu dieser Zeit sehr schnell vermehren. Fachleute gehen davon aus, dass in einem Jahr auf einem Hektar dieses Gebietes etwa 18 bis 35 Kilogramm Gliederfüßer (Arthropoda) und Würmer auftreten. Neben diesen Futtertieren ergänzen die Kampfläufer ihren Speiseplan durch Eintagsfliegen (Ephemeroptera), Köcherfliegen (Trichoptera), Ohrwürmer (Dermaptera), Heuschrecken (Tettigoniidae), Ameisen (Formicoidea) und sogar Bienen (Apoidea). Hinzu kommen noch Krebstiere wie Flohkrebse (Amphipoda), Wasserschnecken, Muscheln (Bivalvia), Spinnentiere (Arachnida) und Würmer. Selten auch noch kleine Fische (Actinopterygii), Fischbrut, Laich und kleine Frösche (Ranoidea).

Meist sucht sich der Kampfläufer seine Nahrung an ganz seichten Gewässern oder auf feuchten Wiesen, selten muss er bis zum Bauch ins Wasser um an Insektenlarven heran zu kommen. Wenn ihn eine Welle abtreibt gewinnt er schwimmend wieder Boden unter den Füßen, auch scheut er sich auch nicht seinen Kopf vollständig unter zu tauchen. Mit Hilfe seines langen, empfindlichen Stocherschnabels findet er auch im Schlamm eingegrabene Krebstiere.

Russische Vogelkundler haben in einer Studie gezeigt, dass sich die Nahrungsgewohnheiten der Kampfläufer während der Wanderung nach Süden verändert. Im Frühjahr und Sommer ernähren sich die Vögel ausschließlich von tierischer Kost, so ersetzt sie der Kampfläufer zu dieser Zeit auf rein pflanzliche, wie reifende Samen von Wasserpflanzen und Sumpfgewächsen wie Blutknöllchen und Knöllchen-Knöter. Diese Umstellung ist im Juli/August abgeschlossen, sobald die Vögel in Afrika, in ihren Winterquartieren angekommen sind. Dort ernähren sie sich nur noch von Samen von Gräsern, die sich nach der Regenzeit entwickelt haben. Ab Dezember gedeihen in Afrika Hirse und Reis in großen Mengen, für die Kampfläufer gewinnt das dann an großer Bedeutung. So versammeln sich die Vögel an den Straßenrändern, um beim Verladen verlorene Reiskörner aufzupicken. Weiter im Süden sind diese Vögel im Februar/März auf Hirsekörner angewiesen, die sie nach der Ernte einsammeln. Tiere die in Südafrika überwintern, ernähren sich so wie im Sommer und gehen im Schlamm auf Suche nach tierischer Kost.

Fortpflanzung

Balz

Männchen während der Balz
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Männchen während der Balz
In der Brutzeit machen die Kampfläufermännchen ihrem Namen alle Ehre. Sobald diese ihr Balzgefieder anlegen, das aus einer "Perücke" am Kopf und einer Halskrause besteht, beginnt die Balz. Diese unterliegt einem komplizierten Ritual und findet auf speziellen Plätzen, den so genannten Arenen statt. Sie werden von 5 bis 20 Männchen besetzt und sind in Balzterritorien von zirka 30 Zentimeter Durchmesser unterteilt. Diese Territorien sind dann jeweils einen bis eineinhalb Meter weit von einander entfernt. In den Arenen entsteht unter den Männchen eine so genannte "Mehrklassengesellschaft", die sich teilweise an der unterschiedlichen Färbung des Gefieders des Männchens ablesen lässt. Ganz sicher liegt es aber an dem Verhalten und Imponieren. Farbe ist Trumpf, und an dieser mangelt es aber an den "Satellitenmännchen", die eine weiße Halskrause und Perücke besitzen. Das Verhalten dieser weißen Vögel ist daher weniger Aggressiv und erobern dem zufolge kein eigenes Territorium. Das genaue Gegenteil zu diesen, sind die "unabhängigen" Männchen, die ein prächtiges, dunkles Federkleid besitzen und ihr Revier mit Schnabel und Krallen verteidigen.
Unabhängiges Männchen
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Unabhängiges Männchen

Diese „unabhängigen“ Hähne teilen sich dann noch mal in "Platzhähne" ein, die ständig ein Balzterritorium besitzen, und "Randmännchen", die es nur für wenige Minuten im Besitz haben. Zu diesen zählen oft die jungen Kampfläufer, die noch nicht ganz ausgefärbt sind oder Männchen von benachbarten Territorien die in fremden prahlen wollen. Die Platzhähne sind richtige Frühaufsteher, die oft zwei Stunden vor Sonnenaufgang Stellung beziehen. Nach diesen erscheinen die Satellitenmännchen und Randhähne, kurz vor den Weibchen. Das richtige Balzverhalten beginnt sobald die Hennen auftauchen. Mit tiefen Verbeugungen, auf der Stelle treten, Drehungen um die eigene Achse und Sprünge, die durch das Flügelschlagen noch unterstütz werden, wird den Weibchen imponiert. Gleichzeitig dient es dazu die anderen Männchen im Auge zu behalten und sie in die Schranken zu weisen. Sobald sich eine Henne einen Hahn ausgesucht hat geht sie auf ihn zu, der Hahn kauert sich anschließend mit gespreizten Flügeln auf den Boden um seine Friedfertigkeit auszudrücken. Nachdem das Weibchen diese Geste nachahmt erfolgt die Begattung.

Aufzucht der Jungen

Männchen tragen zur Fortpflanzung nur wenig bei, es beschränkt sich lediglich auf die Balz und die Begattung der Weibchen. Weder am Nestbau noch bei der Bebrütung oder Aufzucht der Jungen beteiligen sie sich. Nicht weit entfernt von dem Platz an dem die Balz der Männchen stattgefunden hat, beginnt schon die alleinige Verantwortung der Weibchen. Bei der Suche nach einem geeigneten Platz für den Nestbau. Dieser liegt oft erhöht und ist von Grasbüscheln oder Sumpfvegetation umgeben. Dabei bevorzugen sie mit Gras bewachsene Grabenränder. Mit ihren Füßen scharren sie mit Körperdrehungen eine flache Mulde aus, die sie mit Gras- und Strohhalmen sowie anderen Pflanzenteilen auslegen. Nach diesen Vorbereitungen legen die Weibchen mit einem Abstand von mehr als einem Tag vier Eier. Die Eier haben eine weißlichgrüne bis hellolivfarbene Färbung mit unregelmäßigen, dunklen Flecken und wiegen 22 Gramm. Im Schnitt sind sie 44 mal 32 Millimeter groß und haben eine kreiselartige Form, die ihnen hilft nicht so leicht wegzurollen. Im Nest ordnen sie die Weibchen mit der stumpfen Seite nach außen an. Erst nachdem das letzte Ei gelegt ist, beginnt es zu brüten. Dies führt dazu, dass fast alle Küken gleichzeitig schlüpfen und macht es sehr vorteilhaft für die Kampfläufer, und andere Arten deren Junge weit entwickelt sind und das Nest früh verlassen.

Satellitmännchen
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Satellitmännchen

Während des Brütens verhalten sich die Hennen sehr vorsichtig. Schon bei der Wahl des Nestes achten sie darauf, dass es überall genug Deckung gibt. Oft verbergen große Pflanzenteile das Nest oder es bilden Zweige oder Grashalme ein Dach über der kleinen Nistmulde. Die Weibchen verlassen ihr Gelege immer auf demselben Pfad und betreten es auf einer anderen Stelle, dadurch entstehen nach einer Zeit ausgetretene Wege, die im Notfall eine schnelle Flucht ermöglichen. Sehr selten fliegt das Weibchen direkt vom Nest auf, da es ansonsten zu große Aufmerksamkeit darauf lenkt. Bei der Rückkehr nähert es sich immer mit großer Vorsicht. Nach etwa 3 Wochen Brutzeit schlüpft im Abstand von 4 bis 6 Stunden, eine kleine Schar von flaumigen Küken, die sich durch die relativ weit entwickelten Beine auszeichnen und recht unternehmungslustig sind. Ihr Dunenkleid ist an der Unterseite einheitlich ockerfarben bis rotgelblich, der Rücken ist gesprenkelt. Bei Gefahr drücken sich die Jungen reglos an den Boden und verschmelzen durch ihre Färbung mit dem Boden. Solange sie ihre Körpertemperatur noch nicht selber aufrechterhalten können, flüchten sie in regelmäßigen Abständen unter die wärmenden Fittiche des Weibchens.

Wenige Stunden nach dem Schlüpfen wagen sich die Jungen für kurze Ausflüge aus dem Nest, sie entfernen sich dabei aber nicht mehr als einen Meter von ihrer Mutter, die ihre Jungen mit leisem Rufen zurücklockt. Von Anfang an kümmern sich die Küken selbst um ihr Futter und picken nach Nahrung. Die Mutter kümmert sich lediglich um die Führung der Jungen und um den Schutz vor Feinden und dem Wetter. Schon nach 10 bis 15 Tage nach dem Schlüpfen und bevor die Jungen überhaupt flügge sind, trennt sich das Weibchen von ihnen. Ihre ersten Flugversuche unternehmen sie im Alter von 25 bis 28 Tagen und kurz darauf verlassen die Jungen die Brutgebiete.

Prädatoren

Kampfläufer
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Kampfläufer

Die meiste Zeit des Jahres besitzen die Kampfläufer ein schlichtes Ruhekleid, welches eine zuverlässige optische Tarnung vor Feinden ist. Doch je nach Jahreszeit und Aufenthaltsort der Vögel, sind sie verschiedenen Räubern ausgesetzt. In der Balz zum Beispiel fallen besonders eifrige Männchen Habichten (Accipiter gentilis), Wanderfalken (Falco peregrinus) oder Rohrweihen (Circus aeruginosus) zum Opfer, in der Regel können die Hähne aber noch rechtzeitig flüchten. Die Rohrweihen (Circus aeruginosus) und andere Greifvögel (Falconiformes) hingegen halten an den Überwinterungsplätzen eine gewisse Auslese. Die Angewohnheit der Kampfläufer, sich in große Scharen zusammenzudrängen hilft aber jedem Einzeltier. Gelege, Junge und brütende Weibchen haben im Gegensatz zu den Männchen schon deutlich mehr Feinde. Neben den Möwen (Laridae) und Krähen (Corvus) aus der Luft, zählen am Boden auch noch die Füchse (Vulpes), verschiedene Marderartige (Mustelidae), Wanderratten (Rattus norvegicus) und Igel (Erinaceidae) zu den Fressfeinden. Auch können ihnen Fischreiher (Ardea cinerea) und Störche (Ciconiidae) gefährlich werden. Die Bereitschaft der Kampfläufer, in großen Kolonien auch mit anderen Arten zu brüten, schützt sie in vielen Fällen vor dem Tod, denn Rotschenkel (Tringa totanus) oder Kiebitze (Vanellus) führen, wenn sie bedroht werden, erbitterte Attacken gegen den Angreifer durch und haben damit auch oft Erfolg. Davon profitieren wiederum die Kampfläufer.

Eine besondere Abwehrmöglichkeit, die vorwiegend von Enten (Anatinae) bekannt ist, beherrschen auch manche Kampfläufer. Dabei fliegen die Vögel erst kurz vor dem Angreifer auf und geben noch einen Kotstrahl auf ihr Gelege ab. Dadurch soll der spezifische Geruch des Nestes ausgelöscht werden, sodass die Eier den Raubtieren (Carnivora) die sich mit der Nase orientieren, entgehen. Eine andere Taktik die dieser Bodenbrüter beherrscht besteht aus Flugmanövern, wobei die Feinde in Kreisbahnen umflogen werden. Umso näher diese am Nest sind umso intensiver fallen die Scheinattacken aus. Dieses Verhalten ist auch von Hähnen bekannt die ihre Hühner (Galliformes) beschützen möchten. Wenn ein Weibchen seine Jungen führt und davon von einem Angreifer überrascht wird, lockt es diesen weg, indem es wie eine Maus (Mus) eilig raschelnd davonläuft. Oft verleitet das Weibchen den Feind dann, lässt seine Flügel hängen, breitet seine Schwanzfedern aus, schwankt und flattert scheinbar hilflos umher. Sobald der Angreifer dem Weibchen weit genug gefolgt ist und den Jungen nichts mehr passieren kann, fliegt es unversehen davon.


Lebensraum, Verbreitung

Lebensraum: Feuchtgebiet in Taiwan
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Lebensraum: Feuchtgebiet in Taiwan

Laut der IUCN ist der Kampfläufer in Afghanistan, Albanien, Algerien, Angola, Armenien, Österreich, Aserbaidschan, Bahrain, Bangladesch, Belarus, Belgien, Benin, Bosnien und Herzegowina, Botsuana, Brunei Daressalam, Bulgarien, Burkina Faso, Burundi, Kambodscha, Kamerun, Kap Verde, der Zentralafrikanischen Republik ; Tschad, China, Kongo, Kroatien, Zypern, Tschechische Republik, der Republik Côte d'Ivoire, Dänemark, Dschibuti, Ägypten, Eritrea, Estland, Äthiopien, Finnland, Frankreich, Gabun, Gambia, Georgien, Deutschland ; Ghana, Griechenland, Grenada, Guam, Guinea, Guinea-Bissau, Hong Kong, Ungarn, Indien, Indonesien, Islamische Republik Iran, Irak, Irland, Israel, Italien, Jordanien, Kasachstan, Kenia, Korea, Republik; Kuwait ; Kirgisistan, Lettland, Libanon, Lesotho, Liberia, Libyen, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, die ehemalige jugoslawische Republik; Malawi, Malaysia, Mali, Malta, Marshall-Inseln, Mauretanien, Föderierte Staaten von Mikronesien, Republik Moldau, Monaco; Mongolei, Montenegro, Marokko, Mosambik, Myanmar, Namibia, Nepal, Niederlande, Niger, Nigeria, Nördliche Marianen-Inseln, Norwegen, Oman, Pakistan, Palau, Papua-Neuguinea, Philippinen, Polen, Portugal, Katar, Rumänien, Russische Föderation, Ruanda ; Saudi-Arabien, Senegal, Serbien, Sierra Leone, Singapur, Slowakei, Slowenien, Somalia, Südafrika, Spanien, Sri Lanka, Sudan, Swasiland, Schweden, Schweiz, Arabische Republik Syrien, Taiwan, Provinz von China, Tadschikistan, Tansania, Vereinigtes Republik, Thailand, Timor-Leste, Togo, Tunesien, Türkei, Turkmenistan, Uganda, Ukraine, Vereinigte Arabische Emirate, Vereinigtes Königreich, Usbekistan, Vietnam, Jemen, Sambia und in Simbabwe beheimatet.

Zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten der Kampfläufer liegen tausende von Kilometern. Schon innerhalb der Brutgebiete variieren die Landschaften in Abhängigkeit von der geographischen Lage. In den arktischen und subarktischen Regionen Europas, wie etwa in Finnland und Norwegen, und Asiens bevorzugen die Vögel feuchte Niederungsgebiete. Die Tundra mit der allzu niedrigen Pflanzendecke meidet er aber. Vor allem sumpfige, mit Tümpeln, Teichen und Seen durchsetzte Gebiete oder auch große Flachmoore wie in Finnland eignen sich als Lebensraum für die Kampfläufer. In besonders großer Zahl lassen sie sich nieder wenn daneben auch noch trockene, mit Gras bewachsene Erhebungen, für Balzplätze vorhanden sind. Der wichtigste Faktor ist aber immer noch das Wasser. Nur wenn das Gebiet während der Brutzeit überschwemmt wird und der Grundwasserstand das ganze Jahr über hoch bleibt, stellen sich für den Vogel geeignete Bedingungen ein. Allerdings darf der Salzgehalt des Geländes einen gewissen Wert nicht überschreiten, so dass manche küstennahe Wiesen nicht mehr in Frage kommen. Pflanzengesellschaften, die der Kampfläufer liebt setzten sich aus Gräsern, Sumpfschachtelhalmen, Fingerkräutern und Seggen, den typischen Sauergräsern in Sumpfgebieten zusammen. Diese bieten Schutz für brütende Weibchen und noch nicht flugfähige Junge.

In den Überwinterungsgebieten erweisen sich die Kampfläufer als wesentlich flexibler, als an ihren Brutgebieten. Zwar bevorzugen sie trotzdem seichte Überschwemmungsgebiete oder ausgedehnte Schlamm- oder Sandflächen in der Nähe von Flüssen und Seen, wie diese oft in Westafrika vorkommen. Nahrung suchen sie allerdings auf trockenem Grasland, abgeernteten Äckern oder Reisfeldern, die oft weit vom nächsten Wasserlauf liegen. Wenn in Afrika solche Feuchtgebiete austrocknen, ziehen die Vögel oft weit übers Land. Im Gegensatz, zu vielen anderen Watvögeln meiden sie zur Brutzeit Meeresküsten. Die Qualität des Lebensraumes und seine Veränderungen im Jahreslauf haben einem wesentlichen Einfluss auf die Dichte und das Wohlbefinden der Tiere. Den Brutbeginn und die Zugzeit beeinflussen vor allem Temperatur und Niederschlag.

Gefährdung und Schutz

Präpariertes Männchen
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Präpariertes Männchen

Weltweit gelten diese Watvögel als noch nicht bedroht, doch in vielen europäischen Ländern nahmen in den letzten Jahrzehnten die Zahlen der Kampfläufer rapide ab. Nur leichte Rückgänge sind bisher in den Überwinterungsgebieten zu verzeichnen, allerdings sind auch hier Überlegungen zum Erhalt des Kampfläufers dringend von Nöten. Kampfläufer sind sehr empfindlich gegenüber menschlichen Eingriffen in ihren Lebensraum. Während die Populationen in den subarktischen Zonen auch heute noch weitgehend in von Menschen unbeeinflussten Gebieten leben, sind die Verhältnisse bei den Vögeln, die in dicht besiedelten Ländern Europas brüten anders. Besonders in Frankreich, in den Niederlanden, in Belgien, Deutschland, Polen sowie in Großbritannien wurden ihre einstigen Brutgebiete zerstört. Hauptursache dazu war die unterirdische Abführung des Wassers in Feuchtbiotopen sowie die Auffüllung von Sümpfen, um diese Gebiete für die landwirtschaftliche Nutzung vorzubereiten.

Heute finden die Kampfläufer immer weniger feuchte Heidegebiete oder mit Weidesträuchern besetzte Sümpfe. Da sich die Vögel nur sehr schwer auf neue Verhältnisse einstellen können, verlassen sie die veränderten Landschaften und brüten im nächsten Jahr in anderen Gebieten. Viele der Tiere wandern weiter in den Norden und ziehen ihre Jungen mittlerweile schon in Finnland und Norwegen auf. Beide Länder sind die einzigen europäischen Länder in denen die Bestandszahlen der Vögel angestiegen sind.

In Deutschland liegen die wenigen noch bestehenden Brutvorkommen, nur noch im Norden, in Mecklenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Nur noch die Niederlande ist Sitz von mehreren hunderten brütenden Weibchen, in sämtlichen anderen Ländern Europas gelten die Brutvorkommen als stark gefährdet. Die meisten der mitteleuropäischen Kampfläufer balzen und brüten aber schon lange nicht mehr in ihren ursprünglichen Landschaften, sondern verdanken ihre Brutplätze gerade wieder dem Menschen. Sie haben sich auf bewirtschafteten Feuchtwiesen niedergelassen, die eigentlich der Viehzucht vorbehalten sind. Zwar werden auf diesen Flächen etwa 10 % aller Eier von den Rindern (Bovinae) zertrampelt. Rinder sind aber auch Hilfe für die Kampfläufer, den sie verhindern, dass die gemiedenen Sträucher und Bäume aufkommen oder dass das Gras zu hoch wird. Mit der Zeit raubt aber die Düngung und Trockenlegung von immer mehr Wiesen den Kampfläufern wieder den Lebensraum. Denn durch Düngung wächst das Gras schneller und die Mahd und der Weidenauftrieb der Rinder werden vorgelegt. Doch genau in dieser Zeit sind die Weibchen mit der Aufzucht der Jungen beschäftigt und werden dabei aber gestört.

Einige Länder bieten dem Kampfläufer trotz allem keinerlei Schutz. In mehreren europäischen Ländern, wie etwa Frankreich, Italien und Spanien, gelten sie heute noch als jagdbares Wild. Teilweise werden diese das ganze Jahr geschossen und finden manchmal nicht einmal während der Brutzeit Ruhe. Vor allem die Männchen mit ihrem Balzkleid, sind bei Jägern sehr begehrt und zieren dann präpariert die Wände in den Wohnungen der Schützen. Auch während des Vogelzugs erleiden die Vögel Verluste. Gott sei Dank waren diese Verluste nicht für den gesamten Bestand von zirka vier Millionen Tieren alarmierend. Seit einigen Jahren jedoch ändert sich diese Situation, denn wegen des in Afrika immer beliebter werdenden Jagdsports und der Verbreitung von modernen Feuerwaffen gibt es immer mehr Verluste. Denn Zugvögel fallen nicht unter die Schutzbestimmungen und Abschussquoten, die für andere afrikanische Tierarten gelten aber trotzdem oft nicht eingehalten werden. Kampfläufer stehen also entweder unter vollkommenen Schutz, wie in Deutschland, oder sie können in beliebiger Zahl geschossen werden.

Anhang

Siehe auch

  • Die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Neugebauer, Wilbert: Lebendige Wildnis: Tiere der Seen und Sümpfe. Das Beste, 1995 ISBN 3870705086
  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

Qualifizierte Weblinks

Weitere Weblinks

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