Kleines Borstengürteltier

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Kleines Borstengürteltier

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Gürteltiere (Cingulata)
Familie: Gürteltiere (Dasypodidae)
Gattung: Borstengürteltiere (Chaetophractus)
Art: Kleines Borstengürteltier
Wissenschaftlicher Name
Chaetophractus vellerosus
Gray, 1865

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Kleine Borstengürteltier (Chaetophractus vellerosus) gehört innerhalb der Familie der Gürteltiere (Cingulata) zur Gattung der Borstengürteltiere (Chaetophractus). Im Englischen wird die Art Screaming Hairy Armadillo genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde dieser Art wurden in Punta Hermengo, Provinz Buenos Aires/Argentinien gefunden. Die Funde stammen aus dem frühen bis mittleren Pleistozän und weisen demnach ein Alter von 780.000 bis 900.000 Jahre auf (Smith, 2008).

Erkennung und Unterschiede

Innerhalb der Borstengürteltiere (Chaetophractus) ist das Kleine Borstengürteltier die kleinste Art. Neben der Größe sind ein weiteres Unterscheidungsmerkmal die proportional größeren Ohren. Zudem sind die Kopfschilde glatt und das Bauchfell ist sehr blass gefärbt (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Kleine Borstengürteltier erreicht je nach Geschlecht unterschiedliche Maße. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 32,8 bis 40,0 (37,6) cm, eine Körperlänge von 21,0 bis 25,3 cm, eine Schwanzlänge von 8,4 bis 13,1 (11,4) cm, eine Hinterfußlänge von 4,0 bis 5,3 (4,9) cm, eine Ohrlänge von 2,2 bis 3,1 (2,8) cm sowie ein Gewicht von 543 bis 1.329 (860) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 26,5 bis 41,9 (36,8) cm, eine Körperlänge von 21,0 bis 25,3 cm, eine Schwanzlänge von 7,7 bis 13,8 (11,2) cm, eine Hinterfußlänge von 3,1 bis 5,6 (4,8) cm, eine Ohrlänge von 2,2 bis 3,1 (2,7) cm sowie ein Gewicht von 257 bis 1.126 (814) g. Der Rückenpanzer ist deutlich abgerundet. Im Winter sind die Tiere aufgrund einer Schicht subkutanen Fettgewebes unter dem Panzer rund 10% schwerer. Die Fettschicht weist eine Dicke von 1 bis 2 cm auf. Die Behaarung ist auffallend lang und hell gefärbt. Der gräulich bis gelblichgraue Rückenpanzer besteht zwischen Schulter und Becken aus 7 bis 8 beweglichen Bändern. Hinzukommen 2 Bänder im Bereich des Halses. Der Kopfschild ist groß und reicht fast bis zur Spitze der Schnauze. Die Beine sind kurz und robust gebaut. Jede Zehe endet mit einer kräftigen Kralle (Novak, 1999; Smith, 2008).

Lebensweise

Kleine Borstengürteltiere sind meist nacht- oder dämmerungsaktiv. Saisonale Muster sind in der Aktivität nicht zu erkennen. Die Reviere eines Individuums liegen bei etwa 3,4 bis 4,0 ha. Die Reviergröße steht in Korrelation zur Verfügbarkeit an Nahrungsressourcen im Lebensraum. Beobachtungen zufolge bewegen sich die Tiere trotz ihrer geringen Größe über mehrere Hundert Meter durch ihr Revier. In Argentinien wurde festgestellt, dass sich Kleine Borstengürteltiere in einer Nacht zwischen 650 und 1400 Meter während der Nahrungssuche bewegen. Die Bauten der Kleinen Borstengürteltiere verfügen typischerweise über mehrere Ein- und Ausgänge. Diese liegen meist an geschützten Stellen wie an der Basis von Sträuchern oder in dichter Bodenvegetation. Eingänge haben einen Durchmesser von 80 bis 150 mm. Kleine Borstengürteltiere betreiben in ihrem Revier nicht selten mehrere Bauten. Bei Gefahr können Kleine Borstengürteltiere trotz ihrer kurzen Beine mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit flüchten. Ähnlich Hasen schlagen die Tiere auf der Flucht zahlreiche Haken, um einen Angreifer zu verwirren (Smith, 2008).

Über das Fortpflanzungsverhalten ist so gut wie nichts bekannt. Die meisten Geburten sind im Sommer zwischen November bis Januar zu verzeichnen (Smith, 2008).

Unterarten

  • Chaetophractus vellerosus vellerosus - (Gray, 1865)
  • Chaetophractus vellerosus pannosus - Thomas, 1902

Verbreitung und Lebensraum

Das Kleine Borstengürteltier ist in Südameika vom zentralen und nördlichen Paraguay, über das südöstlichen Bolivien bis in die zentralen Regionen von Argentinien endemisch. Die Vorkommen erstrecken sich im Wesentlichen über die ariden Regionen des Gran Chaco, das durch vereinzelte Bäume und Sträucher gekennzeichnet ist. Eine kleine Population ist in der Provinz Buenos Aires entlang der Küste anzutreffen. In den ariden Lebensräumen fallen zwischen 200 und 600 mm Niederschlag im Jahr. In Buenos Aires fallen bis zu 1.000 mm Niederschlag. Der Boden ist meist locker und sandig (Smith, 2008; IUCN, 2014).

Biozönose

Kleine Borstengürteltier werden in den urbanen Regionen häufig von verwilderten Haushunden getötet. Zu den nachgewiesenen Parasiten zählen vor allem Flöhe (Siphonaptera) wie Polygenis platensis. Dies ist erstaunlich, da dieser Floh in der Regel nur mit Ctenomys talarum aus der Gattung der Tukotukos (Ctenomys) in Verbindung gebracht wird. Dies legt die Vermutung nahe, dass es zwischen beiden Arten zu häufigen Interaktionen kommt. Weitere Parasiten werden den Schildzecken (Ixodidae) zugeordnet. Hier sind Amblyomma auricularium, pseudoconcolor, pseudoparvum sowie tigrinum zu nennen. An Endoparasiten sind Fadenwürmer (Nematoda) wie Aspidodera fasciata und Bandwürmer (Cestoda) wie Mathevotaenia diminuta nachgewiesen (Smith, 2008).

Ernährung

Kleine Borstengürteltiere ernähren sich als Allesfresser, wobei die Art der Nahrung saisonalen Schwankungen unterliegt. In den Sommermonaten, also von November bis in den Januar hinein, stehen Insekten (Insecta), vor allem Käfer (Coleoptera), Schaben (Blattodea), Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera), hoch im Kurs. Auf pflanzliche Kost wird hingegen im Winter verstärkt zurückgegriffen. In beiden Jahreszeiten gleichermaßen werden Skorpione (Scorpiones) und Spinnentiere (Arachnida) gefressen. In kleinen Mengen stehen auch Eidechsen (Lacertidae), Vögel (Aves), Froschlurche (Anura) sowie Mäuse (Muridae) auf der Speisekarte. Man geht davon aus, dass Kleine Borstengürteltiere Beute wie Wirbeltiere meist in Form von Aas zu sich nehmen. Die Nahrungssuche erfolgt meist in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Zur pflanzlichen Nahrung (Blätter und Früchte) gehören Hülsenfrüchtler (Fabaceae) wie Prosopis chilensis, Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) wie Ziziphus sp und Sapotengewächse (Sapotaceae) wie Sideroxylon obtusifolium. Trinkwasser decken die Tiere überwiegend über die Nahrung (Smith, 2008) ab.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Kleine Borstengürteltier zählt heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet die Art nicht. In landwirtschaftlichen Regionen wird die Art als Ernteschädling angesehen und vom Menschen verfolgt. Auf der anderen Seite profitieren die Farmer von den Tieren, da diese eine nicht unerhebliche Anzahl von Käfern und Larven von Eulenfaltern (Noctuidae), Blatthornkäfern (Scarabaeidae) und Rüsselkäfern (Curculionidae) vertilgen, die die Ernte schädigen können. Zudem kommen im Straßenverkehr zahlreiche Tiere ums Leben. Aufgrund der geringen Größe wird die Art von Sportschützen und Jägern nicht gejagt. Die Rückenpanzer der Tiere werden häufig für kleine Zupfinstrumente wie den Charangos oder in Trommeln verarbeitet. Andere Körperteile werden als Amulette und andere Glücksbringer verarbeitet (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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