Kleine Kanareneidechse

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Kleine Kanareneidechse
Männchen

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Infraordo: Skinkartige (Scincomorpha)
Familie: Echte Eidechsen (Lacertidae)
Gattung: Kanareneidechsen (Gallotia)
Art: Kleine Kanareneidechse
Wissenschaftlicher Name
Gallotia caesaris
Lehrs, 1914

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Kleine Kanareneidechse (Gallotia caesaris), auch unter dem Synonym Lacerta caesaris bekannt, zählt innerhalb der Familie der Echten Eidechsen (Lacertidae) zur Gattung der Kanareneidechsen (Gallotia). Im Englischen wird die Kleine Kanareneidechse Boettger's Lizard genannt.

Die Kanareneidechsen sind eine separate Linie und haben sich auf den Kanarischen Inseln von Spanien völlig isoliert entwickelt. Sie stellen die modernste Lacertidae-Familie auf diese Weise dar.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Kleine Kanareneidechse ist eine kleine Eidechse und erreicht eine Gesamtkörperlänge von etwa 81 Millimeter. Das adulte Männchen weist eine schwarze bis dunkelbraune Färbung auf und besitzt eine schwarze Kehle, die mit einigen kleinen blauen Flecken besetzt ist. Das Weibchen ist bräunlich gefärbt und weist ausgeprägte helle Längsstreifen auf. Diese Längsstreifen beginnen an der Schnauze und verlaufen über die Augen und über den Rücken sowie über die Flanken und setzen sich bis in den Schwanz fort. Die Jungtiere weisen ebenfalls eine bräunliche Färbung mit hellen Längsstreifen auf, die sich bis zum Schwanz hinziehen. Der Oberkopf und die Extremitäten sind bräunlich gefärbt. Die kurzen stämmigen Extremitäten sind langen Zehen und Krallen ausgestattet. Der Kopf ist auf der Oberseite abgeflacht und setzt sich nur wenig vom Körper ab.
Weibchen
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Weibchen
Eine dorsale Kante verläuft vom Kopf bis zum Schwanzende auf jeder Körperseite. Der sehr lange Schwanz weist eine recht dicke Schwanzwurzel auf. Der Schwanz ist zur Spitze hin mehr oder weniger spitz zulaufend. Der Körperbau ist eher plump, aber durchaus kräftig.

Lebensweise

Die Kleine Kanareneidechse ist eine tagaktive Echse, die insbesondere am Vormittag ihre aktivste Phase hat. Sie mag besonders das Sonnenbaden, um ihren Stoffwechsel auf Vordermann zu bringen. Während der kühleren Monate hält die Kleine Kanareneidechse eine Winterruhe. Als Unterschlupf dienen der Kleinen Kanareneidechse meist verlassene und frostfreie Nagerbauten oder Felshöhlen und Felsspalten. Im April lassen sich als erstes die Männchen und die Jungtiere vom Vorjahr blicken, die Weibchen kommen meist wenige Wochen später aus ihren Winterquartieren. Wie bei allen Echten Eidechsen (Lacertidae) halten die Männchen Reviere besetzt, die sie gegen Geschlechts- und Artgenossen heftig verteidigen. Diese ihre Territorialität ist so stark ausgeprägt, dass man nicht mehr als ein erwachsenes Männchen im Terrarium halten kann, will man heftige Beißereien vermeiden. Die Kleine Kanareneidechse kann - ungewöhnlich für Echte Eidechsen (Lacertidae) - quietschende Laute erzeugen, die sie vor allem bei innerartlichen Auseinandersetzungen hören läßt, aber auch dann ausstößt, wenn sie gefangen wird. Die Kleine Kanareneidechse ist sehr furchtsam und bleibt auch im Terrarium lange scheu und ängstlich.

Unterarten

Verbreitung

Die Kleine Kanareneidechse ist mit einer Nominatform und einer Unterart auf den Kanarischen Inseln von Spanien endemisch. Sie lebt auf folgenden Inseln: El Hierro, La Gomera, Roque Grande de Salmor sowie Roquillo (eine kleine Insel nördlich von La Gomera).
Kanarische Insel - El Hierro
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Kanarische Insel - El Hierro
Die Kleine Kanareneidechse wurde auf Los Cristianos im Süden von Teneriffa und auf Madeira, wo sie im Botanischen Garten von Madeira (Portugal) eingeführt. Des weiteren kommt die Kleine Kanareneidechse in Höhen bis zu 1.500 Meter über dem Meeresspiegel vor. Die Kleine Kanareneidechse besiedelt eine Vielzahl von Lebensräumen, einschließlich Freiflächen, Buschwerk sowie Kulturlandschaften und städtische Gebiete. Weniger häufig ist die Kleine Kanareneidechse in Kanaren-Lorbeer (Laurus azorica)-Wäldern und in Kanaren-Kiefer (Pinus canariensis)-Wäldern anzutreffen.

Ernährung

Die besonderen Verhältnisse auf dem Archipel haben es mit sich gebracht, dass die Kleine Kanareneidechse ihren Nahrungsbedarf zu einem erheblichen Teil aus pflanzlichen Stoffen decken muß. Sie konsumiert einen hohen Anteil, etwa 82,13 Prozent, an pflanzlicher Substanz und nicht nur Samen, sondern auch Blätter und von einigen anderen vegetativen Bestandteilen. Ferner ernährt sie sich auch von den Feigenkakteen (Opuntioideae) der Gattung Opuntien (Opuntia), wo sich die Kleine Kanareneidechse gelegentlich im Netz der Opuntienspinne (Cyrtophora citricola) verfängt und somit eine Beute der Spinne wird. Auch werden von der Kleinen Kanareneidechse reife Früchte und selbst Heu nicht verschmäht. Dabei wird die Kleine Kanareneidechse von Würmern parasitiert. Parasitäre Würmer sind typisch für pflanzenfressende Reptilien. Die Helminth Fauna bei der Kleinen Kanareneidechse ändert sich je nach Ernährung saisonbedingt das ganze Jahr über, was darauf schließen lässt, dass eine dynamische Wechselwirkung zwischen Ernährung und Helminth Parasiten besteht.

Funchal - Botanischer Garten Madeira
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Funchal - Botanischer Garten Madeira

Fortpflanzung

Die Kleine Kanareneidechse erreicht die Geschlechtsreife mit knapp zwei Jahren. Die Paarungszeit beginnt nach der Winterruhe, in der Regel ab Ende April. Die Männchen legen während dieser Zeit ein territoriales Verhalten an den Tag. Nicht selten kommt es unter rivalisierenden Männchen zu ritualisierten Kämpfen, den sogenannten Kommentkämpfen. Ist ein Weibchen paarungsbereit, so verbeißt sich das Männchen in die Flanken oder in den Nacken des Weibchens. Dabei dreht das Männchen den Körper des Weibchens leicht auf die Seite und kann den Hemipenis in die Kloake Weibchens einführen. Die Zeit nach einer Paarung verbringt das Weibchen meist beim Sonnenbaden, damit die Eier in ihrem Leib schnell heranreifen können. Kurz vor der Eiablage, meist im zeitigen Juni, gräbt das Weibchen an einer sonnigen Stelle eine kleine Grube in den sandigen Boden und legt darin ihre Eier ab. Meist sind es zwischen ein bis fünf Eier. Dabei kann es bis zu drei Gelege im Jahr kommen. Nach erfolgter Eiablage wird das Gelege mit Sand bedeckt. Die Inkubationszeit ist stark von der Umgebungstemperatur abhängig und kann zwischen 40 und 70 Tagen betragen. Die Jungtiere sind wie das Weibchen bräunlich gefärbt und weisen dieselben hellen Längsstreifen auf, die sich bis zum Schwanz hin fortsetzen.

Gefährdung und Schutz

Die Kleine Kanareneidechse kommt auf den Kanarischen Inseln von Spanien noch häufig vor und wird in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (least concern) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Claus-Peter Hutter: Schützt die Reptilien. Das Standardwerk zum Schutz der Schlangen, Eidechsen und anderer Reptilien. Weitbrecht-Verlag in K. Thienemanns Verlag, Stuttgart und Wien, 1994 ISBN 3522304608
  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther, Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas (Beobachten und Bestimmen). Neumann Verlag GmbH, Radebeul, 1993 ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab, Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten. Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München Wien Zürich, 1996 ISBN 3-405-14936-3
  • Ralf Blauscheck: Amphibien und Reptilien Deutschlands. Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1985 ISBN 3784203175
  • Das Tierreich nach Brehm. Buch und Bildverlag

Links

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