Kleine Hufeisennase

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Kleine Hufeisennase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Hufeisennasenartige (Rhinolophoidea)
Familie: Hufeisennasen (Rhinolophidae)
Unterfamilie: Rhinolophinae
Gattung: Hufeisennasen (Rhinolophus)
Art: Kleine Hufeisennase
Wissenschaftlicher Name
Rhinolophus hipposideros
Bechstein, 1800

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) zählt innerhalb der Familie der Hufeisennasen (Rhinolophidae) zur Gattung der Hufeisennasen (Rhinolophus). Die englische Bezeichnung der Kleinen Hufeisennase lautet Lesser Horseshoe Bat.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Kleine Hufeisennase gehört zu den kleinsten Fledermaus-Arten Europas. Sie erreicht nur eine Daumenlänge wie der Daumen eines Mannes und ist nur wenig größer als die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipstrellus). Die Kleine Hufeisennase weist eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa vier bis sechs Zentimeter, ein Gewicht von vier bis zehn Gramm, eine Flügelspannweite von etwa neunzehn bis dreiundzwanzig Zentimeter auf, wobei die Unterarmlänge zwischen 34 und 45 Millimeter liegt. Die Schwanzlänge beträgt etwa zwei bis drei Zentimeter. Markantes Merkmal der Kleinen Hufeisennase ist das hufeisenförmige häutige Nasenblatt, das einen keilförmigen Sattel aufweist. Dies war für diese Art namensgebend. Der obere Teil der Crista des Nasenaufsatzes ist dabei in der Seitenansicht abgerundet. Ein weiteres typisches Merkmal sind die spitzen Ohren ohne einen Tragus (Knorpelmasse an der Ohrmuschel), die für diese Familie auch charakteristisch sind. Der Ohrrand ist eingebuchtet und die Spitzen sind auswärts gerichtet.

Das weiche flaumige Fell ist auf dem Rücken braun, während die Unterpartien eine gräulich-weiße Färbung aufweisen. Die Extremitäten sind lang und schlank. Die ausgedehnten Flügelhäute weisen eine rundliche Form auf, die der Kleinen Hufeisennase einen langsamen manövrierfähigen Flug erlauben, obgleich sie einen schnelleren Flügelschlag als die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) hat. Der Calcar, ein dünner biegsamer Knochen, der bei Fledermäusen zum Spannen der Flughäute dient, reicht bis über das äußere Drittel der Schwanzflughaut. Die juvenilen Kleinen Hufeisennasen unterscheiden sich farblich von der adulten Kleinen Hufeisennase, indem ihr Fell von gräulicher Färbung ist.

Lebensweise

Die Weibchen und deren Nachwuchs leben in zum Teil großen Kolonien. Eine Kolonie kann dabei durchaus einige Hundert Individuen umfassen. Die Männchen leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Nur im Spätsommer und im Herbst treffen die Geschlechter zur Paarungszeit aufeinander. Die Jungtiere, die noch nicht fliegen können verbleiben bis zu ihrer Flugfähigkeit an einem geschützten Platz. Die Mütter lassen ihren Nachwuchs dabei während der nächtlichen Beutezüge alleine und kehren erst gegen Morgengrauen zum Säugen zu ihrem Nachwuchs zurück. Die Kleine Hufeisennase ernährt sich überwiegend von kleinen Insekten (Insecta), die sie in der Nacht mit einem hochfrequenten Echo lokalisiert und mit ihrem manövrierfähigen Flug erbeutet. Auch zur Orientierung in der Dunkelheit werden artspezifische Ultraschall-Ortungsrufe gesendet, die sich von den Rufen der anderen einheimischen Arten deutlich unterscheiden. Sie jagt häufig nahe über dem Boden oder über dem Wasser, selten in Höhen, die mehr als sechs Meter betragen. Die Kleine Hufeisennase verbringt mit der Nahrungssuche mehr Zeit als die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) und taucht ungefähr 20 Minuten nach Sonnenuntergang auf. Am Tage ruht sie an sicheren Orten. Für den Winterschlaf sucht sie geschützte Winterquartiere auf wie Bergwerke, Stollen, geheizte Keller in Gebäuden und warme Höhlen. Die Winterquartiere liegen in unmittelbarer Nähe der Sommerquartiere. Während des Winterschlafes hängt die Kleine Hufeisennase eingehüllt in ihren Flügelhäuten frei und einzeln an den Höhlendecken. Die Kleine Hufeisennase hält in den Monaten von Oktober bis Mai einen unterbrochenen Winterschlaf, das heißt, dass der Winterschlaf nicht immer aus einer konstanten Schlafphase besteht, sondern dass die Kleine Hufeisennase zwischendurch immer mal wieder aufwacht.

Verbreitung

Die Kleine Hufeisennase ist im südlichen Teil Europas noch weit verbreitet. Zum Norden hin ist die Verteilung in zunehmendem Maße unterschiedlich, insbesondere werden von ihr wärmere Regionen bevorzugt. Im Norden ist sie in Großbritannien, überwiegend in Westengland, in Wales und in Irland zu finden. Des weiteren hält sich die Kleine Hufeisennase auch vorwiegend im Mittelmeerraum auf. Auch ist sie in einigen Teilen Nordafrikas und Ostafrikas sowie im südlichen Eritrea und im Sudan anzutreffen sowie im Vorderen Orient bis Kaschmir. Teilweise wurde die Kleine Hufeisennase auch in der Ukraine gesichtet. In Deutschland wie Sachsen, Sachsen-Ahalt, Thüringen und Bayern sind noch einige Bestände vorhanden. Die Kleine Hufeisennase lebt vorwiegend in halboffenen Kulturlandschaften wie Parkanlagen, Streuobstwiesen, auf lichten Wiesen und in lichten Waldrändern. Sie kann auch in Höhen von bis zu 2.000 Metern gefunden werden. Der ursprüngliche Lebensraum der Kleinen Hufeisennase sind die Höhlen, aber sie verwendet in zunehmendem Maße eine Vielzahl von synthetischen Strukturen wie Gruben, Tunnels, Keller und auch Dachböden. Die Kleine Hufeisennase sucht sich solche Plätze aus, wo größere Fledermäuse nicht imstande sind die Zugänge der Höhlen zu erreichen.

Ernährung

Die Kleine Hufeisennase ist ein Kurzstreckenzieher und ein nachtaktiver Jäger. Sie jagt vorzugsweise in Laubwäldern mit gut ausgeprägter Strauchschicht und Krautschicht. Hauptsächlich wird die Beute in Bodennähe oder über dem Wasser gejagt. Auf ihrer Speisekarte stehen vor allem langsam fliegende Insekten (Insecta) wie wie zum Beispiel Käfer (Coleoptera), aber es werden auch schnell fliegende Insekten (Insecta) wie Fliegen (Brachycera), Mücken (Nematocera) sowie Schnaken (Tipulidae) erhascht. Auch Spinnentiere (Arachnida) werden von ihr erbeutet. Des weiteren nimmt sie Großschmetterlinge (Macrolepidoptera) wie Nachtfalter zu sich. Bei der Nahrungssuche in der Nacht lokalisiert die Kleine Hufeisennase ihre Beutetiere durch Echoortung. Durch die Echoortung werden nicht nur Beutetiere, sondern beim Fliegen auch Hindernisse erkannt. Sie gibt langanhaltende Salven an hochfrequenten Tönen ab und orientiert sich anhand der Echos. Die akustischen Signale werden im Gehirn in optische Bilder umgesetzt.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit beginnt in den natürlichen Verbreitungsgebieten im Herbst, kurz vor dem Winterschlaf. Die embryonale Entwicklung beginnt aber nicht unmittelbar nach der Befruchtung. Es setzt zunächst eine mehrmonatige Keimruhe ein. Die embryonale Entwicklung beginnt erst im Frühjahr, kurz nach dem Winterschlaf. In den dunklen, warmen und zugluftfreien Wochenstuben, meistens Dachböden oder geheizte Kellerräume in Gebäuden, bringen etwa 10 bis 500 Weibchen im April ihre Jungen zur Welt. Das Gewicht eines einzelnen Junges beträgt etwa 1,8 Gramm. Auch das dichte und weiche Fell fehlt den Jungen noch und ihre Augen sind bei der Geburt noch geschlossen. Jedoch wachsen sie aufgrund der nährstoffreichen Milch sehr schnell heran. Das Junge wird bis Juni oder Juli gesäugt. Etwa in einem Alter von vier Wochen wird das Junge von der Muttermilch abgesetzt und ist ungefähr mit sieben Wochen dann selbständig. Während der Säugezeit frisst ein Weibchen Nacht für Nacht ihr eigenes Körpergewicht an Insekten (Insecta). Dies ist notwendig, um ausreichend Milch zu produzieren. Männchen haben mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Die Kleine Hufeisennase erreicht etwa mit einem Jahr oder mit zwei Jahren die Geschlechtsreife. Das Höchstalter der Kleinen Hufeisennase kann 21 Jahre betragen, durchschnittlich aber drei bis vier Jahre, wobei das Weibchen in der Regel ein wenig älter als das Männchen wird.

Bedrohung und Schutz

Auch wenn die Kleine Hufeisennase in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt wird, so gehört sie doch in einigen Ländern Europas zu den bedrohten Arten, wie zum Beispiel in Österreich. Dort wird sie in der Roten Liste Österreichs unter den Kategorien A.3, A.3.3 und Kategorie 2 aufgelistet. In Österreich war die Kleine Hufeisennase ursprünglich weit verbreitet. Jetzt ist der Bestand stark rückläufig und gebietsweise sogar verschwunden. In Burgenland wird sie unter der Kategorie 3 als gefährdet sowie in Kärnten unter der Kategorie 2 geführt. In der Steiermark ist die Kleine Hufeisennase vom Aussterben stark bedroht und ist deshalb unter der Kategorie A.1.2 zu finden. In der Roten Liste der Schweiz ist die Kleine Hufeisennase vom Aussterben bedroht und wird unter der Kategorie 1 geführt. In einigen Kantonen Graubünden, Bern und Obwalden sind größten Kolonien zu verzeichnen. Ebenso ist sie in Deutschland vom Aussterben bedroht und wird in der Roten Liste auch unter der Kategorie 1 aufgelistet. Man vermutet, dass die Kleine Hufeisennase in den Bundesländern Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg schon ausgestorben bzw. verschollen ist. In Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und in Bayern wurden regelmäßige Vermehrungen nachgewiesen. In all den genannten Ländern und Bundesländern bestehen für die Kleine Hufeisennase strenge Schutzmaßnahmen. Ursachen für den starken Rückgang der Kleinen Hufeisennase, insbesondere in Deutschland, sind die Renovierungen oder Sanierungen alter Gebäude wie Schlösser, Burgen und alte Kirchen, die häufig als Wochenstuben der Kleinen Hufeisennase genutzt werden. Noch bestehende Restpopulationen sind durch Verinselung gefährdet und somit vom Aussterben bedroht. Als weiterer Gefährdungsfaktor ist die verstärkte Nutzung von extensiver Kulturlandschaft. Durch streng geregelte Schutzmaßnahmen wie Erhaltung der Winterquartiere und Sommerquartiere versucht man den unaufhaltsamen Rückgang dieser Art aufzuhalten. Ob es nun die wirklichen Gründe für den europaweiten Bestandsrückgang sind, liegen weitgehend im Dunkeln.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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