Kleideraffen

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Kleideraffe
Rotschenkel-Kleideraffe (Pygathrix nemaeus nemaeus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
Unterfamilie: Schlankaffen (Colobinae)
Gattung: Kleideraffen
Wissenschaftlicher Name
Pygathrix
Linnaeus, 1771

Kleideraffen (Pygathrix) gehören innerhalb der Unterfamilie der Schlankaffen (Colobinae) zur Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae). Der Gattung werden nach Grooves 3 Arten zugerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Habitus

Bei den Kleideraffen handelt es sich um recht große Schlankaffen (Colobinae). Sie erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 54,5 cm bis 63,0 cm und ein Gewicht von 8,5 bis 11 kg. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Der Schwanz, der am Ende in einem Haarbüschel endet, erreicht in etwa die Länge des Körpers. Ähnlich verhält es sich mit den Extremitäten, Beine und Arme erreichen etwa die gleiche Länge. Die Augen stehen je nach Art leicht schräg, die Nase ist deutlich abgeflacht. Die 3 Arten lassen sich aufgrund der Fellfärbung leicht voneinander unterscheiden. Im Besonderen unterscheiden sich die Arten in der Färbung ihrer Schenkel. Die Schenkel von Pygathrix nemaeus sind rötlich gefärbt, die von Pygathrix cinereus sind gräulich und die Schenkel von Pygathrix nigripes weisen eine schwärzliche Färbung auf. Das Fell von Pygathrix cinereus ist überwiegend grau gefärbt, wobei der Bereich von Kopf, Nacken und Arme eher dunkelgrau gefärbt sind. Der Bauch ist weißlich, die Hände und Füße weisen eine schwarze Färbung auf. Im Gesichtsfeld ist die Haut leicht gelblichbraun bis leicht orangebraun gefärbt und um das Maul herum zeigt sich ein weißlicher Bart. Pygathrix nemaeus ist ähnlich gefärbt, jedoch ist der Bauch dunkel gefärbt und die Unterarme sind weißlich. Pygathrix nigripes zeichnet sich im Gegensatz zu den beiden anderen Arten durch eine blaugraue Gesichtsfärbung aus. Die Augen sind mit gelblichen Ringen umgeben. Neben den Unterschieden in der Färbung zwischen den Arten treten mitunter auch Unterschiede zwischen einzelnen Populationen einer Art auf. Dies macht eine Unterscheidung der Arten nicht immer leicht. Die Schwänze aller Arten sind weiß gefärbt. Die Quaste ist bei den Arten unterschiedlich ausgeprägt, wobei der Haarbüschel am Schwanzende bei Pygathrix nigripes nur rudimentär vorhanden ist. Hoden und Penis sind nach Nadler et al. (2003) bei Pygathrix nemaeus und Pygathrix cinereus rosa gefärbt. Bei Pygathrix nigripes zeigt sich eine rotblaue Färbung im Bereich von Penis und Scrotum (Hodensack).

Lebensweise

Kleideraffen leben den Großteil ihres Lebens hoch oben in den Bäumen. Im Geäst der Bäume bewegen sie sich Schwinghangelnd (Brachiation), seltener auch auf allen Vieren fort. Nur bei Pygathrix nigripes konnte eine 20%ige terrestrische Lebensweise festgestellt werden (vergl. Hoang et al. 2009). Kleideraffen leben in gemischten Gruppen mit mehreren Männchen und mehreren Weibchen. Für gewöhnlich weist eine Gruppe jedoch mehr Weibchen als Männchen auf. Im Kern besteht eine Gruppe aus miteinander verwandten Weibchen sowie einige Männchen und juvenilen Tieren. Nachgewiesen ist eine maximale Gruppenstärke von rund 50 Tieren. In der Regel besteht eine Gruppe jedoch aus durchschnittlich 20 Individuen. Bei den Kleideraffen ist sowohl Allogrooming als auch Autogrooming (Komfortverhalten) bekannt. Beide Verhaltensweisen sind bei Weibchen stärker ausgeprägt als bei den Männchen. Agonistisches Verhalten tritt selten auf, und wenn, dann ist dieses Konfliktverhalten nur von kurzer Dauer. Zum Konfliktverhalten gehören Knurren, Anstarren, zwitschernde und quietschende Geräusche sowie Schneiden von Grimassen. In der Dominanzhierarchie spielen ausschließlich erwachsene Männchen eine Rolle. Alle anderen Mitglieder einer Gruppe müssen sich unterordnen. Zum Sozialverhalten der Kleideraffen gehört vor allem spielen, dass sowohl von adulten als auch juvenilen Tieren betrieben wird. Eine Gruppe Kleideraffen besiedelt je nach Gruppenstärke ein Revier in einer Größe von 1,5 bis 3,5 km².

Vorkommen und Lebensraum

Verbreitung

Kleideraffen kommen in Südostasien vor. Die 3 Arten verteilen sich über Vietnam, Laos, Kambodscha und über das östliche Indochina. Pygathrix cinerea kommt im zentralen Vietnam in den Provinzen Quang Nam, Quang Ngai, Binh Dinh, Kon Tum und Gia Lai vor. Pygathrix nemaeus ist deutlich weiter verbreitet. Die Art ist im östlichen und zentralen Laos, im nördlichen und zentralen Vietnam und im nördlichen Kambotscha nachgewiesen. Pygathrix nigripes kommt im nordöstlichen Kambotscha und im südlichen Vietnam vor.

Habitat, Lebensraum

Der Wald stellt den primären Lebensraum dar. Die Arten sind sowohl in sekundären Laubwäldern als auch in Bergregenwäldern, tropischen und subtropischen Regenwäldern, Monsunwäldern und in Feucht- und Trockenwäldern anzutreffen. Die Habitate sind auf Meereshöhe und in Höhenlagen bis in Höhen von 1.500 Metern über NN. Je nach Jahreszeit herrschen in den Lebensräumen Temperaturen von 14° bis etwa 38°.

Biozönose

Sympatrie

Im Verbreitungsgebiet der Kleideraffen kommen die 3 Arten sympatrisch mit anderen Primaten (Primates) vor. Hier sind insbesondere Gelbwangen-Schopfgibbons (Nomascus gabriellae), Zwergloris (Nycticebus pygmaeus), Indochinesische Languren (Trachypithecus germaini), Javaneraffen (Macaca fascicularis), Bärenmakaken (Macaca arctoides ) und Rhesusaffen (Macaca mulatta) zu nennen.

Ernährung

Kleideraffen ernähren sich als reine Pflanzenfresser fast ausschließlich von Blättern. Sie ernähren sich demnach folivor. Nach einer neuen Studie von Hoang et al. (2009) konnten rund 152 Futterpflanzen nachgewiesen werden. Gefressen werden vor allem junge Blätter. Zu einem geringeren Teil nehmen Kleideraffen gelegentlich auch Früchte und Blüten zu sich. Die aufgenommene Nahrung variiert dabei je nach Jahreszeit. Etwa ein Drittel der aktiven Zeit verbringen Kleideraffen mit der Nahrungssuche und -aufnahme.

Fortpflanzung

Kleideraffen erreichen die Geschlechtsreife je nach Geschlecht mit 5 bis 8 Jahren. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife meist ein Jahr vor den Männchen. Der weibliche Zyklus erstreckt sich bei den Kleideraffen über durchschnittlich 26,4 Tage, wobei der Östrus 1 bis 3 Tage andauert. Die Paarungszeit erstreckt sich für gewöhnlich über das ganze Jahr, wobei die Spitze der Fortpflanzungszeit offensichtlich von Umweltfaktoren beeinflusst wird. Nach einer Tragezeit von rund 180 bis 200 (210) Tagen bringt ein Weibchen meist ein Jungtier zur Welt. Zwischen 2 Geburten liegen rund 2 Jahre. Bei der Geburt weist der Nachwuchs ein Gewicht von etwa 325 und 460 Gramm auf. Männchen wiegen bei der Geburt weniger als weiblicher Nachwuchs. Die Augen sind bereits geöffnet und die Jungen weisen bei der Geburt eine kastanienbraune Behaarung auf, die Hände und Füße sowie das Gesicht sind schwärzlich gefärbt. Die adulte Färbung stellt sich bei den Jungen im Alter von 8 bis 12 Monaten ein. In den ersten Lebensmonaten wird der Nachwuchs von der Mutter und anderen Mitgliedern der Gruppe ventral am Bauch getragen. Die ersten Kletterübungen beginnen meist ab der zweiten Lebenswoche. Erste Feste Nahrung nehmen die Jungen im Alter von gut 60 Tagen zu sich. Die Entwöhnung von der Muttermilch ist im Alter von 12 bis 15 Monaten abgeschlossen. Kleideraffen erreichen unter günstigen Umständen ein Alter von mehr als 20 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Der Gefährdungsstatus der Arten im Einzelnen:

  • Pygathrix cinerea - CR - Critically Endangered (Stand 2008)
  • Pygathrix nemaeus - EN - Endangered (Stand 2008)
  • Pygathrix nigripes - EN - Endangered (Stand 2008)

Systematik der Kleideraffen

Gattung: Kleideraffen (Pygathrix)

Art: Rotschenkel-Kleideraffe (Pygathrix nemaeus), (Linnaeus, 1771)
Art: Schwarzschenkliger Kleideraffe (Pygathrix nigripes), (Milne-Edwards, 1871)
Art: Grauschenkliger Kleideraffe (Pygathrix cinerea), Nadler, 1997

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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