Kleine Rohrratte

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Kleine Rohrratte
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Familie: Rohrratten (Thryonomyidae)
Gattung: Thryonomys
Art: Kleine Rohrratte
Wissenschaftlicher Name
Thryonomys gregorianus
(Thomas, 1894)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Kleine Rohrratte (Thryonomys gregorianus) zählt innerhalb der Familie der Rohrratten (Thryonomyidae) zur Gattung Thryonomys. Im Englischen wird die Kleine Rohrratte Lesser Cane Rat genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Kleine Rohrratte ist von den beiden rezenten Arten der Gattung die kleinere Art. Sie erreicht eine Gesamtlänge von 380 mm, eine Schwanzlänge von 90 mm, eine Hinterfußlänge von 59 mm, eine Schädellänge von 69,7 bis 86,7 (78,2) mm sowie ein Gewicht von bis zu 2,4 kg. Männchen erreichen dabei ein Gewicht von 1,4 bis 2,4 kg, Weibchen lediglich 1,8 bis 1,9 kg. Das Fell ist grob und weist abgeflachte Borsten auf. Der Rücken ist graubraun bis gelblichbraun gefärbt und die Bauchseite weist eine etwas hellere Färbung auf. Der kurze Schwanz, der ebenfalls mit borstigen Haaren bedeckt ist, weist dorsal eine bräunliche und ventral eine weißliche Färbung auf. Die Ohren sind kurz, gerundet und ragen kaum aus dem Fell heraus. Die Vorderfüße verfügen über 5 Zehen, wovon die 3 mittleren gut entwickelt sind, die äußeren 2 Zehen sind nur rudimentär angelegt und ohne Funktion. Die Hinterfüße weisen 4 gut entwickelte Zehen auf. Die Zehen sind mit nackten Fußsohlen und kräftigen Klauen versehen. Weibchen verfügen über 2 Paare Milchdrüsen. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3 (Novak, 1999; Merwe, 2007).

Lebensweise

Kleine Rohrratten leben einzelgängerisch oder in kleinen, geselligen Familiengruppen. Ein Revier weist je nach Gruppengröße und Lebensraumqualität eine Größe von bis zu 4.000 m² auf. Die Art ist überwiegend in der Nacht aktiv, am Tage kommen die Tiere eher selten aus ihren Bauten. Die Sinne sind unterschiedlich entwickelt. Der Geruchssinn und das Gehör sind gut entwickelt, der Sehsinn hingegen nur mäßig (Novak, 1999; Merwe, 2007).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist in Zentral- und Ostafrika verbreitet. Die Vorkommen erstrecken sich im Einzelnen über den Kamerun, Tschad, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Kenia, Malawi, Sudan, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe. Die Kleine Rohrratte lebt auf Seehöhe und ist lokal bis in Höhen von gut 2.600 m über NN anzutreffen. Besiedelt werden feuchte Regenwälder, Grünland und andere Feuchtgebiete. Zu den typischen Gewächsen in diesen Feuchträumen gehört beispielsweise Napiergras (Pennisetum purpureum), das auch Elefantengras genannt wird. Hohes Gras, flache Erdhöhlen oder Felsspalten bieten den Tieren Schutz während der Ruhephasen. Bauten werden entweder selbst gegraben oder von anderen Tieren übernommen (Novak, 1999; IUCN, 2014).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere der Serval (Leptailurus serval), der Leopard (Panthera pardus), verschiedene Schleichkatzen (Viverridae), Greifvögel (Falconiformes) und größere Pythons (Pythonidae). Die einheimische Bevölkerung stellt den Tieren wegen des Fleisches nach. Die kryptische Fellfärbung und die heimliche Lebensweise in Verbindung mit der Nachtaktivität schützen die Tiere vor dem meisten Feinden (Novak, 1999).

Ernährung

Kleine Rohrratten ernähren sich als reine Pflanzenfresser von verschiedenen Gräsern wie zum Beispiel Napiergras (Pennisetum purpureum) oder Zuckerrohr (Saccharum officinarum), sowie von Früchten und zum Leidwesen der einheimischen Bevölkerung auch von Kulturpflanzen wie Mais, Hirse, Maniok, Süßkartoffeln und Kürbisse. In kleinen Mengen wird auch der eigene Kot (Fäzes) oder der von Artgenossen verzehrt (Koprophagie) (Novak, 1999).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Kleine Rohrratte in einem Alter von 1 Jahr. Kleine Rohrratten leben in kleinen Gruppen, die jeweils aus einem Männchen und mehreren Weibchen bestehen. Dies ist insbesondere während der Paarungszeit der Fall. In der Trockenperiode leben Männchen einzelgängerisch. Die Weibchen leben weiterhin zusammen in der Gruppe. Die Paarungszeit ist abhängig von der Witterung und dem Verbreitungsgebiet. In der Regel erfolgt die Paarung in der Regenzeit. Das Weibchen bringt pro Saison 2 Würfe mit meist 2 bis 3 Jungtieren zur Welt, die Tragzeit beträgt etwa 90 Tage. Die Jungen gelten als Nestflüchter und öffnen ihre Augen kurz nach der Geburt. Auch ein dichtes Fell ist bei der Geburt bereits vorhanden (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Kleine Rohrratte heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Kleine Rohrratte als LC, Least Concern (nicht gefährdet) geführt. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes stellt der Mensch den Tieren wegen des Fleisches nach. Auf landwirtschaftlichen Flächen gilt die Art als Ernteschädling (IUCN, 2014).

Synonyme

Die Art ist unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind camerunensis Monard, 1949, congicus Thomas, 1922, harrisoni Thomas & Wroughton, 1907, logonensis Jeannin, 1936, pusillus Heller, 1912 und rutshuricus Lönnberg, 1917 (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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