Kapdrossel

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Kapdrossel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Drosseln (Turdinae)
Gattung: Echte Drosseln (Turdus)
Art: Kapdrossel
Wissenschaftlicher Name
Turdus olivaceus
Linnaeus, 1766

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Kapdrossel (Turdus olivaceus) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung der Echten Drosseln (Turdus). Im Englischen wird die Kapdrossel Olive Thrush genannt. Die Kapdrossel weist sehr viel Ähnlichkeit mit der Rotschnabeldrossel (Turdus libonyanus) auf und ist mit dieser leicht zu verwechseln.

Inhaltsverzeichnis

Taxonomie

Turdus olivaceus (Sibley und Monroe, 1990, 1993) wurde in Turdus helleri auf der Grundlage ihres höchst unterschiedlichen Gefiedermusters und ihres angeblich anders klingenden Gesangs (im Anschluß an Collar und Stuart, 1985) und in Turdus ludoviciae, ebenfalls auf der Grundlage ihres äußerst unterschiedlichen Gefiedermusters (im Anschluß an Collar et al., (1994)) gesplittet. Turdus olivaceus wurde dementsprechend angepasst.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Kapdrossel ist ein kleinerer Vogel, aber etwas größer als ein Haussperling (Passer domesticus). Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 24 Zentimeter und das Gewicht beträgt etwa 66 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen, sonst besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Der Kopf weist eine graubraune Färbung auf. Ferner ist die Iris der Augen braun getönt. Der Schnabel ist von einer gelblichen bis gelblichbraunen Färbung. Die Kehle ist mit feinen schwarz-weißen Flecken gesprenkelt. Der Schwanz und die Oberseite sind von einer stumpfen olivbraunen Färbung. Der Bauch ist ebenfalls weiß gefärbt und der übrige Teil der Unterseite weist eine orangefarbene Tönung auf. Die Extremitäten sind gelblich geschönt und enden in vier Zehen, wovon eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorne zeigen. Die Art weist eine normal proportionierte Beinlänge auf. Die Kapdrossel ist in der Lage andere Vögel zu imitieren. Wie fast alle Drosseln (Turdus) ist auch die Kapdrossel ein gesangsfreudiger Vogel. Der Gesang dient insbesondere der Balz, der Kommunikation und der Revierverteidigung. Der männliche Gesang besteht aus einer Mischung von Pfiffen und trällernden Phrasen. Der Gesang kann je nach Verbreitungsgebiet unterschiedlich sein.

Lebensweise

Die Kapdrossel ist ein tagaktiver Vogel. Des Weiteren führt die Kapdrossel eine monogame Partnerschaft. Im Falle, dass ein Partner stirbt, sucht sich die Kapdrossel einen neuen Partner. Während der Paarungs- und Brutzeit führen beide Partner eine territoriale Lebensweise. In der Regel findet man die Kapdrossel nicht in Gesellschaft der gleichen Spezies. Die Kapdrossel findet man im ostafrikanischen Hochland von Eritrea und Äthiopien im Norden bis zum Kap der Guten Hoffnung im Süden. Sie hält sich vorwiegend in Wäldern und im Buschland auf. Gelegentlich kommt die Kapdrossel auch in Parks und in großen Gärten in vorstädtischen Gebieten vor.

Unterarten

Nominatform und Unterarten der Art Turdus olivaceus
Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Turdus olivaceus olivaceus (Linnaeus, 1766) LC Afrika: Continental Africa. Südliches Afrika [endemisch]: Namibia. Südafrika [endemisch]: Western Cape [endemisch].
Turdus olivaceus deckeni Cabanis, 1868 LC Afrika: Continental Africa. Ostafrika: Tansania.
Turdus olivaceus baraka (Sharpe, 1903) LC Afrika: Continental Africa. Westafrika: Kinshasa. Ostafrika: Uganda.
Turdus olivaceus bambusicola Neumann, 1908 LC Afrika: Continental Afrika. Westafrika: Kinshasa. Ostafrika: Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania.
Turdus olivaceus nyikae Reichenow, 1904 LC Afrika: Continental Africa. Ostafrika: Tansania, Sambia, Malawi.
Turdus olivaceus milanjensis Shelley, 1893 LC Afrika: Continental Africa. Ostafrika: Mosambik, Malawi.
Turdus olivaceus culminans Clancey, 1982 LC Afrika: Continental Africa. Südliches Afrika [endemisch]. Südafrika [endemisch]. Kwazulu-Natal [endemisch].
Turdus olivaceus transvaalensis (Roberts, 1936) LC Afrika: Continental Afrika. Westafrika: Kinshasa, Upemba-Nationalpark. Ostafrika: Tansania, Sambia, Mosambik, Malawi. Südliches Afrika: Simbabwe.
Turdus olivaceus pondoensis Reichenow, 1917 LC Afrika: Continental Africa. Südliches Afrika. Südafrika [endemisch]: Western Cape, Eastern Cape, Kwazulu-Natal, Swasiland [endemisch].
Turdus olivaceus swynnertoni Bannerman, 1913 LC Afrika: Continental Africa. Ostafrika: Mosambik, Malawi. Südliches Afrika: Simbabwe.
Turdus olivaceus oldeani Sclater & Moreau, 1935 LC Afrika: Continental Africa. Ostafrika: Tansania.

Verbreitung

Zu den Verbreitungsgebieten der Kapdrossel und der Unterarten zählen unter anderem Afrika: Continental Africa. Westafrika: Mauretanien und Senegal, Senegambia, Senegal, Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Mali, Sierra Leone, Liberia, Côte d'Ivoire, Marahoué, Mount Nimba, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Niger, Tschad, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Äquatorialguinea, Gabun, Kongo, Demokratische Republik Kongo (östlicher Teil), Kinshasa, Upemba-Nationalpark, Angola. Ostafrika: Sudan, Äthiopien und Eritrea, Eritrea, Äthiopien, Somalia, Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Mosambik, Malawi. Südliches Afrika: Namibia, Botsuana, Simbabwe. Südafrika: Western Cape, Bontebok National Park, Tankwa-Karoo-Nationalpark, Table Mountain National Park, Karoo-Nationalpark, West Coast National Park, Eastern Cape, Addo Elephant National Park, Tsitsikamma National Park, Mountain Zebra National Park, Northern Cape, Augrabies Falls National Park, Richtersveld-Nationalpark, Namaqua Nationalpark, Kgalagadi, Kwazulu-Natal, Gauteng, Groenkloof National Park, Transvaal (ehemalige Provinz), Limpopo Province, Marakele National Park, Mapungubwe Nationalpark und Umgebung, Nordwest-Provinz, Mpumalanga, Free State, Golden Gate Highlands National Park, Lesotho, Swasiland, African Islands, Golf von Guinea-Inseln und Bioko (Fernando Po).

Laut der Roten Liste der IUCN halten sich die Kapdrossel und die Unterarten in folgenden Habitaten auf: Subtropische und tropische Wälder feuchter Niederungen, subtropische und tropische Wälder feuchter Bergregionen, subtropisches und tropisches regenarmes Buschland, subtropisches und tropisches feuchtes Buschland, subtropisches und tropisches Buschland höher gelegener Regionen, Feuchtgebiete (Inland) wie saisonalbedingte irreguläre Flüsse, Bäche sowie schmale Buchten, Plantagen und ländliche Regionen.

Ernährung

Als Allesfresser sucht die Kapdrossel die Nahrung meist nur am Boden, selten auch in den Bäumen. Sie ernährt sich von Früchten, Beeren, Würmern, Insekten (Insecta) und deren Larven, Schnecken und reifen Beeren sowie von Früchten. Die Nahrung besteht zu zwei Drittel aus pflanzlicher Kost und zu einem Drittel aus tierischer Kost.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Kapdrossel mit gut einem Jahr. Pro Saison kommt es ja nach Verbreitungsgebiet zu ein oder zwei Bruten, die sich über den Zeitraum von September bis Januar erstreckt. Während der Brutzeit entfaltet das Männchen einen ausgefeilten Gesang, bei dem sich einzelne Strophen wiederholen. Zum einen sucht das Männchen so Kontakt zu seiner Partnerin und zum anderen werden Rivalen auf Distanz gehalten. Das napfartige Nest ist recht stabil und wird in einer Astgabel meist aus dünnen Ästchen und Grashalmen errichtet. Es entsteht meist in Büschen, Sträuchern, Hecken oder in niedrigen Bäumen, etwa 9 Meter über dem Boden. Ausgepolstert wird das Nest mit weichem Material wie Federchen und Grasteilchen. Die inneren Wände werden zusätzlich mit Schlamm ausgekleidet. Dies dient offensichtlich der Wärmedämmung. Das Weibchen legt zwischen ein und drei Eier (in der Regel zwei Eier). Die Eier sind von einer grünlichen Färbung. Die Brutzeit dauert je nach Verbreitungsgebiet 14 bis 15 Tage. Nur das Weibchen brütet die Eier aus. Das Männchen wacht während dieser Zeit über sein Weibchen und das Gelege. Gefüttert wird die Brut mit allerlei Insekten (Insecta). Nach etwa 16 Tagen sind die Jungvögel flügge und selbständig. Das Nest wird häufig von Brutparasiten heimgesucht, insbesondere von dem Einsiedlerkuckuck (Cuculus solitarius).

Gefährdung und Schutz

Die Kapdrossel gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 2.000.000 Quadratkilometer. Die Kapdrossel ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Kapdrossel selten oder nur spärlich vor (Urban et al., 1997). In der Roten Liste der IUCN wird die Kapdrossel als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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