Kapigel

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Kapigel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Insektenfresser (Insectivora)
Familie: Igel (Erinaceidae)
Gattung: Mittelafrikanische Igel (Atelerix)
Art: Kapigel
Wissenschaftlicher Name
Atelerix frontalis
Smith, 1831

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kapigel (Atelerix frontalis) zählt innerhalb der Ordnung der Insektenfresser (Insectivora) zur Familie der Igel (Erinaceidae) und hier zur Gattung der Mittelafrikanischen Igel (Atelerix). Im Englischen wird die Art Southern African Hedgehog genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kapigel erreicht eine Körperlänge von 150 bis 200 mm, eine Schwanzlänge von 20 mm und ein Gewicht von 150 bis 550 (400) g. Charakteristisch ist das Stachelkleid der Weißbauchigel, das aus modifizierten Haaren besteht. Das Stachelkleid bedeckt den Rücken und die Flanken und reicht vom Scheitel bis zum Schwanzansatz. Die eher kleinen Stacheln (2 bis 3 cm in der Länge) sind hohl und enden in einer scharfen Spitze. Stachelfrei ist nur der Bauch, das Gesicht und die Ohren. Ventral weist der Körper ein pelziges, weißliches Fell auf. Das Fell im Gesicht ist dunkel und mit einem weißen Band auf der Stirn markant gekennzeichnet. Das Band kann sich bis zum Schulter- oder Brustbereich erweitern. Die Gliedmaßen sind für Igel relativ lang. Bei Bedrohung rollt sich der Igel durch Muskelkontraktion in eine kugelige Form. Die Stacheln sind an der Basis weiß, in der Mitte dunkelbraun und an der Spitze meist schwarz. Der Kopf endet typischerweise in einer länglichen Schnauze. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 6 Zitzen. 2 Paare Zitzen liegen im Brustbereich, ein Paar abdominal. Die Füße enden jeweils in 5 Zehen (Novak, 1999).

Lebensweise

Kapigel leben einzelgängerisch und sind nacht- und dämmerungsaktiv. Bei Gruppen handelt es sich in der Regel un ein Muttertier mit ihrem Nachwuchs. In den warmen Monaten sind Kapigel deutlich aktiver und legen sich durch eine erhöhte Futteraufnahme Fettreserven für die kalte Jahreszeit zu. In der kalten Jahreszeit halten die Tiere einen Winterschlaf. Dabei wird der Stoffwechsel und die Lebensfunktion drastisch gesenkt. Die Länge des Winterschlafes richtet sich nach den Witterungsbedingungen. Aufgrund der relativ langen Beine sind Kapigel schnelle Läufer und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 7 km/h (Novak, 1999).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Der Kapigel ist im südlichen Afrika verbreitet. Die Vorkommen erstrecken sich über Angola, Botswana, Namibia, Südafrika und Zimbabwe. Besiedelt werden vor allem aride Lebensräume wie Steppen, Baum- und Buschland sowie kultivierte Flächen. Wüsten und feuchte Lebensräume werden jedoch gemieden (IUCN, 2012).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden der Kapigel zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes), kleinere Raubtiere (Carnivora) und verwilderte Haushunde (Canis lupus familiaris). Zum Schutz vor Feinden rollen sich Kapigel kugelartig zusammen (Novak, 1999).

Ernährung

Überwiegend ernähren sich Kapigel von Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera), Termiten (Isoptera), Ameisen (Formicoidea), Geradflügler (Orthoptera), Nachtfalter (Noctuoidea) und ähnlichem Kleingetier. Zu einem kleinen Teil werden auch Regenwürmer (Lumbricidae) gefressen. Eher selten steht auch Aas, kleine Reptilien (Reptilia), kleine Säugetiere (Mammalia), Eier und pflanzliche Kost auf der Speisekarte. In einer Nacht kann ein Kapigel bis zu 30% seines Körpergewichtes an Nahrung zu sich nehmen (Novak, 1991).

Fortpflanzung

Kapigel erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des 3. oder 4. Lebensmonats. Die Paarungszeit erstreckt sich im südlichen Afrika von August bis in den Februar hinein. In einer Saison kann es zu mehreren Würfen kommen. Nach einer Tragezeit von 30 bis 40 (35) Tagen bringt ein Weibchen bis zu 10, meist 4 bis 5, Jungtiere zur Welt. Die Jungen weisen ein Geburtsgewicht von etwa 10,5 g auf. Bei der Geburt sind die Jungen nackt, blind und taub. Die Stacheln liegen noch unter der Haut verborgen und brechen in der ersten Lebenswoche durch. Nach 2 Wochen öffnen sie ihre Augen. Die Jungen werden für einen Zeitraum von 5 bis 7 (6) Wochen gesäugt. Kurze Zeit später erreichen die Jungtiere die Selbständigkeit. Insgesamt kümmern sich ausschließlich die Weibchen um den Nachwuchs. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei 3 Jahren, in Gefangenschaft durchaus bei 7 Jahren (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Kapigel gehört heute noch nicht zu den gefährdeten Arten und wird daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die Populationsstärke ist jedoch rückläufig. Gründe hierfür können die Zerstörung der natürlichen Lebensräume, die Ausbringung von Pestiziden in der Landwirtschaft oder auch klimatische Faktoren sein. Die Stacheln finden zudem in der traditionellen Medizin Verwendung (IUCN, 2012).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Igel (Erinaceidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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