Kegelrobbe

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Kegelrobbe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Cynoidea)
Familie: Hundsrobben (Phocidae)
Gattung: Halichoerus
Art: Kegelrobbe
Wissenschaftlicher Name
Halichoerus grypus
Fabricius, 1791

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Kegelrobbe (Halichoerus grypus) zählt innerhalb der Familie der Hundsrobben (Phocidae) zur Gattung Halichoerus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Kegelrobbe ist in unseren Breitengraden die größte Robbenart. Sie wird deutlich größer als der ebenfalls heimische Seehund. Das Männchen erreicht ein Körperlänge von rund 250 cm sowie ein Gewicht von 250 bis 300 Kg. Das Weibchen bleibt mit 180 bis 200 cm und einem Gewicht von 150 bis 180 Kg deutlich kleiner und leichter. Die Fellfärbung reicht von hellgrau bis dunkelgrau und ist mit helleren oder dunkleren Mustern durchzogen. Die Bauchseite ist deutlich heller gefärbt. Der rundliche Kopf endet in einer spitzen, kegelförmigen Schnauze. Die Form der Schnauze war für diese Art namensgebend. Der Hals ist relativ kurz und geht stromlinienförmig in den Rumpf über. Das Gebiss ist kräftig und besteht aus 32 Zähnen. Die Kegelrobbe verfügt über keine äußeren Ohren, dennoch ist ihr Gehör außerordentlich gut entwickelt. Die Augen sind nach vorne gerichtet und liegen recht weit auseinander. Mit dieser Augenstellung kann sie bestens nach vorne und nach oben sehen. An Land kann sie nicht sehr gut sehen. Aber unter Wasser ist das Sehvermögen aufgrund der Nickhaut sehr gut entwickelt.

In Anpassung an den zum Teil eiskalten Lebensraum hat die Kegelrobbe unter der Haut den sogenannten Blubber, über den z.B. auch Wale verfügen. Das ist eine dicke Speckschicht unmittelbar unter der Haut und bildet eine optimale Isolierung gegen Wärmeverlust. Außerhalb der Paarungszeit leben Kegelrobben einzelgängerisch und kommen nur selten an Land. Während der Paarungszeit bilden sie an Land kleinere Kolonien. Die Kolonien bestehen aus mehreren Haremsgruppen und sind in feste Reviere unterteilt.

Mit ihrem stromlinienförmigen Körper sind sie unter Wasser zu Geschwindigkeiten von fast 40 km/h in der Lage. Ihr Blut hat einen hohen Anteil an Hämoglobin. Dieser eisenhaltige rote Blutfarbstoff ist in der Lage, extrem viel Sauerstoff im Blut zu binden. Damit können Kegelrobben bis zu 20 Minuten lang tauchen. Ihre normale Tauchtiefe beträgt rund 70 bis 100 Meter. In Extremfällen können sie aber auch bis zu 300 Meter tief tauchen. Durch die Verlangsamung ihres Herzschlages wird die Blutversorgung auf ein Minimum beschränkt und somit Sauerstoff gespart. Während eines Tauchvorganges sind Nasen- und Ohrenöffnung verschlossen.

Zu den Hauptfeinden zählen neben dem Menschen vor allem Haie und Orcas. Die Bestände der Kegelrobbe sind in den letzten 100 Jahren stark zurückgegangen. Das sinnlose Abschlachten hatte die Art an den Rand der Ausrottung gebracht. Heute sind sie zwar wieder häufiger anzutreffen, aber immer noch stark gefährdet. Die Fischer, die in den natürlichen Lebensräumen die Meere leerfischen, sehen die Kegelrobbe als Konkurrenten. Nicht selten werden sie von den Fischern gnadenlos abgeschossen.

Unterarten

Verbreitung

Die Kegelrobbe findet ihre Verbreitung im gesamten Nordatlantik und in der Ostsee. Die größten Populationen leben vor der Küste Kanadas und im Norden Großbritanniens, vor allen vor Schottland, Irland und den Färöer-Inseln. Die Robben bevorzugen felsige und unzugängliche Küstenregionen.

Nahrung

Neben Fisch fressen sie auch Tintenfisch, Garnelen, Schnecken und Krebse. Ihr Jagdrevier befindet sich in der Nähe der Küste. Ausgewachsene Tiere haben einen Nahrungsbedarf von etwa sechs Kg am Tag. Sie können aber durchaus auch bis zu zwölf Kg fressen und den einen oder anderen Fastentag einlegen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit etwa vier Jahren erreicht. Männliche Tiere kommen allerdings in Ermangelung eines Harems meist erst ab dem achten bis neunten Lebensjahr zu einer Begattung. Die Paarungszeit beginnt je nach Verbreitungsgebiet im Oktober und endet spätestens im März. Die Bullen halten sich ein Harem, in dem alle beteiligten Weibchen von ihnen begattet werden. Die Anzahl der Weibchen in einer Haremsgruppe kann durchaus bei fünf bis zehn Tieren liegen. Zur Brunftzeit kann es unter den Bullen zu heftigen Kämpfen kommen, die aber selten mit einer Verletzung enden. Die Regel sind Drohgebärden und Imponiergehabe. Nach der Befruchtung des Weibchens legt die Entwicklung der Eizelle eine Keimruhe von drei Monaten ein. Danach beginnt die eigentliche Trächtigkeit von etwa acht Monaten.

Das Weibchen bringt in der Regel ein Jungtier zur Welt, das eine Geburtslänge von etwa 100 cm sowie ein Gewicht von 15 bis 20 Kg aufweist. Die Geburt findet an geschützten Küstenabschnitten statt. Das Jungtier verfügt über ein wuschiges hellbraunes bis ockerfarbenes Jugendfell, mit dem es nicht schwimmen kann. Sein Altersfell bekommt es nach etwa zwei bis drei Wochen. Viel länger wird das Jungtier auch nicht gesäugt. In den ersten vier Wochen legt es aufgrund der gehaltvollen Muttermilch täglich bis zu zwei Kg an Gewicht zu. In Freiheit erreichen Kegelrobben selten ein Alter von über 25 Jahren. In Gefangenschaft sind ohne weiteres 35 oder sogar 40 Jahre möglich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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