Kleiber (Art)

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Kleiber

Systematik
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Kleiber (Sittidae)
Gattung: Kleiber (Sitta)
Art: Kleiber
Wissenschaftlicher Name
Sitta europaea
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Kleiber (Sitta europaea) zählt innerhalb der Familie der Kleiber (Sittidae)zur Gattung der Kleiber (Sitta). Im Jahre 2006 wurde der Kleiber vom Naturschutzbund Deutschland zum Vogel des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Kleiber erreicht eine Körperlänge von 11 bis 12 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 16 bis 18 Zentimeter sowie ein Gewicht von um die 12 bis 18 Gramm. Die Geschlechter weisen nur einen geringen Geschlechtsdimorphismus auf. Das Obergefieder, die Flügel, der Schwanz sowie der Oberkopf sind überwiegend gräulich bis blaugrau gefärbt. Das Bauchgefieder weist eine hellbraune bis kastanienbraune Färbung auf. Jungvögel ähneln den adulten Tieren, jedoch fällt ihre Färbung ein wenig matter aus. Der Körperbau der Kleiber ist durchaus als kompakt zu bezeichnen. Der relativ kurze Schwanz, zeigt eine deutliche Rundung. Die Flügel sind recht lang und spitz zulaufend. Markantes Merkmal ist der schwarze Augenstreif, der vom Schnabelansatz bis in den Nacken verläuft. Das Gefieder unterhalb der Augen ist weißlich und geht zur Brust hin in ein Hellbraun oder in ein helles Kastanienbraun über. Der dolchartige Schnabel ist oberhalb schwarz, am Unterschnabel zeigt sich am Ansatz eine weißliche Stelle. Die gräulich gefärbten Extremitäten sind sehr kräftig ausgebildet. Mit ihnen kann sich der Kleiber selbst kopfüber an Ästen und Baumstämmen halten. Die Zehen enden in kräftigen Krallen.

Lebensweise

Die tagaktiven Kleiber sind wie alle Kleiber ausgezeichnete Kletterer, die sich gewandt im Geäst der Bäume und Sträucher bewegen können. Dabei können sie problemlos auch einen Stamm senkrecht und kopfüber hinunterklettern. Dabei verlassen sich Kleiber nur auf ihre Füße, die in kräftigen Krallen enden. Der Schwanz dient ihnen nicht als Kletterhilfe. Kleiber sind durchaus gesellige Vögel, die zumeist eine monogame Saisonehe führen. Nicht selten bleiben die Paare auch über mehrere Jahre oder ein Leben lang zusammen. Während der Paarungszeit ist der Kleiber ausgesprochen territorial. Das eigene Revier wird vehement gegenüber Eindringlingen verteidigt. Außerhalb der Paarungszeit, vor allem im Winter, sind Kleiber auch in kleineren Gesellschaften anzutreffen. Diese Gruppen können aus verschiedenen Kleiber-Arten bestehen. Das Gelege und das Revier werden aktiv verteidigt. Dabei kommt es seitens des Männchens zu Drohhaltungen, die sich durch einen aufgerichteten Schwanz und gesenkten Kopf manifestieren. Mit paddelartigen Bewegungen der Flügel versucht das Männchen einen Fressfeind oder einen Konkurrenten zu vertreiben. Während der kalten Jahreszeit kann es bei Nahrungsmangel zu Teilzügen kommen. Der Zug erfolgt dann in südliche Gefilde. Bei reichlich vorhandener Nahrung verbleibt der Kleiber aber ganzjährig im Brutgebiet.

Unterarten

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Verbreitung

Kleiber sind im gemäßigten Teil Europas und im westlichen Teil Asiens weit verbreitet. In Europa wird lediglich der hohe Norden nicht besiedelt. Im Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis ins westliche Sibirien. Im Südosten sind Kleiber in Kleinasien, im Iran und im Kaukasusgebiet anzutreffen.
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Der Kleiber ist in den Brutgebieten zumeist in lichten Nadel- oder Laubwäldern anzutreffen. Laubwälder werden allerdings eher weniger besiedelt. Geschlossene Wälder werden strikt gemieden. Ihre Nester entstehen zumeist in dichten Bäumen. Hier sind sie auch vor den meisten Fressfeinden sicher und Nahrung ist in der Regel reichlich vorhanden. Bäume mit einer rauen Oberfläche werden bevorzugt. An glatten Stämmen finden Kleiber keinen Halt.

Ernährung

Kleiber ernähren sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Sie gelten demnach als Allesfresser. Sie fressen die Samen von Nadelbäumen wie Fichten und Kiefern, andere Sämereien, Körner aller Art und kleinere Waldfrüchte. An tierischer Nahrung nehmen sie Insekten und deren Larven, Spinnentiere und kleinere Gliederfüßer zu sich. Die Nahrung suchen Kleiber hauptsächlich im Geäst der Bäume und Sträucher, nur selten auch auf dem Waldboden. Während der Brutzeit werden fast ausschließlich Insekten und Spinnentiere gefressen. Die Brut wird ausschließlich mit Insekten und ähnlichem versorgt. In gemäßigten Breitengraden gelten Kleiber als Standvögel. Für die kalte Jahreszeit, in der es keine oder nur wenige Insekten zu fressen gibt, legen sie Nahrungsspeicher an und ernähren sich im wesentlichen von Sämereien.

Fortpflanzung

Allgemeines

Kleiber erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Die Geschlechter führen eine monogame Saisonehe, die nicht selten über mehrere Jahre hält. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten Ende März oder Anfang April. In nördlichen Gebieten teilweise auch erst im Mai. Die Brutzeit und die Aufzucht des Nachwuchses kann sich dabei bis in den August erstrecken. In einer Saison kommt es nur zu einem Gelege. Während der Brutzeit sind Kleiber sehr territorial und verteidigen ihr Revier und das Gelege gegenüber Artgenossen und Fressfeinden vehement. Männchen wissen durch ein ausgefeiltes Werbeverhalten zu beeindrucken. Mit erhobenem Schwanz, ausgebreiteten Flügeln und gesenktem Haupt präsentieren sie sich einem Weibchen. Zum Werbeverhalten gehört auch ein mehrstrophiger Gesang, der unentwegt wiederholt wird. Auch Nahrung wird einer potentiellen Partnerin dargereicht.

Nistplatz und Nest

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Das Nest entsteht in alten, zum Teil schon morschen Bäumen. Kleiber sind Höhlenbrüter, die ihre Nester in Baumhöhlen anlegen. Es werden jedoch keine eigenen Höhlen gegraben, die Nisthöhlen werden ausschließlich von anderen Vögeln übernommen. Am Nestbau und -ausbau sind beide Geschlechter gleichermaßen beteiligt. Ist der Eingang zu einer Nisthöhle zu groß, so wird er mit Schlamm und ähnlichen Baumaterialien entsprechend verkleinert. Das Innere des Nestes wird mit weichem Harz ausgekleidet, dass eine hohe Isolierfähigkeit aufweist. Zudem dient das Harz als Schutz vor Eindringlingen und Parasiten. Die Nistmulde wird mit weichen Materialien ausgepolstert. Dazu verwenden Kleiber meist Moose, Flechten und weiche Pflanzenteile.

Gelege und Aufzucht

Ist der Bau bezugsfertig, so beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Sie legt in der Regel sechs bis acht weißliche Eier, die eine leicht bräunliche Sprenkelung aufweisen. Ausschließlich das Weibchen brütet. Die Brutzeit erstreckt sich über einen Zeitraum von gut 14 bis 16, in nördlichen Regionen auch bis 18 Tagen. Das Männchen versorgt sein Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung und schützt das Gelege. Die geschlüpften Jungvögel sind bei der Geburt noch blind, sind jedoch kurz nach dem Schlupf mit einem gräulichen Dunengefieder bedeckt. Sie werden in der ersten Lebenswoche vom Weibchen gehudert. Jedoch wachsen die Küken aufgrund der proteinhaltigen Nahrung sehr schnell heran. Sie werden von beiden Elternteilen mit Insekten und deren Larven sowie Spinnentieren versorgt. Bereits mit 24 bis 26 Tagen sind die Jungvögel voll befiedert und flugfähig. Sie bleiben allerdings noch zwei weitere Wochen bei den Eltern ehe sie ausfliegen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt unter günstigen Umständen bei fünf bis sieben Jahren, die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt jedoch kaum drei Jahre.

Gefährdung und Schutz

Kleiber gehören noch nicht zu den bedrohten Arten. Jedoch gehen die Bestände seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Schuld daran ist mit Sicherheit die Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie die allgemeine Umweltverschmutzung. Selbst in den unzugänglichen Lebensräumen schreitet die Urbanisierung und die Abholzung der Wälder immer weiter voran. Vor allem der "saubere" Wald nützt den Kleibern nur wenig, da sie hier kaum noch Nahrung finden. Sie sind auf altem Baumbestand und Totholz angewiesen. In der Roten Liste der IUCN wird der Kleiber als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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