Kanadischer Luchs

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Kanadischer Luchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
Gattung: Luchse (Lynx)
Art: Kanadischer Luchs
Wissenschaftlicher Name
Lynx canadensis
Kerr, 1792

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Kanadische Luchs (Lynx canadensis) zählt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur Gattung Luchse (Lynx).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Kanadische Luchs erreicht eine Körperlänge von 70 bis 100 Zentimeter, eine Schulterhöhe von rund 55 bis 60 Zentimeter, eine Schwanzlänge von fünf bis zwölf Zentimeter sowie ein Gewicht von sieben bis dreizehn Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das weiche Fell weist eine gräuliche bis gelblichgraue oder gelblichbraune Färbung auf. Ventral ist das Fell ein wenig heller gefärbt. Das Fell kann dunkle Flecken und Punkte aufweisen. Die Musterung ist abhängig vom Verbreitungsgebiet. Im Winter ist das Fell deutlich länger. Die plüschigen Ohren weisen eine dreieckige Form auf und enden in schwärzlichen Pinseln. Welchen Sinn die Pinsel an den Ohren machen, ist wissenschaftlich abschließend noch nicht geklärt.

Die Beine sind insgesamt recht lang, wobei die Hinterbeine leicht länger sind als die Vorderbeine. Das ist ein Indiz für eine hohe Sprungkraft und hohe Sprintgeschwindigkeit. Bemerkenswert sind die großen Tatzen. Sie sind vor allem besonders breit und ermöglichen das Gehen auf Schnee. Die Tatzen haben eine ähnliche Wirkungsweise wie Schneeschuhe. Die breiten Pfoten sind durch Haarpolster versehen, mit denen der Kanadische Luchs auf Schnee nicht so leicht einzusinken vermag. Rund um das Kinn hat der Kanadische Luchs einen Backenbart, der deutlich länger ist als das restliche Fell. Der Backenbart wirkt wie ein Trichter, der Schallwellen in Richtung der Ohren umlenkt.

Verhalten

Kanadischer Luchs
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Kanadischer Luchs

Kanadische Luchse leben einzelgängerisch und legen ein territoriales Verhalten an den Tag. Die Geschlechter treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer als die Reviere der Weibchen und überlappen sich in der Regel. Reviergrößen von 100 bis annähernd 300 Quadratkilometer sind dabei keine Seltenheit. Markiert wird das eigene Revier mit Harn, der an markanten Punkten abgelassen wird. Die Reviergröße richtet sich vor allem an die Beutetierdichte. Ist sie hoch, so kommt ein Luchs auch mit einem Revier von unter 100 qkm aus. Alle Sinne des Kanadischen Luchses sind hoch entwickelt. Herausragend ist die Hörfähigkeit, die vor allem beim Lokalisieren von Beuetieren eingesetzt wird. Kanadische Luchse jagen fast ausschließlich in der Nacht. Am Tage ruhen die Tiere in Höhen, die sich meist in Felsen oder gelegentlich auch in hohlen Bäumen befinden. Er ist er auch ein guter Kletterer, der mühelos Bäume oder ähnliches erklimmen kann.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Kanadischen Luchses erstreckt sich hauptsächlich über das westliche Kanada. Er macht natürlich nicht vor der kanadischen Grenze halt und ist daher auch in den US-Bundesstaaten Washington, Idaho und Montana anzutreffen. Dichte Bergwälder und bewaldete Täler sind die natürlichen Lebensräume dieser Tiere. Aber auch felsige Regionen in Mittelgebirgen und die Tundra in der Ebene werden durchaus besiedelt.

Gefährdung, Schutz

Der Kanadische Luchs ist zwar noch nicht vom Aussterben bedroht, aber die Bestände sind seit Jahrzehnten stark rückläufig. Bereits seit Jahrhunderten hat der Mensch die Tiere wegen seines hochwertigen Felles bejagt. Die Jagd auf den Kanadischen Luchs ist zwar mittlerweile verboten, das hält Wilderer aber nicht davon ab, weiterhin den Kanadischen Luchs zu bejagen. Hinzu kommen weitere Gefährdungsfaktoren wie die schleichende Vernichtung und Zersiedelung der natürlichen Lebensräume. Auch Nahrungsmangel wirken sich negativ auf die Bestände und insbesondere auf das Fortpflanzungsverhalten aus. Der Kanadische Luchs wird im Washingtoner Artenschutzabkommen in Anhang II unter Schutz gestellt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art nur als gering gefährdet geführt.

Ernährung

Schneehase (Lepus timidus)
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Schneehase (Lepus timidus)

Kanadische Luchse sind reine Fleischfresser. Zur Hauptbeute zählen insbesondere Nagetiere wie der Schneehase (Lepus timidus). In Ermangelung passender Nagetiere wird aber auch auf Vögel, kleineren Säuger oder sogar Fische zurückgegriffen. Auch Aas wird bei Gelegenheit nicht verschmäht. Größere Beutetiere wie Hirsche oder Karibus können nur erbeutet werden wenn diese schon schwach oder krank sind. Kanadische Luchse lauern in der Regel ihre Beute auf und stürzen sich im allerletzten Moment auf das Beutetier. Haben sie ein Tier gepackt, so töten sie es durch einen gezielten Biss in den Nacken oder die Wirbelsäule.

Fortpflanzung

Der Kanadische Luchs erreicht die Geschlechtsreife mit zwei bis drei Jahren. Männchen erreichen die Geschlechtsreife erst mit gut drei Jahren. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander, die sich in Kanada von Januar bis Mitte März erstreckt. In einer Saison kommt es nur zu einem Wurf. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Der reine Paarungsakt entspricht in etwa dem unserer Hauskatzen. Während der Kopulation kommt es zu den typischen Genickbissen. Nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 80 bis 90 Tagen bringt das Weibchen zwischen zwei und vier, selten auch bis fünf Jungtiere zur Welt, die anfangs noch blind sind. Sie wiegen um die 200 Gramm. Die Geburt findet in einer Geburtshöhle statt, die meist von anderen Tieren in Beschlag genommen wurde. Das Fell der Jungtiere ist getupft. Sie öffnen mit zehn bis zwölf Tagen zum ersten Mal ihre Augen. Nach rund vier bis fünf Monaten werden die Jungtiere entwöhnt und fangen an spielerisch Beute zu jagen. Sie bleiben noch einige Monate bei der Mutter, bis sie sich zu Beginn des Winters ein eigenes Revier suchen. In Freiheit kann ein Kanadischer Luchs ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen. Dieses Alter wird allerdings selten erreicht. In Gefangenschaft ist ein Alter von über 20 Jahren keine Seltenheit.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Katzen (Felidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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