Kap-Blessmull

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Kap-Blessmull

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Familie: Sandgräber (Bathyergidae)
Unterfamilie: Bathyerginae (Bathyerginae)
Gattung: Blessmulle (Georychus)
Art: Kap-Blessmull
Wissenschaftlicher Name
Georychus capensis
Pallas, 1778

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kap-Blessmull (Georychus capensis) gehört innerhalb der Familie der Sandgräber (Bathyergidae) zur Gattung der Blessmulle (Georychus). Im Englischen wird die Art Cape Mole Rat genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Innerhalb der Gattung der Blessmulle (Georychus) ist der Kap-Blessmull die einzige Art.

In Größe, Gewicht und Habitus ähnelt der Kap-Blessmull dem Damara-Graumull (Cryptomys damarensis). Markantes Erkennungsmerkmal der Kap-Blessmulle sind die weißlichen Markierungen rund um die Augen. Diese fehlen dem Damara-Graumull (Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten Fossilien, die den rezenten Kap-Blessmullen ähneln, stammen aus dem unteren Pleistozän. Die ersten fossilen Funde des rezenten Kap-Blessmulls stammen aus dem späten Pleistozän und wurden in der Kap-Region Südafrikas gefunden (Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der mittelgroße Kap-Blessmull erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 158,3 (156,2) mm, eine Schwanzlänge von 20,6 (20,5) mm, eine Hinterfußlänge von 28,1 (27,6) mm, eine Schädellänge von 43,6 (44,4) mm, eine Jochbeinbreite von 31,3 (31,3) mm, eine Schädelbreite von 16,9 (16,9) mm, eine Unterkieferlänge von 36,0 (35,6) mm sowie ein Gewicht von 181,8 (181,0) Gramm auf (Werte in Klammern entsprechen den Werten der Weibchen). Anhand der Werte lässt sich nur ein geringer Dimorphismus ableiten. Das dichte und wollig wirkende Fell weist eine rotbraune bis bräunliche Färbung auf. Ventral zeigt sich eine weißliche bis silbrige Färbung. Markantes Merkmal sind die weißliche Flecken seitlich am Kopf und der ausgedehnte weiße Augenring. Auch die Schnauzespitze und die Füße sind weißlich gefärbt. Der Körperbau ist zylindrisch, die Gliedmaßen sind kurz und kräftig. Die Füße weisen ledrige Sohlen auf. Der große Kopf setzt sich nur wenig vom Körper ab und endet zur Schnauze hin stumpf. Aufgrund der unterirdischen Lebensweise sind die Augen klein und spielen bei der Orientierung keine Rolle. Eine äußere Ohrmuschel ist nicht vorhanden. Der Schädel ist dorsoventral deutlich abgeflacht. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Aufgrund der starken Beanspruchung wachsen die Schneidezähne ständig nach. Sie dienen nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern auch den Grabaktivitäten. Der Metabolismus des Kap-Blessmulls ist an das Leben unter der Erde optimal angepasst. In den Gängen ist das Mikroklima hypoxisch, es herrscht eine Sauerstoffsättigung von etwa 20,4%. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 95%. Die Körpertemperatur liegt bei den Kap-Blessmullen bei konstanten 36°C. Die Umgebungstemperatur schwankt in den Erdbauten und Gängen zwischen 12 und 32°C. Der Dickdarm und der Blinddarm (Cecum) sind lang und beherbergen eine große Zahl an Protozoen und Bakterien, die der Verdauung dienen. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 3 Par Zitzen. 2 Paar sitzen im Bereich der Brust, ein Paar Zitzen in der Leistengegend (Nowak, 1999; Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Lebensweise

Kap-Blessmulle sind einzelgängerisch und überwiegend in der Nacht aktiv. Trotz der ständigen Dunkelheit weisen die Tiere interessanterweise in den motorischen Aktivitäten einen circadianen Rhythmus auf. Kap-Blessmulle sind zudem territorial und dulden keine Anwesenheit von Artgenossen in ihrem Revier. Ein Erdbau wird nur von einem Mull besiedelt. Untersuchungen haben ergeben, dass ein Tunnelsystem eines Tiere eine Gesamtlänge von durchschnittlich 130 Meter aufweisen kann. An der Erdoberfläche erkennt man die Anwesenheit von einem Kap-Blessmull an den charakteristischen Erdhügeln. Ein Bau verfügt neben zahlreichen Fressgängen eine zentrale Nistkammer, mehrere Vorratskammern und Kotkammern. Ein Bau hat eine Verbindung zu Erdoberfläche und ist somit hypoxisch versiegelt (Nowak, 1999; Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Verbreitung

Kap-Blessmull sind im südlichen Afrika in der Kapregion endemisch. Isolierte Populationen treten in der Region KwaZulu-Natal in der Nähe der Grenze zu Lesotho und in der Provinz Mpumalanga auf. Lichte Wälder, Savannen und Grünland dienen als Lebensraum für die Tiere. Die Lebensräume sind durch sandige und lehmige Böden geprägt. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt im südlichen Afrika bei 500 bis 800 mm pro Jahr, die durchschnittliche Temperatur liegt bei 25°C (Nowak, 1999; Bennett, Maree & Faulkes, 2006; Taylor, 1998; Bronner, 1990).

Prädatoren und Parasiten

Trotz der unterirdischen Lebensweise haben Kap-Blessmulle zahlreiche natürliche Feinde. Unter der Erde stellen den Kap-Blessmullen vor allem Schlangen (Serpentes) wie die Maulwurfsnatter (Pseudaspis cana) oder auch die Kapkobra (Naja nivea) nach. An der Erdoberfläche zählen Schabrackenschakale (Canis mesomelas), Kapmangusten (Galerella pulverulenta) und der Ichneumon (Herpestes ichneumon) zu den natürlichen Feinden. Nach schweren Regenfällen fallen Kap-Blessmulle gelegentlich einem Reiher (Ardeidae). An Parasiten konnten in der Feldforschung nur wenige Arten nachgewiesen werden. Hier sind insbesondere Milben (Acari, Acarida) wie Vertreter der Gattungen Haemolaelaps und Listrophoroides sowie Holzböcke (Ixodes) wie Ixodes alluaudi zu nennen. Zu den nachgewiesenen Endoparasiten zählen Bandwürmer (Cestoda) wie Echinococcous und Fadenwürmer (Nematoda) wie Trichurus. Kap-Blessmulle sind in freiher Natur anfällig für die Beulenpest. In Gefangenschaft konnte die Infektion mit dem Erreger Escherichia coli nachgewiesen werden. Es handelt sich bei E. coli um ein gramnegatives (ungefärbte) peritrich begeißeltes Bakterium. Bei der peritrichen Begeißelung sind viele Flagellen gleichmäßig über die Zelloberfläche verstreut (Nowak, 1999; Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Ernährung

Als Pflanzenfresser (Herbivore) ernähren sich Kap-Blessmulle ausschließlich von pflanzlicher Nahrung. Die Nahrungssuche erfolgt wie bei allen Mullen unter der Erde in den sogenannten Fress- oder Futtertunneln. Diese verlaufen in Tiefen von 5 bis 25 Zentimeter unterhalb der Grasnabe und weisen einen Durchmesser von 7 bis 8 Zentimeter auf. Gefressen werden im Wesentlichen Wurzeln, Knollen und Zwiebeln. Beliebte Futterpflanzen stammen aus den Pflanzenfamilien der Hyazinthengewächse (Hyacinthaceae), der Schwertliliengewächse (Iridaceae) und der Sauerkleegewächse (Oxalidaceae). Unter den Futterpflanzen sind auch einige giftige Pflanzen zu finden, gegen deren Giftstoffe Kap-Blessmulle offensichtlich immun sind. Wurzeln und Knollen in entsprechender Größe werden in Vorratskammern eingelagert. Größere Knollen werden an Ort und Stelle angefressen. Nicht selten regenerieren sich diese Knollen wieder. Kap-Blessmulle benötigen kein Trinkwasser. Der gesamte Wasserbedarf wird über die Nahrung gedeckt. Die Nahrung weist einen Wassergehalt von 70 bis 80% auf (Nowak, 1999; Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Fortpflanzung

Kap-Blessmulle erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa 1,5 Jahren. Die Paarungszeit beginnt meist im Frühjahr, zu den Geburten kommt es im Sommer zwischen August-Dezember. In einer Saison kommt es in der Regel zu 1 bis 2 Würfen. Während der Balz ist ein charakteristisches Trommeln zu hören, das von beiden Geschlechtern ausgeht. Die Geschlechter trommeln dabei in verschiedenen Frequenzen. Das Trommeln erfolgt mit den Hinterfüßen. Bei den Männchen erstreckt sich das Trommeln über bis zu 2 Minuten mit einer Frequenz von 0,035 Sekunden zwischen 2 Schlägen. Das Trommeln kann unter der Erde bis in Entfernungen von 10 Meter wahrgenommen werden. Weibchen trommeln deutlich langsamer. Ihre Schlagfrequenz liegt bei 0,05 Sekunden. Nach einer Tragezeit von 44 bis 48 Tagen bringt ein Weibchen 3 bis 10 (6) Jungtiere in ihrem Nest zur Welt. Das Geschlechterverhältnis in den Würfen ist etwa 2:1 (m/f). Bei der Geburt weisen die Jungen eine Körperlänge von 30 bis 40 mm und ein Gewicht von 5 bis 12 Gramm auf. Sie sind ausgesprochene Nesthocker. Die Jungen sind zudem nackt, blind und taub. Die Augen öffnen sich am 9. Lebenstag, das Fell stellt sich ab dem 7. Lebenstag ein. Die erste feste Nahrung nehmen die Jungen Mitte der dritten Lebenswoche, meist im Alter von 17 Tagen zu sich. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt bis zum 28. Lebenstag. Ab dem 35. Lebenstag treten die ersten Aggressionen zwischen der Mutter und dem Nachwuchs auf, der Familienverband wird etwa am 50. Lebenstag verlassen. Die Jungtiere wachsen relativ schnell heran. In den ersten 80 Tagen legen sie täglich rund 1,23 Gramm an Gewicht zu. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 5 Jahren (Nowak, 1999; Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Kap-Blessmulle zählen heute noch nicht zu den bedrohten Sandgräbern (Bathyergidae). In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet geführt. Erhebliche Gefährdungsfaktoren sind nicht bekannt. Eine geringfügige Gefährdung geht hingegen von der Landwirtschaft aus. Zudem gelten die Tiere in der Landwirtschaft als Ernteschädlinge und werden als solche verfolgt. Ein sicheres Auskommen haben die Kap-Blessmulle vor allem in den Nationalparks und anderen geschützten Einrichtungen (Nowak, 1999; Bennett, Maree & Faulkes, 2006).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) sind Kap-Blessmulle unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind buffonii (Cuvier, 1834), canescens (Thomas & Schwann, 1906), leucops (Lichtenstein, 1844) und yatesi (Roberts, 1913). Alle genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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