Kanadischer Biber

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Kanadischer Biber

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Hörnchenverwandte (Sciuromorpha)
Teilordnung: Biberverwandte (Castorimorpha)
Überfamilie: Biberartige
Familie: Biberartige (Castoridae)
Unterfamilie: Castorinae
Tribus: Castorini
Untertribus: Castorina
Gattung: Biber (Castor)
Art: Kanadischer Biber
Wissenschaftlicher Name
Castor canadensis
Kuhl, 1820

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Kanadische Biber (Castor canadensis), oder auch Kanadabiber, zählt innerhalb der Familie der Biberartigen (Castoridae) zur Gattung der Biber (Castor). IM Englischen wird er North American Beaver genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kanadische Biber ist nach dem Wasserschwein (Hydrochaeris hydrochaeris) das größte heute noch vorkommende Nagetier und erreicht eine Körperlänge von 90 bis 115 cm sowie ein Gewicht von 18 bis 32 kg. Der Kanadische Biber ist nur unwesentlich größer als der Europäische Biber (Castor fiber). Ein sehr dichtes und auch wasserdichtes Fell bedeckt den stämmigen Körper und weist eine rotbraune bis schwarzbraune Färbung auf. Das Fell besteht aus einer dichten und feinen Unterwolle sowie aus oben aufliegenden gröberen Grannenhaaren. In der Regel sind im Tierreich die Männchen größer als die Weibchen, bei den Bibern ist es genau umgekehrt. Der Körper wirkt mit seinen kurzen Beinen und dem großen Kopf ausgesprochen stämmig. Markant ist der deutlich abgeflachte Schwanz, der anstatt einer Behaarung eine raue Beschuppung aufweist.

Der Kopf ist ausgesprochen groß und setzt sich nur wenig vom Körper ab. Die kleinen Ohren sitzen weit hinten am Kopf und schauen nur wenig aus dem Fell heraus. Die Augen sind sehr klein und dunkelbraun gefärbt, ein Indiz für die überwiegende Nachtaktivität der Kanadischen Biber. Unter Wasser sind die Augen durch eine Nickhaut geschützt. Auch die Ohren und die Nasenlöcher können unter Wasser verschlossen werden. Markantes Merkmal sind die kräftigen Schneidezähne, mit denen der Kanadische Biber selbst große Bäume mühelos fällen kann. Sie wachsen stets nach und sind mit einer rötlich-orangenen Schmelzschicht überzogen. Die Schneidezähne erreichen eine Länge von 25 bis 33 mm. Die Hinterbeine sind ein wenig länger als die Vorderbeine. Zudem weisen sie kleine Schwimmhäute zwischen den Zehen auf und dienen im Wasser als Antriebsorgan. Die zweite Zehe an den Hinterfüßen ist stark verlängert und dient dem Biber als sogenannte Putzkralle. Die Füße an den Vorderbeinen weisen keine Schwimmhäute auf, sie dienen insbesondere zum Festhalten von Nahrung und beim Halten von Ästen und kleineren Stämmen. Die Geschlechter weisen bis auf einen kleinen Größenunterschied keinen nennenswerten Geschlechtsdimorphismus auf.

Verhalten

Der Kanadische Biber lebt in einer monogamen Familiengruppe. Eine Gruppe umfasst neben einem Pärchen auch deren Nachwuchs, der aus mehreren Generationen stammen kann. Geschlechtsreife Tiere verlassen den Familienverband. Dies geschieht frühestens im Alter von zwei Jahren. Innerhalb einer Gruppe hat das Weibchen das Sagen, sie dominiert also auch über das Männchen. Eine Biberfamilie bewohnt einen Ufer- oder Flussabschnitt, der zumeist eine Strecke von einem bis drei Kilometer umfassen kann. Dieses Revier wird gegenüber anderen Biberfamilien verteidigt. Innerhalb dieses Bereiches legen die Kanadischen Biber meist mehrere Bauten, die sogenannten Biberburgen an. Kanadische Biber sind ausgesprochen sesshaft und verlassen nur selten ihren angestammten Lebensraum. An Land sieht man die Tiere selten, und wenn, dann nur im Uferbereich, wo sie kleinere bis größere Bäume fällen. Ihr Revier markieren Kanadische Biber aus Drüsen im Analbereich. Das Sekret wird auch als Bibergeil bezeichnet. Das Sekret weist einen moschusartigen Geruch auf. Neben der Markierung seines Reviers nutzt der Kanadische Biber dieses Sekret auch zum Einreiben seines Felles. Es wirkt auf dem Fell imprägnierend.

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Kanadische Biber sind Meister im Fällen von Bäumen. Beim Fällen eines Baumes stehen sie aufrecht vor einem Baum. Dabei stützen sie sich mit dem Schwanz auf dem Boden ab. Bäume mit einem Durchmesser von 30 bis 40 cm können leicht in einer Nacht durchgenagt werden. Äste und Zweige sowie dünnere Stammteile nutzen die Kanadischen Biber zum Bau von Dämmen und der Biberburg. Junge Triebe von bestimmten Weichholzarten dienen aber auch als Nahrung. Die Biberburg wird in der Regel an einer seichten Stelle im Wasser errichtet. Die Burg besteht aus einer Anhäufung von Ästen und Zweigen. Der Zugang zur Biberburg liegt dabei grundsätzlich unter Wasser. Im Inneren der Burg befindet sich ein geräumiger Wohnkessel, der mit Pflanzenteilen ausgepolstert ist. Der Wohnkessel kann einen Durchmesser von bis zu zwei Meter und eine Höhe von etwa einem Meter aufweisen. Der Schlafplatz und die Lagerstätten für die Nahrungsvorräte liegen oberhalb der Wasserlinie. Kanadische Biber sind aufgrund ihres Körperbaus und den Anpassungen an das aquatische Leben ausgezeichnete Taucher und Schwimmer. Tauchgänge von bis zu drei Minuten sind dabei keine Seltenheit. In Extremfällen können sie gar bis zu zehn Minuten tauchen. Kanadische Biber halten im Winter keinen Winterschlaf, sie legen sich im Herbst aber einen Vorrat an Nahrung an.

Verbreitung

Der Kanadische Biber ist in ganz Nordamerika weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet umfasst weite Teile Kandas und der USA. Im Süden reicht es bis ins mittlere Mexiko. Die Lebensräume können durchaus verschieden sein, jedoch ist ein Süßgewässer zentraler Bestandteil seines Lebensraumes. Das können neben Teichen und größeren Seen auch Flüsse sein. In den Gewässern errichten die Kanadischen Biber ihre Biberburgen. Die Ufer weisen einen Bewuchs mit Weichholzarten auf. Diese dienen als Nahrung und als Baumeterial.

Ernährung

Der Kanadische Biber ernährt sich ausschließlich pflanzlich. Zur bevorzugten Nahrung gehören Wasserpflanzen, junge Baumtriebe wie Weiden, Espen, Pappeln und andere Weichholzarten sowie Wasservegetation wie Schilf, Wasserlilien, Seerosen und ähnliche Pflanzen. Im Winter, wenn Nahrung knapp ist, frisst der Kanadische Biber hauptsächlich die Rinde von Bäumen. Pro Tag nehmen die Tiere rund 20 Prozent ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich. Im Magen zersetzen Mikroorganismen die stark zellulosehaltige und nur wenig nahrhafte Nahrung. Auch wenn Kanadische Biber alle möglichen Baumarten fällen, so dient nur ein Teil von ihnen der Nahrungsaufnahme, die restlichen Baumteile werden in Dämmen und der Biberburg verbaut. Im Sommer und im Herbst beginnen die Tiere damit, in ihren Burgen Nahrungsvorräte anzulegen.

Fortpflanzung

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Der Kanadische Biber erreicht seine Geschlechtsreife mit rund drei Jahren. Die Tiere leben in einer monogamen Einehe, die in der Regel ein Leben lang hält. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Gebieten in Nordamerika bereits im Januar, ansonsten ab Februar. In den südlichen Verbreitungsgebieten kann die Paarungszeit bereits im November beginnen. Nach einer Tragezeit von gut 100 bis 105 Tagen bringt das Weibchen in ihrer Biberburg zwischen einem und vier Jungtiere zur Welt, durchschnittlich sind es in der Regel zwischen zwei und drei. Es kommt dabei in einem Jahr nur zu einem Wurf. Jungbiber kommen weit entwickelt zur Welt. Die Augen sind bereits geöffnet und sie könnten theoretisch bereits am ersten Tage schwimmen. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 300 und 500 g. Die Körperlänge beträgt 30 bis 35 cm.

Die Jungtiere werden für gut 90 Tage gesäugt, ehe sie abgesetzt werden. Jungtiere nehmen aber meist schon ab der dritten Lebenswoche zusätzlich feste Nahrung zu sich. An der Aufzucht und dem Schutz der Jungtiere beteiligen sich beide Elternteile. Die Jungtiere verlassen die Biberburg erstmals nicht vor der zweiten Lebenswoche. Ab der zweiten oder dritten Lebenswoche begeben sie sich auf sanften Druck der Mutter erstmals ins Wasser. Mit Erreichen der Geschlechtsreife werden die Jungen von den Eltern aus der Biberburg vertrieben. Meist verlassen die Jungbiber den Familienverband schon im Alter von zwei Jahren. Die Jungbiber suchen sich nun ein eigenes Revier. In Freiheit kann ein Kanadischer Biber ein Alter von zehn bis fünfzehn, selten bis zwanzig Jahren erreichen, in Gefangenschaft auch bis zu 30 Jahren. Die Sterblichkeit ist vor allem in den ersten Jahren sehr hoch. Hauptgründe sind die vielen Fressfeinde wie Kojoten, Wölfe und andere Räuber. Aber auch der Befall durch Parasiten und Krankheiten unter den Bibern ist mit daran Schuld.

Gefährdung, Schutz

Der Kanadische Biber wurde seit jeher von den Menschen verfolgt. Bereits die ersten Siedler begannen mit der Ausrottung dieser Tiere. Einerseits dienten die Tiere als Nahrung, andererseits wurden sie wegen ihres dichten Pelzes gejagt. Farmer verfolgen die Biber auch heute noch als Schädlinge. Mittlerweile steht der Kanadische Biber unter Schutz. Aber auch heute lauern auf den Biber vielfältige Gefahren. Allen voran die Wasserverschmutzung. Insbesondere die Verunreinigung der Flüsse, Seen und des Grundwassers mit Pestiziden führt bei den Tieren zu einer Schädigung. Ähnlich wie bei dem Europäischen Biber hat man in Nordamerika heute damit begonnen den Kanadischen Biber wieder weitflächig anzusiedeln.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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