Kapotter

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Kapotter

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
Tribus: Fingerotter (Aonychini)
Gattung: Aonyx
Art: Kapotter
Wissenschaftlicher Name
Aonyx capensis
Schinz, 1821

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Kapotter (Aonyx capensis), auch Fingerotter genannt, zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Aonyx. Im Englischen wird dieser Otter Cape Clawless Otter genannt. Die Art ist monotypisch, es sind keine Unterarten anerkannt. Gelegentlich wird der Kongo-Fingerotter (Aonyx congicus) als Unterart des Kapotters geführt. Der englische Name verweist auf die krallenlosen Finger. Diese Ansicht gilt jedoch als überholt (Wozencraft, 1993).

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Vor rund 38 Millionen Jahren begann sich die große Familie der Marder, zu denen auch der Kapotter gehört, zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt begann die Abspaltung der verschiedenen Linien. Die Entwicklung zu Ottern, Skunks, Silberdachsen, Honigdachsen, Dachsen, Vielfraße und Marder dauerte allerdings viele Millionen Jahre. Die ersten otterartigen Vertreter der Marder entwickelten sich im oberen Oligozän, also vor etwa 20 Millionen Jahren. Die ältesten Fossilien-Funde eines prähistorischen Otters, die den rezenten Vertretern ähneln, stammen aus dem mittleren Pleistozän, das etwa eine Millionen Jahre vor unserer Zeit lag. Diese Fossilien konnten der Gattung Lutra zugeordnet werden. Bereits vor gut fünf Millionen Jahren spaltete sich die Aonyx von der Gattung Lutra.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kapotter erreicht je nach Geschlecht eine Kopf-Rumpf-Länge von 73 bis 88 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 46 bis 51 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 13 bis 17 Zentimeter, eine Ohrlänge von 2,3 bis 3,5 Zentimeter sowie ein Gewicht von 10 bis 17,8 Kilogramm. Aus diesen Maßen ergibt sich eine maximale Gesamtlänge bei den Männchen von gut 140 Zentimeter. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Die Art gilt als der größte Otter der "Alten Welt". Größer ist nur der in Südamerika beheimatete Riesenotter (Pteronura brasiliensis). Der dorsale Pelz ist überwiegend graubraun bis dunkelbraun gefärbt. Das Fell, insbesondere die Grannenhaare, erreicht eine Länge von etwa 2,5 Zentimeter. Die dichte Unterwolle ist deutlich kürzer und hell gefärbt. Die Kopfseiten, die Kehle, die Brust und die Bauchseite weisen eine schmutzig weiße bis cremefarbene Färbung auf. Markantes Merkmal sind die krallenlosen Vorderpfoten. Die Vorderpfoten verfügen lediglich über kurze Nägel. Ähnliches gilt für die Schwimmhäute in diesem Bereich, die nur noch rudimentär vorhanden sind. Die Nägel an den Hinterbeinen sind ebenfalls stark zurückgebildet. Die Extremitäten sind insgesamt sehr kurz. Die Vorderbeine fallen etwas kürzer aus als die Hinterbeine. Mit den ungleich langen Extremitäten bewegt sich der Kapotter mehr hoppelnd als laufend fort. Der Körperbau des Kapotters ist schlank und dennoch sehr kräftig. Dieser Eindruck wird durch den muskulösen Schwanz verstärkt. Im Bereich der Schnauze zeigen sich ausgesprochen lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Das kräftige Gebiss besteht aus 36 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet: 3/3, 1/1, 4/3, 1/2. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über zwei Paar Zitzen. Kapotter verfügen im Analbereich über Drüsen, deren Sekrete der Kommunikation und der Reviermarkierung dienen.

Lebensweise

Kapotter sind überwiegend in der Dämmerung und der Nacht aktiv, selten bekommt man sie auch am Tage zu Gesicht. Sie leben ausgesprochen sozial und sind in kleinen, losen zusammengesetzten Gruppen anzutreffen. Sie sind ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier vehement gegenüber Artgenossen. Die Reviere entlang von Flüssen weisen zumeist eine Länge von 5 bis 15 Kilometer auf. Die Markierung der Reviere erfolgen über Sekrete aus analen Drüsen. Auch wenn die Tiere in losen Gruppen leben, der Nachwuchs wird vom Weibchen alleine versorgt. Junge Otter verlassen die Mutter spätestens mit Erreichen der Geschlechtsreife. Wie alle Otter, so verbringen auch Kapotter den Großteil ihrer aktiven Zeit im Wasser. Sie gelten als sehr gute Schwimmer und Taucher. Ihre Nahrung suchen sie auf dem Grund ihres Gewässers. Die Kommunikation untereinander erfolgt über quietschende bis zwitschernde Laute. Aber auch die Geruchskommunikation spielt eine außerordentlich große Rolle.

Verbreitung

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Der Kapotter ist in Afrika südlich der Sahara weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich in West- und Zentralafrika vom Senegal bis Nigeria und dem nördlichen Kamerun. In Ostafrika sind Kapotter vom südlichen Sudan, über Tansania und Mosambik bis nach Südafrika verbreitet. Im Einzelnen sind Kapotter laut IUCN in Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Kamerun, im Tschad, im Kongo, in der Republik Kongo, in der Elfenbeinküste, in Äthiopien, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Lesotho, Liberia, Malawi, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, im Senegal, in Sierra Leone, Südafrika, im Sudan, Swasiland, in Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe anzutreffen. So weit wie das Verbreitungsgebiet, so vielfältig sind auch die Lebensräume. Alle Lebensräume haben jedoch eines gemeinsam: ein Gewässer gleich welcher Art. Als Lebensraum kommt sowohl der tropische Regenwald, die Randbereiche von Savannen als auch Küstenregionen zum Tragen. Gewässertypen wie Seen und größere Teiche sowie Flüsse und größere Bäche werden bevorzugt besiedelt. Aber auch ausgedehnte Sumpfgebiete und Mangroven kommen durchaus als Lebensraum in Betracht. Auch wenn Süßwasser bevorzugt wird, so kommen Kapotter vor allem in Südafrika auch in Brack- und Salzwasser vor.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Kapotter gehören je nach Vorkommen vor allem Nilkrokodile (Crocodylus niloticus), Schreiseeadler (Haliaeetus vocifer), Leoparden (Panthera pardus) und größere Schlangen (Serpentes). Kapotter verlassen sich zumeist auf ihre hervorragende Tarnfärbung. Aber vor allem Jungtiere fallen dem einen oder anderen Fleischfresser zum Opfer.

Ernährung

Beliebter Snack: Gemeiner Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus)
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Beliebter Snack: Gemeiner Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus)

Kapotter ernähren sich als reine Fleischfresser je nach Jahreszeit zwischen 40 und 60 Prozent von Krebstieren (Crustacea) wie Zehnfußkrebse (Decapoda). Darüber hinaus fressen sie jedoch auch Insekten (Insecta), Amphibien (Amphibia), Muscheln (Bivalvia) und Schnecken (Gastropoda). Aber auch Fische (Pisces) wie Forellenfische (Salmonidae), Süßwasseraale (Anguillidae), Buntbarsche (Cichlidae) und Gemeine Sonnenbarsche (Lepomis gibbosus) stehen je nach Lebensraum auf der Speisekarte. Hartschalige Krustentiere und Muscheln zerschlagen Kapotter auf Felsen oder Steine, um an das Fleisch zu kommen. In Küstennähe fressen Kapotter überwiegend Fisch, im Hinterland eher weniger. An Küstenlinien stehen zum Ärgernis der Menschen auch die Abalone (Haliotis midae) auf dem Speiseplan. In Japan gilt die Abalone als Delikatesse.

Fortpflanzung

Kapotter erreichen die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr. Kapotter leben in monogamer Einehe. In den meisten Verbreitungsgebieten liegt die Ranzzeit meist in der Regenzeit. In tropischen Regionen kann eine Paarung auch ganzjährig erfolgen. Während dieser Zeit kommt es nur zu einem Wurf. Die meisten Würfe kommen jedoch in der Zeit von März bis August zur Welt. Kapotter paaren sich hauptsächlich an Land, selten im Wasser. Ein trächtiges Weibchen sucht eine adäquate Wohnhöhle auf und polstert sie mit Moosen und feinen Gräsern aus. Eine Wohnhöhle liegt oberhalb der Hochwassergrenze im Uferbereich ihres Heimatgewässers. Nach einer Tragezeit von 63 bis 64 Tagen bringt das Weibchen zwischen ein und drei Jungtiere zur Welt. Sie sind anfangs noch nackt und blind. Im Alter von etwa 14 Tagen erkunden sie erstmals ihre Wohnhöhle. Nach fünf bis sechs Wochen öffnen sie ihre Augen und ihr Fell nimmt deutliche Formen an. Ab der achten bis zehnten Lebenswoche fangen sie unter Aufsicht der Mutter mit den ersten Schwimmübungen an. Die Säugezeit erstreckt sich über etwa zwei Monate. Ab der zehnten oder elften Woche nehmen sie aber schon feste Nahrung zu sich. Insgesamt bleiben die Jungtiere über ein Jahr, teilweise bis zur Geschlechtsreife bei den Eltern. In dieser Zeit erlernen sie die notwendigen Jagdtechniken, die zum Überleben notwendig sind. In freier Natur liegt die Lebenserwartung meist unter 10 Jahre. In Gefangenschaft ist eine Lebenserwartung von 10 bis 13 Jahren möglich.

Gefährdung und Schutz

Kapotter gehören heute noch nicht zu den bedrohten Otter-Arten. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) ist der Kapotter in Anhang II gelistet. Die Bestände nehmen jedoch seit Jahren kontinuierlich ab. Hauptursache ist die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Trockenlegung von Sumpfgebieten und anderen Feuchtgebieten zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen. Aber auch die zum Teil starke Bejagung hat die Populationen hat die Art unter Druck gesetzt.

Anhang

Literatur und Quellen

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