Kapkormoran

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Kapkormoran

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Kapkormoran
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax capensis
(Sparrman, 1788)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Kapkormoran (Phalacrocorax capensis) zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Im Englischen wird der Kapkormoran cape cormorant oder cape shag genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Kapkormoran erreicht eine Körperlänge von etwa 64,0 Zentimeter und eine Flügelspannweite von etwa 109,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 0,8 bis 1,6 Kilogramm. Zwischen den Geschlechtern besteht wenig Sexualdimorphismus. Das Gefieder des Kapkormoran ist fast komplett schwarz glänzend, in der Brutzeit zeigt sich jedoch ein violetter Farbton und ein Paar weiße Federn an Kopf, Hals und im Bereich der Kloake. Seine eckig geformte Haut um den Schnabelansatz ist orange-gelb gefärbt. Ungewöhnlich für den Kapkormoran sind die befederten Zügel im Gesicht. Ein weiteres markantes Merkmal ist sein bis zu fünf Zentimeter langer Schnabel, der über eine hakenförmige Spitze verfügt. Der Hals ist insgesamt lang und ausgesprochen dünn. Zwischen den Zehen hat der Kapkormoran Schwimmhäute, die sie zu einem hervorragenden Taucher machen. Schwimmt der Kapkormoran an der Wasseroberfläche, so sind in der Regel nur sein Hals und Kopf zu sehen. Der Körper befindet sich knapp unter der Wasseroberfläche. Das Gefieder saugt sich bei Kontakt mit Wasser voll und hält den Körper unter Wasser. Der Kapkormoran verfügt über keine Bürzeldrüse, mit der andere Wasservögel ihr Gefieder einfetten und mehr oder weniger wasserdicht machen. Nach einem Tauchgang kann man Kapkormorane an Land mit ausgebreiteten Flügeln beobachten. Meist wedeln sie dabei mit ihren Flügeln, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen.

Lebensweise

Kapkormorane
vergrößern
Kapkormorane

Der Kapkormoran ist an der südwestlichen Küste Afrikas endemisch. Er brütet von Namibia nach Süden bis zur südlichen Kap-Provinz. Außerhalb der Brutzeit hält sich der Kapkormoran sehr weit nördlich bis zur Mündung des Kongo. Der Aufenthalt erstreckt sich bis auf die Ostküste Südafrikas und bis nach Mosambik. Im Jahr 1970 wurde der Brutbestand auf über 1 Million allein in Namibia geschätzt. Doch laut der Roten Liste der IUCN wird der Kapkormoran jetzt als gering gefährdet eingestuft. Die kontinuierliche Verschmutzung durch Ölpest, die Rückläufigkeit der Bestände seiner Beute und Krankheitserreger sowie Parasiten tragen zur Bedrohung dieser Art bei.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Kapkormoran in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Angola, Kongo, Mosambik, Namibia und Südafrika. Die Population wurde 1996 auf 72.000 Paare geschätzt (Barnes 2000), das entspricht etwa 144.000 geschlechtsreife Individuen (Barnes 2000). Der Kapkormoran lebt in folgenden Lebensräumen: Pelagische Zonen, intertidale felsige Küsten, supratidale Klippen und felsige Inseln sowie supratidale Süßwasserseen.

Ernährung

Kapkormorane
vergrößern
Kapkormorane

Kapkormorane ernähren sich ausschließlich von Fisch, dabei fischen sie meistens in Gruppen. Zu den Fischen zählen unter anderem Sardinen, Sardellen und Sandaale, die sie in den Gewässern Südwest-Afrikas erbeuten. Besonders im Benguelastrom, der sehr sauerstoff- und daher auch zooplanktonreich ist, werden vermehrt Fischschwärme dorthin angezogen. Seine Beute ist in der Regel viel kleiner als jene Beute der sympatrischen Küstenscharbe (Phalacrocorax neglectus). Pro Tag braucht der Kapkormoran etwa 250 bis 300 Gramm an Nahrung. Auf Beutezug schwimmen die Kapkormorane unter Wasser. Sie sind ausgezeichnete Taucher, die durchschnittlich in Tiefen von zehn Metern jagen. Es wurden aber auch schon Tauchtiefen von deutlich unter 20 Metern registriert. Dabei können sie über eine Minute unter Wasser verbleiben. Die durchschnittliche Tauchzeit liegt bei rund 30 bis 45 Sekunden. Bei ihren Tauchgängen setzen sie ihre kräftigen Füße als Antrieb ein und nutzen ihren Schwanz zum Steuern.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden des Kapkormoran zählen unter anderem Schabrackenschakale (Canis mesomelas), die gelegentlich die adulten Vögel auf den Schlafplätzen erbeuten. Weitere natürliche Feinde sind der Kormoran (Phalacrocorax carbo), der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus) und die Dominikanermöwe (Larus dominicanus), die die Nester des Kapkormoran plündern.

Fortpflanzung

Kapkormoran
vergrößern
Kapkormoran

Kapkormorane erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Die Brutzeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet im Frühjahr und im südlichen Sommer von September bis Februar. Sie sind Kolonienbrüter, die ihre Nester meist an felsigen Ufern errichten. In den Kolonien werden auch andere Vogelarten geduldet. Die Nester werden aus Zweigen und anderen pflanzlichen Bestandteilen wie Schilf und andere Wasserpflanzen errichtet. Das Weibchen legt in der Regel zwei bis drei Eier. Die Eier werden über einen Zeitraum von rund 24 Tagen bebrütet. Bei Gelegeverlust sind Nachgelege durchaus die Regel. Als Nesthocker verbleiben die Küken für 47 bis 50 Tage im Nest und werden von den Eltern gefüttert. Die Flugfähigkeit wird zwar mit 60 Tagen erreicht, die Jungvögel verbleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern. Ihr Gefieder ist überwiegend bräunlich, an der Unterseite hellbraun. Nach der ersten Mauser weisen die Jungvögel das gleiche Gefieder wie die adulten Vögel auf.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art aufgrund des Rückgangs der Population und der Reichweite als gering gefährdet gelistet. Der Rückgang steht auch in der Verfügbarkeit von Beute in Zusammenhang. Die Beutetiere sind derzeit im südlichen Afrika rückläufig und die Art verdient daher eine engmaschige Überwachung. Der Kapkormoran ist im südlichen Afrika endemisch. Die Brutplätze befinden sich in 69 Orten, die zwischen Namibia, Stag Island, Ostkap und Südafrika liegen, 2 Prozent der Population nisten östlich von Kap Agulhas. Die globale Population bestand in den Jahren von 1977 bis 1981 aus 247.000 Paaren und im Jahr 1996 aus 72.000 Paaren mit 37 Prozent in Südafrika. Große Schwankungen sind auf Veränderungen in der Verfügbarkeit von Sardellen wie Engraulis capensis zu verzeichnen. Ein wichtiger Punkt in Zusammenhang mit Beute kann ein Teil eines natürlichen Zyklus werden. Aus diesem Grund ist die Sardellen-Art Engraulis capensis noch nicht als "gefährdet" eingestuft. Allerdings sind die Bestände der Sardellen-Art Engraulis capensis derzeit im südlichen Afrika rückläufig und daher verdient der Kapkormoran eine engmaschige Überwachung. Ringaufzeichnungen zeigen ausgedehnte Bewegungen innerhalb der Reichweite und es sollte eine Zählung der Populationen vorgenommen werden. Ferner verursachen Krankheiten und Parasiten eine hohe Sterblichkeit. Eine weitere potentielle Bedrohung ist die Ölverschmutzung.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge