Keilschwanzadler

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Keilschwanzadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Gattung: Echte Adler (Aquila)
Art: Keilschwanzadler
Wissenschaftlicher Name
Aquila audax
Latham, 1801

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Keilschwanzadler (Aquila audax) gehört innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Echten Adler (Aquila). Im Englischen wird der Keilschwanzadler Wedge-tailed Eagle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Keilschwanzadler erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 100 bis 110 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 190 bis 230 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.500 bis 5.500 Gramm. Männchen bleiben etwa 15 Prozent kleiner und leichter als Weibchen. In Australien ist der Keilschwanzadler der größte Greifvögel (Falconiformes). Sein Gefieder ist bräunlich bis dunkelbraun, zuweilen auch rostbraun oder sogar schwarz gefärbt. Im Nacken- und Schulterbereich kann sich eine rostbraune Färbung zeigen. In der Gefiederfärbung zeigt sich bei den Geschlechtern kein Dimorphismus. Auch die Extremitäten weisen bis zu den Füßen eine dichte Befiederung auf. Markant und namensgebend ist der keilförmige Schwanz, der ausgesprochen lang ausfällt und vor allem im Flug auffällt. Die Nestlinge sind anfangs hell, meist weißlich bedunt. Juvenile Vögel weisen eine gelblichbraune Grundfärbung auf. Die adulte Ausfärbung des Gefieders stellt sich spätestens mit der Geschlechtsreife ein. Der Hinterkopf ist durch einen aufstellbaren Federschopf gekennzeichnet (siehe Foto ganz unten).

Keilschwanzadler im Flug
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Keilschwanzadler im Flug

Lebensweise

Keilschwanzadler leben einzelgängerisch oder paarweise. Liierte Paare gehen sich außerhalb der Paarungszeit jedoch mehr oder weniger aus dem Weg, teilen sich jedoch das gleiche Revier. Keilschwanzadler kommen sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen vor. Eine eindeutige Präferenz ist dabei nicht zu erkennen. Auf ihren Suchflügen ziehen sie in großen Kreisen durch ihren Lebensraum - immer auf der Suche nach Beutetiere. Sie jagen meist selbst, nehmen jedoch auch Aas an. Aas wird vor allem in Mangelzeiten häufig gefressen. In den Ruhephasen kann man Keilschwanzadler hauptsächlich im Geäst von Bäumen beobachten. ALs tagaktive Räuber verbringen sie hier auch die Nachtruhe. Die Reviere eines Paares ist mit bis zu 35 Quadratkilometer sehr groß. Das eigene Revier wird bei beiden Partnern gleichermaßen verteidigt. In Mangelzeit kann ein Revier deutlich größer sein.

Unterarten

Verbreitung

Jungvogel im Horst
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Jungvogel im Horst

Der Keilschwanzadler ist in weiten Teilen der südostasiatischen Inselwelt, insbesondere in Indonesien, Irian Jaya und Papua-Neuguinea weit verbreitet. Die Unterart Aquila audax fleayi ist in Australien endemisch. Kleinere Populationen leben auch auf Tasmanien und Neuseeland. In diesem sehr großen Verbreitungsgebiet werden zahlreiche, höchst unterschiedliche Habitate besiedelt. Neben tropischen Regenwäldern werden auch lichte Wälder, Bergwälder, Küstenwälder, landwirtschaftliche Flächen sowie Baum- und Strauchsavannen und Buschland besiedelt. Seltener ist der Keilschwanzadler in reinen Wüsten oder Halbwüsten anzutreffen. Halboffene und offene Flächen werden eindeutig als Lebensraum bevorzugt. Diese Habitate bieten für die Jagd ausreichend Raum. In Höhenlagen ist der Keilschwanzadler bis in Höhen von über 2.000 Metern über NN. anzutreffen.

Prädatoren

Der Keilschwanzadler steht am oberen Ende der Nahrungskette. Er hat daher nur sehr wenige natürliche Feinde. Die Eier und Jungvögel werden in den Nester gelegentlich von größeren Waranen (Varanus) erheutet. Warane können jedoch nur in einem unbewachten Moment Beute in einem Gelege machen. Ist ein Altvogel im Nest, so haben auch größere Warane kaum eine Chance.

Keilschwanzadler mit Beute (Vogel)
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Keilschwanzadler mit Beute (Vogel)

Ernährung

Als reiner Fleischfresser hat es der Keilschwanzadler hauptsächlich auf Vögel (Aves), Säugetiere (Mammalia), Reptilien (Reptilia) in passender Größe abgesehen. Aber auch Aas steht weit oben auf der Speisekarte. Dem Keilschwanzadler kommt also auch eine Aufgabe als Gesungsheitspolizist zu. Wird ein erbeutetes Beutetier nicht an Ort und Stelle gefressen, so schafft der Keilschwanzadler die Beute an eine sichere Stelle, meist in der Nähe des Horstes, und vertilgt die Reste später. Neben Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) stehen vor allem Kleine Kurznasenbeutler (Isoodon obesulus), Wombats (Vombatidae), Kusus (Trichosurus), Wallabys (Wallabia), Ameisenigel (Tachyglossidae), und Große Kaninchennasenbeutler (Macrotis lagotis) auf der Speisekarte. Zum Leidwesen der Farmer werden gelegentlich auch Lämmer und Geflügel erbeutet. Es handelt sich dabei meist um schwache oder kranke Lämmer. Die Jagd erfolgt vorzugsweise in den frühen Morgen- und Abendstunden.

Fortpflanzung

Der Keilschwanzadler erreicht die Geschlechtsreife im Alter von gut drei Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von Juni bis in den Oktober hinein. Zur ersten Paarung kommt es meist erst nach fünf bis sechs Jahren. Es kommt in der Regel zu einem Gelege je Brutsaison. Es ist jedoch ein Nachgelege möglich, falls ein Gelege verloren geht. Keilschwanzadler leben in einer monogamen Einehe, die für gewöhnlich ein Leben lang hält. Bei Verlust eines Partners kommt es zu einer Neuverpaarung.
Küken im Horst
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Küken im Horst
Die Balz ist durch Sturz- und Trudelflüge geprägt, die mit pfeifenden Ausrufen einher gehen. Während der Paarungszeit legen Keilschwanzadler ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Das Revier wird von beiden Geschlechtern vehement verteidigt. Ein Host entsteht zumeist in großer Höhe in Bäumen. In Regionen, in denen es an adäquaten Bäumen fehlt, nisten Keilschwanzadler auch in Felsklippen oder auf Felsvorsprüngen. In Bodennähe entstehen Nester eher selten. Ein Host wird in der Regel über mehrere Jahre genutzt und jährlich ausgebessert oder vergrößert. Als Baumaterial dienen hauptsächlich kräftige Äste und Reisig. Ein Horst weist in der Regel einen Durchmesser von bis zu 180 Zentimeter auf, die Nistmulde misst etwa 50 bis 80 Zentimeter im Durchmesser. Das Nestinnere wird meist mit Blättern ausgepolstert.

In den bezugsfertigen Horst legt das Weibchen ein bis zwei, selten bis drei Eier. Die Eier werden vom Weibchen über einen Zeitraum von zwei bis drei Tagen gelegt. Das Wärmen der Eier beginnt bereits mit dem ersten Ei. Die Eier werden überwiegend vom Weibchen über einen Zeitraum von 43 bis 45 Tage gewärmt. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt. Das Männchen kümmert sich zudem um den Schutz des Geleges. Um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile. Die Jungadler erreichen die Flugfähigkeit erst sehr spät mit 80 bis 95 Tagen. Mit Erreichen der Flugfähigkeit sind die Jungvögel jedoch noch nicht selbständig. Sie bleiben noch ein bis zwei Monate im Familienverband und werden auch weiterhin mit Nahrung versorgt, ehe sie nach spätestens sechs Monaten eigene Wege gehen. Die Lebenserwartung der Keilschwanzadler liegt in Freiheit bei 10 bis 15 Jahren, in Gefangenschaft ist eine Lebenserwartung von bis zu 40 Jahren möglich.

Ökologie

In seinem Ökosystem bildet der Keilschwanzadler als Fleischfresser eine durchaus wichtige Rolle. Durch seinen gesunden Appetit steuert er vor allem die Populationen der Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), die vor allem in Australien als Plage gelten. Auch wenn der Keilschwanzadler dadurch zu einen Nützling wird, ist er in der Nähe von landwirtschaftlichen Flächen kein gern gesehener Gast. Ihm wird nachgesagt, er würde auch Kälber und Lämmer reißen. Dies kann sicher vorkommen, aber der Keilschwanzadler hat es nur auf kranke und geschwächte Tiere abgesehen. Das Vieh der Farmer hat durch die große Population der Wildkaninchen deutlich mehr zu leiden. Nicht selten brechen sich Rinder oder Schafe in den Erdlöchern der Wildkaninchen die Beine.

Keilschwanzadler im Horst
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Keilschwanzadler im Horst

Gefährdung und Schutz

Insgesamt gilt der Keilschwanzadler noch nicht als gefährdet. Dies trifft vor allem auf die weit verbreitete Unterart Aquila audax audax zu. Die zweite Unterart, Aquila audax fleayi, die in Australien vorkommt, gilt jedoch als gefährdet. Die Hauptursache ist in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch das Abholzen der Wälder, zu suchen. Den Keilschwanzadlern fehlt es in Australien nicht an Nahrung, sondern an Nistmöglichkeiten. In der Vergangenheit wurden die Keilschwanzadler zudem stark bejagt, weil sie hin und wieder ein Lamm gerissen haben. Die Bejagung der Vögel ist heute verboten. Einziger Rückzugspunkt sind heute in Australien einige wenige Nationalparks. Man schätzt den Bestand der gefährdeten Unterart Aquila audax fleayi auf 100 bis 130 Brutpaare. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Art in Anhang II unter weltweitem Schutz.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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