Nordamerikanischer Fischotter

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

(Weitergeleitet von Kanadischer Fischotter)
Nordamerikanischer Fischotter

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Tribus: Lutrini
Gattung: Lontra
Art: Nordamerikanischer Fischotter
Wissenschaftlicher Name
Lontra canadensis
Schreber, 1777

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Nordamerikanische Fischotter (Lontra canadensis oder Lutra canadensis), auch Kanadischer Fischotter genannt, zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Lutra.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Vor rund 38 Millionen Jahren begann sich die große Familie der Marder, zu denen auch der Nordamerikanische Fischotter gehört, zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt begann die Abspaltung der verschiendenen Linien. Die Entwicklung zu Ottern, Skunks, Silberdachsen, Honigdachsen, Dachsen, Vielfraße und Marder dauerte allerdings viele Millionen Jahre. Die ältesten Fossilien-Funde eines prähistorischen Otters stammen aus dem mittleren Pleistozän, das etwa eine Millionen Jahre vor unserer Zeit lag. Ob diese gefundenen Fossilien tatsächlich zu den direkten Vorfahren des Fischotters zählen, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die ältesten eindeutigen Funde sind rund 120.000 Jahre alt.

Beschreibung

Der Nordamerikanische Fischotter erreicht eine Körperlänge von bis zu 100 cm, eine Schwanzlänge von bis zu 45 cm, eine Schulterhöhe von etwa 22 cm sowie ein Gewicht von acht bis neun Kg. Männchen werden etwas größer und schwerer als Weibchen. Das Fell ist überwiegend dunkelbraun bis fast schwarz oder gebietsweise auch rotbraun. Die Bauchseite ist deutlich heller und geht ins gräuliche über. Hals und Gesicht sind überwiegend grau. Der Nordamerikanische Fischotter hat ein sehr dichtes Fell, daß auf etwa 1 cm² über 50.000 Haare aufweist. Die einzelnen Härchen greifen ineinander und wirken mit ihren winzigen Keilen und Rillen wie ein Reissverschluß. Auf einer sehr weichen Unterwolle schließen sich stabile Grannen an. Die Unterwolle ist mit Luftbläschen gefüllt und wirkt thermoregulierend.

Ihr langer und kräftiger Schwanz ist spitz zulaufend und völlig behaart. Der Schwanz dient als Steuerungsorgan, an Land wie auch im Wasser der Stabilisierung. Der Körper ist lang gestreckt und mit kurzen aber kräftigen Beinen versehen. Die Füße enden in Zehen, die mit deutlich sichtbaren Schwimmhäuten versehen sind. Sein Kopf ist von rundlicher Form, der in einer abgerundeten Schnauze endet. An der Oberlippe der Schnauze befinden sich seine Tasthaare, die sogenannten Vibrissen und stellen ein wichtiges Orientierungsorgan unter Wasser dar.

Nordamerikanische Fischotter sind sehr anpassungsfähig. Je nach Verbreitungsgebiet können sie sowohl tag- als auch nachtaktiv sein. An Land sind sie eher plump wirkende Gesellen, die allerdings, wenn es sein muß, recht schnell laufen können. Dabei bewegen sie sich mit gekrümmtem Rücken fort. An den Uferbänken sieht man sie häufig beim Sonnenbad oder einfach nur entspannen. Im Wasser entfalten sie ihre ganze Eleganz und Wendigkeit. Sie können bis zu 12 km/h schnell schwimmen und blitzartig ihre Richting ändern. Beim Schwimmen schaut für gewöhnlich der Kopf aus dem Wasser. Sie sind auch ausgesprochen gute Taucher, die trotz ihrer kleinen Lungen bis zu fünf Minuten unter Wasser verweilen können. Während der Tauchgänge fahren sie nicht benötigte Körperaktivitäten herunter, um Sauerstoff zu sparen. Eine Tauchminute entspricht dabei rund 200 Meter. Ihre Bauten haben sie am Gewässerrand, wobei der Einstieg zur Wohnhöhle unterhalb der Wasserlinie liegt. Die eigentliche Wohnhöhle wird über einen Kanal erreicht und liegt immer über der Hochwasserlinie. Die Wohnhöhle verfügt über einen Schacht an der Oberfläche, um die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten. Zu den Hauptfeinden der Nordamerikanischen Fischotter zählen größere Raubtiere wie Wölfe und Puma sowie vor allem große Raubvögel.

Verbreitung

vergrößern

Der Nordamerikanische Fischotter kommt in Nordamerika vor. Insbesondere in Kanada, Alaska und den USA. Ihre natürlichen Habitate sind durch klares, sauberes und fischreiches Gewässer mit vegetationsreichen Uferböschungen gekennzeichnet. Im Gebirge kommt er bis in Höhen von rund 2.500 Metern vor. Hier bevorzugt er fischreiche und klare Gebirgsbäche.

Nahrung

Der Nordamerikanische Fischotter bevorzugt kleinere Fische, vor allem die, die leicht zu erbeuten sind. Dazu gehören kranke und schwache Fische. Diese Tatsache macht ihn ökologisch wertvoll, da er als Gesundheitspolizei fungiert. Er frisst aber auch Krustentiere wie Krebse. Insekten, kleine Nagetiere und Vögel gehören ebenfalls zu seinem Nahrungsspektrum. In der Regel frisst der Fischotter an Land, nur selten im Wasser; wahrscheinlich nur bei sehr großem Hunger. Er braucht, je nach Alter und Größe, täglich etwa 500 bis 1.000 Gramm an Nahrung. Das Jagdrevier des Fischotters kann bis zu 40 Kilometer lang sein. Sie legen täglich zehn bis 15 Kilometer bei der Nahrungssuche zurück.

Fortpflanzung

Die Geschlechter erreichen zu unterschiedlichen Zeiten die Geschlechtsreife. Während Männchen bereits mit zwei Jahren geschlechtsreif werden, brauchen Weibchen etwa drei Jahre. In den meisten Verbreitungsgebieten liegt die Ranzzeit in den Monaten von Februar bis März. Nordamerikanische Fischotter paaren sich hauptsächlich an Land, selten im Wasser. Ein trächtiges Weibchen sucht eine adäquate Wohnhöhle auf und polstert sie mit Moosen und Gräsern aus. Eine Wohnhöhle liegt oberhalb der Hochwassergrenze im Uferbereich ihres Heimatgewässers.

Nach einer Tragezeit von 60 bis 65 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und drei, selten bis vier Jungtiere zur Welt. Sie sind anfangs noch nackt und blind. Sie weisen eine Körperlänge von etwa 15 bis 18 cm sowie ein Gewicht von gut 100 Gramm auf. Im Alter von etwa 14 Tagen erkunden sie erstmals ihre Wohnhöhle. Nach vier bis fünf Wochen öffnen sie ihre Augen und ihr Fell beginnt deutliche Formen anzunehmen. Ab der sechsten oder siebten Lebenswoche fangen sie unter Aufsicht der Mutter mit den ersten Schwimmübungen an. Die Säugezeit erstreckt sich über zehn bis vierzehn Wochen. Insgesamt bleiben die Jungtiere über ein Jahr, teilweise bis zu vierzehn Monaten, bei der Mutter. In dieser Zeit erlernen sie die notwendigen Jagdtechniken, die zum Überleben notwendig sind. Fischotter können ein Alter von über zwanzig Jahren erreichen. In freier Natur wird ein solch hohes Alter nur bei optimalen Umweltbedingungen erreicht.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge