Kleines Granatauge

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Kleines Granatauge
Weibchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie: Schlanklibellen (Coenagrionidae)
Gattung: Erythromma
Art: Kleines Granatauge
Wissenschaftlicher Name
Erythromma viridulum
(Charpentier, 1840)

Das Kleine Granatauge (Erythromma viridulum), auch unter den Synonymen Agrion bremii, Agrion viridulum, Erythromma viridulum orientale und Pseuderythromma viridulum bekannt, zählt innerhalb der Familie der Schlanklibellen (Coenagrionidae) zur Gattung Erythromma. Im Englischen wird das Kleine Granatauge small red-eyed damselfly genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Kleine Granatauge erreicht eine Körperlänge von etwa 22,0 bis 25,0 Millimeter und eine Spannweite von etwa 44,0 bis 48,0 Millimeter. Überwiegend zeigt sich eine schwarze Färbung mit irisierenden blauen Markierungen. Seine großen, auseinanderliegenden Augen weisen eine tiefrote Tönung auf. Bei beiden Geschlechtern zeigen sich einige helle Flecken hinter den Augen sowie ein hellbraunes Pterostigma. Die Oberseite des Männchens weist eine bronze-schwarze Färbung auf, während die Seiten blau getönt sind. Beim Weibchen sind die Seiten der Brust von einer gelben, grünen oder blauen Färbung. Die hintere Kante des Halsschildes ist abgerundet. Wie bei allen Insekten (Insecta), so gliedert auch sich der Körperbau der Libellen in die Abschnitte Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Im Kopfbereich sitzen neben den Fresswerkzeugen vor allem die Sinnesorgane. Die Extremitäten sind im Bereich des Thorax angesiedelt. Gleiches gilt für die beiden Flügelpaare. Im Bereich des Abdomens sind insbesondere die Fortpflanzungsorgane und das Verdauungssystem zu finden. Am Ende des Abdomen befinden sich die Hinterleibszangen, die sogenannten Appendices. Neben der Dreiteilung des Körpers fällt auch die Segmentierung der einzelnen Körperabschnitte auf. Jeder Körperabschnitt ist in Segmente unterteilt. Die einzelnen Segmente weisen untereinander eine Verbindung auf.
Großes Granatauge - Männchen
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Großes Granatauge - Männchen
Jedes der Segmente besteht zum einen aus einer Brustspange (Sternit) und zum anderen aus einer Rückenplatte, die auch als Tergit bezeichnet wird. Die einzelnen Platten sind durch eine beweglich gelagerte Membran miteinander verbunden. Die Panzerung wird auch als Außenskelett bezeichnet, da Insekten über kein Innenskelett verfügen. Dieses Außenskelett besteht aus Chitin. Es besteht als Polysaccharid überwiegend aus Glucosamin, das auch als 2-Amino-2-desoxy-α/β-D-glucopyranose bekannt ist.

Lebensweise

Das Kleine Granatauge legt ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Dies trifft insbesondere auf die Männchen zu, die ihr Revier vor Rivalen vehement verteidigen. Die Reviermarkierung erfolgt durch das Abfliegen der Reviergrenzen. Eine anderweitige Markierung des Reviers erfolgt nicht. Unmittelbar nach der Reifehäutung und der damit einhergehenden Flugfähigkeit besetzt eine Libelle ein Revier. Hier erfolgt auch die Nahrungssuche, später auch die Paarung. Weibchen sind deutlich weniger territorial und wandern eher umher als das sie standorttreu sind.

Verbreitung

Beim Kleinen Granatauge handelt es sich um eine wärmeliebende, mediterran verbreitete Art. Das Kleine Granatauge ist in Marokko, Ägypten, Anatolien, Turkestan, Armenien und in den nordwestlichen Gebieten Europas verbreitet und besiedelt vor allem kleine Seen mit Schwimmblattbereichen oder Algenwatten. In Europa wird das Kleine Granatauge aus klimatischen Gründen nordwärts zunehmend seltener, ist jedoch seit einigen Jahren in Ausbreitung begriffen. Im Rheinland ist das Kleine Granatauge vom Aussterben bedroht.

Ernährung

Kleines Granatauge - Männchen
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Kleines Granatauge - Männchen

Sowohl die Imagines als auch die Larven leben ausgesprochen räuberisch. Imagines erbeuten ihre Beute ausschließlich im Flug, die Larven im Wasser. Die Larven verfügen im Kopfbereich über eine Fangmaske, die nach vorne ausfahrbar ist und so ein Beutetier leicht fangen und festhalten kann. Mit den kräftigen Mundwerkzeugen werden diese Beutetiere dann in mundgerechte Stücke zerteilt. Junglarven fressen überwiegend Plankton. Die Nahrung wird zumeist im Schlamm gesucht. Die Imagines gelten als schnelle und gewandte Flieger. Mit diesen Fähigkeiten sind sie optimal an den Prozess der Jagd angepasst. Mit ihren Beinen halten sie ein Beutetier fest und führen es zu den Mundwerkzeugen. Die Orientierung erfolgt bei der Jagd über den Sehsinn. Der Sehsinn ist hoch entwickelt. Auf ihrer Speisekarte stehen vor allem allerlei Geflügelte Insekten (Pterygota).

Fortpflanzung

Während der Paarungszeit bilden die Männchen Reviere. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, so fliegt er dieses an. Mit den Hinterleibsanhängen umklammert er den Voderkörper des Weibchens. Es entsteht nun das für Libellen charakteristische Paarungsrad. Mit ihrem Hinterleib nimmt das Weibchen nun den Samen aus der Samentasche des Männchens auf. Das Weibchen legt ihre rund 150 bis 220 Eier an Wasserpflanzenstängeln ab, dabei wird das Weibchen vom Männchen beschützt. Aufgrund der späten Eiablage überwintern die Eier. Die Larven schlüpfen im Frühjahr, meist im April, und durchlaufen bis zum Schlupf etwa zehn Entwicklungsstadien. Anhänge am Hinterleib nutzen die Larven zum einen als Ruderorgan bei der Fortbewegung unter Wasser und zur Atmung. Nach einer Entwicklungszeit von rund 90 Tagen schlüpfen dann die fertigen Libellen. Dies ist meist Ende Juli oder im August der Fall. Zwei Wochen nach dem Schlupf ist das Große Granatauge geschlechtsreif.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
  • Michael Chinery: Pareys Buch der Insekten: Ein Feldführer der europäischen Insekten. Übersetzt und bearbeitet von Dr. Irmgard Jung und Dieter Jung. Verlag Paul Parey 1987. Hamburg und Berlin. ISBN 3-490-14118-0
  • Dr. Helgard Reichholf-Riem: Steinbachs Naturführer. Insekten. Mit Anhang Spinnentiere. München: Mosaik Verlag GmbH, München 1984. ISBN 3-570-01187-9
  • Dreyer & Gerstenberg, Die Libellen, Gerstenberg Gebrueder Verlag, 1986 ISBN 3806720223
  • Heiko Bellmann, Libellen beobachten, bestimmen, Naturbuch Verlag, Augsburg, 1986 ISBN 3894401079
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