Kea

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Kea

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
Unterfamilie: Nestorpapageien (Nestorinae)
Gattung: Nestorpapageien (Nestor)
Art: Kea
Wissenschaftlicher Name
Nestor notabilis
Gould, 1856

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Kea (Nestor notabilis), auch unter der Bezeichnung Bergpapagei bekannt, zählt innerhalb der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) zur Gattung der Nestorpapageien (Nestor). Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der dämmerungsaktive Kea erreicht eine Körperlänge von etwa 45,0 bis 48,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 90,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 800,0 bis 1.000 Gramm. Der Kea hat meist ein oliv-grünes Gefieder mit einem grau gefärbten Schnabel. Die obere Schnabelhälfte ist hakenförmig gebogen, wobei der Schnabel des Männchens stärker gebogen ist. Die Erwachsenen weisen eine dunkelbraune Iris auf. Die Wachshaut, der Augenring sowie die Beine sind von einer grauen Farbe. An den Unterseiten seiner Flügel zeigen sich orangefarbene Federn. Die Federn an den Seiten des Gesichts sind dunkel olivbraun. Die Federn auf dem Rücken und dem Hinterteil sind orangerot gefärbt. Ein Teil der äußeren Schwungfedern sind matt blau getönt. Der Kea hat einen kurzen und breiten bläulich-grünen Schwanz mit einer schwarzen Spitze. Die Federschäfte an der Spitze des Schwanzes und der Unterseite der inneren Schwanzfedern weisen gelborange Querstreifen auf. Die obere Schnabelhälfte ist 12 bis 14 Prozent länger als die des Weibbchens. Die Jugendlichen ähneln in der Gefiederfärbung den Erwachsenen, jedoch weisen sie eine gelbe Wachshaut und einen gelb gefärbten Augenring auf. Des Weiteren ist die untere Schnabelhälfte orangegelb und die Beine sind graugelb geschönt. Keas nehmen visuelle, taktile, auditive und chemische Reize wahr. Ferner weisen sie ein breites Repertoire an Lautäußerungen auf, einschließlich der Flugruf "Kee-ah", mit dem sie sehr lautstark kommunizieren und dem sie schließlich auch ihren Namen zu verdanken haben. Ferner kommunizieren die Keas mit Körperhaltung, Aufstellen der Kopffedern und mit verschiedenen Mimiken.

Lebensweise

Junger Kea - Flugstudie
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Junger Kea - Flugstudie

In freier Wildbahn kommt der Kea in Neuseeland vor und hier bewohnt der Kea meist die hoch gelegenen Wälder und alpinen Becken, obwohl die Vögel oft das Tiefland frequentieren. Im Süden hält sich der Kea in den Gebirgsregionen in Höhen von 1.500 bis 2.000 Metern auf. Adulte Männchen leben in ihrem Revier mit bis zu vier Weibchen. Sie bewegen sich sehr viel am Boden. Der Kea ist sehr neugierig, einfallsreich und zählt zu den intelligentesten Tieren. Hauptsächlich ernährt sich der Kea von Beeren und Trieben, obwohl er auch die Mülldeponien nach Nahrung durchstöbert. Gelegentlich verzehrt der Kea auch Aas. Der Kea nistet in Felshöhlen oder in Erdlöchern unter Baumstämmen. In der Regel legt das Weibchen zwei bis vier Eier. Das Männchen versorgt das Weibchen während der Inkubation und nach dem Schlüpfen der Jungen mit reichlich Nahrung. Keas brüten erst wieder nach drei oder mehr Jahren. Der Kea besitzt einen Drang alles zu erforschen und zu manipulieren und macht ihn nicht gerade bei den Einwohnern beliebt, jedoch ist er ein Anziehungsmagnet für die Touristen. Da werden Rucksäcke, Schuhe oder sogar Autos untersucht und häufig werden diese dann auch beschädigt. Vor allem in den Skigebieten begegnen die Menschen üblicherweise den wilden Keas. Der Kea wird förmlich durch die Essensreste angezogen, unbewachte Kleidungsstücke und Gummiteile des Autos werden mit dem Schnabel gründlich untersucht und dann förmlich zerfleddert.

Keas sind hochintelligente, soziale Vögel. Sie leben in Familiengruppen und Aggregationen von 30 bis 40 Vögeln. Die Keas zeigen eine Vielfalt von sozialen Verhaltensweisen, inklusiver aufwendiger Spiele. Sie haben Dominanz-Hierarchien, aber diese Hierarchien sind nicht notwendigerweise linear. Zum Beispiel kann ein erwachsenes Männchen gegenüber einem subadulten Männchen dominant sein und eine Gruppe jugendlicher Männchen kann wiederum gegenüber einem erwachsenen Männchen dominant sein. Keas kooperieren untereinander, vor allem wenn schwierige Aufgaben zu lösen sind. In Gefangenschaft können Keas komplizierte Aufgaben lösen, mit denen sie vorher noch nie konfrontiert wurden. Keas sind tagaktiv und beginnen am frühen Morgen schon mit der Nahrungssuche, die bis zum späten Vormittag andauert. Während der Tagesmitte ruhen die Keas und beginnen dann erst wieder gegen Abend mit der Nahrungssuche, manchmal dauert dies bis zum Einbruch der Dunkelheit. In der Nacht suchen die Keas ihre Schlafplätze auf. Der Zeitpunkt dieser täglichen Aktivitäten variiert mit dem Wetter. An heißen Tagen verbringen sie lange Ruhephasen.

Verbreitung

Keas beim gegenseitigen Gefiederputzen
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Keas beim gegenseitigen Gefiederputzen

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Kea in Marlborough (Neuseeland) sowie in Nelson (Neuseeland) und im Fiordland-Nationalpark der neuseeländischen Südinsel vor. Die Population ist ein Bruchteil dessen, was sie einmal war. Die geschätzte Größe schwankt von 1.000 bis 5.000 bis zu 15.000 Individuen. Eine Studie veranschaulicht einen scheinbaren Rückgang der Zahlen über 30 Jahren an einem Standort, auch wenn die Zahlen im St. Arnaud Bereich im Norden der Südinsel während der Periode von 1992 bis 1999 stabil geblieben ist.

Ernährung

Keas sind opportunistische Allesfresser. Die Blätter, Knospen, Nüsse und die Scheinbuchen (Nothofagus) sind besonders wichtige Nahrungsquellen für den Kea. Die Ernährung variiert je nach Saison. Im Frühjahr frißt der Kea Büschel-, Tussock- oder Bültengräser (Chionochloa) und Blattbasen sowie Fasern. Er gräbt nach Wurzeln und auch nach Insekten (Insecta). Im Sommer verbraucht der Kea Nektar und Pollen des blühenden Steinflachs (Phorium colensoi) und anteilig auch Eisenhölzer (Metrosideros). Ferner ernähren sich die Keas von den Beeren der Coprosma und der Steineiben (Podocarpus) sowie die Blätter, Früchte, Samen und Blüten anderer Pflanzen. Neben pflanzlicher Kost frißt der Kea auch Käferlarven, Heuschrecken und Landschnecken im Sommer. Auch plündern die Keas die Nester der Sturmtaucher (Puffinus). Im Herbst ernährt sich der Kea von den Blättern und Knospen der Buchen sowie Wurzeln, Knollen, Früchte, Samen und Stängel anderer Pflanzen. Keas durchstöbern häufig den Müll nach Fleischresten und Knochenmark von Tierkörpern. Diese Nahrungsquellen sind besonders im Winter wichtig, wenn die pflanzliche Nahrung knapp ist. Und schließlich ernähren sich die Keas noch von Kaninchen und Mäusen. Einen sehr schlechten Ruf haben die Keas bei den Farmern, da sie Schafe angreifen, obwohl sie in der Regel verwundete oder kranken Schafe angreifen.

Kea
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Kea

In der Vergangenheit hatte der Kea wahrscheinlich eine Reihe von Nahrungskonkurrenten wie der Kaka (Nestor meridionalis), die Moa (Emeidae) der Gattungen Anomalopteryx, Dinornis, Emeus, Euryapteryx, Megalapteryx und Pachyornis spp., der Kakapo (Strigops habroptilus), die Nordinseltakahe (Porphyrio mantelli) und der Chatham-Rabe (Corvus moriorum), vor allem menschliche Siedlungen führten zu einem Massensterben der einheimischen Vögel Neuseelands. Die Moa (Emeidae), die Nordinseltakahe (Porphyrio mantelli) und der Chatham-Rabe (Corvus moriorum) sind jetzt ausgestorben und der Kakapo (Strigops habroptilus) ist extrem selten. Nur der Kaka (Nestor meridionalis) kommt noch häufig vor und die Lebensräume überlappen sich mit denen des Kea. Die beiden eng verwandten Arten suchen die gleichen Nahrungsplätze auf.

Prädation

Gelegentlich werden die Keas von Maorifalken (Falco novaeseelandiae) angegriffen, aber die Jagd endete immer erfolglos. Da Kea sofort Alarm schlagen und sich zu einer Gruppe zusammenrotten, um die Maorifalken (Falco novaeseelandiae) zu vertreiben.

Fortpflanzung

Keas führen eine polygyne (Vielweiberei) Eheform. Die Männchen kämpfen untereinander um die Vorherrschaft und die Hierarchie ist streng geregelt. Nur 10 Prozent der Männchen verpaaren sich mit den Weibchen. Die Kopulation wird von dem Weibchen eingeleitet, indem sie sich dem Männchen nähert und das Männchen zum Spielen auffordert oder eine unterwürfige Haltung einnimmt und das Männchen zum Putzen des Gefieders auffordert. Das Männchen füttert das Weibchen mit hoch gewürgter Nahrung. Die Brut kann zu jeder Zeit des Jahres durchgeführt werden, mit Ausnahme im Spätherbst. Jedoch gibt es pro Jahr nur eine Brut. Die Fortpflanzungszeit dauert von Juli bis Januar. Das Weibchen legt das Nest in Felshöhlen, in Erdlöchern, unter Steinen oder unter Baumwurzeln an. Das Nest wird mit Flechten und Moosen ausgepolstert und wird ein Leben lang von dem Weibchen genutzt. Das Weibchen legt zwei bis vier Eier und brütet die Eier für drei bis vier Wochen. Während dieser Zeit verläßt das Weibchen selten das Nest und das Männchen versorgt das Weibchen reichlich mit Nahrung. Nach dem Schlupf wird das Weibchen immer noch mit Nahrung versorgt und das Weibchen gibt die Nahrung an die Jungen weiter. Nach einem Monat füttert das Männchen die Jungen für weitere sechs Wochen selbst. Die Jungen sind Nesthocker und sind nach 13 Wochen flügge und nach weiteren fünf bis sechs Wochen verlassen die Jugendlichen das Brutgebiet. Während dieser Zeit bilden sich auch Schwärme, die für zwei bis drei Jahre zusammen wandern bevor sie sich irgendwo niederlassen. Die Männchen sind nach vier oder fünf Jahren geschlechtsreif, während die Weibchen schon früher geschlechtsreif sind, etwa mit drei Jahren. Keas können ein Alter von über 30 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Kea auf einem Autospiegel
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Kea auf einem Autospiegel

Laut der Roten Liste der IUCN wird angenommen, dass wegen Prädation und Konkurrenz verschiedener eingeführter Säugetiere Zahl der Population rückläufig ist. Jedoch ist es sehr schwierig die Größe der Population genau zu schätzen. Allerdings deuten einige Schätzungen darauf hin, dass die gesamte Population rückläufig ist. Aus diesem Grund wird der Kea in der Roten Liste der IUCN als gefährdet gelistet. Da eine Monitoring-Methode entwickelt wurde, ist zu hoffen, dass die aktuellen Trend- und Populations-Schätzungen somit verbessert werden können. Bis vor seinem Schutz im Jahr 1970 wurden mehr als 150.000 Kea für ein Kopfgeld geschossen, weil beobachtet wurde, dass einige Individuen Schafe wegen ihres Fetts angriffen. Heute wird der Kea durch Einführung von Säugetieren, wie das Hermelin (Mustela erminea), verwilderte Katzen, der Fuchskusu (Trichosurus vulpecula), bedroht, jedoch ist das Ausmaß der Prädation noch unbekannt. Eine bedeutende Rolle spielen die eingeführten Nahrungskonkurrenten wie der Himalaya-Tahr (Hemitragus jemlahicus), der Rothirsch (Cervus elaphus), der Feldhase (Lepus europaeus) und die Gämse (Rupicapra rupicapra). Jedes Jahr werden viele Vögel von den Bauern getötet. Es wird vermutet, dass einige Vögel durch die Giftstoffe und andere gefährtliche Materialien auf den Mülldeponien und auch in den menschlichen Siedlungen, bei der Nahrungssuche Gift mit aufnehmen. Der Kea wird auch im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES, Anhang II, gelistet. Es werden Forschungen auf dem Gebiet der Ökologie und der Populations-Dynamik durchgeführt. Des Weiteren wird auch Aufklärungsarbeit, vor allem bei den Bauern, geleistet, damit das negative Image des Kea minimiert wird. Eine genaue Zählung der Population ist unbedingt erforderlich. Ferner eine Überwachung nach der Methode von Elliot und Kemp einrichten. Gegebenenfalls auch eine Kontrolle der Säugetier-Prädation einführen und weitere Advocacy-Kampagnen (Überzeugungsarbeit) bei den Bauern durchführen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

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